Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1924-09-25 · Heft 39 (25.9.1924) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
65 (1924)
Issue
Heft 39 (25.9.1924)
Date
1924-09-25
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2450286-2450324--71569-2528893
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Seite 14 Nr. 39 Der Israelit 25. HeptembeH 1924 „Die keusche Susanna" trügt. Du weißt ja, wer dem Maler für das Bild Modell gestanden hat..." Sarah senkte ein wenig ihre Stimme. Ihr Selbstbewußtsein kam sichtlich ins Wanken. „Und das Bild ist hier?" „Cs ist hier. Rembrandt, der in Holland nicht sehr beliebt ist, hat es nach Italien verkauft, und ich nahm es mit, da ich gerade hinfuhr und ihm das Geld mangelte für die Reise. Ich bin, wie Du weißt, kein Freund von Rembrandt, aber den Gefallen konnte ich ihm nicht verweigern, um so mehr als diese Mission mir einige Empfehlungen an die italienischen Behörden einbrachte und mich Manasse ben Israel darum boit. Ich wußte freilich nicht, daß das Bild für die Kirche bestimmt war. Es ist heute hier in großer Prozession durch die Straßen getragen worden und schmückt jetzt den Altar in der Wallfahrtskirche zu Montonero. Die abergläubischen, von dem Weihrauch des Morgens und dem Wein des Abends erhitzten Menschen, hatten die Züge des Bildes noch gut im Gedächtnis, als sie Dich so plötzlich bei rotem Lampionlicht erblickten . . . Begreifst Du nun endlich, Sarah, welche Bewandtnis es mit dem Wunder der Nacht hat . . .?" Nach einer Weile tiefer Niedergeschlagenheit bäumten sich Stolz und Zorn in dem verwöhnten Mädchen auf und machten sich rn heftigen Worten Luft. „Ich mag nichts begreifen, und ich ging Dich um keine Aufklärung an. Gehe! . . ." „Wenn ich gehe, dann ist es um Deine Sache getan. Ich habe das Wunder gemacht und ich kann es auch wieder zerstören . . ." (Fortsetzung folgt.) Hanna. Von David Pineas inFrankfurk a. Dt. 1. Äm Sonnenscheine lag die heilige Hütte, x Wo Eli übte fromm die Priesterpflicht, Da nahte sich ein Weib mit müdem Schritte — Hanna — betränt das edle Angesicht, An Gott zu richten ihre heiße Bitte, Daß kummervoll sie ferner leide nicht. Und während ihre Augen Überflossen, H Hat sie vor Gott ihr Flehen ausgegossen. „O, Herr der Heerschar'n, du allmächtiger Gott! Ach, sieh doch an das Elend deiner Magd! Zuschanden mach Peninas bitteren Spott V, An mir, der Mutterglück bisher versagt. Y' Gib einen Sohn mir! Endige meine Not! 5 Mach, daß mein Herz nicht länger bangt und zagt, : Wirst deiner Magd du einen Sohn gewähren. So soll, so lang er lebt, er Dir gehören." Und weil, in heißer Inbrunst ganz versunken, Hanna nur lautlos ihren Mund bewegt, ' So wähnte Eli sie vom Weine trunken: „Bis wann hast Deinen Weinrausch abgelegt?" Sie aber sprach: „Halt mich nicht tief gesunken. Mich, die der Gram Uef innerlichst erregt. Nein, Herr, ich habe komen Wein genossen: > Vor Go'tt hab° ich die ^Seele ausgegossen." Da sm ,r;' feuchtem Glanz im Seherblicke : Und - roegt — der fromme Priestergreis: - kehr getrost nach deinem Dach zurücke. Gotc wird erfüllen deinen Wunsch, so heiß! Dann wird erschall'n ob deinem wonnigen Glücke Ein Hochgesang zu Gottes Lob und Preis." Da ward's in Hannas Herzen lichtig helle, >; Und sie verließ beglückt die heilige Stelle. __.. Und als erfüllt ward Hannas heißes Sehnen, Ein Knäblein faß auf ihrem Mutterschoß, Des Haupt sie netzt mit hellen Freudentränen, Und das die Welt beschaut, mit Augen groß: Da mochte wohl die frohe Mutter wähnen. Daß ihr vom Himmel ward ein selig Los. Und als, ihn Gott zu weih'n, die Zeit gekommen, Hat sie den Sohn zu Eli hin genommen. Und sprach zu ihm: „Bei deiner Seele Leben — Ich bin das Weib, das einst hier bei dir stand, Zu Gott zu beten, daß Er möge gehen. Was mir erschien als höchsten Glückes Pfand. Um dieses Kind ging meiner Lippe Beben, Da schenkte mir ihn Gottes Gnadenhand. So will ich ihn dem Ewigen dankbar leihen; So lang er lebt — Ihm soll er ganz sich weihen!"; ■ , ' ■ ■ 2. .