Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 65 (1924)
- Issue
- Heft 37 (11.9.1924)
- Date
- 1924-09-11
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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fieeausgegeBen von6er landesoeganifdfion dtt flgudas-Jisroei;0. Jahrgang Frankfurt a. lftv den \ September / \2. Lllul 568$ in VeutfeKknnd. Nummer \5 AundsrKveiben an die Decfpauensmänner derEaköftina- Cenfeafe der Agudäs Jisroel. •psV ftViiU Die Vetrvaltüng des Keren häjischuw ist durch neuerliche Vodenkäufe in Palästinä iti der Läge, einen Dünam (918 Quadratmeter) Boden itt Emek Israel für 59 Wart abzugeben. Angesichts des etnirienk billigen Weises ist sofortige Einzahlung des Betrages für die gewünschte Anzahl Dunam nötig; ' An den Erwerb des Bodens ist die Bedingüntz geknüpfi, daß der Käufer sich verpflichtet, nicht in einer dem Thoragesetz zuwiderlaufenden Weife das Land zu bebauen, ferner bei einer eventuellen WiederveräußerüUg des Bodens der Palästina-Zentrale das Vorkaufsrecht einzuräünten. Wir bitten Sie die Mitglieder Ihrer Gruppen zu orietttieren und bis spätestens Ende dieses Monats mitzuteilen, ob und wieviel Boden von diesen gekauft zu werden wünscht. Mit Agudagruh! Takü/timi-Lentvake dev Agüelat JisroeJ FrttUkfuvt am Main. Zur Frage der Jewish Agency. Wir bringen den beachtenswerten Aufsatz aus der Wiener „Jüdischen Presse", ohne uns mit seinem Inhalt vollkommen zu identifizieren. Die Frage der Jewish Agency ist durch die jüngsten Beratungen des großen zionistischen Aktionskomitees wiederum in den Vordergrund der öffentlichen Diskufsio getreten. Wir versuchen nun vom Standpunkt eines Agudisten, dem eine fruchtbringende Arbeit der Aguda für Erez Jisroel sehr am Herzen liegt, zu diesem Problem Stellung zu nehmen. Ueber die Jewish Agency sagt der zweite Absatz von Artikel 4 des Palästinamandates folgendes: „Die zionistische Organisation soll, so lange ihre Organisation und Verfassung nach der Meinung des Mandatars angemessen sind, als solche Vertretung anerkannt werden. Sie soll, im Einvernehmen mit seiner Britischen Majestät Regierung, Schritte unternehmen, um die Mitarbeit aller Juden zu sichern, die gewillt sind, bei der Errichtung der jüdischen Nationalheimstätte zu helfen." Nach der Bestätigung des Mandats hat die zionistische Presse, aber auch verantwortliche Führer (Sokolow in seiner berühmten Berliner Rede) nachdrücklicbst betont, daß Nunmehr die zionistische Organisation die Jewish Agency sei. Diese Anschauung berücksichtigt bloß den ersten Teil des obzitierten zweiten Absatzes mit Hinweglässüng aller darin befindlichen Einschränkungen. Solange nur von zionistischer Propaganda die Rede wärwar diese Deutung sehr vorteilhaft zu verwenden. Auf die Dauer aber haben weder die wirtschaftlichen Verhältnisse noch die politische Moral erlaubt, den zweiten Teil des vierten Artikels des Mandats ganz zu vernachlässigen. Schon während der zionistischen Jühreskönferenz im Jahre 1922 haben große Teile der zionistischen Organisation vor allem Präsident Weitzmann selbst, dem Willen Ausdruck gegeben, mit anderen großen jüdischen Organisationen und auch einzelnen Persönlichkeiten zur Gründung einer wirklichen Jewish Agency in Fühlung zu treten. „Wir werden," sagte Doktor. Weitzmann in seiner Eröffnungsrede, „mit den jüdischen Organisationen, mit den großen jüdischen Gemeinden und mit den großen jüdischen Persönlichkeiten und Parteien verhandeln und ich glaube, wir werden Erfolg haben, wir werden ihre Kraft