Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 65 (1924)
- Issue
- Heft 37 (11.9.1924)
- Date
- 1924-09-11
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 Nr. 15 Der Israelit Blätter 11. September 1924 und gerechtsertigste Kritik kann jedoch nicht über die Notwendigkeit der positiven Arbeit hinweghelfen. Es ist sehr lehrreich, zu beobachten, wie Misrachi in den letzten Jahren zu der Notwendigkeit der selbständigen/ unabhängigen Arbeit nicht nur auf Schul-, sondern auch auf rein wirtschaftlichem Gebiete übergehen mutzte, um sich behaupten zu können/ Nun find, wir aus Grund der Erfahrung überzeugt, daß in einer gemeinsamen Köperschaft jede Gruppe mehr auf. die Leistungen, der anderen bedacht ist als auf die eigenen. Man hat ja ein ausgesprochenes, klares Gefühl für die Pflichten adnerer, für sich begnügt man sich mehr mit dem Kritisieren. Ueberdies würde zwischen Aguda und Misrachi, die dann in einer gemeinsamen Jewish Agency ein hypertrophiles Organ darstellen, eine Rivalität entstehen, die keinesfalls geeignet wäre, Frieden im Lager der Orthodoxie zu stiften. Also würde die Palästinaleistung der bereits organisierten Agudisten statt gesteigert eher noch vermindert werden. Im Interesse von Erez Jisroel mühten aber die verantwortlichen Agudaführer vor allem dafür Sorge tragen, daß die oganisierte Kraft der Aguda für Erez Jisroel gesteigert und richtig verwendet werde. Auf Grund der bisherigen Ausführungen kommen wir daher zum Resultat, daß eine etwaige Beteiligung der Aguda an der Bildung der Jewish Agency eher Nachteile als Vorteile für die Arbeit von Erez Jisroel bringen würde. Agudas Jisroel könnte ihrer historischen Aufgabe: die unorganisierten thoratreuen Massen zu erfassen, nicht gerecht werden und auch die bereits organisierten Mitglieder zu keiner größeren Aktivität bringen. Diese Gründe genügen wohl,' um klarzumachen, daß auch vom Standpunkt der zionistischen Organisation, soweit die Prosperität Erez Israels und nicht Parteiprestigegründe maßgebend sind, eine derzeitige Beteiligung der Aguda an der Bildung der Jewish Agency nicht von Vorteil wäre. Im Interesse Erez Jisroels muß man daher abwarten, bis der Neutralisierungsprozeß der Jewish Agency zu gutem Ende gedeiht, bis nicht mehr Parteistandpunkt und Machtgelüste, die mindestens eine SOprozentige Sicherung benötigen, sondern einzig und allein eine die Grundsätze der Thora respektierende gedeihliche Arbeit in und für Erez Jisroel einen ausschlaggebenden Faktor bildet. Nachteile aus einder etwaigen Nichtbeteiligung der Aguda sind nicht zu befürchten. Die Existenz der Aguda allein und ihre immmer mehr zunehmende Tätigkeit werden auch ohne eine direkte Beteiligung an der Jewish Agency die religiösen Gruppen, die gemäß ihrer Prinzipien bereits schon heute an der Jewish Agency teilnehmen können, nur stärken. Diese segensreiche Wirkung der Aguda tritt immer mehr zutage, trotz der von manchen unverantwortlichen Elementen geflissentlich geschaffenen Haßatmosphäre zwischen Aguda und Misrachi.. Die Aguda wird auch unter allen Um- Postscheck - Konto des legen konnte, aus? 50 Prozent der Sitze und Stimmen in der Agency bleiben in-den. Händen der- Zionisten. 