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Der Israelit · 1924-12-04 · Heft 49 (4.12.1924) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
65 (1924)
Issue
Heft 49 (4.12.1924)
Date
1924-12-04
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 Nr. 49 _ daran, daß sein Sabbat der Sabbat des jüdischen Volkes ist und so sollen dteFeinde morgen erfahren, daß sie mit ihrem Anprall gegen den Sabbat auf eine eiserne jüdische Einheitsfront stoßen, wie ste kein Kriegsschauplatz gezeigt hat. Lassen wir keinen Augenblick das Bild Abrahams aus den Augen. Es kommt eine Zeit, da die ganze Welt von diesem Bilde erfaßt wird und der Welt-Laban überwältigt von dem durch uns geheiligten Haschern uns einladend zuruft: „Komme, Gesegneter des Herrn!" — Nach den Reden betete man Mincha mit den „Owinu Malkenu". Und als man die Synagoge am späten Mittag verließ, standen draußen, ein bezeichnendes Symbol, Polizeiaufgebote mit Polizeihunden. Drinnen Gebete, Fasten, Bußreden und „Owinu Malkenu" und draußen Polizist, Polizeihund und Nagajka... ‘ Den Abstand zwischen „Owinu Malkenu" und Polizeihund zeigte auch die Sejmsitzung am Dienstag demjenigen, der noch unter dem Eindruck des vorhergegangenen Montag in Synagoge und Gemeindehaus stand. Der Saal war besetzt, die Galerie voll gefüllt. Als erster nimmt das Wort von der jüdischen Fraktion Dr. R o b i n s o h n, der sich darauf beschränkt, in sachlichen Feststellungen den Unterschied zu zeigen zwischen Litauen mit seiner starken jüdischen Siädtebevölkerung und den Ländern Europas, auf die stch die Rechtsparteien berufen. Tiefer auf das Problem geht der orthodoxe Abg. Dr. Holzberg ein, der das Gesetz ein schwarzes Blatt in der litauischen Geschichte nennt und es nach Lage der Dinge als eine Religionsverfolgung schlimmster Art bezeichnet. Er bewegt sich in einem Appell an die Herzen in den Gedankengängen Rabbi Kahnemanns und ruft der Rechten zu, daß sie im Begriffe sei, dem litauischen Volke, das darauf angewiesen ist, seine Sonntagseinkäufe bei den Luden zu machen, e i n Auge auszuschlagen, um zugleich dem Luden beide Augen zu nehmen. Ein Redner von der rechten Seite witzelt mit Anspielung auf die Protestschließung am Montag, den Luden siele das Ruhen gar nicht so schwer, wie sie täten. Beweis: Sie hätten ja am: Hellen Montag geschloffen. Uebrigens hält er Robinsohn und Genossen, die für ihre Person die religiösen Gesetze nicht halten, nicht für geeignet, als Anwälte des Sabbat aufzutreten. Der Ministerpräsident Tumenas meint, die Opposition der Juden entstamme blindem religiösen Fanatismus, dem gegenüber sich die Mehrheit durchzusetzen hätte. Er nimmt es den Rabbinern und den jüdischen Kausleuten sehr übel, daß sie sich zur Demonstration in ihren Synagogen versammelt _Äer Israel i t _ und die Geschäfte geschlossen hätten, worauf er von Holzberg gefragt wird, ob es in Litauen schon soweit gekommen wäre, daß den Juden verwehrt fei zu beten und vor Gott ihr Leid zu klagen. Die Sozialdemokratische Fraktion erklärt durch ihren Sprecher, sich der Abstimmung zu enthalten, da sie hier nur einen Kampf zwischen der katholischen und jüdischen Religion sieht, aber kein Gesetz zum Schutze der Kirche und der Arbeiter. Die V o l k s - sozialisiert erklären dagegen, mit aller Schärfe gegen das Gesetz, das gegen die Gewissensfreiheit gerichtet sei, zu stimmen. Die Abstimmung erfolgt und das Gesetz wird mit allen Stimmen gegen die der Juden und Volkssozialisten angenommen. Die Welt weiß nun, in welchem Kurs das litauische Staatsschiff, dem auch die Schicksale von hundertfünfzigtausend Juden anvertraut sind, steuert. Es ist aber noch von größerem Nutzen und eminenter erzieherischer Wirkung zu erfahren, mit welcher sittlichen Kraft die litauische Judenheit dieses Verhängnis auf sich