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Der Israelit · 1924-11-13 · Heft 46 (13.11.1924) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
65 (1924)
Issue
Heft 46 (13.11.1924)
Date
1924-11-13
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 Nr. 46 Der Israelit 13. November 1924 14 Juden in das britische Parlament gewählt. London, 3. Nov. Bei den eben beendeten Wahlen in das englische Unterhaus wurden vierzehn jüdische Kandidaten gewählt. Unter den gewählten Juden gehören sieben der siegreichen Konservative nPartei an. Es find die Herren: Mayor I. Brunel Cohen, Liverpool (wiedergewählt); Sir Walter de Frece, Blackpool (wiedergewählt); Sir Philipp Saffoon, Hytha (wiedergewählt); D. Finburgh, Salsora (neugewählt); Isidor Salmon, Harrow (neugewählt); A. M. Samuel, Farnham (wiedergewählt); Samuel Samuel, Putney (wiedergewählt). Der Liberalen Partei gehören fünf jüdische Abgeordnete an. ' Es sind dies: Sir Alfred Mond, Earmarthen (wiedergewählt); Major L. Hore-Belisha, Devenport (wiedergewählt); Dr. G. F. Spero, Stuke Newington (wiedergewählt); Percy A. Harris, Bethnal Green '(wiedergewählt); I. Sunlight, Shrewsbury (wiedergewählt). Der 'Arbeiterpartei gehören die folgenden zwei jüdischen ,Abgeordneten an: Emanuel Shinwell (Bergwerksminister), Linlithgow (wiedergewählt )und M. Turner-Samuels, Pernard Castle (wiedergewählt). P y t h e, das Sir Philip S a s s o o n wieder in das Unterhaus entsendet, ist derjenige Wahlbezirk, der seinerzeit zum ersten Mal einen Juden in das englische Parlament gewählt hat, nämlich Baron Mayer de Rothschild. Diese Wahl erfolgte in demselben Jahre, in dem das Gesetz über die Unwählbarkeit von Juden abgeschafst worden ist. Als das Resultat der Abstimnmng über die Aufhebung des Gesetzes bekannt wurde, wandte sich Sir Moses Montefiore mit den folgenden Worten an die Menge: „Ich danke Gott, daß er mich diesen Tag erleben lieh." Aineirika. Das Los der Rabbiner-Emigranten. Newyork, 7. Nov. Aus Warschau lief die Beschwerde ein, datz der dortige Konsul 37 Rabbinern die Visa für Amerika verweigert hat und sie aus die allgemeine Quote verwies, obwohl Rabbiner autzerhalb der Quote einreisen dürfen. Der amerikanische Staatssekretär des Auswärtigen, Hughes, hat eine Untersuchung eingeleitet. Da die Angelegenheit der 37 Rabbiner einen Präzedenzfall bieten kann, besprach eine amerikanische Rabbinerdelegation zusammen mit dem jüdischen Kongreßmitglied Sigel die zu Gunsten der abgewiesenen Rabbineremigranten zu treffenden Maßnahmen. Herr Sigel versprach, alles Mögliche zu Gunsten der Rabbineremigranten zu unternehmen. (I. T. A.) Abreise der Rabbinerdelegation aus Amerika. Newyork, 10. Nov. Oberrabbiner A. I. K u k, sowie Oberrabbiner S ch a p i r o aus Litauen und Rabbiner E p st n , das Haupt der Slobodkaer Jeschiba in Litauen, die seit mehreren Monaten in den Vereinigten Staaten weilen, um hier die Kampagne des Zentral-Relief- Komitees zu Gunsten der Jeschibas in Europa und Palästina zu fördern, treten in diesen Tagen die Rückreise in die Heimatländer an. Durch die Bemühungen der Rabbinerdelegation ist eine Summe von 400 000 Dollar für den erwähnten Zweck aufgebracht worden. Aus aller Wett. Deutschland. Die Berliner Gemeindeverwaltung hat beschlossen, die dem Schöneberger Religionsverein gehörende Synagoge im Berliner Westen, Münchener Straße, in Gemeindeverwaltung zu übernehmen. Die große