Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 65 (1924)
- Issue
- Heft 33 (14.8.1924)
- Date
- 1924-08-14
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 14 Nr. 33 Der Israelit 14. August 1924 Und angegriffen, ins Herz getroffen, ist die alte Orthodoxie durch die bloße Existenz refp. Gründung der Achdus, selbst wenn diese gar keine besonderen Angriffe aus ihre Gegner unternimmt. Auch der Verfasser dieses Schreibens rechnet sich zu den einfachen Bale-batim, die nicht anders können, als den Eindruck wiederzugeben, den diese ganze Machloko — denn so müssen wir es doch wohl nennen — auf ihren einfachen Balboes-Sinn macht, denn wie man es auch drehen und wenden will, und so sehr man es auch zu drehen versucht hat: diejenigen, welche hier den Fehdehandschuh hingeworfen haben, waren die Bale-Achdus. Die Orthodoxie hatte sich seit zwei Menschenaltern so einigermaßen unter Dach und Fach gebracht, nun kommt Achdus — nicht etwa um die Orthodoxie zu stärken und ihr Haus zu stützen, sondern — der einfache Balboes kann wiederum nicht anders sagen — um der Neologie zu Hilfe zu kommen. Diesen Eindruck beim einfachen Balboes wird sie durch keine noch so glänzende halachifche Disputation über Arevus aus der Welt schaffen. Und da wäre es, wie der Verfasser des offenen Briefes wohl ganz richtig erklärt, wohl am Platze gewesen, erst durch eingehende halachische Klärung im engsten Kreise der Berufenen einen richtigen Psack herbeizusühren. Nicht wie es geschehen, sich zunächst an die breite Oefsentlichkeit zu wenden — denn die Gründung der Achdus wendet sich ja nicht an Geonim und Talmide chachomim, sondern an die große Masse — und die nötige halachtsche Fundierung post festum zu suchen. Dieses Vorgehen allein zeugt von einer solchen Uebereiltheit — um mich nicht eines schwereren Wortes zu bedienen —, daß der einfache Balboes mit Befremden auf seine Führer blickt, denen er doch gewohnt war, in allem und überall unbedingte Gefolgschaft zu leisten. Denn, daß solch eine Frage nicht gewissermaßen im Handumdrehen im Ginne der Achdus entschieden werden kann, und daß, nachdem ein Psack von Hirsch bereits vorliegt, demgegenüber wir alle und bis in die Reihen der Gründer des Achdus hinein im Verhältnis von Talmid-leraw stehen, ist doch wohl zu unterscheiden zwischen Individualismus und Prinzip, oder mit anderen Worten zwischen Horoas schooh und allgemein gültiger Tekonoh. Es ist natürlich etwas ganz anderes, ob von Fall zu Fall die Zugehörigkeit zu einer neologen Gemeinde nach Berechtigung und Möglichkeit, nach Nützlichkeit und Opportunität diskutiert und geprüft wird, wobei sich für den einzelnen Fall sehr wohl die Notwendigkeit des Zusammengehens Herausstellen kann, oder ob ich ganz allgemein dies als Mizwoh hinstelle; also mit anderen Worten, ob ich diese Zugehörigkeit als erlaubt oder als unabweisbare Verpflichtung statuiere. Mit der Gründung der Achdus wollten aber die Griinder ganz unzweifelhaft die Idee der Achdus, also die obengenannte Verpflichtung als allgemeingültige T e - konoh aufgefaßt und anerkannt wissen. Dann beginnen aber alle Konsequenzen eines solchen Psack für feine Urheber. Es besteht nämlich bereits ein solcher von Hirsch. Es muh also ein Bes din hagodol mimenu sein, wenn es unternehmen will, diesen zu stürzen; ob das in diesem Falle zutrifft, hat natürlich der einfache Balboes nicht das Recht zu entscheiden. Nur soviel sieht er, daß Achdus von dessen (des Hirfchschen Psack) Wirksamkeit und Gültigkeit ausgeht, ihn gewissermaßen als zurecht bestehend annimmt, sonst wäre es ja genügend gewesen, statt eine Atlgemeinbewegung hervorzurufen, sich an die paar in Betracht kommenden