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Der Israelit · 1924-11-20 · Heft 47 (20.11.1924) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
65 (1924)
Issue
Heft 47 (20.11.1924)
Date
1924-11-20
Page
– (sequence 13)
Language
German
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gr Der Israelit Die Messiasbraut. Die Geschichte einer verlorenen Hoffnung. Von S. Schachnowitz. , (Fortsetzung.) 24. Abzug aus Jerusalem. Der Bruch war da. Mose Galante versuchte noch zu vermitteln, aber ohne Erfolg. Der große Bann wurde von Amigo und Ehages mit Zustimmung Zemachs und der anderen Führer gegen Sabbatai Zewi und alle, die ihm noch ferner anhingen, mit aller Strenge und Feierlichkeit ausgesprochen und in Wort und Schrift in allen Synagogen verkündet. Der Erfolg war nicht groß, höchstens, daß der Bannftrahl dem weiteren rapiden Anwachsen der Sabbataischaar einigen Halt gebot. Von denen, die bereits in diesen Zauberkreis hineingeraten waren, ließ sich kaum einer irre machen. Sabbatai erklärte öffentlich Amigo und Ehages als ihrer rabbinischen Aemter entsetzt und tat sie seinerseits in Acht und Bann. An deren Stelle setzte er Samuel Primo und Mose Galante ein. Der letztere aber lehnte ab und zog sich mit nagendem Zweifel und brennendem Schmerze im Herzen in die Einsamkeit zurück. Im Bethause Primos legte man sich keinen Zwang mehr an. Wen hatte man noch zu fürchten? Las Rabbinat war für sie abgetan, Samuel Primo, der eingesetzte Rabbi, machte führend mit. Und die anderen, die Türken? ... Abraham Jachini pflegte zwar die Stimme zu senken, wenn er von diesen sprach. Aber das gläubige Volk wußte, Sabbatai würde, wenn nötig und geboten, den Pascha mit des Mundes Hauch wieder zu Füßen zwingen, mit einem Pfalmgefange, oder mit dem „heiligen Namen" wie damals am Tage seines Einzuges in die heilige Stadt . . . Ob nicht in Wahrheit Gamali Jlkohim im , Geiste längst her Gefangene Sabbatais war, wie es bald der Großtürke am Bosporus selbst fein würde? ... Nichtsdestoweniger löste es bei Sabbatai und seinen Nächsten kein gerade behagliches Gefühl aus, als sich eines Tages des Paschas Diener und Beauftragte sichtlich für die Vorgänge im Bethause Primos zu interessieren begannen. Der kluge Jachini merkte es zuerst und mahnte mit Hinweis auf die fremden Gesichter bei den Versammlungen zur Vorsicht. Und da die Wachsamkeit des Pascha sich zunehmend stärker und auffälliger zeigte, was man auf einen leisen Wink Zemachs und der Rabbis zurückführte, rief Jachini offen zum schleunigen Verlassen der Stadt. Primo trug große Bedenken. Eine Flucht, meinte er, würde der Sache mitten in ihrem besten Blühen den Todesstoß versetzen, Unsicherheit schaffen und Verwirrung anrichten. „Und eine Ergreifung durch den Pascha?" entgegnete Jachini. „Märtyrer haben stets ihre Sache mit ihrem Herzbluts gefördert. Flucht nennt die Welt feige. Das Wunder der Erlösung kann nur die heilige Stadt zum Schauplatz haben. In -er Zerstreuung setzte man auf Sabbatais Einzug in die Gottesstadt die letzten Hoffnungen, sie werden vernichtet sein mit unserer Flucht." „Sie werden noch eher und gründlicher vernichtet sein, wenn Jlkohim ihm und uns das Lebenslicht ausbläst," gab Jachini trocken zurück. „Sabbatai wird ihn zerbrechen wie das dürre Geäst, das uns im Walde den Weg versperrte . . ." Primo glaubte ehrlich an Sabbatai und sein Wundervermögen. Sabbatai selbst verhielt sich in diesen Tagen schweigsam, betete, badete und fastete viel und mied