• Und überströmend ganz von Dank und Wonne, Hanna vor Gott anbetend niedersinkt — Aus ihr ein Sang so hehr empor sich schwingt. Wie wohl kein Weib sang unter Gottes Sonne: „Wie jauchzt mein Herz durch Gott, den Herrn! Hoch steigt mein Horn durch Ihn! Einst stumm, beschämt — dem Feinde laut Entgegne ich jetzt kühn! Wie freu ich deiner Hilfe mich, O Gott, dem keiner gleicht: An dessen Heiligkeit und Macht Kein anderes Wesen reicht. Sprecht nicht so stolz, so trotzig hoch! — Geprüft in Seinem Rat Wird euer Sinn; gezählt durch Ihn Wird einzeln jede Tat! Der Helden Bogen bricht, doch Kraft Die Wankenden gewinnen. Wer satt einst, schafft ums Brot; wer darbt'. Geht satt und reich von hinnen.. Und beglückt sie, die einst kinderlos, . Ihres Samens spielfröhliche Lust — So welkt die Kinderreiche dahin Mit dem frühen Tod in der Brust. Denn Gott ist Herr über Leben und Tod, Senkt hinab zur Gruft, führt hinan, Macht arm, macht reich, wie's Ihm gefällt, Erniedrigt, erhöhet dann. Er richtet vom Staub den Armen auf, Den Dürftigen von der Erd' — Sie zu setzen neben Gefürstete, - Sie zu machen reichgeehrt. 1 Denn Gottes ist der Erde Grund, Mit der Menschenwelt darauf — Im Kreis der Natur, im Menschenbereich Bestimmt Er Plan und Lauf. Den Schritt seiner Frommen hütet Er, Wenn die Bösen verstummen in Nacht; Denn nimmer durch rohe Gewalttat wird ' V Der Mann zum Siege gebracht. Gott gebe, daß zertrümmert wird, Wer streitet wider ihn, M- Daß Donnerwolken seinethalb K Den Himmel überzieh'n. i; / Der Weltenrichter, Gott, Er wird r Macht seinem Könige geben; Wird seines Gesalbten Horn dereinst In Gnaden hoch erheben! So drückten sie denn auf Me Aurklitzke;- über das Schloß ging nicht auf. Dagegen gab es einen lauten Ton, der überall in oem weiten Gange Aachhallte und die Kinder erschrocken umschauen ließ. '■r -; Da sahen sie hinter sich einen alten Mann, der einen großen Schlüssel umhängen hatte. Er lächelte ganz stündlich und streckte den Kindern die Hand entgegen. „Der wird uns sicher die Tür öffnen", dachte sie schon. Aber der Greis schüttelte das Haupt und sprach: „Ich möchte auch gern euren Wunsch erfüllen: doch es kann nicht sein. Niemand darf in die Zukunft schauen. Wenn ihr aber einmal einen Blick in die Vergangenheit werfen wollt, das will ich auch erlauben/' Die Kinder wären darüber sehr erfreut. Der Alte führte sie zu einer Stelle, an der Wand, an der allerhand Jahreszahlen standen, große und kleine, und unter jeder Zahl befand sich ein Guckloch. Wie die Kinder schnell die Näschen daran plattdrückten! Und dann die Ausrufe des Staunens, die „Ah" und „Ei" der Verwunderung und der Freude und die „Ach" und „Oh" des Bedauerns und des Mitleids! Es war auch in der Tat eine ganze Geschichte in Bildern,. die zu sehen war, und daß eine „wahre" Geschichte erfreuliche und düstere Seiten aufweist, das ist ja allbekannt. , So zogen an den Augen der Kinder gar viele Menschen vorüber, und in ihren Mienen und Handlungen, in ihrem Gebühren und in ihrer Umgebung offenbarte sich zugleich ihr Geschick. Alles, was das Menschenherz durchzittert, war da zu lesen: Freude und Leid, Hoffnung und Mutlosigkeit, Tugend und Laster. Und gar manche Lehre, die Eltern und Lehrer den beiden Mädchen erteilt hatten, fand