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Der Israelit · 1924-10-02 · Heft 40 (2.10.1924) · page 9

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
65 (1924)
Issue
Heft 40 (2.10.1924)
Date
1924-10-02
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
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WIM Der Israelit Rr. 40 1024 *|Va T>ir, o König, wollen wir huldigen- Höchster Könitz — Stark und erhaben, Wall ist Cr und Graben. Tun ist Sein Sagen, Hoch und erhebend, Throne vergebend. Allem obschwebeno — herrschet in Zeit und Ewigkeit. Höchster König - Machttaten erweiset Cr, Geschlechter ruft Er her, Siegel entsiegelt Er, Läuter im Wort zumal, Kennet der Sterne Zahl, Bahnen und Kreise all — herrschet in Zeit und in Ewigkeit. Höchster König — Gepriesen von allem, Mächtig zu allem. Der Gnädige allem, Gibt Speise allem, Verborgen vor allem, Doch wachend über allem, herrschet in Zeit und in Ewigkeit. Höchster König - Des Vergessenen nicht vergißt Er, ,Das Inwendige ermißt Er, Klaren Auges ist Er, Des Herzens Trachten liest Er, Ein Gott der Geister, Wahren Wortes Meister - herrschet in Zeit und in Ewigkeit. Höchster König — In seinem Schlosse in Lauterkeit. In seinen Palästen voll Wundersamkeit, Ist Er ohne alle Gleichheit, In aller Seiner Wirksamkeit, Der den Sand setzt dem Meere zur Grenzscheid. Dem Behemot und seinem Widerstreit — herrschet in Zeit und in Ewigkeit. Höchster König — Er sammelt die Wasser im Meere, Erreget die Wogen wie Heere, Daß sie fürchterlich brüllen, Die Welt mit Getöse erfüllen. Doch ihr mächtig Geschwille Zwingt er allmächtig zur Stille — herrschet in Zeit und in Ewigkeit. Höchster König — Herrschend in Majestät, In Sturm und Wetter Er geht. Glanz wie ein Kleid Ihn umweht. Die Nacht wie Tag vor ihm steht. Finsternis birgt Ihn dicht. Doch Er selber wohnet im Licht — herrschet in Zeit und in Ewigkeit. Höchster König — Wolken Ihn decken, Flammen rings lecken, Cherube tragen Ihn, Blitze als Diener glühn. Ruhe- und Wandel-Stern Jauchzen in alle Fern: Er herrschet in Zeit und in Ewigkeit. Höchster König — Tuet die Hand aus und lässet genießen, - Sammelt den Regen und läßt ihn ergießen. Ueber drei Länder und viere zu fließen, Auf dürre Aue und machet sie sprießen. Tag jauchzt dem Tage zu Jauchze dem Herrn auch Du: Er herrschet in Zeit und in Ewigkeit. Höchster König - Heilig und schauderooll. Mächtig und wundervoll, Misset die Erde ein, Setzt ihr den Eckenft in. Schaffet so Groß wie Klein Zur Ehre sein — herrschet in Zeit und in Ewigkeit. Höchster König — Merket aus Elend, Zum Flehn sich hinwendt, Uebersetzung des ..Melech Eljaun" von Rudolf Otto: „Das Heilige". S. 210, Verlag F. A. Perthes. Gotha-Stuttgart 1924. Seine Milde verlängt, Seinen Zorn bezwangt, Allen Anfang anfängt. Allen Endes End — f , f herrschet in Zeit und in Ewigkeit. Höchster König — Richtet mit Wahrheit, Seine Werke sind Wahrheit, Uebt Gnade und Wahrheit, Selbst Gnade und Wahrheit. Sein Wandel in Wahrheit, Sein Siegel die Wahrheit — herrschet in Zeit und in Ewigkeit. Die Messiasbraut. Die Geschichte einer verlorenen Hoffnung. Von S. Schachnowlh. (Fortsetzung.) Nur für Minuten sah das Mädchen verlegen und bestürzt zu Boden. Dann aber gewann sie bald wieder die Macht über sich. Sie richtete sich in ihrer vollen Höhe auf. „Gehe und tue, wozu Dich Dein Herz treibt. Ich aber sage Dir, Kassato, Du wirst das Wunder nicht mehr zerstören. Das Volk will sein Wunder haben, drinnen im Ghetto wie draußen und läßt es sich nicht mehr nehmen. Auch ich will das Wunder und fürchte Deine Drohungen nicht ..." Sie war wieder ganz sie, und er stand zerknirscht, bettelte zerschmettert um einen Wink, um ein Zeichen der Gnade. „Läßt Du mich so gehen, Sarah?" „Ich gehöre einem Anderen, einem Höheren, der wiederum seinem Volke gehört, und ich bin so wenig frei wie er." „Dieser Andere existiert nur in Deiner Vorstellung, ist ein Phantom. Wenn Du ihn siehst, ist es ein Mensch von Fleisch und Blut, mit Fehlern und Gebrechen, und das Phantom ist verflogen." „Er ist der Messias." „Er wird es nur so lange sein, als er sich dafür hält und das Volk an ihn glaubt." „Das Volk glaubt an ihn, schwört auf ihn." „Nicht länger, als bis der Richtige kommt und ihn aus dem Felde schlägt." „Wer ist der Richtige?" „Ich! . . ." Sarah sah ihn mit großen Augen