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Der Israelit · 1924-11-20 · Heft 47 (20.11.1924) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
65 (1924)
Issue
Heft 47 (20.11.1924)
Date
1924-11-20
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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Der Israelit V. NyvWW 1SU 'fo «T ihm auch Äe treue Erfüllung der änderen Betätigungen, die das' Gemilas' chesid schel Eni^s '«- soEtt, cutt Herzen. Wie manche Nacht opferte er am Lager der Sterbenden, bei der Verfertigung der Arauuäus. So konnte denn mit Recht, als mir vor einigen Jahren seinen 80. Geburtstag feierlich begingen, der Festredner das Gleichnis Rabbi RachMdns anwenden, daß dleßr 'Rabbi' Jizchär ‘sagte, als sie zusammen gespeist Wten: Kaum, Baum, womit soll ich segnen? Mögen alle ' deine Nachkommen dir gleich werden! Vorbildlich Wie sein ganzes Leben ist auch sein Scheiden von dieser Welt gewesen. Rechtzeitig hat er sich die Mitglieder der heiligen Genossenschäsr bestellt, jeden einzelnen begrüßte er auf das innigste und dann sprach er die Schemas mit einer Inbrunst und einer Hingebung, die auf die um das Sterbelager Stehenden geradezu erschütternd wirkte. Vorher hatte er von seinen Ambern, Enkeln, einem Urenkel rührenden Abschied genommen. Dann hauchte er seine reine Seele aus. Daß feine Beerdigung sich zu einer eindrucksvollen Trauerkundgebung gestaltete, bedarf wohl kaum mehr gesagt zu werden. Beide Gemeinden nahmen den regsten Anteil. In einer , aus tiefstem Herzen kommenden, glanzvollen Rede feierte Herr Rabb. Dr. Bondi den Heimgegangenen, den er mit großen Männern unseres Volkes verglich. Einbruch und Raub in der hiesigen Synagoge. Hersfeld,10. November. In der Nacht von Mittwoch zum Donnerstag wurde ein Einbruch und Raub der gemeinsten Art in der hiesigen Synagoge verübt. Die Täter verschafften sich durch Abreißen des Lattenzaunes vom Gartengrundstück der Kohlenhandlung H. Reutz, Vogelgesang, aus Zutritt zum Grundstück der israelitischen Gemeinde. Zunächst wurden die zwei großen Glasfenster der Synagoge beschädigt, sodann das dritte Glasfenster vollständig demoliert, um hierdurch in das Innere der Synagoge gelangen zu können. Hiermit noch nicht zufrieden, stiegen die Rohlinge in die Synagoge ein, vergriffen sich an der heiligen Bundeslade, und raubten den am heiligen Schranke befestigten großen Vorhang mit wertvollen Stickereien, der dann in die Fulda geworfen wurde. Um die Spuren dieser verwerflichen Tat zu verwischen, warfen die Täter eine im Garten stehende und bei Ausführung der Tat benutzte Bank in die vorbeifließende Geis. Sofort nach Entdeckung der Tat wurde die hiesige Kriminalpolizei alarmiert, welche angesichts der noch frischen und im Gartensand gut ausgeprägten Fußab-, drücke eine bestimmte Spur, verfolgte, die dann -auch bereits gegen 11 Uhr vormittags zur Verhaftung der Täter führte. Es find dies 1. Paul Götting Kaufmann, hier, Untere Frauenstraße, 2. Ernst Thielow, Niederaula. Sohn des Forstmeisters Th. Niederaula, 3. Reinmöller, Friedewald, wohnhaft hier, Kaiserstraße, 4. Erich Götze, hier, Kaiserstraße.. Wie in Erfahrung gebracht worden ist, sind die Täter dieses völkischen Rohheitsäktes mit Ausnahme von dem zu 1. Genannten, Mitglieder des Jungdeutschen Ordens. Halberstadl, 15. Nov. Die Repräsentqntenwahlen, die sich gewohntermaßen in unserer Gemeinde ohne rechten Wahlkampf vollziehen, haben uns diesmal eine Ueberraschung gebracht. Don zionistischer Seite versucht man Herrn Dr. Salli Hirsch, von einer kleinen Gruppe Achduthanhänger Herrn Julius Rothschild den Wählern zu empfehlen. Gegenüber diesem in Halberstadl höchst unangebrachten Versuch, Gegensätze hervorzurufen» für die an sich gar kein Boden vorhanden ist, hat Herr G. Goldschmidt ein Rundschreiben an die Eemeindemitglieder versandt, das