Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 65 (1924)
- Issue
- Heft 35 (28.8.1924)
- Date
- 1924-08-28
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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.. ,Tette 2 Nr. 35 übrig ließen, holte Graf Reventlow in einer Schlußrede voller Gift und Galle am letzten Tage nach. Daß der Troß der anwesenden Hakenkreuzler die Veranstaltung zu antisemitischen Kundgebungen benutzte, zufällig des Weges kommende Juden beschimpfte und die im„Ludendorf-Zuge" sich befindenden jüdischen Reisenden bedrohte, ist nachgerade selbstverständlich. Wie die Alten im Saale jungen, zwitschern draußen die Jungen. Drinnen wird gegen Juda gewettert, die tatfrohe Jugend draußen setzt die Theorien in die Parxis um und haut aus die I u d e n ein. Das Deutschland von Weimar hatte bislang einen guten Klang. Man dachte bei diesem lieben Worte an Goethe und Schiller, an den Anteil Deutschlands an der Weltkultur, den ihm kein Versailles und kein London nehmen kann. Den Pöbeleien unter dem Zeichen des Hakenkreuzes wird es hoffentlich nicht gelingen, den Glanz von Weimar zu verdüstern. Die Sabbatverträge des Wiener „Hakoach". Der Wiener jüdische Sportverein „Hakoach" feiert große Triumphe von der Donau bis zum Jordanstrom. Zurzeit weilt er an der Weichsel, und die Warschauer Zeitungen sind voll des Lobes über die Erfolge der jüdischen Kraftmenschen von Wien, die mit Hand und Fuß sich d i e Stellung in der Welt zu erringen suchen, die ihre Väter und Großväter nur mit Kopf und Geist halten zu können glaubten. Nicht darüber soll heute gesprochen werden, und, in Wahrheit gesagt, gönnen wir dem Dutzend Wiener Jünglinge das Vergnügen und die Freude der Ehrenzeichen und Siegespreise vom Herzen. Ein wenig Sport, zur rechten Zeit und in rechtem Maße ohne Schaden für die intellektuelle Entwicklung und ohne Ueberschreitung der von Natur, Gesetz und frommen Sitte gezogenen Grenzen, würde unsererJugend übrigens garnicht schaden. Leider aber geht bei den Veranstaltungen des Wiener „Hakoach" fast immer die Sache mehr oder weniger um den Preis des Sabbat. Auf seinem Siegeszuge durch Palästina hat er bezüglich des Sabbat etwas mehr Takt bewiesen als die einheimischen jüdischen Turnvereine, die seitdem, wie aus dem Annoncenteil der palästinensischen Zeitungen ersichtlich, ihre Hauptvorstellungen mit Vorliebe am Sabbatnachmittag abhalten. Aber der Sabbat ist keine Frage des Taktes, er ist heiliges Gottesgebot, die Seele der jüdischen Nation. Fragen des Taktes haben keine feststehenden Normen, sie können nach Land, Zeit s r a e ( i I , .. _ , und Verhältnissen verschiedentlich gelöst werden. Die Wiener jungen Sportler, die in Jerusalem Takt bewiesen und Rücksicht nahmen, fühlen sich in Warschau bar dieser Hermmungen und der Rücksicht auf den Sabbat. Nun ergab sich, daß die Herren bei ihren Besuche der Warschauer jüdischen Gemeindeverwaltung sich ins Büro des Rabbinates verirrten. Die Rabbiner nahmen die Gelegenheit beim Schopf und stellten die Jünglinge wegen des Sabbatendpunktes und der ihnen zur Last fallenden Sabbcttentweihungen von Hunderten und Tausenden zur Rede. Gut erzogen, wie die jüdische Sportjugend in Wien ist, versprachen die jungen Herren, in Zukunft nach Möglichkeit dem Sabbat aus dem Wege zu gehen. Freilich konnten sie dies für den nächstenMatch in Wilna nicht versprechen, weil sie dort bereits an den Vertrag, die die Sabbatvorstellung vorsieht, gebunden seien. Sie werden von nun anmehrTakt üben. Aber wer könnte es von ihnen verlangen, daß sie einer reinen Taktsache wegen kontraktbrüchig werden? Es existiert zwar ein älterer Vertrag, der alle späteren von vornherein ungültig