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Der Israelit · 1924-10-09 · Heft 41-42 (9.10.1924) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
65 (1924)
Issue
Heft 41-42 (9.10.1924)
Date
1924-10-09
Page
– (sequence 7)
Language
German
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9. Oktober 1924 Der Israelit Nr. 41/42 Seite 7 Besonders schwer hat unter der Arbeitsruhe die noch ziemlich junge Tabaksindustrie gelitten. Es wird von allen Seiten die Hoffnung ausgedrückt, daß es mit dieser schlechtesten aller Kampsmethoden in Palästina nun für immer vorbei sein. Die Proteste der Gemeinden Palästinas gegen die Zwangs sonn tagsruhe in Saloniki gchen weiter. Die Demonstration in der großen Synagoge des „Rabbi Jochanan ben Sakkai" in Ieerusalem war von überwältigender Wirkung. Eine Protestresolution ist unterschrieben von etwa 70 Synagogen und jüdischen Organisationen in Jerusalem, Jaffa, Tel Awiw und Haifa. In den letztgenannten Städten janden ebenfalls imposante Protestkundgebungen statt. Die Vorgänge in Arabien. Kairo, 6. Oktober. Laut den Mitteilungen der am 2. Oktober aus der Hauptstadt Transjordaniens, Amman, in Jerusalem eingetroffenen Personen wird ein Einsall der Wahabiten in Transjordanien und die Besetzung Ammans befürchtet. Die Flüchlinge erzählen, daß ein großer Teil der Bevölkerung das Land aus Furcht vor den Wahabiten zu verlassen im Begriffe ist. Eine Streitkraft der Wahabiten nähere sich der transjordanischen Grenze. — Es wird mitgeteilt, daß 26 Wahabiten-Schwadronen aus je 250 bis 300 Pferde- und Kameelreitern gegen Transjordanien vorrücken. Die Einwohner Ammans schicken sich an, nach Jerusalem zu flüchten. Aus offiziellen Londoner Kreisen wird mitgeteilt, daß, wenn auch eine Intervention für König Hussein und gegen die Wahabiten im Hedschas nicht stattfinden kann, der Fall mit Transjordanien anders liege, weil ja Transjordanien Mandatsland ist. Wie erinnerlich, ist vor einiger Zeit ein wahabitifcher Versuch, in Transjordanien einzufallen, mit Hilfe von britischen Flugzeugen und gepanzerten Wagen abgewehrt worden. Kairo, 7. Oktober. König Hussein von Hedschas und feine beiden Söhne, Emir Abdulah von Transjordanien und König Feiful vom Irak, haben am 3. Oktober 9 Uhr abends nach dem Gottesdienst eine Erklärung abgegeben, daß sie auf ihre .herrscherrechte Verzicht leisten. König Hussein sagte seinen Freunden, er ziehe sich einstweilen zurück, hege aber die Hoffnung, daß der All- Islamitische Kongreß ihn zum Kalifen wiederwählen werde. Er teilte ferner mit, er habe die Absicht, sich nun nach dem Irak zu begeben. Die Familienschätze König Husseins befinden sich jetzt in Jeddah. In Jeddah hat ein Komitee führender Einwohner eine vorläufige Regierung gebildet, welche die laufenden Angelegenheiten regelt. . Es sind von Jeddah an den Wahabitenfüyrer Jbn Saud Delegierte entsandt worden, die sich mit ihm wegen eines friedlichen Einzugs der Wahabiten in Mekka verständigen sollen. (I. T. A.) Aus aller Welt. Deutschland. Gegen den früheren Untersuchuungsrichter Starck, der jüngst den Berliner Anwalt Dr. Klee ohne jeden Anlaß verhaften ließ, ist Antrag auf Entmündigung wegen Geisteskrankheit gestellt worden. — Im Preußischen Landtag hielt der deuffchnationale Abgeordnete Dr. Negenborn eine Brandrede gegen die Ostjuden in, Deutschland. Ungarn. Am 2. Oktober wurden an der Vudapester Universität erneut jüdische Studenten mißhandelt und verwundet. — In Budapest begann der Prozeß gegen 8 Progromisten von Salgo-Tarjan. Polen. Das Städtchen D e r o c z i n, Kreis Slonim, wurde ein Raub der Flammen. 