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Der Israelit · 1924-08-21 · Heft 34 (21.8.1924) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
65 (1924)
Issue
Heft 34 (21.8.1924)
Date
1924-08-21
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Ofäffcr Kerausgegeöen uon dct kandesoeganifation der Bgudas-Jistroel in Äentjekknnd. \0. Jahrgang ^•ranryuri V*# V.i Die Zentralratssitzung in Krakau. Die A. I. P. B.-Berichte melden: Wie wir vom Zentralbüro der Agudas Jisroel in Wien erfahren, ist die Zentralratssitzung der Agudas Jisroel auf den 16. Elul (15. September d. Js.) nach Krakau einberufen worden. Das polnische Außenministerium hat eine rascheErledigung der Einreisevisa, das Eifenbhnministerium eine Fahrpreisermäßigung auf allen polnischen Linien von 33 il3 Prozent für Hin- und Rückreise oder von 66 7s Prozent für die Rückreise allein zugesagt. Der Zentralrat der Agudas Jisroel besteht aus 100 Mitgliedern, die von der Wiener Kenessio im vorigen Jahre mit Berücksichtigung der landsmannfchaftlichen Gruppen gewählt wurden. Der Zentralrat tritt in den Jahren zusammen, in welchen keine allgemeine Kenessiio stattfindet. * ' * * Es erscheint natürlich und berechtigt, daß die erste Zentralratssitzung nach der Kenessio Gedaulo in demjenigen Lande stattfindet, das sich heute der größten jüdischen Einwohnerzahl und zugleich der stärksten agudistischen Landesorganisation erfreut, einer Landesorganisation, die noch dazu soeben durch die glänzende Durchführung der Kehilloth-Wahlen ihre innere Kraft und ihre praktisch-politische Bedeutung vor aller Welt bekundet hat. Man könnte einwenden, daß grade darum die polnische Aguda der Stärkung durch eine Zusammenkunft des zentralen Verwaltungsorganes der Agudas Jisroel weniger bedürfe als andere Länder in Ost und West, in denen das agudistische Leben noch unentwickelt oder durch Mangel an arbeitenden Kräften gehemmt ist. Allein abgesehen davon, daß die Einladung und Beherbergung des Zentralrats geradezu einen Ehrenpunkt für unsre polnischen Gesinnungsgenossen darstellt, kann doch auch das Band, das Polen mit dem Gesamtkörper der Orthodoxie verknüpft, eine Festigung noch sehr wohl vertragen. Wir sind noch lange nicht so weit, daß jeder einzelne Agudist in Polen die Abführung seiner Kopfsteuer an die Zentrale.in Wien als heiligste Gewissenspflicht, als das religiöse Symbol seiner Zugehörigkeit zu empfindet. Wie in manchen anderen Ländern — Deutschland, Oesterreich und die Schweiz sind rühmliche Ausnahmen — so hapert es auch in Polen an dem Verantwortungsbewußtsein der Landesorganisation für das Wohl und Wehe der Gesamtheit, und es wird die erste und vielleicht wichtigste, weil grundlegende Aufgabe der Zentralratssitzung sein, die Vertreter der Landesorganisationen mit diesem Verantwortungsbewußtsein zu erfüllen. Wenn der „Geschäftsführende Ausschuß" in Krakau, wie zu erwarten, einer reichlichen und gewiß nützlichen Kritik seiner Tätigkeit oder Untätigkeit auf den zahlreichen Gebieten der agudistischen Aufgaben begegnen wird, so wird er an nicht wenigen Punkten leider in der Lage sein, als entlastendes Moment den Landesorganisationen ihr Versagen in finanzieller Hinsicht entgegenzuhalten. Hierin muß es besser werden, soll endlich einmal der auf die Dauer unerträgliche Zustand ein Ende nehmen, daß eine Weltorganisation die — verhältnismäßig minimalen — Kosten ihres zentralen Apparates von einzelnen hochherzigen Gönnern und aus den Beiträgen weniger agudistisch wohlerzogener, leistungsschwacher Länder aüfbringen läßt. Wir halten es für richtig, diese Dinge einmal offen auszusprechen, denn die agudistische „Unerzogenheit" ist zwar bei einer so jungen Organisation an sich keine Schande vor der großen Welt — allein es müßte die ernsteste Sorge der Führer, auch der rabbinischen Führer sein, mit ihrem ganzen Einfluß für eine gerechte Lastenverteilung einzutreten und die jüdischen Massen, deren Kraft allein imstande ist, Agudas Jisroel dauernd sicherzustellen, zur Erfüllungihrer Verpflichtungen anzuhallen. Neben diesen finanziell - organisatorischen Fragen wird der Zentralrat erneut zu prüfen haben, wie sich der Aufbau der engeren Leitung mit ihrer Verteilung auf drei Zentren bewährt hat und ob in dieser Hinsicht Aenderungen etwa notwendig sind. Hiervon hängen teilweise auch eine Reihe von propagandistischen Fragen ab, unter anderem die für „Agudas Jisroel" lebenswichtige amerikanische Frage. Cs ist nicht die Schuld der Leitung, daß die von der Kenessio Gedaulo gewünschte Delegation der führenden rabbinischen Größen des Ostjudentums bis heute nicht zustande gekommen und damit die von allen Kennern als unerläßlich bezeichnet^ Voraussetzung für eine religiöse Rückeroberung Amerikas noch immer nicht geschaffen worden ist. Der Zentralrat wird an einer ernsten Untersuchung dieses religiösorganisatorischen Problems, das nicht von heute auf morgen zu lösen sein