Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 65 (1924)
- Issue
- Heft 40 (2.10.1924)
- Date
- 1924-10-02
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 Nr. 40__ Terrors und des Zusammenschlusses der gesamten" antijüdischen Front in Kowno als eine Ueberraschung angesehen werden. . Eine offizielle Statistik der Pogrom-Opfer. Moskau, 18. Septeernber. - Das offizielle Sowjetorgan „Prawda" veröffentlicht in der Nummer vom 14. September eine kurze Uebersicht der anti-jüdischen Exzesse, die sich in der Ukraine in der Zeit der Bürgerkriege ereignet haben. Die Gesamtzahl der von den Weihen Armeen verübten Pogrome ist 1235. Es wurden 70 000 Juden getötet, 200 000 Kinder zu Waisen gemacht. 500 000 Juden flohen aus ihren Heimatorten, mehrere Hundert Städte und Dörfer, sowie von Juden bewohnte Kolonien, wurden zugrunde gerichtet, Häuser, Vieh und Wirtschaftsgerät wurden verbrannt. Einzelne Ortschaften erlebten nicht weniger als 17 Pogrome. Die Fragen Palästinas vor der Mandatskommiffion. Jerusalem, 28. September. Wie schon berichtet, werden der Oberkommissar von Palästina, Sir Herbert Samuel, sowie Vertreter der Zionistischen Organisation als der Jewish Agency im Oktober d. Js. vor der Mandatskommission des Völkerbundes in Genf Bericht erstatten. Von den seitens der Mandatskommission betreffend die Verwaltung gestellten Fragen sind folgende zu nennen: Welche Maßnahmen sind getroffen worden, um das Land in eine solche politische, administrative und ökonomische Lage zu bringen, daß die Errichtung eines- Nationalheims für das jüdische Volk sichergestellt ist? Welche Maßnahmen sind ferner getroffen worden, um im Lande solche politische, administrative und ökonomische Verhältnisse zu schaffen, daß die bürgerlichen und religiösen Rechte aller palästinensischen Einwohner ohne Unterschied von Rasse und Religion geschützt werden? Von den die Tätigkeit der Jewish. Agency berührenden Fragen sind die folgenden hervorguheben: "; In welcher Weise ist die Jewish Agency offiziell anerkannt worden? Von welcher Art ist ihre Zusammenarbeit mit der Palästina-Administration in den! wirtschaftlichen, sozialen und anderen Angelegenheiten? In welcher Weise hat die Agency an der Entwicklung des Landes teilgenommen? und was ist unternommen! worden, um den Zusammenschluß aller jener Juden! sicherzustellen, diean der Errichtung eines jüdischen Nationalheims mitzutun bereit sind? Aus aller Welt. Deutschland. Es verlautet,.daß Leon Blum, ein' bekannter französischer Deputierter jüdischen Glaubens, als französischer Gesandter nach Berlin kommt. — Gegen die Bewährungsfrist für Hitler legte der Staatsanwalt Berufung ein. — Ingenieur Dr. Karl Adel st ein, der den großen Zeppelinkreuzer Z. R. 3 in"den jüngsten Tagen auf der Probefahrt durch Deuffchland und Skandinavien geführt hat, ist Jude und stammt aus Prag. — Gegen die in Berlin erscheinende Zeitung „Montag Morgen" wurde wegen eines darin enthaltenen Artikels das Ermittelungsverfahren wegen G o t t e s l äste r u n g eingeleitet. — In Köln wurde im Vorraum der Synagoge ein Denkmal für die im Kriege gefallenen jüdischen Bürger der Stadt enthüllt. Der Feier wohnte unter anderen als Vertreter der Regierung Regierungsvräsi-. dent Graf Adelmann bei, ferner Bürgermeister Berndorff und der Rektors der Universität. — Die Polizeidirektion beschlagnahmte eine Extraausgabe des von dem völkischen Nogeordneten Streicher herausgegebenen Nürnberger Wochenblattes „Der Stürmer", das in großen Massen auf den Münchener Straßen verbreitet wurde und in dem behauptet wird, daß der völkische Abgeordnete