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Der Israelit · 1924-12-04 · Heft 49 (4.12.1924) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
65 (1924)
Issue
Heft 49 (4.12.1924)
Date
1924-12-04
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 10 Nr. 49 Der Israeli 4. Dezember 1824 Uinderecke. Jakobs Traum. Von David Pineas in Frankfurt a. M. Da geht er fort vom Vaterhaus, Muß dessen schirmend Dach nun missen. Und streckt am Abend sich ins Gras, Das Haupt auf einem steinern Kissen. Vor Csav, dem rachsüchtigen Bruder, Muß er des Zeltes stille Ruh, Des Hauses gottgefälliges Forschen Vertauschen mit dem Wanderschuh. Nun beut die harte Lagerstatt Der Rasen dem einsamen Müden. Der ärmste Pfühl, Verlassenheit — Ihm rauben nimmer sie den Frieden Die sternbestickte, dunkle Decke, Die ob ihm grenzenlos sich weitet — Er fühlt's, daß Gottes Liebeshand Sie über ihn hat ausgebreitet. So schlummert Jakob ruhig ein- Und aus dem Born des Gottoertrauens Erhebt sich hoch ein Traumesbild, Wie keins an Heiligkeit des Schauens. Nie hat ein Schläfer je im Traum Gesehn, was Jakob träumend sah: Der Himmel, der so hoch und fern. Wie war er ihm so nah, so nah! Er träumte: eine Leiter ist — O Gnade! — hin zur Erd' gestellt. Und ihre Spitze reicht hinauf, Hinauf bis in die Himmelswelt. Und Engel Gottes steigen auf Und ab an ihr nach Seinem Wort — Und Gottes Majestät, sie thront Hoch oben über Sternen dort. Gott sprach: „Ich bin die höchste Huld. Bin deines Vaters Abraham i Und Jsaks Gott! Das Land, darauf Du liegst, dir geb' ichs, deinem Stamm. Dein Same, sei wie Staub der Erde, Und breit' dich aus nach ollen Seiten. Du und dereinst dein Same werdet Den Völkern Segen zubereiten. Und sieh, ich bin mit dir, und werde Behüten dich auf allen Wegen. Auch will ich einst zurück dich führen Hierher, dem Vaterhaus entgegen. Ja, nimmer werd' ich dich verlassen. Bis daß ich habe ganz vollbracht. Was ich verheißen dir im Traume, Den ich dir schickte diese Nacht." Als Jakob wachte auf vom Schlaf, Sprach zagend er, voll Furcht, die Worte: „Hier wohnet Gott — ich wußt' es nicht — Und dies hier ist des Himmels Pforte!" Und nahm den Stein, der ihm gedient Beim Schlaf als seines Kopfes Kiffen, Und stellte ihn als Denkstein auf, Um dann mit Del ihn zu begießen. Gelobend sprach nun Jakob aus: „Wenn Gott stets sein wird mir zur Seite Und mich behütet auf dem Weg, Den ich geh' in die fremde Weite, Und gibt mir Brot, daß ich's genieße — Gewand, daß ich mich kleiden kann. Und macht, daß ich dereinst in Frieden Zum Vater wiederkehren kann: Dann will den Gott der Liebe ich Als strengen Richter auch begreifen. Und dieser Stein, er soll einmal Zum Gotteshause herrlich reifen; Und das, was Du, o Gott, mir gibst, Davon will Dir den Zehnten spenden." — Nun griff er froh zum Wanderstab, Um fern nach Osten sich zu wenden. Auf der Reise. Von Heinrich Einstadter. Von den Einsendungen, die uns infolge dieser Anregung im zweiten Teile unseres Artikels aus dem Kreise unserer jugendlichen Leser zugegangen sind, veröffentlichen wir nachfolgende Ausführungen von Jakob Rothschild, Frankfurt a. M. Wenn jüdische Knaben von solcher Begeisterung für Lehre und Gesetz erfüllt sind, dann läßt sich erwarten, daß sie als Erwachsene bestrebt sein werden, ein der Gesamtheit Nutzen bringendes