genommen hat und zu tragen gewillt ist. Es liegt ein Zug von Märtyrergröße in dem Montag, der in der Kownoer Judengasse dem kritischen Dienstag vorausgegangen ist. Wochenrundschau. Die Ostjuden in Deutschland. Gäbe es keine Ostjuden in Deutschland, die Deutschnationalen und die Völkischen würden sie rasch herbeischaffen, zum Zwecke der Wahlpropaganda. Zu dem deutschnationalen Programme gehört einmal der Kampf gegen die Ostjudeninvasion, in der Hauptsache aber der Kampf gegen Minister Severing. der die Ostjuden herbeilocke und sie in den Preußischen Staatsverband aufnehme, dann auch gegen die Demokratie und Sozialdemokratie, die diese Ostjudenpolitik Severings billigten und förderten. Die von den Antisemiten angegebenen Ziffern für die in Deutschland anwesenden Ostjuden sind längst und wiederholt von zuständiger Seite als Ausfluß einer überhitzten Phantasie festgestellt worden. Ein großer Teil dieser Ostjuden war zur Zeit der deutschen Okkupation in Polen mit mehr oder weniger sanfter Ee- 4. Dezember1924 tu. walt nach Deutschland verbracht worden, und viele von ihnen haben die erste. Freiheit berprtzt. um nach Hause zurückzükehren oder nach Amerska auszuwandern. Gerade führende Märmev der Demokratie waren es, die sehr zu Unrecht und in völliger Verkennung dieser Sachlage sich im Reichstage in ' höchst unfreundlicher Weise zu der Frage der Oftjuden, die heute in Deutschland, soweit sie hier keine feste, geachtete Position von früher her haben, nur noch als Durchwanderer zu betrachten find, stellten. Was nun die Einbürgerung von Ostjuden in Preußen betrifft, so hat der bekannte deutschvölkische „Freiheitskämpfer" Mulle in Wahlversammlungen behauptet, Severing hätte in einem einzigen Jahre annähernd hunderttausend Juden die Naturalisation erteilt. Diese Massennaturalisationen sind heute mit eine Waffe, mit der von allen Tribünen der rechtsparteilichen Wahlversammlungen gegen Mitte und Linke operiert wird. Nun kommt Minister Severing selbst und verdirbt ihnen das Konzept mit einer amtlichen Feststellung auf Grund der Akten,, die die antisemitische Presse wohl oder übel veröffentlichen mutz. Von den 100 000 bleiben nur 1700, dagegen vergrößert sich der angegebene Zeitraum ums dreifache, also in den drei Jahren von Anfang 1921 bis Ablauf des Jahres 1923 sind im ganzen 1700 Osteuropäer (nicht allein Juden) in den Preußischen Staatsver- . Hand ausgenommen worden, etwas mehr wie 500 in einem Jahre. Im Jahre 1924 dürfte sich die Zahl noch weit geringer stellen. Soviel bleibt von den Schreckensgespensten, die die antisemitischen Hetzer dem deutschen Volke an die Wand malen, übrig, wenn man sie einmal bei Licht betrachtet. Die Sperrung der kanadischen Einwanderung. Wie unseren Lesern bereits bekannt, trat in der Einwanderüngspolitik Kanadas ein schmerzlicher Rückschlag ein. Nachdem die ersten von der kanadischen Regierung bewilligten Transporte abgegangen waren, wurden die übrigen bereits ausgestellten Visa zurückgezogen. Man kannte den Grund dieser plötzlichen Wendung der Dinge nicht. Was man nun darüber erfährt, ist sehr bedauerlich. Die Sperrung ist nicht auf eine Wandlung in der Gesinnung der kanadischen Regierung, sondern auf einen Hausftreit in der Jca, die die Kanadaemigration in der Hand hatte, zurückzuführen.' Das kanadische Jca-Komitee in Montreal hatte es bei der dortigen Regierung durchgesetzt, daß im Der- MM mmm Der Aufstieg. iZum Wochenabschnitte.) Von Aritz Kirsch in -Laderrönrg. nam Jakob sah eine Leiter, die gestellt war auf die Erde. Eine Leiter sollte der Weg seines Levens, der Pfad seiner Zukunst sein. Nicht die geebnete Heeresstraße, nicht den glatten Weg sollte er wandeln, nein, seine Zukunft sollte einer Leiter aleichen, hoch aus, steil, schwierig, gef ahrvoll. Stunden harter Prüfungen