macht, ein Vertrag, unter Donner und Blitz am Sinai bekräftigt, der da lautet: „Gedenke des Sabbats! Hüte den Sabbattag, ihn zu heiligen ufw.! ..." Aber mit derlei Dingen scheinen unsere nationalen Helden des Fußes sich nicht gern abzugeben. Und das ist es, was uns die Freude an deren Heldentum und damit überhaupt am Sporte in großem Maße trübt und verleidet. Die Hebung des jüdischen Lebens in Stadt und Land. Von S. Kisftnger, Hauptlehrer a. D. in Wrsprirrgen. Es ist höchst erfreulich, daß sich zurzeit vielfach Bestrebungen zeigen zur Hebung des jüdischen Wissens und Lebens in Stadt und Land, denn es ind hier wie dort weite Kreise fast auf dem Nullpunkt angelangt. Man suchte seither durch allerlei Vorträge eine Besserung herbeizuführen, allein die Erfolge waren ähnlich wie bei den Literaturvereinen so minimal, daß ein weiteres Veschreiten dieses Weges nicht zu empfehlen ist. Die verschiedenen Vereinigungen suchen durch Wanderredner und Wanderlehrer etwas zu erreichen. Die Leute auf dem Lande z. B. sind aber nach des Tages Mühen weder geistig noch körperlich zum Anhören eines gelehrten Vortrages disponiert; ähnlich wird es in den Städten fein. So wurde mir erzählt, daß ein Redner, der seinen Vortrag . , _ 28. August 1924 rechtzeitig angekündigt haste, in einer 150 SeeleN zählenden Gemeinde vor einem halben Dutzend Menschen sprechen mußte. Bei dem zurzeit herrschenden Jndifferentismus auf religiösem Gebiete und bei der wirtschaftlichen Not braucht man sich über derartige Erscheinungen nicht zu wundern. Wie soll nun eine Wandlung zum Besseren erzielt werden? In erster Linie muß das Streben der maßgebenden Kreise, wozu auch die Gemeinden gehören, darauf abzielen, Lernmöglichkeiten für die Jugend zu schaffen, durch die es ihr möglich ist, ihr Schulwissen in den Religionsfächern zu erweitern. Mit der Schaffung der Schulen bzw. Unterrichtskurse muh aber auch darauf hingewirkt werden, daß die Angehörigen zunächst sich selbst für die jüdischen Ideale interessieren, dieses Interesse auf ihre Kinder übertragen und sie zur Weiterbildung im jüdischen Schrifttum anhalten. Wie kann nun das Interesse für das Judentum in den Familien geweckt werden? Ich glaube, unsere Führer des letzten und gegenwärtigen Jahrhunderts haben uns den Weg gezeigt, indem sie ihre Geistesprodukte in gemeinfaßlicher Sprache schrieben, um sie so der großen Masse leichter zugänglich zu machen. Greifen wir diesen Fingerzeig auf und sorgen wir dafür, daß die Schriften in jedes jüdische Haus wandern. In keinem Haufe sollten die bekannten populären religionsgesetzlichen Schriften fehlen. Nicht zu vergessen sei die weitgehendste Verbreitung auf dem Boden positiven Schrifttums stehender, jüdischer Zeitschriften. Die Art und Weise, wie die bekannten Schriften verbreitet werden sollen, hängt mit der Klugheit und dem Takt der mit der Sache Betrauten ab. Nun wird man mir einwenden, woher die Mittel nehmen zu dem großzügigen Unternehmen? Dazu sei folgendes bemerkt. Wenn man die horrenden Beträge für Wanderredner und Wanderlehrer, für deren Reisen und Verpflegung, für Bereitstellung, Beheizung und Beleuchtung der Lokale usw., für die Herstellung obengenannter Werke und entsprechender Zeitschriften verwenden würde, so könnte man viele Tausende von Exemplaren in die Hände des Publikums gelangen lasten. Außerdem wird sich so mancher Mäzen findender für den Zweck eine Auflage eines guten Werkes veranlaßt und zur Verfügung stellt, wie dies ja z. B. in Frankfurt a. M. schon öfters der Fall war. Ich bin der festen Ueberzeugung, daß in vielen Familien die anziehend geschriebenen Schriften und Zeitschriften gerne gelesen werden, und daß ein ganz neuer Geist in viele Familien Bemerkungen zum Wochenabschnitt. Don Rabbiner Ar. Winkler in Kopenhagen. 