Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 65 (1924)
- Issue
- Heft 51 (18.12.1924)
- Date
- 1924-12-18
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 51 Seite 7 * 18. Dezember 1924__ Krieges galt.seine Fürsorge den der Heimat zuströmenden Kriegsgefangenen, von denen er Tausende in Mannheim an der Rheinbrücke empfangen, verpflegt und weitergeleitet hat. Im Februar 1923 kam auf sein Wirken hin der letzte Kriegsgefangene aus Frankreich, so schreibt ein begeisterter Verehrer in der „Neuen Badischen Landeszeitung". — Die Staatsanwaltschaft Cassel erklärt gegenüber den Mitteilungen, dah die Schänder der Synagoge zu Hersfeld nur wegen Unfugs und Sachbeschädigung angeklagt sind, daß die Beteiligten sich auch wegen Vergehens gegen 8 166 StrGB. zu verantworten haben. Nach dieser Gesetzesbestimmung wird mit Gesägnnis bis zu drei Jahren bestraft, wer in einem zu. religiösen Versammlungen bestimmten Orte beschimpfenden Unfug verübt. — In Köln gaben die Brüder N. Fleischmann -Naumow und Hermann Fleischmann ein Wohltätigkeitskonzert, wobei sie hebräische und deutsche Gesänge vortrugen. Die lokale Presse ist voll des Lobes über die Wärme und Innigkeit der hebräischen Gebetoorträge. — In Augsburg hat ein Bauernknecht namens Süßbauer auf dem Sterbebette bekannt, daß er vor elf Jahren den Viehhändler Karuch Preßburger getötet hätte. Der Mord blieb damals trotz aller Bemühungen der Behörden unaufgeklärt. — Die Liste der Liberalen Vereinigung für die Wahlen in hie Preußische Landesversammlung trägt als erste drei Namen die von Rabbiner Dr. Seligmann Frankfurt a. M., Justizrat Breslauer Berlin und Rabbiner. .Dr. Vogelstein Breslau. Polen. In Neu-Schwen.cian bei Wilna wurde der 90 jährige Schlächtermeister Leib Türk durch einen.Soldaten in seiner Wohnung ermordet. Der Mörder vermutete bei seinem Opfer eine größere Summe Dollarshoch fand er nicht mehr als 65 Zloty. Der Mörder, wurde verhaftet. — Der jüdische Gutsbesitzer , 2tnf er in Linkowe, Kreis Pietrikow, wurde durch Panditen ermordet. Dieser Vorfall hat große Teilnahme hervorgerufen. Anker war im sozialen Dienste tätig. Erst vor kurzem hat er einen Teil seines Gutes für eine Chaluz-Farm reserviert. Danzig. Demnächst wird in Danzig eine jüdische Volks Universität eröffnet werden, um deren Gründung eine Gruppe jüdischer Intellektueller sich bemüht. Sie will die wachsende jüdische Gemeinschaft in Danzig mit den sozialen und kulturellen Problemen des Judentums vertraut machen. , . Arankeich. Entgegen anderen Nachrichtenwird offiziell erklärt, daß das Jeaamt in Konstantinopel nicht geschlossen wurde. . . Litauen. In dem Städtchen Ran owe in der Nähe von Wilkomir haben litauische Hooligans den jüdischen Friedhof geschändet. Sie zerstörten die Grabdenkmäler, durcywühlten und verunreinigten die Gräber. Die jüdische Sejmfraktion hat beschlossen, im Sejm darüber zu interpellieren. Rußland. Nach den letzten Statistiken leben gegenwärtig in Weißrußland 371808 Juden. 189540 sind Stadtbewohner, 20 000 leben als Bauern auf dem Lande . Der Rest knittert sich aus Bewohnern in kleinen Städten und Dörfern. Die Jca bewilligte ein Jahresbudget von 5000 Goldrubel für jüdische Kolonisation in Rußland. — In Minsk fand die erste jüdische Vauernkonferenz statt, an der 150 Dele- -gierte beteiligt waren, die eine jüdische Bauernbevölkerung von 20 000 Seelen vertraten. Hauptgegenstand der Lehandglung war die Unterbringung weiterer jüdischer Landwirte. Amerika. Der bekannte Chicagoer jüdische Bankier M. I. Grünbaum wurde von mehreren maßgebenden Kongreßmitgliedern und Finanzmännern als Mitglied des jetzt von Präsident Coolidge neu zu bildenden Kabinetts vorgeschlagen. — Die Kinder von Jakob H. Schiff, an