Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 65 (1924)
- Issue
- Heft 32 (7.8.1924)
- Date
- 1924-08-07
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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«5. Jahrgang. Frankfurt a. M., den Nr. 32 ilV Der Israeli?! 1« Ein Centralorgan für das orthodoxe Judentsm /JJ Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. \\\^||^^I Abonnement ab Januar ISA: Deutschland 1 Goldmark monatlich; Ausland: Viertel- ' ' " ' " ' " " - --—•---"'"4 Kosten des Streifband-Ber- —j; England 4 sh.; Frankreich au gi.j «ugien iu fjt., ««huiwi »».j «uu»n au -oiic, Jugoslawien 70 Din«; Litauen 7.50 Sit; Rumänien 100 Lei; Polen 4 deutsche Goldmark «rat Tageskurs oder 5 Zloty; Schweiz 5 Fr.; Tschecho-Slowakei 25 Kronen: Ungarn 90000Krone«; Dänemark 6 Kronen; Norwegen S Kronen; Schwede» 3.60 Krone». Einzelnummer dreißig Goldpfennige. Der Israelit erscheint jeden Donnerstag. Inserate 80 Goldpfennige, für Stellensuche»-» SO Doldpf., für die stebengespattene Nonpareille-Zeile. Die 75 mm breite Reklamezeile: letzte Textseite 1.80 Mk., vorletzte Tertsette L.— Mk.; Ehiffregebühr in Höhe eines doppelten Fernbriefportos. Rabatt nach Tarif. Bet laufenden Inseratauftragen tarifm. 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Wie sind so tief empfunden, wie wahr die Worte, die wir da mit weinender Seele und mit bebenden Lippen sprechen: . nxa nanx -pton '2x!?ax »te bx rhr> nvx avri iixa by „Staunen möchte ich gar sehr ob des Sonnenlichtes, das über das ganze All strahlt, — das nur mich und dich in Dunkel läßt." ... > Mich und dich,— das ist der einzelne Jude und die Gesamtheit, die ^x-w' nvnKnetzes Jisroel, an deren Schicksal der einzelne geknüpft ist. Mag auch der Jude in seinen persönlichen Schicksalen leuchten wie die Sonne, — von der Gesamtheit fällt der Schatten auch auf ihn. Das ist die Iudennot, die solange für einen jeden sortbesteht, als das Golus fortdauert, — sie schont niemand, der nicht fahnenflüchtig wird, der treu zur Mutter Israel hält, dadurch adelt sie aber auch jeden, wie das Leid fürstet, und sie schafft das jüdische Herz und die jüdische Seele, die sich nicht verleugnen und . nicht preisgeben wollen. Das ist der Anfang der Heilung — die die Erlösung, das Golusende verbürgt. Das gemeinsame Leid und Wehe schärft das Gefühl für die Verantwortung, die der einzelne für die Gesamtheit trägt, und festigt die Liebe zu der Vergangenheit und steigert das Sehnen und Hoffen, wie es den ganzen inneren Menschen ersaht . . . „Wer da trauert um Jerusalem, wird es schauen in seinem Wiederaufbau", so sagen unsere Weisen. Die Trauer am 9. Aw ist der Prüfstein, wie wir zu unserem Judentum stehen, — worauf wir unser Dasein gründen. Was wir beklagen, worüber wir trauern, das zeugt von dem, was uns als HoWel unserer Wünsche und Hoffnungen gilt. Es ist ganz gewiß nicht der Trauer genügt, wenn sie nur unserem Elend und dem Druck gilt, dem, was wir zu erdulden und zu tragen hattM von einer lieblosen Umgebung. Das sindW alles nur Nebenwirkungen, Begleiterscheinungen, Kennzeichen unseres Iudenelends, — seine Wurzel -liegt in dem Fehlen der Schechina über Israel, — dah auch Er in der Höhe gleichsam im Eril ist. Das ist's, wofür Jirmejah so er greifende Töne gefunden hat. 