Dr. Dinter im Bahnhof Saalfeld von den Juden vergiftet worden sei. — Wie berichtet wird, ist der Präsident der thüringischen Staatsbank L o e b, gegen den die Völkischen unter Führung Arthur Dinters seit vielen Monaten, weil er Jude ist, einen rücksichtslosen Feldzug führen, von seinem Posten zurückgetreten. — Wie die I. T. A. meldet, sprach auf der diesjährigen Tagung der Gesellschaft für freie Philosophie (Schule der Weisheit) in Darmstadt, die unter dem Zeichen der Diskussion des Themas „Werden und Vergehen" stand, u. a. auch der Berliner Rabbiner Dp. Leo Baeck über „Tod und Wiedergeburt". — In Berlin verstarb im Alter von 79 Jahren Prof. Dr. Solomon K ä li scher. . Professor Der Isr.ael.it Oktober. H924 "Kalischer' war ein Verwandter des berühmten Rabbi Hirsch K,a l i s-ch e r. Cr wirkteseitl896'als Professor an. derMechnischen Hochschule in Berlin-CharWeNMrg. Prof. Kalischer leitete jahrelang den Deutsch-isräelillschen Gemeindebund, .war Repräsentant der-Berliner jüdischen Gemeinde Ä /bis zuletzt als Mitglied des' Schulvorstandes der Berliner jüdischen Gemeinde aktiv tätig. : S ^rveiz.- Am vergangenen Dienstag nachmittag brach im Israelitischen. Waisenhaus - zu Bafel plötzlich Feuer "aus. Durch die Löscharbeiten wurde das Haus bis auf dey ersten Stock durchnäßt. Der Schaden wird auf 100 000 Franken geschätzt." Die 38 Kinder des Waisenhauses wurden im Israelitischen. /Spitalüntergebra'cht. ' ' - ‘ : 'v r‘" •' Polen. Der Steuerdruck, der^ auf den jüdischen Kaufleuten und Handwerkern in der 'Provinz Lublin lastet ist * fo großdaß manche Gemeinde zum Zeichen des Protestes einen Fasttag einberiefen. — Im großen Warschauer- Militärgefängnis wurde eine eigens eingerichtetes jüdisches Bethaus, die erste Gefängnissynagoge in Polen, feierlich eingeweiht. Tschecho-Slowakei. Die Angriffe gegen die jüdischen Studenten an der Prager Universität wurden von den letzteren tapfer abgeschlagen. Der Präsident des jüdischen Nationalrates wurde beim Kultusminister Dr. Markowitsch, ebenso eine Delegation der jüdischen Studenten beim Rektor vorstellig. Frankreich. Die Emigrationsgesellschaft „Hias" bemüht sich bei den zuständigen Instanzen, die jüdischen Flüchtlinge aus dem Osten für die Aufbauarbeiten in Nordfrankreich heranzuziehen. — Nach einer Erklärung der französischen Regierung dürfen jüdische Emigranten, die aus irgendeinem Gunde in französischen Häfen stecken geblieben sind, dauernd in Frankreich bleiben/ 1 Palästina. Im Zusamenhang mit der sechzigsten Wiederkehr der Gründung der' Ersten Internationale sind am 20. September in ganz Palästina in hebräischer und arabischer Sprache Proklamationen verbreitet worden, in welchen die arbeitende Klasse des Landes aufgefordert wird, sich der von dem Amsterdamer Internationalen Gewerkschaftsbüro ausgegebenen „Nie wieder Krieg"-Parole anzuschließen. — Sechzehn Arbeiter in der neuen Misrachi-Siedlung „Kfar Jbxi" bei Jerusalem, die mit der Kolonieverwaltung in Meinungsverschiedenheiten gerieten, und entlassen wurden, veranstalteten eine Demonstration. Die Polizei schritt ein und verhaftete alle Demonstranten. ^Monaten bis.. zu 1 Jahr 5 Monütem Bewährungsfrist' würde sämtlichen Angeklagten versagt/ Im der Urteilsbegründung ' wird mit besonderer Betonung Her unheilvolle Einfluß der Führerpuf. die, jugendlichen - Angeklagten aus: strczsmild.eryder Umstand angeführt; straftrschwerend' wirkte die' gemeine Roheit und' Brutalität/ mit der die Angeklagten börgangangen seien.