Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 65 (1924)
- Issue
- Heft 31 (31.7.1924)
- Date
- 1924-07-31
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 10 Nr. 31 Der Israeli 31. Juli 1924 es in den Gebeten der Nacht und im Dämmer des Sterbens. Denn seine Seele strebte nach der Heimat . . . Und als die Zeit der Erlösung gekommen war und alles Volk in Israel sich auf die Bergung und Sicherung des eigenen Gutes stürzte, ging Moses an die Einlösung des Versprechens und suchte die Bahre Josefs, woraus man, wie alte Schriften sagen, die Frömmigkeit und die Klugheit Moses ersehen kann . . „Ich erkenne daran nur die Frömmigkeit," wandte Chelebi ein. „Wo soll denn da die Klugheit liegen, auf Cigengut zugunsten von toten Gebeinen zu verzichten?" „Klug war die Handlung auch," belehrte 'Samuel, „nicht allein fromm und gottgefällig. Moses kannte sein Volk und wußte wohl, daß seines ein Teil bei der ersten ernstlichen Prüfung sklavisch rufen werde: „Zurück zu den Fleischtöpfen in Aegypten!" Ein Hinweis auf die Bahre, die neben der heiligen Lade dem Volke voranzog, mußte aber genügen, daran zu erinnern, daß Josef im Glück und Glanz seines Fürstenlebens sein „Bedenken und Bedenken" ausgesprochen und im fremden Boden nicht einmal begraben sein wollte . . . Die Josefsseele soll aber im Leibe unseres Josefs, des Münzmeisters, an der Seite Mofchiachs dem Volke voranziehen . . ." Rafael Josef Chelebi, umworben und umschmeichelt, fühlte durch diese Worte den Glauben an sich und seine Berufung ins Unermeßliche wachsen. „Es ist so schwer, in der Zeit, da es keine Zeichen und Wunder gibt, und in der Schein und Wahrheit kaum zu unterscheiden sind, zu erkennen, woher die Erlösung kommt, und wer sie in Wahrheit bringt . . ." Samuel Vital sprach mit geschlossenen Augen, als läse er geheime Zeichen: „Es steht geschrieben: Einen Schlüssel und ein Erkennungszeichen hat Gott dem wahren Erlöser gegeben, mit dem er Glauben und Vertrauen finden kann, es stammt vom ersten Josef und heißt: „Bedenken und bedenken!" „Das doppelte Bedenken," sprach Samuel weiter, „legte ich mir in durchwachten Nächten so aus, daß das erste in der Sehnsucht bestehen wird, die Israel in allen Teilen und Masten ergreift, und das zweite in dem G e i st e , der durch die Völker und Fürsten gehen wird, Israel zu seinem heiligen Erbe zu verhelfen. Der Mann, der Auserwählte, der das doppelte „Bedenken" spricht, wird die Sehnsucht im Volke wecken und die Pforten der Machthaber dieser Sehnsucht und diesem höheren Willen öffnen." „Wann wird dieses Doppelzeichen gegeben?" „Es kommen Nachrichten von Smyrna und Saloniki, die man mit Vorsicht aufnehmen muß, aber darum nicht aus dem Auge lasten darf..." „Auch ich hörte etwas," sagte Chelebi, „und ich dachte schon daran, der Sache aus den Grund zu gehen. Wie denkst Du, Samuel?" „Ich forschte in Büchern und sann und grübelte," sagte Samuel und schloß wieder die Augen, „und fand, daß wir die Dinge an uns herankommen lasten müssen . . ." „Sprich, Samuel, was Du erforscht und ersonnen hast." „Der erste Erlöser Moses ging an den Nil, um sich bei dem toten Josef, dem Träger des doppelten Bedenkens, zu melden, der letzte Erlöser kommt ebenfalls an des Nils Strand, um sich bei der lebendigen Josefsseele zu melden, daß sie an Mofchiachs Seite dem Volke führend voranziehe. Warten wir danach, in Gebet und Buße . . Damit gingen sie zu den üblichen Vußübungen über. (Fortsetzung folgt.) Symptome. *) Alles, alles ist Symptom. Auch dieser Brief. Man mutz immer nur wissen: wovon. Wovon war wohl der Weltkrieg, den wir Gott sei Dank hinter uns haben, Symptom? Und das Eintreten Amerikas? Und der Mandatsgedanke? Und das Palästinamandat? Da ist neulich ein hübsches Buch erschienen (ein merkwürdiges Symptom): „The Handbook of Palestine, von H. C. Luke B. L.; M. A. und Edward Keith- Roach. — Mr. Luke war Assistant-Gouverneur von Jerusalem. Momentan ist er etwas Großes in Sierra Leona, wo die Eingeborenen „natives" heißen. Auch Mr. Keith-Roach ist von der palästinensischen Bildfläche verschwunden. Hier wechselt das Bild etwas viel. Die Mitwirkenden kommen und gehen. Und doch, es bleibt immer das Gleiche, nur in etwas anderer Form. Das heißt, jeden Tag wird es anders. Was ist die Zeitung von gestern wert? Sir Herbert Samuel P. C.; G. V. C.; Oberkommissar von Palästina, ist natürlich auch ein Symptom. Für viele sogar ein sehr bedenkliches Symptom. Er schrieb für dieses „Handbook of Palestine" eine Vorrede. Er ist stark im Vorwortfchreiben. Das heißt natürlich: schwach Aber den Engländern ist eine Nationalisierung -des Sabbats unverständlich. Sie sagen, § 23 des Mandats wolle nur den religiösen Gefühlen entgegenkommen