Pervielleicht vor dem Beifall grauen! Ist aber einmal ein- Gründer der Achdus vergessen, wie die Orthodoxie vor Hirschs Rettungswerk dastand?! Wie die Neologie die Orthodoxie bekämpfte und knebelte?! Wie man sie mit allen Waffen der Uebermacht unterdrückte? Wie man ihre Synagogen zu schließen und ihren Predigern die Kanzel, ja selbst das Führen des Rabbinertitels verbot; hat man' es vergessen, wie man ihrer (der Neologie) Willkür und Intoleranz wehrlos ausgeliefert war? Gott Lob, es ist anders geworden; und daß es anders wurde, ist in erster Linie mit ein Verdienst von Hirsch und seinem Werk. Daß man heute überhaupt auf orthodoxer Seite aus den Gedanken der Achdus-Gründung kommen konnte, ist ein . Zeichen jener Erstarkung der Orthodoxie, die vor allem durch Hirschs Reinheit der Prinzipien erkämpft wurde; und nun kommt man, diese Wurzel simsonischer Kraft der Orthodoxie kalt mit der Achdus-Schere zu durchschneiden. Der einfache Balboes weiß wirklich nicht, was er dazu sagen soll. Also all diese einfachen sinnfälligen Tatsachen soll ein scharfsinniger Pilpul über Arewus aufwiegen! Arewus soll mich also zwingen, mit Minim und Apikorsim bemile dischmajo zusammenzugehen! Ich glaube, die von den Achdus-Führern.s in Anspruch genommenen Gewährsmänner dieser Art Arewus würden bittere Tränen vergießen, wenn sie wüßten, daß ihr Psack zu solchen Schlußfolgerungen weitergeführt wird. Zunächst, meint man, müßte doch Arewus gegenüber Jereim ufchlemim kommen! Ich muß zunächst mein Arewus, meine Verantwortung für die gefährdete gesetzestreue I u g e nd, für meine Kinder betätigen, für die ich zu allerer, zu sorgen habe. Das richtige Arewus geht eben bei der eigenen Persönlichkeit des Menschen selber an. Zuerst hat er Arewus, Verantwortung für sich selbst zu erfüllen: solange er nicht für sich selbst recht handelt, das Richtige wählt, kann er eben für andere nicht einstehen. Das eigene richtige Tun ist Anfang und Schluß jedes Arewus: umibforcho lo tisalem. Ein einfacher Balboes hat es schwer, hier zu urteilen; aber Dovid hamelech muß doch en schlechter Bal-Arewus gewesen sein, wenn er sagt: Aschre hoisch ascher lo holach beazas usw. — Rabbi Jehoschua muß doch ein schlechter Bal Arewus gewesen sein, wenn er sagt: Esu derech roo schejisrachek mimeno hoodom, Chover ro. — Rabbi Jose desgleichen, wenn er sagt: Schachen ro. — Nitai Hoarbeli ebenso, wenn er sagt: Harschet mijchocyen ro oeal tischabar usw. — Awrohom ovinu ebenso, wenn er ausruft: Hipored no meoli, im hasmol oeemino, veim hajomin veasmeilo. — Daß Hirschs Arewus das Richtige war, sieht man, wenn man die Entwicklung der Orthodoxie feit ihm betrachtet. Aus dem zarten Pflänzchen ist ein mächtiger Baum geworden. Aber auch aus der Entwicklung der Neologie ist es zu erkennen. Denn ohne diese mächtige Entfaltung der Orthodoxie wäre nie das Entgegenkommen der Reform, deren freundliche Hinneigung zur Orthodoxie, ja selbst, man kann es ruhig sagen, ihre innere unzweifelhaft zunehmende Sympathie zum überlieferten gesetzeslreuen Judentum zustande gekommen. Dort, wo ursprünglich nur Geringschätzung, Feindseligkeit und Kampfstellung geherrscht haben, wo man selbst vor den giftigen Waffen des Mesirus und Malschinus nicht zurückschreckte, herrscht heute vielfach verstehende Zuneigung, Anerkennung ünd vor allem Achtung. Wenn Sie wüßten, meine Herren vom Achdus, wie vielen Sie aus der Seele sprechen, es würde Ihnen sönlichkeiten zu wenden. Außerdem muß er annehmen, daß Achdus einen für Klall Jisroel gültigen Psack schaffen wollte; sonst hätte er überhaupt nicht gegründet werden dürfen. Seine Idee besteht ja eben darin, dem Issur des Austritts Form und Manifestation im