ihrer Spitze die Tochter des Philanthropen, Frau Felix M. Marburg, haben zugunsten der Krankenpflege inNewyorkeine halbe Million Dollar gestiftet, und zwar aus Anlaß des 70. Geburtstages der Mutter, der Witwe Jakob H. Schiffs. — In Newyork starb Rabbi Jsak Friedmann aus Sadaaora, der „Sadagoraer Rebbe", der erst vor kurzem nach Amerika gekommen ist. Er haate ein Atter von nur 39 Jahren erreicht. Nachdem sein Besitztum in Sadagora dur chden Krieg vollkommen zerstört worden war, suchte er sich n Amerika ein neues Heim zu gründen und fand dort seine, letzte Ruhe. An der Bestattung nahmen Zehntausende teil. Personalien. Rabbi Samuel Awigdor Feiwelsohn V'st» Berlin, 19. Kislew. Einer der Größten unter den rabbinischen Größen Litauens wurde hier gestern zu Grabe getragen. All unser Flehen um seine Heilung, das wir inbrünstig eine Reihe von Tagen zum Himmel gesandt, blieb unerhört. Der Plungianer Raw hauchte am» •'asm im 61. Jahre seines Lebens seine reine Seele aus. In seiner Heimat würden Zehntausende seiner Bahre gefolgt sein. Immerhin hatte sich, auch auf dem Friedhof der Adaß Jisroel alles, was nur irgendwie Anspruch machen kann Xur „lomidischen Welt" zu gehören, zusammengefunden. Aus Hamburg und Leipzig waren litauische Rabbonim herbtzigeeilt.Aus Litauen trafen Telegramme ein. Abgesandte konnten bei der Kürze der Zeit nicht mehr erscheinen. Trotz der bitterlichen Kälte hielt die Traueroersammlung von 3—6$£ Uhr abends bei den Hespedim Der Israelit aus. Herr Rabbiner Dr. Munk sprach für die Gemeinde Adaß Jisroel, Herr Dr. I. W o h l g e m u t h für das Rabbinerseminar, Herr Rabbiner Dr. Weinberg als langjähriger Freund, R. Elje Lapian aus Kelm für die Jeschiwoth, ein Vertreter der talmudischen Hochschule von Dr. Ch. Heller und Herr Sachs für Leipzig. Aus allen Reden klang der menschliche Schmerz, dah ein solcher Gaon und ein solcher min Va dem Va verloren gegangen ist, den R. Meier Dwinsk VnanV einen von den ganz Großen genannt, dem R. Jizschok Elchonon Vst, schon als er 21 Jahre alt war, mit der größten Achtung begegnet, vor dem Prof. Hoffmann Vst sich in staunender Bewunderung gebeugt. Von allen wurde hervorgehoben, daß es nur seine unendliche Bescheidenheit gewesen, die es verhindert, daß die Welt von seinem Ruhme klang, daß die Fülle seines Wissens ans märchenhafte grenzte, die Klarheit seines Denkens und die Tiefe der religiösen Erfassung des Judentums »***"»»• «rm neuem in Eestaunen setzte. Wahrhaft rührend waren die kleinen Züge, die aus feinem Leben und aus den letzten Wochen seines schmerzerfüllten Daseins mitgetellt wurden und uns eine Persönlichkeit zeigten, wie sie in dieser Vollendung nur jenes Zentrum von ns-n min' das wir in Litauen besitzen, hervorbringen kann. Und laut erhob sich die Klage über die große Tragödie, die das Judentum in den letztem Jahrzehnt erlebt hat, daß Schlag auf Schlag seine Größten hinweggerafft werden. Möge das ivdt dieses Gaon Vp-m uns beistehen, -h. Die Trauerbotschaft langte zu spät in Frankfurt an, als daß eine Beteiligung an der Bestattung von hier aus noch möglich gewesen wäre. Sonst hätten es sich auch die zahlreichen hiesigen Verehrer des Heimgegangenen Großen Vst, der lange Monate seines letzten Leidensjahres in Frankfurt verbrachte, gewiß nicht nehmen lassen, ihm die letzte Ehre zu erweisen. Wer das Glück hatte, Stunden der Zwiesprache mit dem geistesklaren, tiefe Demut mit überlegenem Erkennen, die Sorgenschwere des Golusjuden mit einem sonnigen, von pnoa geweckten Humor einenden Manne zuzubringen, wird den Eindruck seiner großen Persönlichkeit nimmermehr vergessen. rrasiiv Lübeck, 7. Dez. Ein seltener Mensch und Jehudi war Lehrer B. Golbschmidt, der von uns gegangen ist, nachdem