die Unterhaltung auch mit den Nächsten. Da hatte Nathan aus Gaza wieder zur rechten Zeit ein Gesicht. Mitten in der gemeinsamen Gebetübung fiel er zu Boden und fing an laut zu prophezeien: „Es kam über mich die Hand Gottes. — Und er sprach zu mir: Gehe hin und sage zu meinem Knechte Sabbatai: Doppelt gefehlt hat Jerusalem einst und jetzt, darum wurde es zur Verstoßenen! — Wehe, Deine Führer sind Verführer — sie sagen zum Bösen gut und zum Guten böse, machen Licht zur Finsternis und Finsternis zum Lichte, nennen Bitteres süß und Süßes bitter. — Darum ahnde ich an Jerusalem seine Sünden! . . . Verberge ihm mein Antlitz-" In solchen verzückten Sätzen und Halbsätzen aus Bibel und späteren Schriften verkündete dann Nathan zum Schluß, daß Gott Jerusalem einstweilig seiner Heiligkeit entkleidet und seine Schechin a nach der Stadt Gaza verlegt hätte ... Selbst in dem Kreise Sabbatais gab es stutzige Gesichter beim Vernehmen dieser Botschaft. Da aber Sabbatai die Kunde anhörte und sie kopfnickend entgegennahm, schwiegen alle Bedenken. Es war auch der einzige Weg, Jerusalem zu verlassen, ohne Sabbatais Nimbus zu zerstören. Abraham Jachini und Samuel Primo hatten schon alle Vorsorge dafür getroffen, daß die Ausreise keiner Flucht ähnlich sah. Indes schien es Jachini noch verfrüht, sich jetzt schon mit der „Schechina" in Gaza festzusetzen, in der Reichweite Gamali Jlkohims, der ihnen immer mehr auf der Spur zu sein schien. Man mußte noch einmal in die Zerstreuung, um zu rufen und zu sammeln . . . Israel selbst war noch nicht ganz erobert . . . Als Platzhalter in der neuen heiligen Stadt Gaza blieb N a t h a n, der es nun auf dem Gebiete der Prophetie zu einer unvergleichlichen Meisterschaft gebracht. Jachini und Primo nahmen mit Sabbytai zunächst den Weg nach der Levante und der engeren Heimat Sabbatais, um zu sehen, wie weit dort der Weizen gediehen war. In Jerusalem verstimmte die plötzliche Abfahrt Sabbatais in Verbindung mit der sonderbaren Verkündung Nathans nicht wenig. Aber die von den Rabbinern erhoffte völlige Ernüchterung trat damit nicht ein. Man hatte jetzt ein neues Wunder gesehen: Der grausame Pascha Gamali Jlkohim war sichtlich argwöhnisch gegen Sabbatai, und wagte es dennoch nicht, seinen Argwohn offen zu zeigen; er lieh ihn sogar unbehelligt von dannen ziehen . . . Keinem kam diese Wandlung der Dinge so gelegen, wie Sarah. Sie hatte Jerusalem übersatt. Während ihrer Wanderungen als Messiasbraut war für sie Jerusalem der Ziele letztes, die Stadt des goldenen Thrones, sie fand es als Stadt der Ruinen . . . Alles war Ruine, auch die Menschen. . . Auch die Jünglinge, selbst wenn sie sangen und tanzten, waren hier Greise . . . Alles war Heiligkeit und Vergangenheit, erstere bedrückte sie von jeher, erinnerte sie an Klostermauern, letztere mochte sie schon gar nicht. Sie liebte die Gegenwart, den Augenblick, die Einmaligkeit. Alles Vergangene beengte, ja beängstigte sie. Jahrelang hatte sie einem Unbekannten zugestrebt. Er gehörte jetzt ihr — und war ihr ferner denn je . . . Auch daran war, wie sie glaubte, Jerusalem schuld. In dieser Stadt der Gräber, der Tränen und der Hoffnungen hatte Sabbatai für alles andere Zeit und Sinn, nur nicht für sie : . . Mählig dämmerte es ihr auf, was es mit der symbolischen Ehe auf sich hatte, was es heiße, Messias frau und nicht Weib eines Mannes zu sein. Und als ihr dieses zum klaren Bewußtsein kam, erschrak sie eine Weile, dann aber stellte sie sich rasch in