auch für einen weiteren Kreis Interesse haben dürfte. Es heißt da: Ueber die beiden vorgeschlagenen Herren als Bürger, Menschen und klare, tüchtige Persönlichkeiten, ist nur Gutes zu sagen. . Wohl aber erheben sich gewichtige Bedenken gegen die Zrele derer, die diese beiden Herren gewählt sehen möchten. Der Zionismus will in die Synagogengemeinden feine völkischen Tendenzen tragen, die Souveränität der Thora erschüttern und stattdessen den Nationalismus auf den Thron setzen. Solchem Vorhaben müssen sich, erstens, diejenigen entgegenstemmen, die darin eine Gefahr für die uneingeschränkten Staatsbürgerrechte der deutschen Juden erblicken. Man spiele nicht damit. Und > bis zum Aeußersten werden sich, zweitens, gegen die zionistischen Eroberungsgelüste diejenigen wehren, denen das Verbleiben in einer von der altheiligen Kehilla zur nationalistisch umgewandelten völkischen Gememde religiös verboten erscheint. — Eine Brandfackel der Zwietracht bedeutet für die Gemeinde der zionistische Vorstoß, so gewiß wie dies die j Wortführer keineswegs wünschen, und so gewiß, wie sie es nicht vermeiden können. Noch gefährlicher, wenn möglich, ist die andere kleine Gruppe, die nicht genannt fein will. Sie schreibt Einheit und erreicht Uneinigkeit. Sie kündet Abwehr separatistischer Tendenzen und erzeugt Spaltung. Sie ist so diskret, daß sie sogar dem zur Wahl empfohlenen Herrn von ihrem Sem und Wesen nicht mehr anvertraut haben kann, als die Schlagworte des Rundschreibens, denn Mst würde er, der absolut parteilos ist, sich ihr laum zur Verfügung gestellt haben. Es ist das Achduthgrüppchen am hiesigen Platze. Aber es gibt innerhalb der Gemeinde Halberstadt keinen Separatismus; "dte"EinhestderGemeknde ist gegeben, und Friede und NiitrüM' sind > bisher gewahtt. Wer die Händ daran legt, wer aus parteipolitischen Gründen Gemeindestreit sät, der legt die Art an die Zukunft der Emhettsgeiyemhe. ~ » Was ist an der Gemeindeverwaltung auszusetzen? Daß jemand auf eine Frage töricht unwirsch geantwortet hat? Der Steuermodus? Um gegen beides und gegen etwa vorhandene Unzuträglichkeiten vorzugehen, dazu bedarf es nicht der Kanone des Zionismus, bedarf es nicht des Dolches der Anonymen. Wqhl aber bedarf es — angesichts der Parteikämpfe und Zerklüftungen unter den Juden in änderen Gemeinden— mehr denn je des stabilen, ruhigen friedlichen, reibungslosen Fortbestandes der hiesigen Gemeinde. Wer über die Tagespolitik der Parteikämpfer hinaus zu blicken vermag, täte wohl gut, sich von lebensgefährlichen Wahlerperrmenken fernzuhalten. , Doch solch Fernhalten allem genügt nicht. Um die drohende Gefahr abzuwenden, ist es erforderlich, daß die Freunde der Gemeinde-Einheit zusammenstehen, sich auf eine und dieselbe Kandidatenliste einigen, jegliche Zersplitterung vermeiden und vollzählig zur Wahl erscheinen. Keiner fehle. Es geht um Einheit und Eememdefneden, um den ungestörten Fortbestand der Kehillo Halberstadl. Als einfaches, besorgtes Gemeindemitglled halte ich Mich für verpflichtet, meine Meinung offen zu äußern, ehe es zu spät ist. Fiume, 9. Nov. Die hiesige orthodoxe Talmud Thora wurde neu besetzt und Herr Fischhof aus Galanta dazu berufen. Dies ist bisher der einzige „Cheder" in Italien. Zagreb (Agram), 30. Okt. Am Hofchano Rabbo fand hier die Generalversammlung der orthodoxen Vereinigung statt. Der in allen Kreisen der Orthodoxie bekannte Präsident der Vereininnv.g wollte eme ' Wiederwahl nicht.mehr annehmen. Als Anerkennung für fein unermüdliches Wirken für die Orthodoxie wurde ihm der Dank ausgesprochen und für die Leitung der Vereinigung, von ihren Anfängen bis jetzt durch ein Vierteljahrhundert, wurde er zum lebenslänglichen Ehrenpräsidenten gewählt. Die Vorstandswahl ergab: Präs.: L. Rothstein; Vizepräs.: I. Herskovic (Kassierers E. Tauber; Talm. Thora-Vorst.: