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Der Israelit · 1924-07-31 · Heft 31 (31.7.1924) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
65 (1924)
Issue
Heft 31 (31.7.1924)
Date
1924-07-31
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 81 Seite 13 ZI. Jutt 1824 Der Israelit Korrespondenzen « ßacbricimn. England. Sitzung des zionistischen Aktionskomitee. London, 26. Juli. Das Zionistische Aktionskomitee tagt diesmal hinter verschlossenen Türen. Die gesamte Konferenz wird als privat und vertraulich bezeichnet, Pressevertreter werden nicht zugelassen und die Zeitungen erhalten ledigliich offizielle Bulletins, die das Interessanteste natürlich verschweigen. Unter diesem Vorbehalte ist aus der großen Eröffnungsrede Dr. Weizmanns zu berichten, daß das amerikanische Komitee für die Jewiish Agency in einer Sitzung am 2. Mai die Vorschläge der zionistischen Organisation aus Schaffung eines Uebergangsstadiums abgelehnt hat. »Die Amerikaner schlagen vor, einen jüdischen Rat von 150 Mitgliedern zu wählen, die Hälfte Zionisten und die Hälfte Nichtzionisten, die letzteren sollen von den Judenschaften der einzelnen Länder gewählt werden. "Dieser große Rat wählt eine Exekutive aus 18 Mitgliedern, ebenfalls zur Hälfte Zionisten. Von den Nichtzionisten sollen zwei Fünftel Amerikaner sein. Bemerkenswert in politischer Hinsicht war die Rede Sokolows. „Eine große Gefahr," meinte er, „liege in dem in der jüngsten Zeit eingetretenen Zerbrechen der jüdischen Front. Agudas Jisroel auf der einen Seite, andere Körperschaften aus der anderen führten bei der britischen Regierung fortgesetzt Beschwerden im Namen des jüdischen Volkes und dies erzeugt allmählich den Eindruck, daß die zionistische Organisation nicht das ganze jüdische Volk repräsentiert. Die Schwierigkeiten, denen sich die zionistische Organisation gegenübergestellt sieht, liegen daher nicht im Antisemitismus und in Jntriguen, sondern in der Uneinigkeit innerhalb des jüdischen Volkes.! Durch alldies wird unsere Lage geschwächt. Die Gefahr ist so groß, daß endgültig dagegen Stellung genommen! weden muh. Entweder muß eine geeinte j Front wiederhergestellt werden, oder wir müssen kämpfen." In der Diskussion sprach Farbstein die Hoffnung aus, daß durch die Jewish Agency der heute dominierende Einfluß der radikalen Arbeiterorganisationen zurückgedrängt werde. Er kritisierte ferner die Haltung der Exekutive gegenüber der Sabbatentweihung durch zionistische Beamte. U s s i s ch k i n wandte sich gegen den Amerikanismus. Der Oberkommissar Sir Herbert Samuel nahm an der Mittwochssitzung teil und beantwortete einige an ihn gerichtete Anfragen hinsichtlich des Einbürgerungsgesetzes und des vielumstrittenen Gemeindegesetzes. Anläßlich der Tagung fand auch eine Sitzung des Komitees für die hebräifche Universität in Jerusalem statt. Der Bau der biochemischen Abteilung der Universität auf dem Berge Skopus ist fast vollendet. Die weiteren naturwissenschaftlichen Institute werden sich anschließen. Jetzt will man an die Vorbereitung der Abteilung schreiten, die zu den größten Weltanschauungskämpfen Anlaß geben wird, der geisteswissenschaftlichen. Die Konferenz tagte unter dem Vorsitz des Chief-Rabbi Dr. Hertz. Bon Paris nahm der Grand Rabbi Dr. L e v i, von Amerika Dr. M a g n e s teil. In das engere Komitee wurde außer den drei Genannten der Wiener Oberrabbinvr Dr. C Hajes, Dr. Büchler von Jewish College, Sokolow und. Bub er gewählt. — Es finden sich hier also alle Richtungen von der äußersten n^'23 bis zu dem an Orthodoxie grenzenden Konservativismus zusammen. Man v arf gespannt darauf sein, wie insbesondere Herr Dr. Hertz es rechtfertigen wird, daß er in Jerusalem für erlaubt erklärt, was in London verboten rist. Die Beschlüsse über die Jewish Agency. L o n d o n, 28. Juli. , Nach heißer Debatte wurde über die Konstitution des Jewish Council und seiner Exekutive folgendes beschlossen: Von den 150 Sitzen des Council wird die Hälfte durch die zionistische Organisation besetzt, die restlichen Sitze wie folgt: Vereinigte Staaten 30, Polen 10 (einschließlich 3 aus Galizien), Rumänien 3, England (Economic Board for