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Der Israelit · 1924-08-14 · Heft 33 (14.8.1924) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
65 (1924)
Issue
Heft 33 (14.8.1924)
Date
1924-08-14
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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«W-MffMWWWW WWW WM Seile 6 Nr. 33 Der Israelit 14. August 1924 Bis spätestens Pfingsten 1926 soll in Wien ein Weltgelegt hatten. Mpssosini versicherte, er habe ein volles antisemitentag stattfinden, wozu mit allen antisemitischen Verständnis für den Ernst des vorgetragenen Problems; Vereinigungen der Welt ein Einvernehmen hergestellt, er werde sich mit dem Minister des Unterrichts in Verwerden soll. Da die Einzelheiten dieses Antrages aus bindung setzen, damit die religiösen Interessen der itadem Parteitag nicht verhandelt werden konnten, wurden! lienischen Juden gewahrt werden. nur die Grundlinien einstimmig genehmigt und die weitere Behandlung der Bundesparteileitung übertragen. An den Beratungen nahmen aus Deutschland teil: der Borkum-Abgeordnete Graefe-Goldoben, der Führer der „Reichskriegsflagge" Hauptmann Rühm, Hauptmann Prosche, Kapitänleutnant Krüger und Oberstleutnant Ahlemann. geleit. Die Drangsalierungen der Inden in Posen. Warschau, 10. August. Der jüdische Parlamentsklub hat, wie schon kurz mitgeteilt, in den Sejm eine Interpellation eingebracht, in welcher die Aufmerksamkeit der Regierung darauf gelenkt wird, daß die Behörden in Posen gegenüber den gefährlichen judenhetzerischen Tätigkeit der „Liga" zur Verteidigung des Vaterlandes und des Glaubens" und des „Verbandes der polnischen Patrioten" eine übermäßige Toleranz bekunden. Die Interpellanten erklären, sie seien im Besitze photographischer Kopien oder einer ganzen Reihe von Protokollen der „Liga". Aus einem dieser Protokolle (vom 27. Mai 1924) ist zu ersehen, daß bei der Liga eine „aktive Sektion" besteht, die die ausdrückliche Aufgabe hat, Juden zu überfallen und zu mißhandeln. In einem vom 17. Januar 1924 datierten Protokoll versichert der berüchtigte Noskowicz, ein Untersuchungskommissar hätte ihm erklärt, daß.laut der neuesten Verordnung kein Mitglied der Liga wegen Mißhandlung der Juden verhaftet werden darf. Eine Anzahl anderer Dokumente beweisen, daß die genannten Organisationen, zu deren Mitgliedern Beamte, Richter und Polizeifunktionäre zählen, die tätliche Mißhandlung von Juden in ihr Programm ausgenommen haben, daß die Polizei tatsächlich einen Befehl erlassen hat, Mitglieder dieser Organisationen nicht zu stören, wenn sie Juden mißhandeln, und daß das Gericht unter dem Druck dieser Organisationen die Verhaftung von Noskywicz abgelehnt hat. Die Interpellanten fragen, was die Regierung zu tun gedenkt, um die gesetzliche Ordnung in Posen herzustellen und die jüdische Bevölkerung, die sich unter dem früheren preußischen Regime der persönlichen Unverletzlichkeit erfreuen durfte, vor der Tätigkeit verbrecherischer Organisationen zu schützen. (I. T. A.) Die polnische Regierung und die Regelung der jüdischen Frage. Warschau, 9. August. Die halbofsizielle Ost-Agentur teilte mit, die polnischen Regierungskreise hätten deshalb keine Möglichkeit, ihre^Absichten in bezug auf das jüdische Schulwesen die jüdische Sprache und Religion usw. einer dauernden Regelung zuzuführen, weil die Forderungen, die durch den Abgeordneten Grünebaum vorgetragen worden sind allzu agressiv erscheinen. Die Regierung gehe nunmehr darasi, zunächst die