Leben zu führen. ' „Wenn ich die Feder ergreife, um in großen Zügen, gemäß der Einladung des Verfassers der vorigen Kinderecke, ein Bild der Reise, auf der wir uns alle befinden, zu entwerfen, so brauche ich kein neues Werk zu leisten: liegt doch der „Reifeführer",der diese Reise in jeder einzelnen Phase regelt, neben mir. Er schreibt unser Verhalten gegenüber unseren Mitreisenden, gegen uns selbst und endlich gegen den, der uns diese Reise hat machen lassen und uns an ihrem Ziele erwartet, bis ins Einzelne genau vor. Ihr alle. Groß und Klein, werdet dieses Buch schon erraten haben, kennt ihr es doch schon seit den frühen Jahren eurer „Reise": es ist die min. Und nun wißt ihr, welche die Reife ist, um die es sich handelt, es ist das nrn ab-p, das diesseitige Leben, in dem wir alle uns befinden. Wir alle sind von n^apn in diese Welt unbewußt und unfreiwillig hineingesetzt worden, er ist es, der uns in diesem Leben erhält, der uns die min, diesen „Reisenführer", wie wir sie nannten, geschenkt hat, daß sie uns in den Wirren dieses Lebens den rechten Weg weise, und er ist es endlich, der uns am Ende dieser Erdenreise am Ziele erwartet und uns, wenn wir den Forderungen der min nachgekommen sind, im rr-n dVi? mit einer Fülle reinsten Glückes und Friedens belohnen wird. Nun laßt uns einige Züge aus diesem Leben, dem i nin abis? im Geiste der nun, unseres wahren Lebensbuches, betrachten. In den ersten Jahren unseres Erdenwandelns machen wir uns herzlich wenig Sorgen über den Sinn des Daseins. Unsere Eltern suchen uns die Jugend nach besten Kräften zu verschönen. Aber schon jetzt greift die nun in unser junges Leben ein. Wir lernen im sechsten Jahre schon die Laute unserer heiligen Sprache kennen, zuerst geht es mühsam, aber immer besser geht das Lesen, und endlich sind wir imstande, täglich svv und m»y naiw, Benschen und Nacht-Leienen in der nl-sn beten zu können. Welche Freude es ist, wenn man das zum ersten Male fertigbringt, das werden besonders die jüngsten der Leser noch frisch im Gedächtnis haben! — Mit sechs oder sieben Jahren treten wir in die Schule ein. Ist es eine jüdische, in die die Eltern uns schicken, so haben wir gewiß viel Gelegenheit, immer mehr von der nun zu erfahren, aber auch sonst haben Eltern es nicht versäumt, uns in mnis'v zu schicken, in denen wir außer der schriftlichen - 202210 nun — auch man ,nvwn lernen. Aber auch andere Momente sind es, die uns mit frommer Freude erfüllen: da sind b~>i ninav. die uns immer aufs neue begeistern, und gerade jetzt ertönen an Freitagabenden aus unserem Munde jubelnde nrpar zum Preise dessen, der uns den nar? geschenkt. — Immer größer werden wir, immer verständiger. Mit offenen Äugen sehen wir manches, was unser jüdisches Gemüt tief verletzt, vom Pöbel beschimpft kommen wir oft nach Hause, und doch bewahren wir den Stolz auf unser Judentum. — Bald rückt der Zeitpunkt heran, an dem der jüdische Junge ms» na wird, das jüdische Mädchen ms» na. Sie erreichen das Alter der Großjährigkeit vor der nun. Sie haben alle Pflichten des jüdischen Lebens voll und ganz zu erfüllen. Den Arm und das Haupt des jüdischen - Knaben zieren die t'^n die den Gottesnamen in seiner Heiligkeit selbst enthalten. Ein Schauer durchrieselt ihn, wenn er sie zum ersten Male anlegt. Das jüdische Mädchen