44 von Juden bewohnte Häuser, sowie 17 andere Gebäude brannten bis auf den Grund ab. Rußland. Ein besonderer jüdischer Gerichtshof ist vor kurzem in Krementschug eröffnet worden. Die Geschäfts- und Verwaltungssprache des Gerichtshofes ist liodifch. — Die kommunistische Partei des Distrikts Krementschug hat beschlossen, eine jiddische Sonderbeilage der lokalen kommunistischen Parteizeitung herauszuzeben. — Die letzten Nachrichten aus Rußland besagen, >aß in Verbindung mit der Untersuchung gegen die Verbreiter der Proklamation der zionistisch-sozialistischen Partei „Zeire Zion" mehr als 600 Anhänger dieser Bewegung vehaftet worden sind. In Jekaterinoslaw wurde u. a. der Bevollmächtigte der lokalen Abteilung der Welthilfskonferenz D. I. Lewin verhaftet. — Die russische'Regierung ist von der staatlichen Aüs- A^Wungskommission ersucht woden, die Ausgabe von -pasM^ nach Amerika einzustellen, da die Immigration dort "doch unmöglich fei. - Griechenland. Die griechische Regierung beschloß, in Saloniki eine griechische Universität nebst einer Fakultät für hebräische Studien zu eröffnen. Sie wird die zweite Universität Griechenlands sein. England. Die alte jüdische Gemeinde Liverpools hielt anläßlich des fünfzigsten Jahrestages der Einweihung ihrer Synagoge am Sonntag, den 21. September einen Jubiläumsgottesdienst ab. Die Gemeinde Liverpool wurde im Jahre 1780 gegründet. Die gegenwärtige Synagoge wurde von dem Oberrabbiner Dr. Nathaniel Adler am 3. September 1874 eingeweiht. Palästina. Der Gerichtshof in Nablus unter dem Vorsitz des palästinensischen Oberrichters Sir Thomas «t sprach am 25. September das Urteil gegen die caber, die im Juni d. Js. in der Nähe von Kilkiliah den Chaluz Leibowitsch aus der Kolonie Tel- Joseph ermordet haben. Die beiden Araber wurden zum Tode verurteilt. — Weizmann erklärte, die Gemeindeordnung sei vom Kolonialamt grundsätzlich angenommen, doch werde sie wegen der Notwendigkeit einzelner Aenderungen erst nächstes Frühjahr in Kraft gefetzt werden können. — Die amerikanische Investitions-Gesellschaft will ihre Arbeit mit einer Million Dollar diesen Winter in Palästina beginnen. — Neue etwas erleichternde Jmmigrationsoerordnungen find erschienen. Personalien. Berlin, 1. Oktober. Das Kuratorium des Rabbinerseminars zu Berlin hat Herrn Dr. I. Weinberg (zurzeit Berlin) einen Lehrauftrag für Talmud und talmudische Literatur für das Wintersemester erteilt. Tyrna (Slowakei), 5. Oktober. Vor dem Ausgange des alten Jahres, am 26. Ellul, verschied hier nach kurzem, schwerem Leiden die allseits verehrte Gattin des bekannten hochgelehrten Oberrabbiners Mayer Stein '"2, Frau Taube Stein geb. Schück, im Alter von 56 Jahren. Eine mit den schönsten, edelsten jüdischen Tugenden ausgestattete Frau, eine fromme, gütige und kluge, wie ideale Rebbezin, eine heldenmütige, wackere Mutter von 10 ausnahmslos braven, frommen Kindern, ist frühzeitig ihrer Familie und der Gemeinde entrissen worden. Die innige Teilnahme an dem großen Schmerze des allgemein geschätzten ehrwürdigen Hauses erfaßte die weitesten Kreise, was insbefrnbere bei der am Freitag, den.27. Ellul vormittag stattgehabten '’ibn in der rührendsten Weise zum Ausdruck kam, als