Palestine) 2, Palästina (Waad leumi) 2, Kanada 2, Deutschland 2, Frankreich, Italien, Holland, Skandinavien (Dänemark, Schweden, Norwegen), Belgien Oesterreich, Tschechoslowakei, Ungarn, Jugoslawien, die Schweiz, Spanien, Portugal, Lettland-Csthland, Litauen-Finland, Bulgarien, die Türkei, Aegypten, Tunis-Algier, Marokko, Griechenland, Mesopotamien-Indien, Argentinien, Brasilien, Chile-Uruguay, Südafrika, Australien — alle diese je einen Sitz. Rußland wurde unter den gegenwärtigen Bedingunegn kein Sitz zuertannt. Die Aufgaben des Councils werden darin bestehen, politische Fragen zu behandeln und grundlegende Beschlüsse zu fassen; ferner über die Regelung der Finanzen für die nächste Arbeitsperiode zu beraten und zu beschließen, das Jahresbudget festzusetzen: über die Kolonisationsarbeit in Palästina (Immigration, landwirtschaftliche und städtische Siedlung, Erziehung und Gesundheit) zu entscheiden: eine Exekutive für die Jewish Agency, sowie ein Direktorium für den Keren Hajessod zu wählen. Die Exekutive der Jewish Agency setzt sich aus 14 bis 16 Mitgliedern zusammen. Der Präsident der Zionistischen Organisation ist zugleich der Präsident der Agency-Exek u t i v e. Die Exekutive des Council wird auch die vollziehende Körperschaft der Jewish Agency sein. Sie wird gemäß den Beschlüssen des Council politische Angelegenheiten behandeln, die Judenheit zu dem moralischen und materiellen Aufbau eines jüdischen Palästina heranzuziehen und die kolonisatorische Arbeit bestimmen und ausführen. Die politischen Angelegenheiten befinden sich in Händen des Präsidenten der Exekutive der Jewish Agency. Er wird die politische Arbeit selbständig leiten und von sich aus Mitarbeiter ernennen, die mit ihm das politische Komitee bilden. Er ist jedoch verpflichtet, der Exekutive regelmäßig Bericht zu erstatten. Der Keren Hajessod ist das finanzielle Werkzeug der Jewish Agency. Die Propaganda für den Keren Hajessod, sowie die Entgegennahme der einfließenden Gelder geschieht unter der Aegide und unter Mitwirkung der Organe der Jewish Agency. Das Direktorium des Keren Hajessod wird vom Council der Jewish Age: .y in der gleichen Weise wie die anderen Organe der Jrwish Agency ernannt. Der Keren Hajessod wird jedoch als mitarbeitender Teil eine entsprechende Vertretung in der Jewish Agency haben. Die administrativen Kosten der Jewish Agency werden durch Besteuerung derjenigen Körperschaften gedeckt, die Repräsentanten in die Jewish Agency und in den Jewish Council entsenden. Dieser ganze Plan wird von einer Spezialkommisston des Aktionskomitees der Zionistischen Organisation gegenwärtig in London erwogen. Wird dieser Plan von den Amerikanern angenommen, so ist die Jewish Agency praktisch vollkommen identisch mit der Zionistischen Organisation; die übrigen Geldgeber bilden eine bloße Dekoration und sind politisch einflußlos. Rußland. Die ukrainische Regierung beschließt die Realisierung des Krim-Projekts. Moskau, 20. Juli. Das Kommissariat für Landwirtschaft (Närkomzen) in der Ukraine hat am 16. Juli öffentlich seinen Entschluß hinsichtlich der Errichtung jüdischer Kolonien in der Ukraine bekanntgegeben. Cs ist beschlossen worden, einen Bodenfonds zu errichten, der das Kapital für die neuen jüdischen Landwirtschaftsansiedlungen in der Gegend der früheren jüdischen Kolonien beschaffen soll. Aus Simferopel wird berichtet, daß das Zentral- Komitee der kommunistischen Partei auf der Krim beschlossen hat, über die Frage der jüdischen Ansiedlung in dieser Provinz eine Beratung abzuhalten. Sine Spezialkommission ist zu dem Zweck ernannt worden, um die Nützlichkeit und Möglichkeit der jüdischen landwirtschaftlichen Ansiedlung aus den unbebauten Gebieten der Krim zu erwägen. Es ist überdies beschlossen worden, in Verbindung mit dem Komitee für die „Ansiedlung jüdischer Arbeiter auf dem Lande" die genaue Ausdehnung des zu Gebote stehenden Landes zu erforschen und sestzustellen, welche Teile davon den jüdischen Arbeitern zur Verfügung gestellt werden können. Personalien. Trefeld, 24. Juli. Am 9. Aw begeht unser allgemein beliebter und verehrter Mitbürger, Herr Gabriel Paßmann im Kreise seiner Kinder seinen 