sollte er durchleben, mancher Mühe ins Auge schauen. Das war der Zukunstspsad des Patriarchen, das ist der Glaubensweg seiner späteren Enkel. „Aber wozu die Leiter ersteigen? hören wir die Welt sprechen, gehen wir doch durch die Freudenstratze des Lebens, da wandelt der Fuß leicht dahin, und im holden Frohsinn verfließen unsere Tage." Wer so spricht, der weiß es nicht oder denkt nicht daran, daß Gebote da sind, um geübt, Pflichten, um erfüllt zu werden, O. wie werden wir dem Diener zürnen, der unfern Befehl höhnend mißachtet. Wie werden wir dem Mitbürger grollen, der die ersten Gesetze seines Staates verletzt, und wir, die wir am Morgen nicht wissen, ob wir den scheidenden Sonnenstrahl begrüßen werden, und am Abend es nicht ahnen, was uns der nächste Tag bringen wird, wollen wir mehr sein, als die Diener des Herrn der Welten, mehr als die Untertanen des Königs der Könige? Gelübde, die wir abgelegt, mögen wir lösen lassen. Vorsätze» die wir gefaßt, können wir brechen, Gesetze, die wir uns gemacht, können wir iaufheben, aber der Glaube ist g eg eben worden. Die Leiter steht nicht, ste ist gestellt, gestellt von einer höheren Macht, gestellt vom himmlichen Vater. Die Leiter ist gestellt, und wir müssen sie besteigen. Und die Engel stiegen aus und sttegen nieder. Wenn wir uns einmal verirrt haben auf unserer Lebensbahn, wenn wir den verlockenden Zaubertönen der Sünde gelauscht, wenn wir die Glaubensgebote entweiht, das Wort der Wahrheit versäumt und vergehen, dann erwachen wohl aus einmal die Stimmen des Gewissens in unserm Innern, und wir möchten verzweifeln und verzagen, denn die Sünde dünkt uns zu groß, als daß ste Vergebung finden könnte. Aber nein. Es ist nie zu spät, solange der Mensch noch atmet, nie zu spät, bevor die Feierstunde seines Lebens schlagt. Die Leiter ist gestellt und er kann ste als göttlicher Sendling besteige», ste wird ibn führen aus niederer Vergänglichkeit zu Himmelswonne und Himmelsglück. Der Ewige steht über der Leiter und spricht: Ich di» der Gott Deiner Väter. Der Boden, auf dem Du stehst. Dir und Deinen Nachkommen will ich ihn geben." Der Glaube ist das kostbarste Erbteil. das wir von den Ahnen empfangen haben, es ist der Boden, auf dem wir ruhen müssen, der Boden, auf dem allein einst goldene Ernte uns erblüht, oh» verlassen wir den Boden nicht. Als Jakob sich zum Schlafen niederlegen wollte» nahm er „von den Steinen" des Ortes, und als er erwachte, ergriff er „den Stein", welcher sein Kopfkissen gewesen war. Das will lehren, sagt Rabbi Jizchok im Talmud (Chulin 91b), daß sich die Steine an einem Orte zusammensanden, und jeder einzelne sagte: Dieser Gerechte möge sein Haupt auf mich legen. Da verwuchsen ste alle zu einem Stein. D'JDK (Steine) steht der Bedeutung nach nicht selten gleich traa (Söhne). Die Söhne sind Steine, die Eckpfeiler der Familie. Als der Patriarch verschied, sagte jeder seiner 12 Söhne: „Du kannst getrost Dein greises Haupt auf mich legm, ich allein werde Deine Lehre weiterpflanzen können". Das fagte jeder, und da ein gemeinsames Band sie umschlang und gleiche Gefühle sie beseelten, wurden sie zu einem Bolke, verwuchsen sie innig zu einer Nation, welche einst die Lehre des Ahnen begeistert verstehen würde. naanx *]S Uns soll sie gehören und unseren Nachkommen vererben wir sie weiter als ein dauerndes Vermächtnis den kommenden Geschlechtern, als eine heilige Waffe für die Kämpfe des Lebens. Und wenn einst der Lebenstraum zu Ende geht und wir erwachen dann werden wir siegesfreudig einziehen in das Land das der Ewige unfern Vätern zugeschworen. Bemerkungen zu nrn 's- VyN Rabbiner Z>r. Winkker in Kopenhagen. I. 28, il: mpan ’aama np'i „Jakob nahm von den Steinen des Ortes" u»d B. 18: rm np'i - vdv'i

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