eine fast unübersehbare trauernde Menge im Hofe des Trauerhauses sich einfand, um der Verewigten die letzte Ehre zu erweisen. Kein Auge blieb tränenleeer, als der ehrwürdige Gatte an die, von den Kindern, dem Gemeindevorstand und den herbeigeeilten Rabbinern umgebene Bahre herantrat und mit von Tränen erstickter Stimme sich von der Gefährtin seines Lebens, der guten Rebbezin, verabschiedete. Im Namen der Verwandtschaft sprach Oberrabbiner Dr. B. Fischer aus Trenjchin, sich den Leidtragenden anschließend, cnysn , und die große Seele, den hohen, göttlichen Idealen zugewandten Sinn, und das herrliche durch die Kunst jüdischer Lebensanschauung aufgebaute hienidige Leben der Entschlafenen schildernd und insbesondere auf den hehren Geist hinweisend, den die Verewigte, als die würdige Tochte des großen Karczoger Rabbiners ma p'v mbv, aus dem väterlichen Haufe mitbrachte und ein ideales, alle bezauberndes jüdisches Familienleben schuf, das dem ehrwürdigen Gatten gestatete seine Zeit ungeschmälert seinen gelehrten Arbeiten, den hohen Aufgaben seines schweren Berufes und dem Wirken für die Gesamtheit zu widmen. — Oberrabbiner Dr. Samuel Klein aus Nove Zamky sprach im Namen des „Verbandes traditionstreuer Rabbiner in der Slowakei", der Momente gedenkend, da die Van '2'2'va versammelten Rabbinen im Hause der Verewigten ein ideales jüdisches Haus fanden und bewunderten. Weiterhin gab Herr Dr. Fromm, Präses der Gemeinde dem großen Schmerze der Gemeinde in herzlichen und bewegten Worten Ausdruck, und nachdem noch Herr Rabbiner Weisz aus Nove Mesto Worte der Trauer sprach, geleitete die Menge die Frühvollendete ins. „Haus der Ewigkeit". In der Verewigten betrauern H. Pinchas Stein in Nove Zamky und Dr. Arthur Stein, Budapest, ihre Mutter und Oberrabbiner Bernhard Schück-Temesvar und Bezirksrabbiner Mosche Aron Schück-Karczag ihre Schwester. •nass« Vermischtes. Langenselbold, 30. August. Die israelitische Gemeinde Langenselbold ist aus schwachen Kräften hervorgegangen und kann auf einige Jahrhunderte zurückblicken. Sie hat ihre religiösen Einrichtungen, wie Synagoge, Friedhof, Schule und dgl. aus eigenen Mitteln gegründet, erhalten und wiederholt erweitert. Die jetzige zweite Synagoge, die 1907 durch Anbau erweitert wurde, kann am 30. August ihr 75jähriges Bestehen feiern. Eine dritte Erweiterung des jetzigen Friedhofes ist ihr von der Behörde aus sanitären Gründen nicht gestattet. De Gemeinde ist somit gezwungen, eiligst ein Gelände zu ewerben und einen Friedhof anzulegen, was mit hohen Kosten verknüpft ist. Die Gemeinde kann zurzeit die Kosten nicht aus eigenen Mitteln aufbringen und bittet diejenigen Personen, die Beziehungen zur Synagogengemeinde Langenselbold staben, ihr bei der Aufbringung der erforderlichen Mittel HMzu, wie zur Renovierung der Synagoge behilflich zu M. Sprechsaal. Vom Kölner Seminar. Unter Berufung auf den Herrn Seminaroberlehrer Stoll hat Herr Lehrer Steinhardt in einem Referats wiedergegeben in den Blättern für Erziehung und Unterricht, Nr. 39, Seite 15, die Behauptung aufgestellt, das Kölner Jüdische Lehrerseminar „vegetiere mit einem Schüler". Diese Mitteilung widerspricht der Wahrheit. Selbst in den für die Lehrerausbildung traurigsten Perioden der Nachkriegszeit gab es kein Tertial, in dem wir weniger als 3 Schüler hatten; in diesem Halbjahr aber zählen wir 10 Seminaristen, und weitere Neuanmeldungen liegen