'ui ,ma >3 na ja xri „Hinweggegangen ist von der Tochter Zion all ihre Herrlichkeit, ihre Fürsten sind wie Hirsche, die keine Weide finden und kraftlos hergehen vor dem Verfolger." Der Glanz Zions! Hierzu bemerken des Midrasch Weisen: rwa1? *nm nin 'm rrapn it?nYin bs ’xa Was schwand denn von Zion? Was hat ihm das Gepräge der Verwüstung verliehen? Der sich in Licht hüllet wie in ein Gewand, von dessen Strahlen erleuchtet und erwärmt worden ist Zion und was es füllte, — wunderte aus — und damit wich der Glanz und die Herrlichkeit von der heiligen Stätte, — rmn?a xh tiTpuyin ibu tun waan •’TaVa tf>x xh pimo iVx Das G esetz hatte seinen Nährboden eingebüßt, die Weisheit ihren Quell und Stützpunkt, — die E r z i e h ü n g gab preis die alten Bahnen der Ueberlieferung; — all das nahm Israel die Kraft und den Stützpunkt seiner Bewährung und enthüllte seine tiefe geistige und sittliche Not. Zion ist noch nicht wiederhergestellt, wenn seine Wege sich füllen von treuen, fleißigen. Händen, die sie ebnen. — wenn in den Strahen hebräische Lieder aus sangesfrohen Kehlen strebsamer Arbeiter erklingen, und an Lehrstätten manche Wissenschaften in der Spräche der Bibel oder doch in einem dieser verwandten Idiom vermittelt werden. Das mag gewiß dazu beitragen, daß das jüdische Bewußtsein sich hebt, — etwas Aeußeres ist es aber immer noch. Der jüdische Kern, der jüdische Geist, die jüdische Seele, das ist die Thora, die wieder voll waltet, — daß wieder hier die Lehre, wie sie vom Sinai ausging, verkündet wird und lebengestaltend wirkt, däß Sabbate und Feste wirkliche Tage der Weihe und Heiligung sind und über alle Beziehungen unseres Lebens ihre Strahlen verbreiten und keine Wissenschaft gelehrt wird, die nicht aus der Thora schöpft oder durch sie wächst . . . Erst dann ist Zion zu altem Glanz und . zu alter Herrlichkeit neu erstanden, wenn in der Gotteslehre Lichte sich Israels Gesamtheit sonnt — und von ihrem Glanze auch die weite, große Menschheit erleuchtet wird. Wochenrundschau. Das palästinensische Gemeindegesetz. Wir haben in voriger Nummer einige Enthüllungen veröffentlicht, die der Sekretär des Jerusalemer „Waad leumi", Tschernowitz, in einer Versammlung in Haifa über die Vorgeschichte und die Tendenz des Gemeindegesetz-Entwurfes zum besten gegeben hat, und es erscheint nicht überflüssig, über diese interessanten Offenbarungen auch an dieser Stelle ein Wort zu sagen. Zum ersten Male wird hier von der berufenen Stelle, dem „Waad leumi" selber, bezeugt, daß die Gewissensfreiheit der Orthodoxie bei der konservativen englischen Regierung höher. eingeschätzt und als unveräußerliches Rechtsgut mehr respektiert worden ist als von seiten einer angeblich neutralen, äs facto durchaus parteiischen Körperschaft, wie sie der „Waad leumi" darstellt. Baldwin und sein Ministerium waren es, die den sogenannten jüdischen „Nationalrat" darüber belehren mußten, was Gewissensfreiheit heißt. Diese Erfahrung ist nicht neu, für uns in Deutschland nun ganz und gar nicht. Es ist nur wertvoll, sie als p bm rmTin von dem Sekretär des Nationalrats vorgetragen zu hören. Wir aber fragen: Hätte Rabbi Ehajim Sonnenfeld demnach nicht recht, wenn er die Unabhängigkeit orthodoxjüdischer vnpn-Stiftungen bei englischen oder moslemischen Gerichtshöfen besser gegen Vergewaltigung gesichert glaubte als. in den Händen von Juden, denen in ihrer Gegnerschaft gegen die Orthodoxie der Maßstab für Recht und Billigkeit leider völlig verloren gegangen ist? Aber das ist noch nicht der wichtigste Punkt in ben Tschernowitz'schon Bekenntnissen. Bedeutungsvoller ist die Feststellung, daß der „Waad leumi" mit seinem Gesetzentwurf in der Tat beabsichtigt, den individuellen Austritt zwar auf dem Papier — wohl unter dem Druck der Regierung — zuzugestehn, ihn aber in geradezu mach'iav ellistischer Raffiniertheit praktisch unmöglich zu machen. Herr Tschernowitz erzählt ganz treuherzig, daß die jüdischen „Einzelnen", die sich einfallen lassen könnten, vom Austrillsrecht Gebrauch zu machen, ja gewisse unabweisbare religiöse „Bedürfnisse" haben: Eheschließung. Mila, Beerdigung in btnw> “dj? Die vom Staat anerkannte offizielle Kehilla braucht daher nur