Schöneberger Synagoge ist vor Jahren von privater Seite begründet worden und ist das einzige jüdische Gotteshaus in Schöneberg. Mit der Uebernahme der Schöneberger Synagoge erhöht sich die Zahl der Berliner Gemeindesynagogen von 10 auf 11. — In einer Versammlung des Zentral-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens im Spichernsaal brachte Prof. Wilhelm Do egen verschiedene Völkerstimmen im Grammophon zu Gehör. Man hörte auch jiddische Frühlings¬ und Klagelieder, sowie Sprechproben. Pros. Doegen wies auf die Verwandtschaft des Jiddischen mit dem Mittelhochdeutschen hin. — Die in München abgehaltene Reichskonferenz der unter der Führung der bayerischen Landtagsabgeordneten Esser und Streicher, sowie des thüringischen Landtagsabgeordneten Dr. D i n t e r stehenden „Großdeutschen Volksgemeinschaft" hat einstimmig eine Entschließung angenommen, in der jeder weitere Versuch einer Vereinigung mit der nationalsozialistischen Freiheitsbewegung unter der Führung Ludendorffs für unmöglich erklärt wird. Die Leitung beschließt, Adolf Hitler jederzeit die Organisation zur Verfügung zu stellen. — Unter dem Namen „Die jüdische Gemeinschaft" hat sich in Berlin eine Organisation gebildet, deren Mitglieder meist Handwerker und kleinere Kaufleute sind. Paragraph 1 der Statuten lautet: „Die jüdische Gemeinschaft sammelt alle Juden Deutschlands zur gegenseitigen Hilfe! Geschlossenes Eintreten nach außen, hilfsbereites Füreinanderstehen nach innen ist ihr Ziel." — Die Ortsgruppe Berlin des^ Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten^ veranstaltet im November eine große Reihe von Werbeoersammlungen in Berlin und in der Provinz. — Der Rittergutsbesitzer Burberg, der den jüdischen Bankier Bruhberg beleidigt und tätlich angegriffen hatte, wurde wegen dieser antisemitischen Rüpelei 'zu einer Strafe von fünfhundert Mark verurteilt. — Vor dem Schöffengericht Berlin- Mitte stand am 3. November der Arbeiter Hugo S ch alle r t, der während der antijüdischen Ausschreitungen im Berliner Scheunenviertel am 5. November 1923 an den Angriffen auf die Juden »teilnahm. Das Gericht hielt den Angeklagten des schweren Landfriedensbruchs für überführt und erkannte gegen ihn auf anderthalb Jahre Gefängnis. In der Begründung wird ausgeführt, derartige Ausschreitungen müßten sehr hart bestraft werden. Oesterreich. Als am 29. Oktober der Wiener Professor der Soziologie Dr. Mar Adler in der Wiener Universität vor dichtbesetztem Auditorium über „die Stellung der Jugend zum Sozialismus" sprach, schlugen die Hakenkreuzler, die die letzten zwei Reihen besetzt hielten, Lärm, so daß der Vortrag abgebrochen werden mutzte. — Mehrere reaktionäre Zeitungen Wiens haben sich des Falles des von Hunden zerfleischten Schusterlehrlings Grüsch bemächtigt und verzeichnen angebliche „Gerüchte", datz Grüsch von den Juden zu Ritualzwecken getötet wurde. Der Polizeipräsident von Wien hat im Zusammenhang damit an die verschiedenen Stellen der Wiener Polizei einen Erlaß gerichtet, datz gegen die Verbreiter derartiger Nachrichten mit aller Strenge vorgegangen werden solle. Rußland. Laut einer in Riga eingetroffenen Nachricht ist die H a u p t s y n a g o g e in Odessa von den Behörden geschlossen worden. — Die allukrainische Gesellschaft für Hilfe au die Pogromopfer gibt ein Schwarzbuch heraus, welches reiches Material und Photographien über die Judenpogrome in Rußland