I. D. Hirsch; Ausschußmitgl.: Clieser Jizchok Gelb, S. Zeitlin; Revisoren: Elijahu Gelb, L. Hesfl). Duisburg, 31. Oktober. Am Vorabend des diesjährigen jüdischen Versöhnungssestes hat der achtzehnjährige Sohn des evangelischen Pfarrers Krügell in Duisburg mit einem faustdicken Stein ein Fenster der Synagoge eingeworfen. Obwohl die Synagoge bis auf den letzten Platz besetzt war, ist durch Zusatz niemand verletzt worden. Der Täter, welcher vor dem Abiturientenexamen steht, ist ein würdiger Sproß seines Vaters, der einmal geäußert hat, die Leiden und Qualen der Juden feien eine, gerechte Strafe Gottes. Herr Ludendorff und der landfremde Herr Hitler können sich wieder einmal kn die Brust werfen wegen dieses fabelhaften Ergebnisses ihrer Erziehung der deutschen Jugend. Gleiwih, 3. Nov. Am Simchas Thora-Ausgang veranstaltete der Verein zur Förderung des Judentums eine Simchas Thora-Feier, welche einen glänzenden Verlauf nahm. Nach einem von Herrn Wolkowski verfaßten und zum Vortrag gebrachten Prolog hielt Herr Rabbiner Dr. Ochs die Festrede, welche in einen Appell an die Anwesenden gipfelte, die Bestrebungen des Vereins durch rege Beteiligung in den Schiurim- und Lehrvorträgen zu unterstützen. Alsdann folgten künstlerisch hochwertige gesangliche Darbietungen der Herren Oversänger Gordon, Oberkantor Silbert u. a. Ein fröhlicher Tanz und echt jüdische Geselligkeit hielten die Teilnehmer noch bis lange nach Mitternacht beisammen. Brieflasten. W. S. in W. ist eine Sammlung der Synonyme aus Malbims Werken und nicht von ihm selbst herausgegeben. Außer den Kommentaren zu *»*an existieren noch von Malbim verschiedene gesammelte num* S. Imirl". Berlin. Wir bitten um Adressen» angabe und Bestimmung e'ngesandten Betrages. C. S. in Fr. Auf Wunsch des Herrn E. Safier Frankfurt a. M.. Scheidswnldsträße 70 teilen wir gern mit. daß dieser mit dem in unserem Artikel Der Anstaltfriedüof in <£,* genannten Herrn Safier nicht identisch und auch nicht verwandt ist. Chewrah Kadischah in E. Frs. 30 eingegangen. I. R. in W. Die Nachrufe haben leider fast alle den Fehler, daß ste zu lang für den uns für diesen Zweck zur Verfügung stehenden Raum ausfallen und müssen daher gekürzt werden. Insbesondere müssen wir es uns versagen, den Inhalt gehaltener Hespedreden wiederzugeben. M. L. in Karlsruhe. Uns ist Näheres nicht bekannt. Familiennachrichten. B armizw o: Menni, Sohn des Herrn Heinrich Selka, Berlin, Monbijouplatz 10. 29. November nvftin '£3. Nr. 47 Seite 7 _r-jn. imn fi .. Vermählte; Jonas Vrünebaum, Else Grüne» bäum geb Steinberger. Hellftein, Kr. Gelnhausen» Dettelbach a.M. - frankfurter Gerichte. IüdHcher Synnhigrgopesdlenst im Radio. Was in den liberalen Kreisen der Berliner Jüdische« Gemeinde noch ein schöner Träum ist, ein Ziel, sehnlichst zu erwünschen, ist in unserem lieben Frankfurt erreicht. Wir haben den j ü d i s ch e n S o n n t a g s f e st g o t t e sdienst, den Sonntagsgottesdienst im Radio. Am letzten Sonntag morgen wurde alles, was in Frankfurt ein Radio besitzt (und wer hätte heute hier kem Radio?) von der Ankündigung einer ,,Jüdischen Morgenfeier" mit einer Predigt des Herrn Rabbiner Dr. Cäsar Seligmann rm Mittelpunkte überiascht. Ich ließ mir die Sache nicht entgehen und erlebte im Anschluß an den Morgenkaffee eine „erbauliche Stunde", die gerade nicht in allen Teilen erbaulich war. Zunächst ein kurzes Wort über die Schaustellung jüdischer' Kultusübungen in der weiten, ganz und gar unkontrollierbaren Oeffentlichkeit des über alle Gassen und Gäßchen sich erstreckenden Radionetzes überhaupt. Wir haben es jüngsthm schon als einen kleinen Unfug hingestellt, - wenn im Konzertsaale vor einem distinguierten Publikum von festlich animierten Herren und Damen Synagogengesänge von der Heiligkett des „Kol Nidre" aus Menschenmund ertönen. Für die Ohren