vor. Der Studiendirektor. Dr. Carlebach. Brieflasten. I. M. Betrag eingegangen und Aufgabe gemäß verbucht. Familiennachrichten. Barmizwoh: Rafael, Sohn der Frau Dr. Warszarvskri, Fürth, Bayern, Blumenstratze 49. N22v »"NN P"B>. Frankfurter Berichte. Direktor Gerfon Lange zum Gedächtnis! Zum ersten Jahrzeittage. Am Tage, da Israels Häuser sich rüsteten zum Feste der Gottesliebe und des Gotoertrauens, am Crew Sukkaus erlosch fein Leben, das einzig geglüht hatte in Gottvertrauen und Gottesliebe. Lang und hart war der Kampf, den Himmlische und Irdische kämpften um dies heilige Leben, den Himmlischen ward der Sieg, — und wir, da wir uns bereiteten zum Feste der Freude, ward uns die Krone der Freude geraubt! Simcho fchel Mizwoh — in wessen Herz wäre tiefer und strahlender je ihr Verstehen gedrungen, Tauroh und Jiroh — in wessen Seele hätten sie reiner und vollkommener sich je geeint als in der unseres Meisters Vst Dies war das Große an ihm: daß er ein Ganzer war in diesem Geschlecht der Halben: daß jedes Wort und jede Tat Zeugnis gab von einem Leben, das diesem einen Ziele nur zulebte, dem großen Ziele: Jude zu sein. Wir setzen nicht Denkmäler von Erz und Stein unseren Toten. Wir wollen nicht Langes und Breites von dem reden, was er, uns war, uns, die wir ihm nahestehen dursten. Sein Denkmal und Gedächtnis fei dieses: Daß jeder Funke heiliger Begeisterung, der von feiner Feuerfeele übersprang iw unsere Seelen — daß jeder Funke zur hell auflodernden Flamme werde. Jahrzeitslernen für Direktor Lange Vst. Am jvdo , Sonntag, den 12. Oktober, findet im Haufe des Verstorbenen Vsr, am Tiergarten 8, morgens 7 Uhr, anschließend an imm? nVn (Beginn 6,20 Uhr) ein Jahrzeitlernen statt. Die Talmidim, die nach dem Heimgang ihres unvergeßlichen Lehrers, dessen Schiurim fortgeführt und auch während des Vrr -Jahres nw» v'v ausgelernt haben, veranstalten einen qvo. auf nwa o"v Wir nehmen an, daß zahlreiche Beteiligung das Andenken des Heimgegangenen Vst ehren wird. a»vaVn ]» pvp Frau Betty Simon n"v. Am Sonntag, den 21. September, haben wir hier in Frankfurt Frau Betty Simon zur letzten Ruhe getragen. Geboren in Geisa im Jahre 1831, hauchte sie im patriarchalischen Alter von 93 Jahren ihre reine Seele aus. Als Kind verlor sie bei einem großen Brande, der damals die Hälfte der jüdfchen Gemeinde in ihrem Heimatorte obdachlos machte, ihre Mutter. Zwei Jahre später starb, ebenfalls bei einem dortigen Brande ihr Vater von Schreck und so stand sie frühzeitig verwaist, nur auf sich selbst angewiesen, da. Mit ihrer Hände Arbeit hat sie mühevoll unter vielerlei Entsagungen, aber ehrlich und rechtschaffen, ihren Unterhalt verdient. Nach 23jähriger Ehe in Höchst a. d. Nidda starb ihr Gatte, und wiederum stand sie nunmehr allein mit 3 unmündigen Kindern dem Kampf ums tägliche Brot gegenüber. Wacker und gottergeben hat sie den großen Kampf durchgeführt. Ein glückliches und ihre Umgebung beglückendes Gottvertrauen und eine nimmer ermüdende Gottesfurcht beseelte sie, die sie auch in Zeiten höchster Not und bitterster Schickfalsschläge nie oerlaffen hatte. Bis zum hohen Alter von 85 Jahren lebte sie von ihrer Hände Arbeit, bis sie dann schweren Herzens dem dringenden Wunsche ihrer Kinder Folge leistete und nach Frankfurt übersiehelte. Hier verbrachte sie sodann ihren späten Lebensabend in der wohl ver-

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