deutschen Minderheitsfragen zu regeln: die jüdischen Fragen sollen in einem spateren Zeitpunkt noch einmal behandelt werden. Als Antwort auf diese halboffizielle Mitteilüeg stellen die jüdischen Zeitungen fest, daß die Forderungen der deutschen, der ukrainischen und der anderen Minderheiten weit agressiver waren, als die der jüdischen Min Minderheit; "sogar Dr. Grünbaum hätte festgestellt, daß die Juden als eine Minderheit ohne Territorium in ihren Forderungen bescheiden sein müssen. Die Blätter stellen weiter fest, die Regierungskreise hätten diese Begründung an den Haaren herbeigezogen, um die Lösung der jüdischen Fragen zu verschleppen. Jüdisches aus Italien. Rom, 11. August. Der. Ministerpräsident Mussolini empfing den Präsidenten jüdischer Gemeinden Italiens und den Oberrabbiner von Rom in einer längeren Audienz. Die jüdischen Vertreter unterrichteten den Ministerpräsidenten darüber, daß die Reform des Unterrichts in den Elementarschulen den jüdischen religiösen Interessen widerspricht. Sie überreichten ihm eine Kopie des Memorandums, das 'sie bereits dem Ilnterrichtsmichster vor- Die gleichen Repräsentanten der italienischen Judenheit begaben sich zum griechischen Gesandten in Rom, und erklärten ihm, daß die italienische Judenschast an dem Schicksal der jüdischen Genossen in Saloniki, deren Rechte durch das Zwangs-Sonntagsruhegesetz verletzt wurden, den lebhaftesten Anteil nehmen. Sie teilten dem Gesandten den Wunsch der italienischen Juden mit, daß die Rechte der jüdischen Gemeinden in Griechenland nicht geschmälert werden mögen. Der griechische Gesandte versicherte, er hege die -lebhafteste Sympathie für das jüdische Element in Griechenland, und er werde nicht zögern, seiner Regierung die Wünsche der italienischn Judenschaft zu übermitteln. Das italienische Hilfskomitee für die jüdischen Studierenden aus dem Auslande gibt bekannt, daß jene jüdischen Studierenden, die nach Italien kommen wollen, sich vor' ihrer Abreise mit den Studentenverbindungen in ihrem eigenen Lande, dem Weltverband der jüdischen Studenten oder mit dem italienischen Hilfskomitee in Verbindung setzen müssen. Ferner mühten sie sich mit den notwendigen Dokumenten versehen und über gewisse, wenn auch bescheidene Geldmittel verfügen können. Das italienische Komitee kann keine Verantwortung für eine regellose Immigration übernehmen. Diejenigen, die die Auordnungen des Weltoerbands und des Komitees nicht befolgen, müssen sich darauf gefaßt machen, daß das Komitee ihnen jedes Interesse entziehen wird. Jüdische Flüchtlinge nach Kanada. Newyork, 5. August. Um den in Rumänien sich aufhaltenden jüdischen Flüchtlingen die Reise nach Kanada zu ermöglichen, hat die Jmmigranten-Hilfs- und Schutzgesellfchaft „Hias" eine Summe von 30 000 Dollar zur Deckung der Beförderungskosten bereitgestellt. Die Vertreter der Jewish Colonisation Association (Jca) haben vor kurzem mit der kanadischen Regierung ein Abkommen getroffen, wonach eine gewisse Anzahl jüdischer Flüchtlinge in Rumänien, die von der Zwangsabschiebung nach. Rußland bedroht sind, nach Kanada kommen dürfen. Die „Jca" erklärte jedoch, daß sie nistt allein die gesamten Beförderungskosten bestreiten könne. Ferner wird der I. T. A. mitgeteilt, daß Anstalten getroffen werden, um eine große Anzahl jüdischer Emigranten, die durch, das Jmmigrationseinfchränkungsgesetz der Vereinigten Staaten in den verschiedenen europäischen Häfen festgehalten worden sind, nach Kanada zu befördern. Die