der großen B e t t g e m e r n d e (er ist hier kein Druckfehler, soll wirklich „Bett" heißen), über die die Morgenfeiern des Radio verfügen, sind uns Gebete wie das „Haschem Haschem", ein Gebet, in dem in schicksalentscheidender Stunde die „dreizehn Eigenschaften" Gottes verkündet wurden, schon gar zu gut. Nun aber noch ein besonderes Wort zur Radiopredigt des Herrn Rabbiners. Der Herr Rabbiner knüpfte, wohl unter dem Eindruck ' des Wochenabschnittes am sabbatlichen Vortage, an die Opferung Isaaks an, erzählte mit unerträglichem Pastoralen Pathos in allen Details die unseren Sechsjährigen wohloertraute Geschichte auf Moria, um dann rasch auf sein Ziel loszusteuern. Im ganzen läßt sich die „Schrifterklärung" dem Sinne nach wie folgt zusammenfassen: Abraham erhebt sich über seine Zeit uno* Umgebung. Aber sein Gewissen ist noch belastet, solange er nicht durch die Tat bewiesen hat, daß er mit seinem Opferwillen hinter den Heiden, die Blut- und Menschenopfer ihren Götzen darbrachten, nicht zurückstehe. Diese letzte Tat soll nun vollbracht werden, di* letzte Gebundenheit an Haus und Besitz und an die Liebe zum Kinde gelöst werden. Das ser der Gottesruf, d. h. die Stimme des Gewissens, Jbk ihn nach Moria treibt. Dort aber kommt über ihn die höhere Erkenntnis vom reineren Gottdienen, das Opfer und Blut verpönt. Die zweite Stimme des Gewissens, der Engel in ihm, der ihm in die Hand fällt . . . Wie ein Blitzstrahl teilt diese höhere Ueberzeugung das Gewölk des Heidentums, in dem Abrahams Denken bis dahin immer noch befangen war. Die ganze Meda ist, so verkündet der Radioweise auf Welle 470 m, „der Durchbruch der jüdischen Religion aus dem Gewölks heidnischer Auffassung zu Sittlichkeit und Vernunft." Und nun die Ausnutzung, die altbekannte Glaubensformel der Reform der Eeigerschen Schule: Wenn die Propheten immer und immer wieder der Volkes Blick, m deutlicher Beziehung zum Opferkulk ihrer Zeit, auf Abraham zurücklenten, so wollen sie damit nichts anderes als die Reinigung des Glaubens und des Kultus auf Grund der Erkenntnis, die Abraham auf Moria geworden, frei vom Blut, frer von Opfer, frei — von Aeußerlichkeit überhaupt. Der jüdische Radiohörer aber, bei dem über Nacht die Sidraklänge noch nicht verrauscht sind, fragt sich: Hat Abraham bis zu Moria wirklich so wenig mit Sittlichkeit und Vernunft zu tun gehabt, daß es erst des Moria und des Frankfutter Radio und des Herrn Cäsar Seligmann bedurfte, um seiner Religion dies« Inhalte zu geben? Hat nicht vorher schon Abraham auf göttliches Geheiß Land und Heimat verlassen, um e,n neues Leben auf reinem Grunde aufzurichten? Trennt sich nicht Abraham von Lot, um jedem Hader und Unfrieden die Grundlage zu entziehen? Greift er nicht, gering an Zahl und Kraft, in einen kleinen Weltkrieg zugunsten des Schwächeren ein, um hinterher jede Entlohnung stolz und uneigennützig zurückzuweisen? Und das Bild der Liebe, Gastfreundschaft und wärmster Menschlichkeit zu Beginn des Wochenabschnittes; die Fürbitte für die schweren Sünder in Sevöm? Hat dies alles mit Sittlichkeit und Vernunft gar nichts zu tun? Ist das alles nur graues Gewölk, das sich erst aus Morias Höhen legt? Eingebung, Gewissen, innere Stimme, Durchbruch, Vernunft, Sittlichkeit, Gewölk. — Ein Funkensprühen von abgedroschenen Phrasen; ein „Gewölk", grau und trübe zusammengesetzt von seichter Religionsphilosophie und hypothetischer Bibelkritik, durch das das bißchen verzapfte „Ethik zu Ehr und Preis des Judentums" kaum sichtbarlich zum „Durchbruch" kommt . . . „Durchbruch zur Sittlichkeit und Vernunft!" Der sittliche Wille dieser Herren in Ehren. Aber wann wird sich das liberale Judentum der alten Schule aus dem Nebel billiger Weisheit und hohler Phrasen zur Wahrhett und Vernunft durchbrechen?

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