- f'!'; ZU einem kleinen Zusammenstoß, zwischen dem Rechtsbeistand. des Nebenklägers . Goldstein - - upd - dem Vorsitzenden kam es, als ersterer in seinem Plädoyer, in ernster Weise gegen Ehrhardt und Johnson Stellung, nahm und sie. als die eigentlich Schuldigen bezeichnete, die auf.-die Anklagebank gehörten. Per'Vorsitzende hielt es für feine Pflicht, wegen dieser.Kritik. „-vaterländisch verdienter Männer" dem 'Rechtsbeistand,' öes Nebenklägers eine Rüge zu -erteilen,; .; , : ' Personalien. Emden, 1. September. Mit dem 1. September trat unser Lehrer Herr Apt in den wohlverdienten Ruhestand. Nachdem er nach Absolvierung des Lehrerseminars in Kassel einige Jahre in Meppen gewirkt hatte, übernahm er vor fast 36 Jahren die hiesige zweite Lehrer-, stelle. ,2wei Generationen hat er, der die Kinder aus den Händen der Eltern. Entgegennahm, zu rrrayi min; herangebildet. Die Verehrung, die Herr Apt sich in der. Zeit seiner hiesigen Tätigkeit erworben hatte, kam bei der ihm zu Ehren veranstalteten Abschiedsfeier in der Schule, feinem langjährigen Wirkungskreise, zum Ausdruck. Nachdem Herr Apt sich in zu Herzen gehenden und von.Herzen kommenden Worten von den Schülern verabschiedet hatte/ würdigten die Vertreter der Gemeindeverwaltung, des Schulvorstandes, des Elternbeirats, der ehemaligen Scküler und der Kollegen die Verdienste um Schule und Gemeinde. .Durch seine gewissenhafte Tätigkeit hat Herr Apt sich ein unauslöschliches Denkmal in unserer. Gemeinde gesetzt. Die Abschieds-, grüße des Vereins der jüdischen Lehrer iü den Rabbinatsbezirken Emden—Oldenburg—BreMn, dessen MiMgrunder üerr Apt war und in deni er bis zuletzt eifrig mitgearbeitet hat, überbrachte '^err Hauptlehrer ä. ,D. Wollf. Herr Apt war auch langjähriger Vorsitzender der Kranken- und Beerdigungsbrüderschaft, In Anerkennung. feiner Verdienste würde er Unter Ueberreichung einer sehr schön ausgesüyrten Ehrenurkunde zum Ehren-! Mitglied ernannt/ Die Stunde der Abfahrt von Emden gestaltete sich zu einem erhebenden Ausdruck der Verehrung. Sämtliche Schüler, /ein Teil' der ehemaligen. Freunde und der Vorsteher der Gemeinde/,der Herrn Apt auch vor 36 Jahren in sein Amt eingeführt hatte, gaben dem^Scheidenden das Geleit zum Zuge. Möge Herrn Apt noch .eine Reihe von Jahren der Ruhe in ungestörter Freude und Zufriedenheit im -Kreise seiner Kinder beschieden sein. " Vermischtes. Mrnberg. 12. September. Vor dem Schöffengericht Bamberg ging heute Her Prozeß gegen die wegen schweren Raubes und Landfriedensbruchs' angeklagten 15 Mitglieder der Brigade Ehrhardt, die, wie bereits berichtet, im Oktober 1923 die Wohnung des Kaufmanns Karl Goldstein überfallen und ausgeplündert haben, zu Ende. — In ihrer Verteidigung wiederholten die Angeklagten noch einmal ihre Erklärung, daß sie sich auf Grund der Hinweise ihrer Führer und der Auslassungen der völkischen Presse zu ihrem Vorgehen für berechtigt gehalten haben, insbesondere beschuldigten sie einmütig den völkischen Führer Johnson aus Koburg, der die Rolle des. Regimentskommandeurs gespielt hatte, sie zu ihrem Vorgehen gegen die „Juden" ermuntert zu haben. — Das Urteil lautete gegen den Führer Kiese auf 1 Jahr 6 Monate Gefängnis, gegen die übrigen Angefrankfurter Berichte. , Julius Rlesch"Ls. Einen herben Verlust erlitt. unsere Gemeinde mit dem plötzlichen Heimgange des weit über das Weichbild Frankfurts und die Grenzen Deutschlands hinaus bekannten .Inhabers desHotels Ulmann, Julius Ries. In seinem. Fache unübertroffen, war Ries das Muster eines jüdischen Hoteliers im Sinne eines G a st g e b e r s, dessen Haus neben allem" modernen Komfort den Fremden echt jüdische/Gastlichkeit bot. Als Mensch war Ries von liebenswüdigem Wesen, freundlich. und zuvorkommend gegen jedermann, von tiefer schlichter .mn»- beseelt, und ein überaus großer Freundeskreis trauert mit -der gleichgearteten Gattin und den Kinderndie alle im Geiste des Vaters leben und-wirken, tief, und aufrichtig um den trefflichen Mann.:. unmn ii> Am Freitag vormittag fand die "i!