Klall zu geben. Also für Achdus selbst steht die Sache jedenfalls so, daß sie sich mit dem Grundsatz „En Besdin jochol leoatel divre Besdin chavero" usw. auseinanderzusetzen hat. Der Ausgang der Auseinandersetzung bleibt nach der Meinung des einfachen Balboes mindestens unentschieden, und da schüttelt er den Kopf und fragt: Man schafft Schteh Torohs, man macht Machlokos über Machlokos, nur einer von Achdus gegebenen Definition des Begriffes Arewus zu Liebe, die nota bene von bedeutender, Seite, von ersten Geonim der Welt, abgelehnt wird. Hirsch setzte sein Leben und dessen Werk daran, der Orthodoxie — wenn schon dieser schöne Name immer wieder gebraucht werden muß — Lebenskraft und Existenz zu erkämpfen! (Wer hat heute noch eine Ahnung von den aufreibenden furchtbaren seelischen geistigen und physischen Opferndie es damals diesen Manne kostete!) Und nun kommt man — vom grünen Tisch aus —, um nach diesem mit Blut und Schweiß geschaffenen Werk eines Godol hador den Todespfeil zu senden! Wissen Sie, was Sie tun, meine Herren vom Achdus?! Einreißen ist leichter als aufbauen! Vielleicht wissen Sie nur nicht, wie leicht. Hirschs Lebenswerk ist die Tat eines Mannes, vor der man in Bewtinderung erschauert, auch selbst wir Kleinen und Unbedeutenden. Wie klein nehmen sich dagegen die gelehrten Disputationen über diese oder jene Bedeutung des Arewus aus! Was Arewus ist, und was es für den Jehudi bedeutet, wissen wir alle. Es kommt einem wirklich so vor, wie wenn man einen Ertrinkenden sieht, und anstatt hinzurennen und zu retten, man erst eine Eingabe an das Bürgermeisteramt macht, ob es erlaubt fei, die Gemeindewiese zu diesem Zwecke zu betreten. Zu retten gilt es aber die Orthodoxie. Unsere erste Pflicht ist es, ihr, der Schwachen und Bedürftigen, Hilfe zu bringen. Sie bedarf unseres ganzen Schutzes und unserer ganzen Kraft; denn sie ist immer noch die bedrohte und v e r s o l gt e, nicht wie Achdus uns sagt, die Neologie und Reform. Haben die gerissen und stehen Sie vor der Bahre der kostbarsten Errungeni^"^ der neueren Orthodoxie, dann werden Sie zu spät erkennen, daß dann vielleicht kein zweiter Esra da ist, der den Tempel der Orthodoxie nochmal aufrichtet. Aber alle dejenigen, die am Chorban des ersten Hauses mitgearbeitet haben, afidim liten din vecheschbon. Was aus dieser traurigen Achdus-machloko werden wird, wer weiß es! Das eine aber kann man jetzt schon sagen: Wenn nicht alsbald dieser Achdus-Schrittungeschehen gemacht wird — durch Achdus ist Riß und Spaltung, Zerklüftung und Schwächung, kurz „Unschotom" in d i e Gemeinschaft des gesetzestreuen überlieferten Judentums getragen worden. Mit der Geburtsstunde von Achdus beginnt die absteigende Kurve der Orthodoxie. München, im Tamus. R. Levi. (Wir haben diesen aus warmem Gemüte fließenden Notschrei schon vor Wochen zur Veröffentlichung angenommen, weil er ein wertvolles Symptom der in den besten Kreisen der Orthodoxie herrschenden Stimmung ist. Wir möchten aber alle diejenigen, denen an einer Wiederherstellung erträglicher Verhältnisse in Deutschland gelegen ist, zur Mäßigung mahnen. Red.) Frankfurter Berichte. Osias Aberbach b"T Im greisen Alter von 81 Jahren verstarb vergangene Woche hier Osias Aberbach. Nach seiner Uebersiedlung nach Frankfurt lebte er hier 35 Jahre, geehrt und geachtet. Allen, mit denen er Fühlung hatte, als großer wvV kt und Dan TöVn bekannt. Große innige Frömmigkeit zeichnete den Verstorbenen aus, der n’miR fiojan und rrm in einem für die breite Oeffentlichkeit nicht bebekannten, ausgedehntem Maße ausübte. Er durfte in seinem hohen Alter die Freude erleben, daß feine Kinder in liebevoller Weise für den Vater