enthält. — Der Führer der Jüdischen Sektion Tscherinsky fordert in einem Artikel des Moskauer „Emetz" schärfstes Vorgehen gegen den Zionismus und völliges Verbot aller zionistischen Betätigung. — Das von Juden bewohnte Städtchen K a i d o n o w in der Nähe von Minsk wurde vollständig abgebrannt. Es liegt Brand stiftung vor. Viele hunderte jüdische Familien sind obdachlos. — Die ukrainische Sowjeterekutive verfügte die Ausweisung der nichtarbeitenden Elemente aus den Arbeiterrayons des Donezer Kohlengebietes, um so der Wohnungsnot zu steuern. Da die Juden dieses Gebietes sich als Händler und Kaufleute betätigen und keine Grubenarbeiter find, so verfallen sie der Ausweisung. Palästina. Jbn Saud, der Sultan des Nejd und Eroberer des Hedschas, hat seinen Sohn, den Emir Feisul, zum Leiter der Hedschasregierung ernannt. — Nach einer Autoreise von Warschau über Jugoslavien, Bulgarien, Konstantinopel, Anatolien und Syrien ist Herr B i a l r n s k r samt Begleitung am 5. November in Jerusalem eingetroffen. Die zurückgelegte Strecke beträgt 20 000 Kilometer. Die Rückreise nach Warschau wird ebenfalls per Auto über Aegypten, Marokko, Spanien und Frankreich unternommen werden. — Da der Unterstaatssekretär Sir Gilbert Clayton, der den Oberkommissar Sir Herbert Samuel während seiner Abwesenheit vertritt, erkrankt ist, wurde Sir Ronald Storrs, der Gouverneur des Jerusalem-Jaffa-Distrikts interimistisch zum stellvertretenden Oberkommissar von Palästina ernannt. ,— Die palästinensisch - arabische Exekutive hat an die Araber des Landes eine Proklamation erlassen, in der sie für den 2. November, dem siebenten Jahrestage der Balfourdeklaration, den Generalstreik anordnet. Die palästinensischen Araber wurden aufgesordert, sich in den Moscheen und Kirchen zu versammeln. Die Parole wurde im allgemeinen - nicht befolgt. Nur in der Altstadt Jerusalems war eine größere Anzahl arabischer Läden geschlossen. — Am 3. Novsmber ist der bekannte Zionist Dr. M. Scheinkin bei einem Straßenbahnzusammenstoß in Chicago ums Leben gekommen. Dr. Scheinkins Leichnam wird nach Palästina zur Bestattung überführt werden.' M. Scheinkin, der etwa 60 Jahre alt geworden ist, war seit Jahrzehnten in der zionistischen Bewegung hervorragend tätig. Zuletzt war er Leiter des Jmmigrationsamtes der palästinensischen zionistischen Exekutive. Personalien. Ein Sechzigjähriger. Berlin, 6. Nov. In schlichter, von herzlicher Verehrung getragener Feier haben die Verwaltungskörperschaften der „ A d a ß I s r o e I" und des B e s - Hamid rasch den sechszigsten Geburtstag des in allen Kreisen der gesetzestreuen Judenheit Deutschlands bekannten Gelehrten und Schriftstellers Dp. med. Eduard B i b e r f e l d begangen. Namens der „Adaß Israel" feierte Herr Moritz Knoller die hohen Verdienste die sich der Jubilar als Repräsentantenvorst e h e r um die fortschreitende Entwicklung der orthodoxen Genwinde Berlins erworben hat, während Herr Prof Dr. M i t t w o ch den Dank des Bes-hamidrasch an seinen allverehrten Rabbiner und Dozenten zum Ausdruck brachte. Dr. Biberfeld ist einer der Wenigen, die, fest den Tagen des Rambam eine seltene Erscheinung, profunde talmudische, Gelehrsamkeit mit ärztlicher Wissenschaft und Kunst verbinden und die neben einem mühereichen Doppeloeruf auch noch Zeit und Kraft zu literarischer Tätigkeit und öffentlichem Wirken im Geiste des orthodoxen Judentums gefunden