Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 65 (1924)
- Issue
- Heft 39 (25.9.1924)
- Date
- 1924-09-25
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
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Seite 6 Nr. 16 Der Israelit Blätter 25. September 1924 werden sich diejenigen Mitglieder agudistischer Körperschaften, die in die VerwalLungsgremien des kommenden Welthilfsverbandes eingetreten sind, alle Mühe geben, daß die Hilfe für die Jeschiwaus auch im Rahmerl des allgemeinen Hilfswerkes geregelt wird. Ueber die Resultate der durchgeführten Sammlungen des Keren Hatorah gibt der Kaffabrichte genaue Zahlen an. Bis jetzt ist der Keren Hatorah-Zentrale noch nicht gelungen, eine einheitliche Sammelaktion durchzuführen, oder Sammelwochen für alle Landesorganisationen. Denn, wenn ,^r ein Land die Monate Ellul- Tischri am besten geeignet für die Sammelaktion erscheinen, so zieht ein anderes Land die Chanukkatage vor, wieder ein anderes die Tage zwischen Pessach und Schwuaus. Auch gab s verschiedene Länder, in denen sich die Kursüison als günstigste Zeit für die Keren Hatorah-Arbeit erwies. Doch sind wir bemüht, den Barmizwohtag, und dann zwei bestimmte ^Sabbate als einheitliche Sammelzeit für die ganze Welt zu be stimmen. Dafür wollen wir die Autoritäten des Rabbinischen Rates und den Zentralrat gewinnen. 4. Organisierung. Zn den meisten Ländern haben die Landesorganisationen die Keren Hatorah-Arbeit und ihre Organisierung übernommen. Selbstverständlich war die Arbeit auf diese Weise nicht ordentlich geregelt und schadete der Sache. Darum erachteten wir es für nötig, daß sich bei jeder Landesorganisation eine separate Zentrale bildet, die sich speziell den Interessen des Keren Hatorah widmet. Solche Zentralen besitzen bereits Deutschland, die Schweiz und Holland. 5. Lublin. Als ein besonders wichtiges Ereignis auf dem Gebiete der Keren Hatorah- Arbett darf die Jefchiwoh in Lublin erwähnt werden. Ueber die großen Feierlichkeiten bei der Grundsteinlegung und alle Vorbereitungen für den Bau hat die Presse genau berichtet. Bei der jetzigen Weltkrisis und zu einer Zeit, da andere unzählige allbestehende Jeschiwaus und Thoraanstalten sich in einer trostlosen Lage befinden, hat der Plan zur Errichtung einer großen Jeschiwo, der ungeheure Kosten erfordert, höchste Verwunderung in orthodoxen Kreisen hervorgerufen. Es muß daher betont werden, daß die Zentrale des Keren Hatorah den Standpunkts vertritt, daß trotz der schrecklichen Not der alten Jeschiwaus, die Gründung. dieser Jeschiwo ein Lebensbedürfnis und eine heilige Aufgabe der Agudas Jisroel ist. Denn wir dürfen nicht vergessen, daß in ganz Polen mit seinen orthodoxen Millionenmassen diese Luvliner Jeschiwo das einzige große Thoraheim für die tausende Thorajünger sein wird. Wir Hallen es daher für nötig, nochmals unseren herzlichen Dank abzustatten den unermüdlichen Arbeitern und Gründern dieser Jefchiwoh, an ihrer Spitze Rabbi Meier Schapiro. 6. Subventionen. Vor allem muß gesagt werden, daß bereits im Winter, bevor noch die organisatorische Tätigkeit des Keren Hatorah einsetzte, schon dringende Notrufe von verschiedenen Jeschiwaus anlangten. Am meisten kritisch war die Lage der Jeschiwaus in der Wilnaer Gegend, die von einem gemeinsamen Komitee unter der Leitung des „Chofez Chajim" und Rabbi Grodsenski verwaltet werden. Än diese Stelle haben wir auch bereits eine größere Summe überwiesen, die hinsichtlich unserer beschränkten Mittel einen gewaltigen Betrag bedeutet. 