hier ihre Veranschaulichung. Lange betrachteten die Kinder die Bilder aus der Vergangenheit. Als sie sich endlich davon trennten, da waren ihre Gesichter ganz ernst geworden. Nur zögernd reichten sie die Hand ihrem freundlichen Führer. Dieser erkannte an den Mienen die Gedanken, die die jugendlichen Köpfchen durchzogen, und er fragte aufmunternd: „Habt ihr vielleicht manches nicht verstanden? Ihr dürft mir alles sagen." Da antwortete die kluge Martha: „Ich habe so viele Leute gesehen; es waren darunter glückliche und auch unglückliche. Diese schauten meist so trüb unter sich, und keiner aus der Vergangenheit schien sich um sie zu kümmern. Jene aber hatten leuchtende Augen, und auf viele strahlte Licht von oben. Sie hoben entzückt die Hände, mit Friede und Freude im Auge." Der Greis legte dem Kind die Hand auf den Scheitel und schaute ihm tief ins Auge. Dann sprach er ernst: „Die Menschen, welche den frommen Lehren ihrer Ahnen treu Nachfolgen, werden von ihrem Segen bestrahlt, und ihre Seelen bleiben sich stets zugekehrt, im Leben wie im Tode. Jene aber, die sich von dem abwandten, für das ihre guten Voreltern gelebt und gestrebt haben, die zerreißen damit das Band, das sie mit jenen verbunden hat." „Und wird das ewig nicht mehr geknüft werden können?" fragte bange das gefühlvolle Schwesterchen. Gütig zog der Greis es zu sich hin und sprach bedeutsam die Worte, die den eifrigen Kindern nicht fremd waren: „Dereinst wird der Prophet Elijahu kommen, und er wird das Herz der Väter zu den Kindern und das Herz der Kinder zu ihren Vätern wenden." Uinderecke. An den Toren der Jahre. Von Heinrich Eiustädler. Wenn Kinder nach Beendigung eines arbeitsreichen Tages sich zur Rühe begeben, dann träumen sie oft schon offenen Auges. Das Wohlgefühl, das sich stets in Begleitung des Bewußtseins erfüllter Pflicht befindet, zaubert ihnen allerlei anziehende Bilder vor und führt ihre Gedanken ins Land der Märchen und Wunder. So ging es auch Hennh und Martha an einem Abend im Ellul. Sie hatten sich am Tage fleißig mit ihren Schularbeiten beschäftigt und dabei noch ihrer guten Mutter und den lieben Schwestern tüchtig im Haushalte geholfen. Jetzt aber streckten sie sich wohlig in den Betten und ließen sich von ihrer Phantasie weit über den Alttag emporheben. Daß sie sich trotzdem nicht ganz von dem lostrennen konnten, was sie zuletzt beschäftigt hatte, ist natürlich. Schneller als mit Hilfe des schnellsten Flugzeuges fuhren sie durch d ie Wolken, über Gründe und Höhen, über Länder und Meere und landeten schließlich in einem halbdunklen Gang vor einer Tür, aus der mit goldenen Ziffern stand: „5685". „Ei, das ist die Tür zum neuen Jahre", sagte die Martha. „Wie wäre es, wenn wir nur ein kleines Spältchen öffnen und einmal hindurchschauen würden?" „Warum nicht?" dachte Henny. „Jeder möchte doch gern wissen, wie es im neuen Jahre aussieht." Es ist ausschließlich Sache der Leser, di« im Inseratenteil enthaltene» Empfehlungen ritueller Waren oder sonstige Angabe« religio«sges«liche» Charakters auf ihre Zuver« lafstgkeit zu prüfe». Mary Irber :: Vlandine Ebinger « n d das große Me ssepro g r a m m Hellmuth Krüger konferiert. KOHLEN« GASHERDE sfaMonäp.eu.transpdrta mirparentRauchgasbrennung- WÄSCHEREIMASCHINEN \£*&n Verantwortlich für den allgemeinen Teil und d'as Feuilleton E. Sch a ch n ow itz;Inserate 1. B.: S. Sch achnorvitz, sämtlich in Frankfurt a. M.; Pädagogische Beilatze: Lehrer I. Spiro in Fulda. — Verlag „Israelit-, G. mb. A.. Frankfurt a. M. Druck: Hermon Verlags-Aktiengesellschaft, Frankfurt a. M.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.