für den Aufbau Palästinas gewinnen und eine gemeinsame Plattform zwischen uns und ihnen schaffen." Es kann als..allgemein bekannt vorausgesetzt werden, in welche kritische Situation Dr. Weitzmann ein Jahr später auf dem dreizehnten Ziönistenkongretz durch das konsequente Vertreten feiner Anschauung geriet. Tatsächlich hat aber der dreizehnte Zionistenkongreß keinen wesentlichen Fortschritt zur Lösung dieser überaus wichtigen Frage gebracht. Erst die jüngste Anwesenheit Weitzmanns "in Amerika hat. Wandel geschaffen. Die amerikanischen Bankiers uNd Geldgeber haben ihre Bedingungen gestellt, die auf einer Newyorker Palästina-Konferenz amerikanischer Juden am 17. Februar d. I. formuliert wurden. Das große zionistische Aktionskomitee hat in seiner Märztagung zu der amerikanischen Konferenz folgende Stellung genommen. ,f2)te zionistische Organisation erblickt in diesen Tatsachen einen wichtigen Schritt vorwärts auf dem Wege der Heranziehung der gesamten Judenheit zur Mitarbeit am Aufbau der nationalen Heimstätte, die ihre erste Ausdrucksform in der Schaffung eines Jewish Counciel für Palästina finden soll. Das A. C. fordert daher die Exekutive auf, ihre Bemühungen zur Bildung eines Jewish Councils mit aller Energie fortzusetzen." Nach diesem Beschluß wollte die Majorität des großen Aktionskomitees die Monopolstellung der Jewish Agency uneingeschränkt für sich selbst behalten. Bloß ein Council soll gemeinsam mit den übrigen an Palästina interessierten Körperschaften und Persönlichkeiten gebildet werden. Die Amerikaner haben selbstverständlich diese Zumutung zurückgewiesen und an der jüngsten Aktiönskomiteesitzung im Juni ist - Dr. Weißmann neuerdings für die klar formulierten Forderungen der Amerikaner mit Entschiedenheit eingetreten. Es gelang ihm auch, seine Forderungen trotz heftiger Opposition durchzusetzen. Nach verläßlichen Berichten wurde nun in Uebereinstimmung mit dem amerikanischen Komitee als unabänderlicher Grundsatz festgesetzt, daß die zionistische Organisation in der Jewish Agency und in allen ihren Neben- und Unterkörperfchaften 50 Prozent der Sitze innehaben soll, es fei denn, daß die zionistische Organisation selbst eine Aenderung in diesem Arrangement vorschlägt. Die^ zionistische Organisation wird die Hälfte der Mitglieder aller Organe der Jewish Agency nach Gutdünken ernennen; sie allein hat das Recht, ihre Vertreter in die Agency zu entsenden öder sie zürückzurufen. Die legislative Körperschaft der Jewish Agency ist der Jewish Council, der stch aus 150 Personen zusämmensetzt, von denen die eine Hälfte allein von der zionistischen Organisation, die andere Hälfte von den Juden der verschiedenen Länder und den großen in Palästina arbeitenden Organisationen ernannt werden. 40 Prozent der Sitze für die Nichtzionisten, das sind 30 Sitze von 75, sollen von der Judenschaft der Vereinigten Staaten eingenommen werden. Jede Vermehrung der nichtzromstischen Mitglieder im Council über die Zahl 75 hinaus wird automatisch eine entsprechende Vergrößerung der Zahl der zionistischen Repräsentanten zur Folge haben. Die Exekutive der Jewish Agency setzt sich aus 14 bis 16 Mitgliedern zusammen. Der Präsident der zionistischen Organisation ist zugleich Präsident der Ägency-Exekutive. Der Präsident leitet die politischen Agenden. Wie aus diesen Bestimmungen zu ersehen ist, wird die zionistische Monopolstellung selbst in der Exekutive der Jewish Agency, wohl der Form nach, aufgegeben, die zionistische Machtstellung aber hinlänglich