'In den erwähnten Jeschiwaus fanden auch die russischen Thörajünger Aufnahme, die aus Sowjetrußland, wo schreckliche Strafe denen droht, die dem Thorastudium obliegen, flüchteten. Diese russischen Jünger kamen in Polen buchstäblich nackt und barfuß an und fanden eine Ruhe- und Lehrstätte in den erwähnten Jeschiwaus. Die tieftraurige Lage dieser jungen Leute zu schildern, vermögen nur Augenzeugen aus der dortigen Gegend, die auch unter den Delegierten Hier vertreten sind. Auch im eigentlichen Litauen befinden sich die Jeschiwaus in keiner besseren Lage. Der Krieg zerstörte alle großen Jeschiworäume, die Jeschiwolehrer wurden vertrieben, die Schüler mußten an die Kriegsfront und was in Jahrzehnten mit vieler Mühe erbaut und geschaffen wurde, war über Nacht zerstört. Erst nach dem Kriege fingen die Jeschiwaus an mit Hilfe der amerikanischen Gelder sich provisorisch wieder einzurichten. Aber diese Aufbauzeit war nicht von langer Dauer, denn vor einem Jahre schon nahmen die Gelder von Amerika ab, am traurigsten aber gestattete sich ihre Lage in der letzten Zeit, da die amerikanischen Gelder ganz ausblieben. Letzthin wurde zwar eine große Aktion zugunsten dieser Jeschiwaus von zwei großen Rabbinern Litauens in Gemeinschaft mit Oberrabbiner Kuck unternommen. Leider hat aber Litauen bis jetzt wenig davon profitiert. Die hoffnungslose Lage hat dazu geführt,, daß ein Teil der Jeschiwaus beschlossen hat, nach Palästina überzusiedeln. Es wird zurzeit daran gearbeitet, die nötigen Kosten für diese Uebersiedlung zu beschaffen. 7. ErezJisroel. Die Subventionen für die Jeschiwaus in Palästina, speziell für die sephardischen und bucharischen Talmudthora- Schulen, die den letzten Rest des bucharischen und jemenitischen Judentums für die Zukunft hütend wurde in Gemeinschaft mit der Frankfurter Palästina-Zentrale durchgeführt, worüber noch besonderer Bericht erstattet wird. 8. Zukunftsarb eit. Bei unserer Arbeit für die Zukunft muß in erster Reihe die Lage der Thoragelehrten in Sowjetrußland ins Auge gefaßt werden. Nach den uns vorliegenden Briefen ist es unter großer Selbstaufopferung unfern Gesinnungsgenossen in Sowjetrußland gelungen, zu bewirken, daß einige Zentralen zum gemeinsamen Lernen gegründet werden konnten. Nun aber fehlen die nötigen Mittel. Und wir halten es für heilige Pflicht, für diese Helden, die in Armut und Elend die Thora halten und hüten, zu. sorgen, denn einzig das Thorastudium wäre noch imstande, das zerstörte Judentum im großen Rußland wieder aufzubauen und zu erhalten. Aus einer Ferienkolonie. Von -st. Mannheimer in Ietteköach. Während des Monats August weilte die Esragruppe Fürth' am hiesigen Orte, etwa 22—25 Kinder, m Alter von 10—15 Jahren. Es waren Wochen reudkgen Erlebens, nicht nur Kr die Esräer; die ganze Gemeinde, jung und alt nahmen innigen Anteil am Leben und Treiben der Jugend gruppt Am Schabbos, 2. August, fand durch den Kultusvorfteher H Sittenheim im Schulzimmer die offizielle Begrüßung statt in Gegenwart der ganzen Gemeinde. Die ehemalige Schülerin Ella Frenkel, jetzt auf der Realschule m Kitzingen, trug ein größeres Poem vor. gedachte der schweren Ausgabe der Führer und Führerinnen und überreichte in sinniger Deutung zwei Blumensträuße, dem *rpr und iwD entsprechend, ebenso ein Körbchen Obst als mp inr. Der Führer, Herr Benno Heinemann, dankte unter Zugrundelegung von Thoraworten. Eine „Anfreundung" mit der Gemeinde hatte steilich schon einige Tage vorher im „Löwen" stattgesunden, dem zum Esratzeim eingerichteten Gasthaus. Und das ist gut fo. Gerade auf kleineren Plätzen wirkt der Aufenthalt einer Ferienkolonie, die im Geiste der mm lebt und strebt, auffrischend und anregend. Das tägliche Minjan, die 'täglich festgesetzten a'TW’tf im Kizzur und andern Disziplinen, die gemütvoll gestalteten Freitag-Abende mit ihren nwat' zum Teil nach östlichem Milieu, das Fungieren der Jungens als sm und mp der verständnisvolle Dortrag der ttiip äm Tffcho-boav, das niiLv2 pnpT die strengreligiöse Führung im allgemeinen: das . alles kann nur vorteilhaft ahfärben auf das Gemeindeleben an kleineren Orten. Hier wird ad ocolos der Beweis erbracht, wie man als Thorajude nicht nur leben kann, sondern auch an den Freuden des Daseins, an weltlicher Bildung zu partipizieren vermag. Wir Kennen andere Gruppen der Esra zu wenig, um hier ein Urteil im allgemeinen, abzugeben. Aber das Eine können wir ohne Uebertteibung feststellen: Wenn allenthalben der Geist herrscht, wie er die Fürther beseelt, dann steht es nicht schlecht um die thorätreue Erziehung der Jugend. Auf Grund jahrzehntelanger Lehrtättgkeit bezeugen wir gerne, daß