wird, keineswegs vorüber gehen dürfen. Auf dem mühseligen Wege zum Aufbau einer aktiven rabbinischen Zentralinstanz der in „Agudas Jisroel" zusammengefaßten orthodoren Judenheit hat die „Kenessio Gedaulo" eine beachtenswerte Etappe durch die Wahl der Exekutive des rabbinischen Rates erreicht. Hier wird es gellen, systematisch weiterzubauen, fern von dem anderwärts zutage tretenden vermessenen Gedanken, der Welt ein „Weltrabbinat" zu oktroyieren, wohl aber in der tiefen Ueberzeugung, daß ein reges Jneinanderleben und Zusammenwirken der *mn •»Vmi 'iixi im „Rabbinischen Rate" der Agudas Jisroel nicht nur für diese, sondern mittelbar für Vn ein Stück nVm bedeuten wird. Im Mittelpunkt der sachlichen Aufgaben der Zentralratssitzung wird Erez Jisroel stehen. Wer weiß, ob sich dort nicht das Schicksal der Thora auf ihrem ureigenen Boden für die nächste Zukunft in dem Kampfe um das Gemeindegesetz entscheidet. An dem Schicksal der Thora aber hängt nach unserer durch die jüdische Geschichte bewahrheiteten Ueberzeugung auch das Geschick des jüdischen Volkes und seines Landes, und alle Dollar-Millionen und aller Chaluzim-Schweiß werden auf Erez Jisroels Boden keinen Segen zu stiften vermögen, sondern nutzlos vertan sein, wenn zugleich dem Thorageiste die Anerkennung verweigert bleibt. Dieser sogenannte politische Kampf ist daher im tiefen Grunde die im höchsten Sinne praktische Aufbauarbeit für Erez Jisroel, die von den Bemühungen der Palästina - Zentralen wirtschaftliche und religiös-kulturelle Leistungen zu erzielen, nicht zu trennen ist. Als Einheit wird daher der Zentralrat diese drei Formen der Erez Iisroel-Arbeit zu betrachten und ihre unlösliche Verflochtenheit auch für den Fall zu beachten haben, daß Veranlassung geboten sein sollte, sich wiederum mit der anscheinend vertagten Jewish-Agency-Frage zu befassen. Die endgültige Konstituierung des Keren chathora, die dem Zentralrat Vorbehalten blieb, bildet einen weiteren wichtigen Gegenstand der Tagung. Schon liegen eine ganze Reihe praktischer Erfahrungen über die bisherige Entwicklung dieses „Volksschatzes der Thora" in den verschiedenen Ländern vor, die man bei der Formulierung der Satzung und Wahl der zentralen Organe sicherlich berücksichtigen wird. Es muß dabei noch einmal die bei der Kenessio Gedaulo viel zu wenig geklärte Frage aufgerollt werden, inwieweit der „Keren Hathora" die vorhandenen Lehranstalten durch größere oder kleinere Subventionen mehr oder minder ausreichend fördern, inwieweit er neue Institutionen schaffen und selbständig erhalten soll. Endlich dürfte die Entwicklung des s o z i a l e n Hilfswerkes der Aguda und insbesondere seine zentrale Zusammenfassung den „Zentralrat" eingehend beschäftigen. Neben allen diesen konkreten Fragen, die eine Beschlußfassung erheischen, wird die allgemeine Lage der thoratreuen Judenheit in Erez Jisroel wie in den Ländern der Diaspora zu mancher fruchtbaren Aussprache, zur gegenseitigen Beratung und Ermutigung führen, und es wird sich, so hoffen wir, auch diesmal das oft bewährte Prophetenwort erfüllen: aro'n VvV'i 'n avp'i wsn v« 'n ’kt nm tk 'awin^i 'n 'Xi''? 'Y»iqV jnat isv Die Organisation der palästinensischen Judenheit. Der Kampf um das palästinensische Gemeindegesetz ist bisher von der Voraussetzung aus geführt worden, daß der Entwurf des „Waad leumi" die Grundlage der Diskussion bleiben müsse, und daß es gelte, neben der so ins Leben tretenden durch und durch unjüdischen, das Thoragesetz degradierenden Einheitsorganisation der Liberalen, Indifferenten und „Gemäßigten" eine freie orthodoxe Gemeinschaft zu schaffen. Es ist aber von vornherein daraus hingewiesen worden, daß diese Form der Organisation durchaus nur als ultima ratio anzusehen sei, wie sie das Golus gezeitigt hat, keineswegs aber als das angemessene organisatorische Kleid für eine auf dem heiligen Boden Erez Jisroels zu neuem Leben erstehende jüdische Gemeinschaft. In dem wahrlich ernsten und geweihten Augenblick, da diese Gemeinschaft sich das Gesetz ihres Seins und ihrer Entwicklung zu geben sich anschickt, hält es die Leitung der „Agudas Jisroel" für ihre Pflicht, der jüdischen und mchtjüdischen Oesfentlichkeit, der Mandatarmacht und dem Völkerbund, dem High Commissioner und dem „Waad leumi" selber doch noch einmal an der Hand eines ausgearbeiteten Gesetzentwurfes positiv vor Augen zu führen, wie das geschichtliche Judentum, das in seiner Reinheit von „Agudas Jisroel" vertreten wird, die jüdische Einheit begreift und mit den Grundsätzen voller Gewissensfreiheit vereinigen zu können glaubt. Wir veröffentlichen diesen Gesetzentwurf, der auch die Zustimmung der palästinensischen Landesorganisation der „Agudas Jisroel" und ihrer rabbinischen Führer gefunden hat, im folgenden einstweilen ohne Kommentar. Die Veröffentlichung eines Motioenberichtes im Einzelnen bleibt Vorbehalten. I ü 1 i $

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