er 38 Jahre in der hiesigen Gemeinde treu und gewissenhaft wie selten einer seines Amtes gewaltet hatte. Eine Vielseitigkeit, wie man sie selten ber einem Lehrer findet, hat Eoldschmidt ausgezeichnet. Er war der Lehrer an der hiesigen Religiynsschule, er war Borbeter der Gemeinde, ein ausgezeichneter Baal Kaureh und Baal Taukeah, ein hervorragender Mauhel, peinlich gewissenhafter ' Sekretär aller Gemeindeinstitutionen und der Gemeindekasse, aber auch Freund und Berater aller Gemeindemitglieder, in jeder nur vorkommenden Angelegenheit, er war Hausvater im israelitischen Altersheim, in welchem die Insassen feine ganze väterliche Fürsorge wohltuend spürten, er war nicht zuletzt ein großer Ben Tauroh. In jedem einzelnen Amt war er so ganz bei ber Sache, als hätte er sonst keinerlei 'Obliegenheiten. Alles, was er tat, trug den Stempel der Gottesliebe wvv ooh. So waltete Lehrer Goldschmidt fast 40 Jahre seines segensreichen Amtes. Aufrichtigste Freundschaft und selten treue Anhänglichkeit verband ihn mit dem Hause unseres unvergeßlichen Rabbiners Dr. Salomon Carlebach Begreiflich war daher die selten große Teilnahme und die vielseitige Trauer, die bei seinem Tode zum Ausdruck kam. Es war eine imposante Trauerkundgebung bei seiner Beerdigüng. Herr Rabbiner Dr. Winter sprach namens der israelitischen Gemeinde und beklagte den unersetzlichen Verlust, den die Gemeinde durch den Heimgang dieses seltenen Mannes erlitten. Herr Rechtsanwalt Dr. Landau gab in bewegten Worten namens des Vorstandes und der Schulverwaltung der israelitischen Gemeinde dem Schmerze der Gemeindeverwaltung Ausdruck. Herr Oberbibliothekar Dr. Moritz Ster n, ein Schwager des Heimgegangenen, sprach namens der Familie. Namens der großen Zahl hiesiger und auswärtiger Schüler sprach Herr Schuldirektor Dr. Josef Carlebach, an dessen Seite der Verstorbene während seiner zweijährigen hiesigen rabbinischen Amtstätigkeit in Liebe und Freundschaft gestanden. Um dem Heimgegangenen eine besondere Ehrung zuteil werden zu lassen, trugen dann Männer der Chewroh Kadischoh den Oraun durch die feierlich beleuchtete Synagoge hindurch auf den Synagogenhof, auf welchem die derzeitigen Schüler und Schülerinnen Aufstellung genommen hatten. Ein großes Trauergefolge gab dann dem Heimgegangenen das letzte Geleite. In Moisling auf dem Friedhose sprach noch Herr Rabbiner D o n a t im Namen der Kollegen und Herr Simson Carlebach gab dem verehrten Freunde namens der Chewroh Ladischoh, deren treues Mitglied er 34 Jahre lang gewesen, den letzten Abschiedsgruß. In der Trauerwoche gab sein Sohn, Lehrer Moritz Goldschmidt in Aurich, nochmals ein herrliches Lebensbild seines teuren Vaters, welches in dem Versprechen gipfelte, daß seine Kinder allezeit dem Ideale des Vaters treu bleiben werden. Hachenburg, 30. Nov. Am 3. November rief Gott Herrn Julius Weinberg nach langem, mit heldenhafter Geduld ertragenem Leiden heim. Ein edler Mensch verließ uns in der Blüte seines Lebens. Wir verlieren in ihm einen aufrechten Jehudi, einen Führer unserer Jugend im Kampfe für unsere Emunoh. Es trauern um ihn neben feinen Eltern und Geschwistern, denen er ein liebevoller Sohn und Bruder war. der große Kreis seiner Freunde und Bekannten, denen er ein durch sein lauteres, immer wahrhaftes und freundliches Wesen ein Vorbild war. Die Beerdigung, an der sich auch eine große Menge unserer christlichen Mitbürger beteiligte, war ein überzeugender Beweis der Beliebtheit, deren sich unser Julius Weinberg Vst erfreut hatte. Kirchhain. 