40 Prozent gehen W die Amerikaner über und. in den Rest teilen, fick die, anderen Organisationen. In Wahrheit bedeutet dieses 'Projekt keineswegs eine Ueberleituyg der Verantwortung für den Palästinaaufbau in die Hände des gesamten Volkes im Sinne von Ussifchkin. Es erübrigt sich auseinanderzusetzen, daß die Arbeit und Erfolge der. Zionisten im Lande ihnen kein Anrecht auf die Hälfte oder noch mehr Stimmen in der Agency geben. Man vergesse nicht, daß unter den sogenannten amerikanischen Stimmen sich auch unzählige Stimmen von Zionisten in Amerika befinden. Auch darüber wollen wir nicht reden, daß auch andere Kreise außer den Zionisten viel für den Aufbau des Landes gewirkt haben, sogar noch lange vor der zionistischen Zeit, und daß auf die zehn restlichen Stimmen auch die des Baron Rothschild fällt. Was wir hier betonen wollen, ist die Gewißheit, daß es keine andere Möglichkeit gibt, das Land aufzurichten, als durch Sammlung, Organisierung und echte Vereinigung aller Kräfte des gesamten jüdischen Volkes. Es öffnen sich uns zwei Wege, das Volk zu vereinigen: 1. Die Agency wird in die Hände der englischen Judenheit gelegt, der es dann obliegen würde, alle Teile des jüdischen Volkes heranzuziehen. 2. Die Agency organisiert sich als freie Körperschaft, die alle großen Organisationen, sofern sie sich bis jetzt für Palästina interessiert haben oder sich in Zukunft interessieren wollen, umschließt. Die Pionierarbeit für das jüdische Volk zu leisten, obliegt der englischen Judenheit, nachdem das Mandat von England ausging. Welch hohe Auszeichnung für Herbert Samuel, als erster Lenker der Geschicke Palästinas in der Zeit der ersten Dämmerung zu wirken. Und nun es sich zeigte, daß alle Kreise unseres Volkes den Weg, den Samuel eingeschlagen hat, billigen, so ist zu hoffen, daß England noch andere Glaubensgenossen von falls vollkommen freie Erfindung der Art Samuels beherbergt. Wir hatten auch schon von ihnen in ihrer aufopfernden Kl der „Agudas Jisroel“ in " ' . Berlin Nr. 18901. Aus der Bewegung. Frankfurt a. M., 6.. September. Gegenüber tendenziösen Meldungen der zionistischen und mißrachistischen Presse stellt die Palästinazentrale der Agudas Jisroel fest, daß entgegen Behauptungen der „Vosfifchen Zeitung", in de Haans Tgschen hätte man Papiere gefunden, die auf ein persönliches Mordmotiv Hinweisen, der Chef der Jerusalemer Polizei diese Mtteilung. offiziell dementiert. — Gegenüber weiteren Gerüchten stellen wir aus Grund authentischerJnformationen fest, daß Frau de Haan-van Marseeven niemals die Absicht hatte, irgendwie den Leichnam de Haans von der Ruhestätteam Har Haseisim zu entfernen. Die Mitteilung, von einem katholisch getauften Sohne de Haans ist ebenständen den überaus erwünschten Neutralisierungprozeß der Palästinaarbeit fördern. Es ist im Interesse von Erez Jisroel zu erhoffen, daß Agudas Jisroel bis zum endgültigen Ausreifen der Nsutralisierungsbestrebungen einen großen Teil ihrer Arbeit ebenfalls geleistet hat und daß ihre wirklichen Leistungen für Erez Jisroel auf Misrachi eine größere Anziehungskraft, als bis zum heutigen Tage der Fall war, ausüben und so ein Zusammenwirken mit den anderen jüdischen Gruppen ermöglichen werden. Dieses Zusammenwirken kann nur dann segensreich sein, wenn Agudas Jisroel stark ist. Nur eine starke, auf der geeinten Kraft der breiten orthodoxen Massen fußende Aguda kann gemäß ihrer Prinzipien mit anderen Gruppen Zusammenarbeiten. Eine Erstarkung der Aguda ist aber nach menschlicher Voraussicht nur dann möglich, wenn sie selbständig und unabhängig auf ihren eigenen Wegen wandelt. Ihre ehrliche und ernste Arbeit auch für Erez Jisroel wird aber selbst den Gegnern die Ueberzeugung beibringen, daß die Aguda ihren Weg nicht aus egoistischen, parteipolitischen Gründen geht, sondern weil sie der Ueberzeugung ist, daß sie für die jüdische Gesamtheit wie für Erez Jisroel am meisten auf diesem Wege nützen kann. Zum ^gsney-Problem. Von Dr. Abraham Jacobus in Haifa. Vor etwa 30 Jahren sprach SS u s s i s ch k i n in einem seiner Vorträge u. a. aus: „Ich freue mich auf die Stunde, da der Zwmsmus die Verantwortung für die Aufbauarbeit in Palästina in die Hände des gesamten jüdischen Volkes legen kann." Auf das Staunen der Hörer, fügte er noch hinzu: „Der