- unter sehr großer Beteiligung statt. AN der Bahre hielten tiefempfundene onson Dasein G- P o s e n und als Freund des Hauses. Herr B. R a b i n:ow i c z. Max Weil Im blühenden Alter von 24 Jahren ist einer unserer Besten, Max Weil, seinen betagten Eltern, seinen Geschwistern, seinem Freundeskreis entrissen, worden. Von seinen wegen ihrer echten Frömmigkeit weichin bekannten Eltern in einem Milieu von ruo'i fnw erzogen, lernte er von frühester Jugend an, in der Erfüllung des Gottesgesetzes die höchste Lebensaufgabe, die höchste Befriedigung zu erblicken. Der Schule entwachsen, besuchte er die Frankfurter Jeschiwoh, legte dort den Grund zu einem gediegenen Thorawissen, das er in der Folge durch eifriges.Lernen,-wo immer ihn seine geschäftliche Betätigung hinführte, erweiterte, und: vertiefte. Pslichtbewußti im Berufe, minutiös gewissenhaft in der Ausübung der Mizwaus, mit regem Interesse aüsgestattet für ölst Vorgänge des jüdischen Lebens, war er befähigt und berufen, einem Kreis junger Leute Berater und Führer zu fein. Sein offenes, treues Wesen gegen jedermann.. gewann ihm die: Zuneigung, seiner Geschäftskollegen, die Liebe seiner Lehrer und zahlreichen Freunde. ^Max Weil war ein Zadik ini wahrsten Sinne des Wortes"; sö scheibt sin' Freünd von ihm/- /dev seine Zeit uns mit ms» ausfüllte, sich stets für andere aufopferte und anfpru'chsloS.für sich war. Jude in der höchsten und heiligsten Bedeutung zu sein, war sein Ideal, sein ganzes Wirken und Streben war. ausschließlich auf dieses Ziel gerichtet." So durfte der jüdische Kreis auf diesen edlen Menschen die größten Hoffnungen für Förderung von und.. .Verbreitung jüdischer -Weltanschauung setzen. — hatte es jedoch anders bestimmt. Nach unsäglichen, mit Gottoertrauen, Gottergebenheit ertragenen Leiden, während derem .es sein ^größter/ Schmerz, war, daß er so ganz -aus seiner 'jüdischen .Betätigung, herausgerissen war, ohne., anw ohne pw zuletzt ohne, nin^v krank darniederlag, rief der himmlische Vater den treuen Sohn!/noch pör-deck-Tagtzn/deE Verzeihung nnd Vergebung,' als ob' der 'Schmerzgeläuterte"'dieser nicht mehr bedürfe/zu sich. — Die n?i>.bei derHerrRabbinäts- Ässessor Gerson Posen dem Schmerz 'um bsn Heimgegangenen in ergreifenden Worten. Ausdruck verlieh,, legte Zeugnis für die Beliebtheit dieses jungen p'ix^ab. Möge der. Allgütige den schwer geprüften. Eltern, den trauernden Geschwistern und Freunden Seine zuteil werden lassen. •rrasjfi Zentralratssihung in Krakau. Samstag, 4. Oktober abends 8 Uhr findet auf Veranstaltung der A. J./OrtSgruppe in der Aula der Realschule Am Tiergarten eine Versammlung statt 'zur Berichterstattungüber die Krakauer Latz u n g. Referate' halten Teilnehmer der Zentralratssitzung. Gäste, Herren und Damen, willkommen. Die Renaissance des Thoralernens. Der Vortrag über obiges Thema findet Sonntag (nicht Samstag), den 5. Oktober, abends 8 Uhr in der Aula statt. /Um große Beteiligung wird im Inter- I esse der wichtigen Sache gebeten. ' Häüschonorabbo-LerneN. > , Das diesjährige Hausckonorabbo-Lernen des Mekor Chajim-Vereins findet wie alljährlich im Vereinsloköl Langestraße 18 statt. Beginn präzise 9 Uhr< > Anmeldungen an den Vorstand rechtzeitig erbeten. Beitrag für Mitglieder 1,50 M., für Dchtmitgli^er 2,00 Mark.