geschützt. Trotz dieses Umstandes konnte weder ein einstimmiger noch ein klar eindeutiger Beschluß des A. C. erzielt werden. Einen endgültigen Beschluß soll der 14. Zionistenkongreß, der aber nicht, wie Weitzmann verlangt hat, schon im Winter, sondern erst im Sommer nächsten Jahres stattfinden soll, fassen. Es soll noch heroorgehoben werden, daß der High Commissioner von Palästina, Sir Herbert Samuel, in einer Sitzung des Aktionskomitees erschienen ist und sich über die Jewish Agency folgend geäußert hat: „Was die Vorschläge über Erweiterung der Jewish Agency betrifft, so sei es wünschenswert, daß auch die nicht in der zionistischen Organisation vertretenen Juden .für den Aufbau des jüdischen Nationalheims durch die Jewish Agency herangezogen werden." Bei dieser Gestaltung der Dinge wird man nach aller Wahrscheinlichkeit auch an die Zentralleitung der Aguda herantreten. Agudäs Jisroel selbst hat zur Frage der Jewish Agency anläßlich ihrer Breslauer Zentralsitzung im Dezember 1622 Stellung genommen und die Bedingungen einer etwaigen Beteiligung an der Jewish Agency folgend formuliert: „Die Entsendung eines Vertreters oder mehrerer Vertreter in die Jewish Agency lst für Agudäs Jisroel nur dann möglich, wenn a) gleichzeitig die im Mandat nur als vorläufig vorgesehene Monöpölstellung der zionistischen Organisation für beendet erklärt wird, b) wenn jede Majorisierung in Angelegenheiten, die von der A. I. religiöser Natur oder mit der Religion ich. Zusammenhang stehend bezeichnet werden, ausgeschlossen wird." Die Kenessiö im Clul vorigen Jahres Hat die Breslauer Beschlüsse in bezug ayf die. Jewish Agency feierlich bestätigt. Der in dem ersten Teil des Beschlusses ausgesprochene Wunsch nach Beendigung der Monopolstellung der zionistischen Organisation scheint wohl öer Erfüllung entgegenzügehen. Die zionistische Organisation ist nun einmal gezwungen. ihre Monopolstellung aufzugeben. Es ist festzustellen, daß der Neutralisierungsstrozeß der Jewish Agency im besten Gange ist. Seit dem Sommer 1922 bis zum Sommer 1924 ist die Erkenntnis, daß die zionistische Organisation allein Erez Jisroel,nicht aufbauen kann, Gemeingut der Zionisten geworden, und da die übrigen Teile und Gruppen des jüdischen Volkes politisch nicht mehr so unreif sind, sich von der zionistischen Organisation vertreten zu lassen, muß auch die jüdische Vertretung als Monopolstellung der Zionisten aufgegeben und eine neutrale Jewish Agency gebildet werden. Wenn auch nun die formelle Seite des in Breslau ausgesprochenen Wunsches des Zentralrates der Aguda der Erfüllung nahe ist, erachten wir den Zeitpunkt für eine Beteiligung der Agudäs Jisroel an der Jewish Agency für noch nicht gekommen. Wir würden es sogar vom Standpunkt der politischen Moral für sehr wünschenswert erachten, daß, vorausgesetzt, daß diese Ansicht von der verantwortlichen Zentrülleitung der Aguda geteilt werden würde, dies mit aller Klarheit ausgesprochen werde. Wir möchten unseren Standpunkt folgend begründen: Agudäs Jisroel hat programmatisch' erklärt, für Erez Jisroel zu arbeiten und auf Grund ihrer Prinzipien an der Besiedelung des heiligen Landes teikzunehmen. Diesem Willen hat auch die Kenessio einen feierlichen Ausdruck verliehen. Es sind nach wie vor ernste Anstrengungen gemacht worden, um diesen Willen in lebendige Tat umzusetzen. Es ist aber zurzeit, bei aller Würdigung des bisher Geleisteten, noch nicht sehr bedeutend, was Agudäs Jisroel an sogenannter praktischer Arbeit in Erez Jisroel