haben. (Wir schließen uns dem Ausdruck der allgemeinen Verehrung und der innigsten Segenswünsche tmiwn nrrv n ru® für unsren geschätzten Mitarbeiter, in besonderer Herzlichkeit an. Red. d. „Israelit".) Bafel, 31. Okt. Herr Dr. A. Wlodowelski, der langjährige Assistenzarzt am hiesigen jüdischen Spital wurde als Anstaltsarzt an die Ethania in Davoz berufen. Die Stelle eines Assistenzarztes am Basel« Spital, welches streng rrtuell geführt wird, ist sofort zu besetzen. Meldungen sind an den Chefarzt Dr. Wormser zu richten. Berlichingen, 5. Nov. Eine schmerzliche Lücke wurde der hiesigen Gemeinde durch den Heimgang des Herrn Adolf Hanauer, der Simchas Thora unter großer Anteilnahme zur min gebracht wurde. Aus frommem Hause stammend; hielt der Verblichene treu an der Tradition fest. Er gehörte zu den wenigen hier, der war der pn verhindert, als ni>vn H-a fungieren konnte und wie oft vertrat er dieses Amt mit Würde. Er war ein selten edler Charakter, welcher mit allen nii^ mxra ausgestaltet war. So passen aus den Entschlafenen all 'die herrlichen Worte, die Herr Lehrer Schloß in so trefflicher Weise an feiner Bahre erläuterte. Selten gibt es einen besseren Familienvater und reelleren Geschäftsmann, als es Herr Hanauer war. Möge fein mar seinen Lieben beistehen undrnapn der schwergeprüften Gattin und den Töchtern Trost spenden. München, 31. Oktober. (Unlieb verspätet.) Ich fühle mich verpflichtet, den Lesern des „Israelit" von dem Ableben eines S-siBra i>na Nachricht zu geben. b"'*! uv "i a".mn ist am 28. Aw zu seinen Vätern versammelt worden. Don feinem Sohne würde mir die Trauernachricht mitgeteilt, und um nicht van bv naom zu sein, halte ich mich verpflichtet, sie zu veröffentlichen, da es von anderer Seite nicht geschehen ist. R. Jakob S ch o r r, Rabbiner in Kuty, Galizien, war auch in Deutschland als großer cion r>nbn bekannt und hatte hier viele Freunde und Verehrer. In seiner Jugend war er Rabbiner in Russisch-Polen in kleineren Gemeinden. In den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts regte sich in Deutschland der Geist der Unduldsamkeit, und es wurden viele russische Juden aus Preußen ausgewiefen. Die russische Negierung übte Vergeltung und verwies die stemden Juden aus ihrem Lande. Damals mußte Rabbiner Scharr, als Oesterreicher, seinen Rabbinatssitz ausgeben. Er kam nach Deutschland und fand in Karlsruhe beib^rv'-i-ivDbuivv'-i gastfreundliche Aufnahme. Dort lebte er mit feiner Familie mehrere Jahre sorgenfrermiasn bsi minri by, lernend und lehrend, und aus dieser Zeit steht er bei allen feinen Freunden hierzulande in bestem Angedenken. Als fein Vater, der Rabbiner in Kuty war, starb, kehrte er in seine Heimat zurück und übernahm als Nachfolger seines Vaters den Rabbinatssitz. Im Weltkrieg mutzte er mit so vielen Tausenden die Heimat verlassen, und als er nach Jahren zurückkehren konnte, da fand er fein Haus zerstört, feine Habe geraubt, und — was für ihn der härteste Schlag, der bitterste Schmerz war - seine v'isv, seine handschriftlichen Werke, die »»vn min die Früchts eines arbeitsreichen Lebens, waren vernichtet und verbrannt. c&a 'a'iu warn 'nnov irm, schrieb er mir damals. Wenn er jetzt die an ihn von allen Unsere allseitig bekannte Spezialität: Heveen-, Knaben- und Varnnzwok-Meiävvg in streng 1»3 Verarbeitung CARSCH Liebfrauenstr. 8-10 Neue Krame 27

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