Ausbau Palästinas ist nicht Sache eines Kreises unseres Volkes. Solange wir nicht die Angelegenheit dem Volke in seiner Ganz- Mh übertragen, befindet sich unser Volk in einem ungebunden Zustand." Inzwischen brach der Weltkrieg aus und öffnete die Pforten Palästinas dem jüdischen Volke. Es kam die Stunde, da der Zionismus all die versprengten Teile des Volkes aufrufen konnte, Schulter an Schulter mit den Zionisten zu arbeiten. Vor England und dem Völkerbund übernahm es der Zionismus, sich mit allen Kreisen des jüdischen Volkes zu verbinden, d. h. das zur Ausführung zu bringen, was Ussiischkin einmal ausgesprochen hatte, oder mindestens den fernstehenden Kreisen Bedingungen vorzulegen, die die Annäherung ermöglichen. Ist nun der Zionismus den Spuren des jungen Ussifchkin gefolgt? Wir stehen jetzt nach dem letzten Kongreß in Karlsbad, nach der Propaganda in Amerika. Wie sieht das Projekt, das die Führer des Zionismus nach den Berichten Londoner Zeitungen, den weiteren Kreisen vor- Gelegenheit, welche Liebe zum heiligen Lande zu sehen. Mose Montei o r e im vorigen Jahrhundert zählte ebenfalls diesen. Es wäre viel besser, Englands Juden würden sich beeilen, die Frage der jüdischen Vertretung auf diesem Wege zu lösen, statt auf dem Wege des Weltkongresses, wie er dieser Tage in London von neuem gefordert wurde. Dieser Kongreß würde wiederum die antisemitischen Mächte gegen uns mobilisieren und unseren Feinden neue Waffen in die Hände spielen. Wir aber würden uns durch feine Einberufung wertvolle Kreise im Judentum entfremden, Kreise, die wir erst in letzterer Zeit zur Arbeit herangezogen haben. Auch ohne jede Agitation der Kongreßgegner wird die Propaganda für den neuen Kongreß bewirken, daß weite Kreise aus Angst vor neuen Anfeindungen sich von der Mitarbeit zurückziehen und den Zionismus in seiner idyllischen Einsamkeit belassen. Schade um das Geld, das für diesen Zweck verwendet würde. Sollten aber die englischen Juden darauf nicht eingehen, oder die Durchführung an nicht zu erfüllende Bedingungen knüpfen, so bleibt noch für die zionistische Organisation der zweite Weg, nämlich, alle großen Organisationen zu einer allgemeinen Palästinakonf e r e n z einzuberufen und aus dieser Konferenz heraus, die die legitimen Vertreter der großen Organisationen vereinigt, die Jewish Agency zu schaffen, und zwar aus die Weise, daß jeder Organisation überlassen bleibt, nach ihrem Können und Wollen ihre Palästinaarbeit zu entfalten. Die Agency würde dann die Arbeitsverteilung unter ihre Mitglieder treffen und die ihr vorgelegten Projekte und Pläne prüfen. Ohne Zweifel werden die wichtigsten Anregungen und Pläne angenommen und betätigt. Die zwei Grundbedingungen, die die Konferenz als leitende Motive bei der Gründung der Agency beachten muß, sind: 1. die hebräische Sprache muß im ganzen Land zur Geltung kommen, 2. die jüdische Religion darf nicht verletzt werden, zum mindesten nicht in den öffentlichen Institutionen. Ist die Organisierung des jüdischen Volkes auf diese Weise durchgeführt, dann strömt damit neues Leben ins Land, neue Kräfte erwachen, neue Wege öffnen sich und all die schwierigsten Probleme aus dem Gebiete der Aufbauarbeit finden ihre Lösung. Das sind die zwei Wege, auf denen die jüdische Agentur zur wirklichen Vertretung des gesamten jüdischen Volkes und zu einem Instrumente der Sammlung und Vereinigung werden kann. Möglicherweise können die beiden Wege sogar verbunden werden, was vielleicht noch das allerbeste wäre. Diese Vorschlägie sind nicht neu. Sie standen bereits vor 1% Jahren auf der Tagesordnung bei den Verhandlungen hinter den Kulissen, und selbst die Agudas Jisroel war damals bereit, sich an der Konferenz zu beteiligen. Allein diese