geschaffen hat. Das Ausmaß ihrer Beteiligung an der Bildung der jüdischen Agentur im gegenwärtigen Zeitpunkte könnte aber sicherlich nur an der Wirklichkeit der vollbrachten Leistung und nicht an der Möglichkeit latenter Energien und künftiger Schöpfungen gemessen werden. Nun glauben wir, daß eine Beteiligung der Aguda an der Jewish Agency auf Grund der wirklichen Leistungen die künftigen Möglichkeiten agudistischer Schoöpfungen in Erez Jisroel nicht fördern, sondern unbedingt hemmen würde. Aus folgenden Gründen: Agudäs Jisroel selbst steckt organisatorisch noch in den Anfängen; der weit größte Teil der orthodoxen Jüdenheit konnte bis zum heutigen Tage organisatorisch noch nicht erfaßt werden. Zwanzig Jahre misrachistischer Arbeit konnte diese orthodoxen Massen von der Richtigkeit der Zugehörigkeit zur zionistischen Organisation nicht überzeugen. Instinktiv lehnen diese Massen die zionistische Organisation als Vertretung des jüdischen Volkes und als die richttge Verkörperung des Erez Jisrvel- Willens des jüdischen Volkes ab. Agudäs Jisroel hat nun die historische Aufgabe, diese einstweilen unorganisierten orthodoxen Massen zu erfassen, und die so gewonenen Kräfte für alle Gesamtheitsausgaben des jüdischen Volkes nutzbar zu machen. Agudatz Jisroel . hat auch auf diesem Gebiete bereits große Erfolge aufzuweisen. Wir sehen aber auch, daß schon heute, da die Agudäs Jisroel von der gesamten ziomstisch-misrachistischen Presse ob ihrer Ablehnung der zionistischen Organisation so heftig angefeindet wird, bedeutende orthodoxe Führer Mißtrauen gegen die Aguda wegen ihres Erez Jisroel-Willens haben, indem sie die Aguda mit der zionistischen Organisation, mit Misrachi in eine Linie stellen. Würde nun Agudäs Israel sich an der Bildung der Jewish Agency beteiligen und somit eine gemeinsame Körperschaft mit den Zionisten und Misrachisten bilden, ohne genügende Sicherheit der Respektierung ihrer religiösen Grundsätze, dann würde Agudäs Jisroel dem Schicksal von Misrachi verfallen und eine Opposition von rechts bekommen, die sie um ihre bedeutsamste und wichtigste Mission, um die organisatorische Erfassung der orthodoxen Judenheit bringen würde. Dies würbe praktisch bedeuten, daß ein großer Teil der orthodoxen Judenheit in seiner Lethargie verharren und diese große Energiequelle auch für Erez Jisroel verschlossen bleiben würde'. Man könnte wohl dieser Argumentation folgendes entgegenhalten: Zugegeben,, daß die bisher unorganisierten orthödoen Massen von einer an der gemeinsames Jewish Agency beteiligten Aguda nicht mehr erfaßt' werden könnten, sö würde doch die Mehrheit der bereits organisierten Agudisten gewaltige Vorteile für Erez Jisroel btingen. Man denkt ja in diesem Zusammenhaytze, daß dann Aguda und Misrachi, eventuell auch andere pülitisch-neurtale, aber konservativ gesinnte Körperschaften eine gemeinsame Frönt bilden könnten und so besonders den religiös-konservativen Charakter des Aufbaues im heiligen Lande retten könnten. Ueber diesen Eiywänd läßt sich folgendes sagen: Es ist eine allgemeine Erfahrungstatsache, daß die Opposition, und die religiösen Gruppen würden sicherlich zunächst in Opposition sein müssen, sich hauptsächlich auf das Kritisieren beschränkt. Es würde einer geeinten agudistisch-misrachistischen Gruppe Wohl nicht schwer fallen, Kritik,, berechtigte, scharje Kritik überdie Richtberücksichtigung der jüdischen Religiönsgesetze, über Mißachtung des jüdischen Geistes beim Aufbau des Landes der Väter, zu üben. Die beste