kanadische Regierung hat bereits ihre Zustimmung zur Einreise eines Teiles der Emigranten gegeben. Mit der französischen Regierung sind Verhandlungen geführt worden, daß eine Änzaahl in den französischen Häfen gestrandeter Emigranten in Frankreich bleiben dürfen. Es wurden bereits mit den betreffenden Verwandten Verbindungen angeknüpft, daß sie Die Emigranten unterstützen. Oesterreich. In der Nacht zum 3. August gab es auf dem Wiener Westbahnhof antisemitische Krawalle, 300 Hakenkreuzler hatten eine . Art Hakenkreuzzug nach Salzburg unternommen, wo eine antisemitische Konferenz tagte. Das Bahnhofspersonal weigerte sich jedoch den Zug zu befördern und tat es nicht eher, als bis die Hakenkreuzzeichen von den Wagen entfernt wurden, was erst gegen Morgen geschah. — In einer großen Wiener Medaillenausstellung werden u. a. auch Kunsterzeugnisse des Jerusalemer „Bezalel" ausgestellt sein. Rumänien. In 7 Czernöwitz bekamen mehrere Straßen, die jüdische Namen trugen, andere Bezeichnung. Von Seiten der jüdischen Bevölkerung wurde^ Protest eingelegt. Ungarn. Unter 357 Hörern an der Universität in Budapest befinden sich nur 17 Juden. In Friedenszeiten gab es etwa 800 jüdische Studenten in Budapest. — Vor dem Hvnved (Landwehr)-Gericht in Budapest begann am 7. August der Prozeß gegen den Husarenwachtmeister Paul Balogh und den Kadetten Ladislaus I u h a s z vom Detachement Pronay, die im Jahre 1921 in Bieske - den Weinhändler und Grundbesitzer Eugen Weiß und dessen Familienmitglieder schwer mißhandelt und beraubt hatten. Der Weinhändler Weiß ist seinen Verletzungen kurz darauf erlegen. Auf Antrag des Militärauditors wurde die Verhandlung vertagt, um die Untersuchung auch auf andere kompromittierte Personen ausdehnen zu können. , Likkauen. In der Nähe von Ko tano wurden zwei jüdische Mädchen, die Schwestern Bo lnik , von Räubern Überfällen; die Mädchen wehrten, sich mit der Waffe tapfer, machten die Räuber unschädlich und überlieferten sie der Polizei. Palästina. Nach neueren Berichten soll die für Palästina geplante Zweiglehrstättß von Slabotko nicht nach Jerusalem, sondern nach Hebron gelegt werden. — Wie aus Italien berichtet rvird, verläßt dort Ende. August eine größere jüdische. Gruppe Triest, um sich nach Palästina zu begeben. — Aus halbem Wege zwischen: Tel-Awio und Petachtikwah wurde an der Stelle des historischen „Bne Brak" von einer Gruppe polnischer Einwanderer der Grundstein zu einer neuen Kolonie gelegt. — Am 5. August sind 520 Einwanderer aus Polen in Palästina gelandet und zwei Tage vorher 150fephardische Juden aus der Türkei und aus Griechenland. — Eine Araberkonferenz in Mekka faßte eine. Re- ' solution gegen das jüdische nationale Heim in Palästina- — Dr. Josef Lurje, Direktor des von der zionistischen Organisation erhaltenen „Waad Hachinuch" legte infolge von Etatdifferenzen sein Amt nieder. — Rußland. Die Mißernte in Südrußland macht sich, bereits auch in den dortigen jüdischen Kolonien bemerkbar. Die Brotpreise steigen in dem Maße wie die Vieh-- preise fallen. Die Lage der jüdischen Bauern ist kritisch. Personalien. Rabbi Beer Rathaus Kowno, 8. August. Aus aller Welt. Deutschland. In Berlin wurde eine Gesellschaft für Emigration und Kolonisation gegründet, mit dem Ziele, neue Einwanderungsmöglichkeiten für Emigranten ausfindig zu machen. — Entgegen den Meldungen polnischer Blätter von einer „Verjudung der polnischen Gesandtschaft" in Berlin, stellt der Vertreter der I. T. A. fest, daß zurzeit die