sorgten. . Bei der '»i1? widmete in Vertretung des wegen Unpäßlichkeit verhinderten Herr Rabbiner Dr. Hoffmann, Herr Dr. May, Worte der Trauer und Verehrung desem wackeren Mann und schilderte dessen wahrhaft frommes Leben. m®» yuaVa n«a ms’ nnna rraxin* Stellenvermittlung. Die SteUenlosgkeit unter der gesetzestreuen Angestelltenschaft nimmt bedauerlicherweise von Woche zu Woche zu. Es ist Pflcht aller gesetzestreuen Firmen bei Neueinstellung von ' Personal die sabbäthaltenden Angestellten zu bevorzugen und bittet deshalb die Stellenvermittlungszentrale des Jsraelitschen Stellenvermittlungsvereins und der Agudas I i s r o e l - Jugendorganisation, Frankfurt a. M., Rotschildallee 38, die in Frage kommenden Firmen um jeweilige Aufgabe ihrer Vakanzen. Es sei bemerkt, daß die Vermittlung der Stellen für beide Teile kostenlos erfolgt. Aus unseren Lernvereinen. Im Liwjath Chen-Verein werden die Vorträge am na® nach Mincho erst übernächsten Sabbat apsra wieder ausgenommen. Im M e k o r C h a j i m finden die Midraschim- Vor träge am Sabbat vor Nacht diesen na? mit einem Vortrage über „Doppelleid und Doppeltrost" ihren Abschluß. Gedächtnisfeier für die Kriegsopfer. Der Bund jüdischer Frontsoldaten veranstaltete am Sonntag unter starker Beteiligung auch von nichtjüdischer Hoarbeli ebenso, wenn er sagt: Harchek mischochen ro Hofe der Israelitischen Gemeinde eine erhebende Gedenkfeier, bei der Rabbiner Dr. Lazarus die Gedächtnisrede hielt. In den Synagogen fanden innerhalb des Sabbatgottesdienftes Gedenkfeiern statt. In der Synagoge der Israelitischen Religionsgesellschaft widmete Herr Rabbinatsassessor G. Posen den Söhnen der Gemeinde, die in treuer Pflichterfüllung ihr Leben dem Vaterlande geopfert, warme Worte der Würdigung und des Gedenkens. Sie feien nicht umsonst gestorben, wenn die Menschheit aus dem schmerzvollen Wege der geschichtlichen Erfahrung die Ueberwindung des Krieges aus dem Kriege selber erlernt haben würde. Bereiuskalender. (Wegen Raummangels verkürzt.) Werei« Wekor ßhajim. Samstag vorm, nach Schluß der Synagoge »Dinim*: Herr Rektor Falk, —121/* Uhr in der Frauensynagoge der Klaus rroa vns; Herr Professor A. Wey!. — nachm. 4‘At Uhr (Hörsaal) „Mikro"; Herr Lehrer Goldschmidt. — 1 Stunde vor Nacht im Hörsaale Midrasch (Schlutzvortrag); Herr Red. S. Schachnowitz. Ja hrzeits-Stist ungen: Freitag, 22. August, Caroline Dannenberg geb. Blumenfeld-Stiftung. Agudas Iisroet-Hrts- und Jugendgruppe. Alltäglich von 8—12 Uhr vorm.: Gelegenheit zum Lernen jeglicher Art. Dozent: Herr Herz f>alpern. 1t ä glich v. 12—1 Uhr: Schiur; Das Iaumi. na* Dorm. 91/2—11. Uhr: Rim; Herr Dr. I. Posen. Am Tiergarten 42, 3, — Dorm. 1/2II—V2I2 Uhr: Kizzur, Schulchan Aruch; Herr Louis K a h n. — 11—12 Uhr: man'piv; Hermann Frankenthal. — 12—1 Uhr: omvs tu für Fortgeschrittene; Herr Halpern. — 12—1 Uhr: ’tfi; Herr Lehrer Hirschberg. — 1/22—3 Uhr nachm.: Raschi (laufende Sidroh); Herr M/H alpern. -3-4 Uhr nachm., trn "n(Hilchaus Schabbos); Herr Halpern, anschließend «im». — 3—4 Uhr: man Kim; Herr Dr. R othschild. — S Uhr : Arbeitsgemeinschaft Isak Rosenheim über die laufende niiv, Königswarterstratze 11. Hakmud-THora-Aerei«. Vereinslokal: Gemeinde-Synagoge Börneplatz. Samstag, &U Uhr: '»»m zum Wochenabschnitt, err Rabb.-Ms. Lip i n s ky. — 8U Stunden vor lacht Herr S. Unna. — gen Schiurim wie gewöhnlich. HeöetzeLLen. prmKi imv f reitag abend 7.—. amstagmorgen 7.45 Samstag nachmittag 5.—. Samstag abend 8.30. A) och en g ottesdienst: Morgens 6.15. Nachmittags 7.—. Tefilin-Legen am Morgen 4.10. LöstBlumen ab zu Gunsten unter ernäh rte r K in der. I üd. F rauenver eini g u n g. C. D. Han fa 2825. Postfch eckH önt0 42258.