11. 26: wvVN 3DK N333N NX« Raschi: hv WötstoP »Den Segen gebe Ich euch, damit ihr gehorchet". Allgemein wird gefragt, weshalb Raschi nicht das im als ök »falls" erkläre. Allein. Raschi will gewiß damit sagen, die Tauro wende deshalb beim Segen einen anderen Ausdruck an als beim Fluch — dk fi^pm - 1DK N333N NX weil es fich bei dem einen eben ganz anders verhalte als bei b^nt anderen : Der Fluch tritt als Folge der "" "" CW,A—* ^es. Menschen stn; der Segen als das Mittel an, als die „ -, ...tch ihn gottgefällig lebdn zu können, ygmn im rmnn nX heißt somit nicht-: den pegen, wenn ihr gehorchen werdet, sondern r Den Segen, auf dütz ihr.aehorchen sollt. Wie es an einet anderen Stelle heM: 'äfttön 'Ä Haschem borüch hü spsttzt: Mer ist Mir mit feine? Pflichterfüllung zuvorgekommen? Wem habe Ich die Ausübung Meiner Mizwaus auserlegt, ohne ihm die Möglichkeit zu deren Betätigung gegeben zu haben? — 12, 29: dxixs N3W'1. Hierzu berichtet Gifte (Abschn. 53): Rabbi Juda ben Batira, Rabbi Matia ben Cheres, Rabbi Chananja und Rabbi Jonathan begaben sich einst von Palästina aus die Reise nach dem Auslande. Doch als sie in Platos (einer Stadt im Libanongebiete) anlangten, gedachten sie wehmütig des heiligen Landes, so daß sie zu weinen anfingen, während sie den Schriftsatz vor sich hersagten: anxa nntp’i „Du sollst in dem von ihnen zurückeroberten Lande wohnen". Sie kehrten alsbald nach Palästina zurück und taten den Ausspruch: „Das Wohnen im Lande Israel ist allen Geboten der Thora gleichzustellen". 13, 6: 'n ,yio 133 '3 nav’-K'inn X’sam ..Und der (falsche) Prophet sei des Todes, weil er Abfall gegen Gott geraten hat". — Man vergleiche hiermit Zeremija 28,16,17, wo dieser dem salschnn Propheten Chananja zuries: »Noch in diesem Jahre sollst du sterben, weil du zum Abfall von Gott geraten hast". — „Und es starb der Prophet Chananja in demselben Jahre". - 14, 24 - oyon -joa j?rrv '2 - ynn *jaa mi*» 'w „Wenn dir der Weg zu weit ist, daß du es nicht wirst tragen können, es Md zu entsernt sein her Ort" — Was niäg wähl die Wiederholung: der Weg zu weit, der Ort zu entfernt, -bedeuten? Nach Sists iei mit dem einen die zeitliche, mit dem anderen die räumliche Entfernung gemeint. Rabbi Chaim Eliefer Wachs hingegen legt diesem Satz einen änderen Sinn ünter: Äph nämlich Md öst Äs DezAchnusig 'für Gött gebrärM. Dann iÜSre die Stelle etnia derart auszulegen: •pnn faa m*v '3- Erscheint dir bei Weg zu einer Mizwoh zu weit, die Ausübung einer Thorapflicht zu schwer, so daß du „sie nicht träger zu können" glaubst, so ist die Ursache davon alleir darin zu suchen, Dipan *]aa pm* '> daß das rein« Gottesbewutztsein. die innige Gottesverehrung wei von dir ist. darum erscheint dir das alles so unbequem so mühevoll. — Kleines Feuilleton. Eiu vergessener jüdischer Hofmaler Von L. Hotwitz in Cassel. Dem Sammler jüdischer Altertümer begegnen oj Hagadas für die Sederabende, Keßuboth mit mehr ode weniger schönen Bildern. Aus der Blütezeit der Maler« inItalien sind noch eine ganze Reihe solcher Kunstwerk erhalten, die das Entzücken aller Kenner erregen. E ist selbstverständlich, daß dieses künstlerisch Streben auf deutschem Boden, vielfach Nachahmun fand für alle Gegenständ^ des Kultus und häusliche: religiösen Brauches. Mit Bewunderung blicke wir auf den Dhoraschmuck ist Gold und Silber, Beche und ^Gd'würzhäuSchirn, Vothattge Und Möntelcher Esrogbüchsen, Ehänukaleuchter und Sederfthüsselr durch welche unsere Altvorderen, dem Geschmack der Zei huldigend,, der Erfüllung heillger Pflichten mit fünf li'chem Geschmää 'geiiÜgen wollten. — Ed ist schwe