polnische Gesandtschaft vollkommen j u d e n r e i n sei. Die drei dort tätigen jüdischen Beamten wurden bereits 1923 beim Amtsantritt des neuen Gesandten heimgeschickt. — Im Harz vernichteten antisemitische Hotelbesitzer Inschriften, die an Heinrich Heine erinnerten. In Klaustal und anderswo befanden sich noch Inschriften, die von Heinrich Heines Harzreise herstammten oder daran erinnerten und den Herren Äntisemiten scheinbar die Kur verdarben. — In Marienburg wurde, am 3. August'eine Kriegsgedenkfeier, verbunden mit der Einweihung des „Heldenhains" durch antisemitische Rufe und Aufforderung zu Pogromen gestört. — Die völkischen Zeitungen in Berlin und München warnen gegen eine Unterstützung der.. I nde-n-m-if'f-i'p«da - den Judentaufen ckein Fechter Glauben zu, schenken sei, — Dieser Tage fand in Würzburg die Jahrestagung, des Kartellkonvents der Verbindungen deutscher Studenten jüdischer Glaubens statt. Es fiel auß daß die Vertreter der Oeffentlichkeit unddie Maßgebenden Spitzen der. akademischen Behörden wegblieben. ' .. - Im Alter von 66 Iahten verstarb der langjährige- Jeschiwahleiter am alten Beshamidrasch, Rabbi Beer- Rathaus. Ein hervorragender rrn, der buchstäblich seiri Leben lang miayn $>s?i minn saß, war Rabbi Rathaus- Während der Okkupation suchten viele Deutsche und min vn seine Nähe, um aus seinem Wissensborn zw schöpfen und sie schätzten ihn über alle Maßen. Die...'»iV fand unter großer Teilnahme statt und es wurden mehrere ergreifende D-nson gehalten Magdeburg, 8. August. Am Sonntag, den 3. August, ist hier Rabbi Schlome Langer, Dajan und deshiesigen orthodoxen Gemeindevereins im Alter von 72. Jahren plötzlich und unerwartet verschieden und Montag 12 Uhr mittags zur rrrap gebracht. Sämtliche Juden Magdeburgs beteiligten sich an der '•’iV Ergreifende Hespedim hielten die Herren Rabbiner Schmückte r aus Leipzig, Dr. Wilde aus Magdeburg und Jsak Meier, Rabbiner des jüdisch-orthodoxen Gemeindevereins Magdeburg. Alle betonten den herben- Verluste den die orthodoxen Juden in Magdeburg erlitten haben. . . , frrajun. Eikerfeld, 28. Juli. Nach 20 jähriger segensreicher Tätigkeit verläßt leider Herr Lehrer S ch u st e r unsere Gemeinde, in der er sich ein Denkmal der Verehrung und Hochachtung gesetzt hat, um seinen Wirkungskreis nach Groß-Krotzenburg zu verlegen. Wehemütig lassem wir ihn von rrns scheiden, begleitet mit den besten Wünschen. Hat er doch eine Schule geschaffen, die als Vorbild für alle. jüdischen. Schulen dienen kann. Poll Begeisterung lauschen Schüler und Schülerinnen seinen Worten, in innigster Verehrung blickten sie zu ihm empor und so gelang es ihm leicht, seine ihm anvertrauten Schüler in die Lehren, der. heiligen ^rn-m einzuführen. Wie innig und treu er mit seiner Gemeinde verbunden, das , zeigten seine von Herzen zu Herzen gehende Abschiedsworte: f>»si , .i?tn Seid fernerhin, stark und fest zu Gott und untereinander. Diese Worte seien der Treueid, mit dem. die Gemeinde das Andenken , ihres scheidenden Lehrers achten und ehren will. Möge es dem: pflichMfrigen Lehrer vergönnt sein, n"ya auch im neuen Wirkungskreis die Herzen aller zu erschließen, recht viele, .viele Jahxe im Kreise seiner Lieben und seiner Gemeinde für unstHo» zusivi'rkeiA , af V l'-w.‘;' - Zu HeM Artikel ^Wir" in der^ letzten -Rerichtigüna. Nummer des- „Israelis sei. bemerkt, daß die. Ausführungen aus dem mnak r&ru von Rabbi Vst banaie stammen. . -----

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