8. Dez. Der seitherige Vorstand de» Kreises Kirchhain bei der Handelskammer Cassel, Herr Kaufmann David Strauß, wurde bei der letzten Wahl Briefkasten. M. S t. L. 9. Oktober. A. S. in B. Wir bitten Sie, uns über Hochzeiten und Barrnizivofeiörn keine Berichte zu schicken, da solche Familienanlässe die Oeffentlichkeit nicht interessieren. R. O Karten für das Fest sind noch vorhanden. Falls Besitzer von Karten verhindert sind zu kommen, werden sie gebeten, die Pl?tze rechtzeitig zur Verfügung zu stellen. Verkaufsstelle Fr. Dr. Rosenbaum, Grünestratze 42. Familienuachrichten. B a r m i z w o: Fritz, Sohn des Herrn Heinrich Levy, Homburg/Saar, aff'i rot?. Frankfurter Berichte. Keren Hatamoh. Der Einladung des hiesigen Keren Hatauroh-Kommiffariats sowie der Agudas Jisroel Ortsgruppe A. und B. und der A. J.-Jugendgruppe war ein zahlreiche» Publikum am 's pusia ii die Aula der Realschule am Tiergarten gefolgt, um dem Vortrag des' Herrn B. Rachelsohn über das Thema Thora-Keren Hatauroh beizuwohnen. Der. Vorsitzende erklärte die Notwendigkeit, schon 14 Tage nach dem Vortrag des Herrn Wolf S. Jacobson-Hamburg einen Vortrag über das gleiche Thema halten zu lasten, damit, daß die Sammeltätigkeit am hiesigen Platze zugunsten des K. H. äußerst dringend und eilig sei. Herr Rachelsohn fand begeisterte und begeisternde Worte, um an Hand treffender Talmudstelle» die Wichtigkeit des Thora-Lernens und die sich daraus ergebende Verpflichtung für jeden einzelnen Gefetzestreuen, den Thora-Fonds zu stärken, zu beweisen. Die mehr als einstündige Rede ist mit reichem Beifall ausgenommen worden, und ein großer Teil der Anwesenden zeichneten sich, der Aufforderung des Redners gemäß, in die Listen der lO-Pf.-Tagesspenden. Es folgten noch Ansprachen des Vorsitzenden Herrn^ Leopold Oppenheimer, sowie des weiteren Mitgliedes desK. H.-Kommistariats, Herrn Josef Bamberger. — Die im Anschluß an den Vortrag. Sonntag nachmittag in den verschiedenen ostjüdischen Bote Midroschaus veranstaltete Propaganda 8atte recht ansehnlichen Erfolg. Darüber hinaus, sind auch eine Anzahl junger Leute nunmehr durch Besuche unserer Gesinnungsgenosien in ihren Wohnungen um dis Erweiterung des Kreises der Tagesspenden bemüht. Agudas Jisroel-Jusendgruppe. Um unsere Mitglieder und Freunde einige schöne Chanuka-Abende in unserem Lokal verbringen zu lasten, veranstalten wir am Sonntag, den ersten Tag Chanuka (21. Dezember), abends 7,45 Uhr und Dienstag, den dritten Chanukaabend (23. Dezember), um 8,30 Uhr gemütliche Spielabende. Die Vorbereitungen versprechen recht gemütliche Abende. Damen und Herren der A. J.-Jugendgruppe sind herzlich willkommen. Außerdem veranstalten wir am Sonntag, den 28. Dezember eine Chanukafeier in der Aula der Realschule der Israel. Religionsgesellschaft. Nähere Bekanntmachungen erfolgen in unserem Vereinslokale, Hanauerlandstraße 17 pt. Chanukagedanken. Die jüngsten Vorträge des Herrn Dr. Chrmann Samstag abend im Mekor Chajim zeigten das Chanukawunder in chassidischer Beleuchtung. Im Gegensätze dazu gibt der Vortrag nächsten Samstag abend Chanuka-Gedanken nichtchasfidischer Lehrer wieder. Seines halachischen Einschlags wegen eignet sich dieser Vortrag weniger für Damen, und ist er diesmal ausnahmsweise nur für Herren bestimmt. Das Fest der Jüdischen Fraueirvereiniguna. Wie sich eben erst herausstellt^kann der Saal des Zoologischen Gartens wegen baulicher Schwierigkeiten bis Montag abend nicht für das Fest hergerichtet werden. Das Fest findet mit unverändertem Programm im Palmengarten statt. Für Trambahnverbindung bei der Heimfahrt ist gesorgt. Karten sind noch an der Abendkasse zu haben. Verein israelitischer Gehörloser. Der Verein „Israelitischer Gehörloser" veranstaltet Samstag abend, den 20. Dezember eine kleine Chanukafeier im Cafe Milani, Friedberger Anlage. Die Feier beginnt Punkt 7 Uhr und Bekannte und Freunde sind bestens eingeladen. ✓