darf neues Geschirr, das ihr die Mutter anvertraut, selbständig taumeln und vieles andere mehr. — Sie alle suchen sich immer mehr in der Tauroh zu vervollkommnen, sie aber auch im Leben zu verwirklichen. Sie gehen nicht in den Freuden und Genüssen der nichtjüdischen Welt auf, wenn sie auch mit Maß kosten, sondern halten sich immer das Wort des sp»* 'an in nias 4,21 vor Augen, das da lautet: „Die diesseitige Welt gleicht einem Vorsaale gegenüber dem jenseitigen; bereite dich im Vorsaale vor, damit du in den Königssaal eintreten darfst!" Wir sollen im diesseitigen Leben unablässig an uns arbeiten, an unserer Vervollkommnung, damit wir am Ende unserer Tage von unserem göttlichen Schöpfer mit väterlicher Liebe in den Saal des py p geführt werden und dort in reiner Glückseligkeit weilen dürfen. Dieses Bewußtsein, dieser Gedanke wird dem jüdischen Jüngling im Getriebe des Alltags vorschweben, wenn er im Berufsleben tätig ist, er wird nicht in der Sucht ausgehen, möglichst viel an irdischen Gütern' erraffen zu können, sondern wird zu jeder Zeit, abends und morgens, Muße für die jüdischen Lebensideale tnaitCa'vsni nun finden. — Die ll'aiv »'»'i nwas? aber werden ihm Ruhepunkte, geheiligte Ruhepunkte in der Hast des Lebens fein, sie werden ihm '»an tfnyn py» — das Wort kennt ihr ja alle aus einer der nin-»* für Freitag abend — sie werden im Abglanz der jenseitigen Welt mit ihrem völligen Aufgehen in Gott sein, und wenn er an nmyo vbv am nav sich gelabt hat, dann wird er innig die Bitte um das einstige rran o^iv zu Gott emporschicken: «in pmn .D'Z&iy ”nV nmam nac 'Uri? av> uV’nr Familiermachrichte«. Barmizwo: Iaakow. Sohn des Herrn C. Britt, Butzbach/Hessen. Daniel. Sohn des Herrn Julius Hamburger, Alzenau (Unterfranken). Samstag Sidroh kxp, den 6. Dezember. Er ist ausschlietzlich Sache der Leser, die im Inseratenteil enthaltene« Empfehlungen ritueller Ware« oder sonstig« Angaben religionsgesetzlichen Charakters auf ihre Zuverlafstgkett zu prüfe«. Unsere allseitig bekannte Spezialität: Herren-, Knaben- und VaemizwoK - Kleidung In streng ", V 2 Derar SeUuttg CARS C H Liebfrauenstr. 8-10 Neue Krame 27 SEHEffljy* KOHLEN» GASHERDE sl’ahonäreu.rransporlable KACHELOFEN mil’palentRauchgasbrennung W&CHERElMAStHINEN Horstkötter JCnodLG R H. OPPENHEIM KUPFERDRUCK Visitenkarten, Anzeig en Einladungen, Privat-Papiere :: aller Art, Exlibris usw. :: Die vornehmste und modernste Ausführung FRANKFURT AM MAIN Börsenplatz 1, gegenüber der Börse (Ecke SchillerstraBe) FERNSPRECHER HANSA 2005 GEGRÜNDET 1864 Die Kohlen- und Gasherde sowie die Kachelöfen von Horstkötter, Knodt u. Cie., Am Eschenheimer Tor 3, Stadtgarten, sind die besten und empfehlenswetesten. Siehe Inserat. In Bad Mergentheim ist das Hotel Fechenbach ((Inhaberin Frau Miltenberg) wieder eröffnet. Das bestens und mit großer ritueller Zuverlässigkeit geführte Hotel bietet jüdischen Erholungsbedürftigen herrlichen Winterwie Sommeraufenthalt im schönen Mergentheim. BonnefeldtiiTiM» •■> beeinflußt das Wohlbefinden Wohlbefinden ln sonstigster Welse Verantwortlich für den allgemeinen Teil und das Feuilleton S. Schachnowitz, sämtlich Beilage: Lehrer Z. Spiro . J. m. 5. Q., Frankfurt a. M. Druck: tzermo» Verlazs-Akti.ngesellschaft, Franlfu" 2. SR,

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