an. „Bist wahnsinnig, Kassato!" „Nicht so, wie der Mann Deiner Träume, der Sabbatai in Kairo." „Worauf stützst Du Deine anmahlichen Angaben?" „Auf Dich." Auf mich?" „Du bist die Messiasbraut, sagst Du und sagt alle Welt. Ich aber gehöre zu Dir und Du zu mir, das sagt mir meine Seele Minute für Minute im Schlafe wie im Wachen. Also bin ich der Messias, dem Deine Seele zustrebt." „Würde mein Herz wirklich für Dich schlagen, so gehörte zum Messias mehr als die bloße Neigung eines Weibes," lachte Sarah sehr verächtlich. „Dieses Mehr ist nicht unerreichbar und ich bin bereits auf dem Wege dazu. Ich studiere die Kabbala Tag und Nacht und bin seitdem ein Anderer, wie schon mein neuer Name besagt. Ein Kreis glaubt bereits an mich und kennt mich nur unter dem Namen NehemjaHakohen. Dieser Kreis wird wachsen, wenn meine Mission in England beendet ist . . . Wir sind daran, die Herzen der Weltbeherrscher zu gewinnen und die Pforten der Länder für die neue Zeit zu sprengen ... Ich bin in Italien tätig und gehe von hier nach London, wo Oliver Cromwell uns empfängt und anhört. Noch hat Manasse den Israel die Führung, weil er älter ist, aber den Enderfolg bringe ich . . . Mein Name wird sich ausbreiten über alle Lande. Ich werde Erlösung verheißen und auch bringen und den Falschen vom Throne, den er sich im Herzen des Volkes erheuchelt, stürzen." Er machte eine Bewegung, als wollte er sich ihr nähern. Sie stieß ihn verächtlich zurück und wandte das Gesicht ab. „Ich werde ihm den Glanz nehmen", sprach er unbeirrt weiter, und das mir geraubte Weib mir zurückerobern. Ich kenne Sarah, Deine Wege und Deine Ziele und werde überall da sein, wo Du bist. Werde aus dem Dunkel der Nacht hervortreten, wo Du meiner am wenigsten denkst. Wirst aber an mich denken und bald meiner .warten. . . Dann erst bist Du die w a h r e Messiasbraut..." Sarah hörte die letzten Worte gar nicht mehr, sie war im Vorzimmer verschwunden, wo die Diener bereits mit den gepackten Koffern und Körben auf ein Zeichen zum Aufbruch warteten. Nach wenigen Stunden waren Sarah und Jachini mit ihrem Anhang auf dem Schiffe, das den Kurs nach den ägyptischen Gewässern nahm. 20. Neue Hoffnungen in Amsterdam. Während im Orient und im Süden Europas die Flammen immer höher und heller loderten, schien sich in Amsterdam mit der Abreise Sarahs das Interesse für Sabbatai langsam zu verwischen. Die Emissäre, die das Feuer schüren und die Flammen lebendig halten sollten, waren nicht da, und das Rabbinat, das von Anfang an der Sache nicht viel Beachtung schenkte, glaubte jetzt darüber völlig zur Tagesordnung hinweggehen zu können. Jsaac Aboab und seine Kollegen im Rabbinate hatten noch genug von dem Spinozarummel und waren froh, daß sich die neue Bewegung in den Sand verlief. Als die neuen Wunder in Amsterdam bekannt wurden, die dazu angetan waren, die Gemüter von neuem zu wecken und dem Einfluß, der aus der polnischen Kolonie, vornehmlich dem Hause Aron Umaners ausging, neue Nahrung zu verschaffen, stand ein anderes Ereignis im Brennpunkte des allgemeinen Interesses und lenkte aller Augen und Sinne für eine Zeitlang gänzlich von Sabbatai ab. Einer der Rabbiner Amsterdams, M a - nasse den Israel, der wohl wegen seiner reichen Kenntnisse geehrt und als Redner von Geist und Schwung sehr geschätzt war, von vielen aber wegen seiner schwärmerischen Ideen auch verspottet wurde, war jetzt plötzlich in aller Mund. Seine Schriften über Bibel und Philosophie wurden in Amsterdam selbst zunächst wenig gelesen. Deren eine, benannt „Die Hoffnung Israels" fand aber dasOhr desvielmögenden Protektors Cromwell in London. Die Schrift war auch speziell an England gerichtet und setzte auseinander, wie dieses große Inselreich zur Sammlung und Erlösung des jüdischen Volkes beitragen könne, wie es gleichsam von ihm allein auch abhänge, das letzte Ende herbeizuführen, indem es seine Pforten den Juden öffne und ihnen volle Bürgerrechte verleihe. Sollte die Stunde der Erlösung schlagen, so hieß es in diesem Appell, so müßte die Zerstreuung des jüdischen Volkes vollkommen sein und sich auf a l l e Länder erstrecken. England hatte aber seit der Austreibung 1290 nur einige Juden in seinen Grenzen. Ueberdies sei England berufen, das Unrecht der Welt an den Juden gut

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