derarttg Kenntnisse und Wiffensschätze in s"Nv - 3N22V nie und nimmer in den kärglichen „Religionsstunden" des landläufigen Schulunterrichts errungen werden können. Die Esra ist einfach eine Lebensnotwendigkeit. Sie bedeutet einen schönen Schritt vorwärts im Vergleich zu den letzten 10—15 Jahren. Wir. fanden unter den Jungens viele recht wackereLernkundige" und im Mädchen- THPV zeigten die jungen Damen großes Jntereffe und Verständnis an vdin und 3'in- Alle diejenigen, welche die Esra finanziell als Gönner ausgestattet — wir dürfen wohl» ohne andere zürückzusetzen, die Namen Hutzler und Pretzfelder, Rueo A. G., Farnttog u. a. nennen — oder die idealen Ziele gefördert und unterstützt — sie alle dürfen sicher sein, ein höchst verdienstliches Werk geschaffen zu haben nun ^'NLN? Möge das süße Bewußtsein der edlen Tat auch für die Zukunst ermutigend wirken. pm Zum äußeren Verlaus des Ganzen fei noch ergänzend erwähnt, daß die Gruppe häufig Bxfuch hatte: Eltern Und Freunde von fern und nah netzen sich sehen. Auch Herr Rabbiner Dr. Breslauer Fürth ließ sich zur Freude aller sehen. Außer Wanderungen in die schöne Umgegend seien ein Ausflug nach Würzburg zwecks Besichtigung der Residenz erwähnt und eine Trefffahrt mit den norddeutschen Esräern nach Lohr. Leider war das Wetter nicht immer günstig, Die Esräer ließen sich dadurch nicht verstimmen. Deklamatorische Vorttäge, dramatische Darbietungen, Spiele auf dem Sportplatz am Maine sorgten für Abwechslung. Klavierspieler und -spielerinnen und junge Geigenkünstler boten ihr Bestes und zeigten, daß min mit yvr in der Esra-Fürth harmonisch sich vereinigt. Zahlreiche photographische Aufnahmen, die Herr Heinemann aussührte, bilden historische bleibende Erinnerungen an den Aufenchalt in Dettelbach. Und — last not least — der hauswirtschastlichen Leiterin Frl. Hannah Munk-Berlin ist nach den anstrengenden Wochen herzlich Ruhe und Erholung zu gönnen. Es ist keine Kleinigkeit flir eine vielköpfige Familie täglich zu sorgen und es war nur selbstverständlich, daß freundliche Esraschwestern aus Fürth, Würzburg, Berlin helfend zur Seite standen. Nicht vergessen seien auch die ersten Pfadfinder für den Aufenthalt dahier: Herrn Landau, Zuckermann und Frl. Deutsch in Fürth. Hoffen wir, im nächsten Jahre rr»# die Gruppe wieder in unfern Mauern begrüßen zu dürfen. Aus der Bewegung. Dresden. In Dresden hat sich eine Ortsgruppe der „Agudas Jisoel" gebildet, deren Vereinslökal im Beth- Hamidrafch „Schaumre Schabbos" in der Wettinerstr. 15 ist. Da es uns an Sforim mangelt, um Schiurim abhalten zu können, bitten wir jeden, der Sforim hat, die er nicht benutzt, uns frdl. mit denselben zu unterstützen. Zuschriften wolle man bitte an Herrn Hermann S t o r z, Dresden-A., Jacobsgasse 7, richten. m Nürnberg. Das Mitteilungsblatt der bayerischen Verbandsleitung der A.J.J.O. schreibt unter dem Titel „Landheim Ermreuth": „Das im vergangenen Jahr zum erstenmal zur Durchführung gebrachte Projekt eines streng gefetzestreuen Ferienheims für Nürnberger Kinder ist in diesem Jahre durch die rührige Arbeit des Herrn Bermtzstn Adler mit noch trefflicheren Einrichtungen versehen, wieder zur Tat geworden. Es werden 60 Kinder in zwei Partien den Sommer über beherbergt. Durch seine herrliche Lage bildet das Heim das Ideal aller Besucher. In der Leitung wird Fräulein Grete Preuß aus Berlin von Mädchen der Nürnberger Gruppe unterstützt. Daß das Heim außer der unermüdlichen Tätigkeit des Herrn Adler der Jugend selbst sein Entstehen verdankt, ist eine Tatsache, auf die die Nürnberger Gruppe, stolz sein darf. Keren jfcforafi, Frankfurt am Main Gedenkbuch-Ertrage: Hochzeit Jos. Altmann-Sulzberger .. . Spenden: Ml. 155.45 Saas 10 —, Nathan Schüler 10.—, Schmodergelder burd Herrn Leop. Oppenheimer 11.—, Schmodergelder durch Herrn Minjan Liebmann Bär 47.—.Schmodergelder durch Herrn Jsak Nußbaum 10.— Siegst. O. Wreschner, anl 2ahrzeit,seiner sel. Mutter 20.-, N. N. 5.—, Salomou Motljldjilb 7.—, Leop. Schwab, anl. Bortrag des Herrn Rabbmer Duckesz 8.—. Snfisftllcft in allen Ortsgruppen.