Bestrebungen fanden keine Gnade in den Augen des letzten Karlsbader Kongresses, der eben den Weg des jungen Ussifchkin nicht einschlug. Allein die Stunde drängt. Es darf heute kein Unterschied gemacht werden zwischen Zionismus und Nichtzionismus. Die Zionsliebe sitzt im Herzen des ganzen Volkes, und es ist nicht die Zeit, mit Rechten und Forderungen von Einzelnen oder Einzelgruppen zu rechnen. Wir müssen lediglich die Interessen von Erez Jisroel im Auge haben, und Erez Jisroel verlangt nach all seinen Söhnen. Hier sind Wege des Friedens vor den Verantwortlichen, die in dieser ernsten Stunde einzig und allein das Wohl Palästinas und des jüdischen Volkes im Auge haben.sollten. Der Friede kommt dann,, und das Land wird wieder aufgerichtet. Friedrichstadk a. d. Eider. Mehr als 150 jüdische Familien waren noch vor zirka 50 Jahren hier ansässig,. . alle streng orthodox, kein Geschäft war am Schabbos j geöffnet, und reges jüdisches Leben zeichnete diese Land-' gemeinde aus. Ungünstige Erwerbsverhältnisse veranlaßten auch hier einen materiellen Rückgang der Verhältnisse und die Landflucht der jüngeren Generation. Heutezählt die jüdisiche Gemeinde nur noch 8 Familien, die steng gesetzestreu leben, aber während der Inflationszeit nicht in der Lage waren, einen Kultüsbeamten zu besolden, so daß heute weder Chasen noch Schachet vorhanden ist und die Jugend ohne Religionsunterricht, heranwächst. Auch dieser Gemeinde hat sich die Agudas Jisroel- Ortsgruppe Hamburg-Altona zur Förderung religiösen. Lebens zur Verfügung gestellt. Zu einer aus den 3, August angesetzten Feier in der Synagoge daselbst zur Ehrung der im Kriege Gefallenen delegierte sie Herrn Rabbiner Duckes, der vor versammelter Gemeinde und in Anwesenheit einer Anzahl nichtjüdische^ Bürger eine erhebende Ansprache hielt. Im Anschluß an diese Feier hatte der Gemeindevorsteher eine Gemeindeversammlung einberufen, um mit den Delegierten der^ Hamburger Agudoh über die Hebung der religiösen Verhältnisse innerhalb der Gemeinde zu beraten. Trotz der in Aussicht stehenden wesentlichen steuerlichen Belastung jeder einzelnen Familie folgte die Gemeinde der Anregung des Herrn Rabbiner Duckes und beschloß die alsbaldige Anstellung eines Kultusbeamten, um nicht länger Religionsunterricht, Schechitoh und Gottesdienst entbehren zu müssen. Möge diese Opserfreudigkeit in recht vielen Landgemeinden Nachahmung finden! Bremen. Cne größere Anzahl der hiesigen Ge-- meindemitglieder hatte die Gründung einer Agudas Jisroel-Ortsgruppe in Aussicht genommen und zur Gründungsversammlung am 3. August d. Js. Herrn Lehrer Ruda aus Wilhelmshaven gewonnen und die Agudas Jisroel Ortsgruppe Hamburg-Altona zur Teilnahme eingeladen. Letztere hatte die Herren Rabbiner Dr. Lewin und Rechtsanwalt Dr. Spitzer delegiert. Bei der am Nachmittage stattgehabten .Vorbesprechung sprachen die genannten Herren wie auch Herr Ruda über Zweckmäßigkeit und Notwendigkeit des Zusammenschlusses aller orthodox gesinnten Kreise, über Zweck und Ziele der Agudas Jisroel-Weltorganisation sowie über Tätigkeitsgebiete und Bewährungsmöglichkeiten einer Agudas Jisroel-Ortsgruppe. Nach einem sehr gehaltvollen und begeisternden Referate des Herrn Ruda am gleichen Abende fand die Gründung der Bremer Ortsgruppe der Agudas Jisroel statt. In der dem Vortrage sich anschließenden Diskussion, an der sich unter anderen auch Herr Rabbiner Dr. Lewin mit einer begeistert aufgenommenen Rede beteiligte, brachten die Gemeindemitglieder zum Ausdruck, daß sie mit Herz und Seele auf dem Boden der Agudoh-Beweegung ständen und wünschten, daß der neugewählte Rabbiner im Sinne der Agudoh ihnen Lehrer und Führer werden möge. Demoendcf (Aguda-311 ar feen ♦ Lvkaktllek In allen Vvtsgvnppem ^05584