94. Geburtstag. Der Jubilar erfreut sich einer bewundernswerten geistigen und körperlichen Frische: vnwi vn-> 'n. Papenburg, 22. Juli. Am pi*a 's na» beging Cynagogenoorsteher Herr Aron Hes in seltener geistiger und körperlicher Frische seinen 70. Geburtstag. Ueber dreißig Jahre hat er feine Gemeinde in vorbildlicher Gewissen- Hastigkeit und Energie geführt. Seine Jugendjahre, die er in der Umgebung von alten Schlages in Aurich verbrachte, gaben ihm Richtung und Blickpunkt für fein Familien- und Gemeindeleben, das er in gesetzestreuem Sinne gestaltete. Mit seiner Familie wünschen wir, daß er noch recht lange im Sinne unseres Judentums wirken und schaffen möge na» v'i»xi nrm w. Basel, 23. Juli. Unter dem Jubel der ganzen Gemeinde wurde unser verehrter Rabbiner Herr Dr. A. Cohn nach glücklich überstandener schwerer Krankheit am letzten Sabbat, als er zum ersten Mal nach sechs Monaten das Gotteshaus wieder betrat, mit einem tief empfundenen Voruch Habo-Gefang begrüßt und zur Thora gerufen, wo er Vrnan nana sprach. (Wir wünschen dem verdienstvollen Manne und verehrten Mitarbeiter von ganzem Herzen weitere Kräftigung und völlige Wiederherstellung. Red.) Athen, 8. Juli. Der hiesige Oberrabbiner C h a j i m Castel ist in verhältnismäßig jugendlichem Alter da-!>ingefchieden. Er stammte aus Hebron und batte eine Ausbildung auf dem Konstantinopeler Rabbinereminar empfangen. n-axan* Vermischtes. Frankfurt a. Bk., 28. Juli. Die Herrn Lehrer des „Bundes gesetzestreuer jüdischer Lehrer Deutflchands" werden gebeten, den Jahresbeitrag pro 1924 mit S Goldmark auf Postscheckkonto Nr. 5319, Eugen Ettlinger, einzuzahlen. Berlin. Am 18. Juli fand die erste' Sitzung des neugewählten Studentenparlaments der Berliner Universität statt. Bekanntlich ergaben die Wahlen 65 Vertretet der völkischen Gruppen, und 35 Vertreter der Demokraten und Sozialisten. Die völkischen Gruppen nützten ihre Mehrheit aus, um alle Aemter des Präsidiums in Besitz zu nehmen. Nach einem Protest gegen eine solche Vergewaltigung erklärte die Linke, daß sie unter diesen Umständen nicht nur die Wahl des satzungswidrig gewählten Vorstandes, sondern auch die Wahl der gesamten Vertretung wegen der bekannten rechtswidrigen Vorkommnisse während des Wahlkampfes anfechten werde. Bekanntlich mußten die ausländischen -studentischen Wähler ein ^assebekenntnis ablegen. Diese Vorschrift wurde erst am 3. Wahltage aufgehoben. Inzwischen sind viele jüdische Studenten ihres Wahlrechts verlustig gegangen. Hamburg, 8. Juli. Letzte Woche berichtete in einer geschloffenen Versammlung der Palästina-Kommission der Agudas Jisroel-Ortsgruppe Hamburg, Herr Schragenheim über feine Erlebnisse in Palästina, wo er zunächst in der Kolonie Chedera, später in der Kawuzah Jacobus bei Artuf im Gebirge Juda, tätig war. Die Gruppe fand anfangs in Chedera Arbeit, bis es Dr. Jacobus gelang, eine eigene Kewuzah nahe dem alten Zoar an der Grenze zwischen Juda und Efratm auf 30 Dunam Land zu errichten. Die Arbeit begann morgens um 4 Uhr, dauert bis 8 Uhr, dann von 8 bis 12 Uhr und von 3 Uhr im Sommer bis 7% Uhr, im Winter bis 5% Uhr. Abends und am Sabbath wurde unter Leitung von Herrn Dr. Jacobus gelernt. Das Land war so gut, daß es nicht gedüngt werden brauchte und die Erträgnisse wurden durch Eisenbahn nach Jerusalem gebracht. Der Redner schilderte auch die allgemeine Lage im heiligen Lande, die leider zurzeit durch Geldknappheit und Arbeitslosigkeit charakterisiert ist . Düsseldorf» 15. Juli. Hier wurde anfangs Juni ein jüdischer Turn- und Sportverein „Makkabi" gegründet. Wien, 18. Juni. Herr Jsaac Bonhard, Wien 2. Abbsstrahe 22, bittet jüdische Organisationen, Institute, Parteiführer, Gelehrte usw. jüdische Buchhändler und Verleger, Erzeuger und Händler von Koscherwaren und ritueller Bedarfsartikel, Restaurants, Vermittler ufw., ihre Anschriften nebst genauer Angabe der Beschäftigung an ihn zwecks Anlegung eines Jüdischen Weltadrehbuchs zu richten. Kopenhagen, 25. Juli. Die jüdische Gemeinde in Kopenhagen, die Eigentümerin der Synagoge in Aalborg ist, wo sich keine Gemeinde mehr befindet, hat

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