ihrem leichten, wandlungsfähigen Sinne darauf ein. War sie immer noch aufdemWege zu ihm, so konnte sie ja vorerst, bis sie ihn gefunden, wie in Amsterdam und Livorno, ihre eigenen Wege wandeln, ihr eigenes Leben leben. Sie tat es, und er legte ihr nichts in den Weg . . . Aber sie sah ihn doch jedesmal von neuem an, wenn sie mit ihm, immer nur unter großem Gefolge, zusammenkam, als sähe sie ihn zum ersten Male nach der Wander- und Wartezeit ihrer Jugend. Hatte Kassato recht, da er von ihrer Liebe zu Sabbatai wie von einem Phantom sprach, das zerrinnen würde, wenn sie den Menschen aus Fleisch und Blut vor Augen bekomme? Nur zum Teile: Sie liebte den Menschen Sabbatai nicht, aber das Phantom war nicht zerronnen. Dieser sonderbare Mensch mit dem seltsamen unirdischen Feuer im Auge, mit den lodernden Flammen in Wort und Gebärde war s e l b st ein Phantom. Und es kränkte auch ihren Ehrgeiz, daß sie ihn, den sie so lange gesucht, nicht fand, indes sich so vieles, was sie nie gesucht, ihr willig zu Füßen warf; daß er über Gräbern und Menschen, die nach ihrer Meinung ebenfalls Grabesmoder verbreiteten, ihre lebendige blühende Schönheit übersah. Jerusalem war schuld, und, sie war glücklich, die Stadt verlassen zu können und sich der Levante zuzuwenden, wo, wie man ihr sagte, das Leben und die Freude in vollen Strömen und frei von Heiligkeit und Vergangenheit fließen . . . Sie nahmen den Kurs nach Smyrna, der Heimat Sabbatais. Viele gingen mit ihnen und viele trennten sich am ersten Scheideweg, um sich als Sendboten und Verkündet der Messiasankunft nach allen Richtungen des Morgen- und Abendlandes zu ergießen. (Fortsetzung folgt.) Erez Jsroel-Kinder. In zionistischen Blättern finden wir einen frisch geschriebenen Reisebericht von Dr. Hugo Herrmann. Der Bericht enthält manches Unerfreuliche über die F r a u e n - weit im neuen Palästina ((die sogar in der Annahme des Familiennamens ihres Ehegatten eine ungebührliche Degradation erblickt und bei dem väterlichen Namen bleibt [!!]), weiß aber dann von den Kindern, die dort heranwachsen, in herzergreifenden Tönen zu sprechen, Töne, die allerdings in wahrhaft jüdischen Herzen ein etwas anderes . Echo wecken werden als der Berichterstatter selbst vielleicht es wünscht. Herrmann schreibt: Es ist schwer, nicht enthusiastisch zu werden, wenn man von den Kindern in Palästina spricht. In Städten und Dörfern, in alten und neuen Kolonien, in Kwuzoth und Moschawim wimmelt es von Kindern, Zweikindersystem, Einkindersystem — wer denkt in Palästina daran, sich so arm zu machen? In einer Kwuzah, wo es, silaube ich, zehn verheiratete Paare gibt, lauter ganz junge, lächerlich junge Leute, fast selbst noch Kinder, fragte ich, wieviele Kinder es gebe. „Acht haben wir", war die Antwort, „und sieben sind unterwegs". Mein Freund Gustav Aschermann, Leiter der Gebärklinik im Hadassahspital in Tel-Awiw, kommt am Abend nach Hause: „Heute sind wieder zwölf Einwanderer ohne Zertifikate angekommen, ohne daß das Immigrations- Departement Schwierigkeiten machte"; und kaum ausgesprochen, wird er wieder ins Spital gerufen. Und wie prachtvoll sehen die Kinder aus! Selbst in jenen Siedlungen, die mit schweren materiellen Sorgen kämpfen, so daß sich die Arbeiter alles, selbst ein nahrhaftes Esten, versagen, haben die Kinder alles. Von der Milchproouktion erhalten die Kinder soviel sie brauchen, der Rest geht auf den Markt; von oen Eiern nehmen

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