und deshalb seien diese Tage auch als heilige Tage anerkannt „Haben Sie religiöse Beschwerden am Sabbat zu arbeiten?" fragte ein Staatsbeamter einen unserer jungen jüdischen Freunde. „Nein, Herr," antwortete einer unserer jungen jüdischen Freunde, so stolz und so sicher, als ob er aus den, Buche (der Mirjam Harry) spräche: „Religiöse Beschwerden haben wir nicht, wohl aber nationale/' Die Nationalisierung des Sabbats ist schon hübsch fortgeschritten. Die zionistischen Arbeitervereinigungen veranstalten jeden Samstag fast Ausflüge und Spaziergänge, bei denen die Sabbatgesetze übertreten werden. „Brot und die Heilige Schrift mitnehmen!" heißt es in den Ankündigungen. Die Heilige Schrift ist soweit schon nationalisiert: im tel-aviver Gymnasium wird gelehrt, die Heilige Schrift habe für uns keine andere Bedeutung wie das römische Recht für die Italiener, Homeros für die Griechen und Shakesfpeare für die Engländer. Auch die beiden Mörder an den englischen Unteroffizieren bei Bab el Waad sind Symptome. Man erzählt, die Engländer wollten darauf drängen, daß diese beiden zum Tode verurteilt werden. „Natürlich," sagen Auch das Mandat ist natürlich ein Symptom. Du j die Zeitungen, „das geschieht, weil die Ermordeten Engfindest es auf Seite 288 dieses offiziellen Handbuches abgedruckt. Zufällig? Nichts ist zufällig. Auch das nicht. Und Artikel 23: „Die palästinensische Regierung wird die Feiertage der verschiedenen Religionen als gesetzliche Ruhetage für die Bekenner dieser Religion anerkennen." Das bedeutet deshalb für die Juden, die gesetzliche Anerkennung der Sabbat- und Festtage. Bekanntlich kann man alle Dinge in Palästina von zwei Seiten betrachten: religiös und national. Habt Ihr schon v»n Mirjam Harry gehört? Ihr könnt alles in ihrem Buch „La petite fille de Jerusalem" Nachlesen. Ihr Vater war getaufter Jude, der gefälschte Antiquitäten verkaufte und sich in Rotterdam das Leben nahm. Ihre Mutter war eine deutsche Krankenschwester. Sie selbst wurde Schriftstellerin in französischer Sprache. Ihr letztes Buch liegt uns im Englischen vor: „A springtide in Palestine". Wir erinnern uns: im vergangenen Jahr war diese Mirjam Harry Gast der Zionistischen Kommission. Und das, was sie schrieb, amüsierte uns. „Es ist eine hervorragende antizionistische Propaganda, schrieb ein englisches Blatt sehr giftig. Alle jungen Einwanderer, die Mirjam Harry traf, waren „schlank und kräftig". Sie haben 8 23 des Mandats wunderbar nationalisiert. Sie sind beredt. (Wer ist hier übrigens nicht beredt?) Einer der jungen Immigranten sagte: „Wir kennen keinen Gott außer unserer Arbeit und keine Religion außer unserem Nationalgefühl. Für Religion haben wir nichts über. Wir halten den Sabbat, um uns von den anderne Bewohnern des Landes zu unterscheiden." Wenn das nicht wahr ist, so ist es auf jeden Fall schlecht erfunden. Z 33 des Mandats. Der Zionismus hat, durch misrachistische Propaganda, stets behauptet, daß ein jüdischer Staat, oder etwas, was ihm gleicht, den großen Vorteil hat, daß niemand aus Brotsorgen heraus gezwungen fein soll, die Sabbat- und Festtage zu schänden. Zum großen Teil ist dies auch wahr. Niemand wird gezwungen an Sabbat- oder Festtagen in einer jüdischen Institution zu arbeiten. Jedoch bei der Regierung ist das anders. 8 23 ist nicht der einzige, der der Regierung Schwierigkeiten macht. Ein Symptom. Da ist auch z. B. 8 6, der der Regierung vorschreibt, die jüdische Einwanderung zu erleichtern und die intensive Kolonisation der Staatsgründe durch Juden vornehmen zu lassen. Da ist auch 8 7, der die Erlangung der palästinensischen Staatsbürgerschaft behandelt und der vorschreibt, daß es den Juden bequem gemacht werden soll, die palästinensiische Staatsbürgerschaft zu erhalten. Aber ein Gesetz ist noch nicht herausgekommen. Und wir hören, daß der Minister der Kolonien keine besonderen Bestimmungen für Juden aufnehmen will. Wieder ein Symptom. Und was NUN den 8 23 betrifft: jüdische Beamte, die bei der Regierung beschäftigt sind, werden regelmäßig gezwungen, an Sabbat und Feiertagen zu arbeiten. Am großen Versöhnungstag haben Maschinisten die Lokomotiven bedienen müssen. Und ein jüdischer Polizist wurde wegen Dienstverweigerung am Großen Versöh- . nungstag schwer bestraft. Natürlich hat man Proteste losgelassen. Aber die Leiter der verschiedenen Departements erklären einfach, daß sie Juden, die am Sabbat nicht arbeiten, nicht nehmen können. Der Leiter der Eisenbahnen erklärte, daß er den Dienst unmöglich aufrechterhalten kann, wenn ein Teil seines Personals am Freitag, Sabbat und Sonntag frei hat. Denn die Mohammedaner fangen nun auch an. Eine strenge religiöse Verpflichtung, am Freitag nicht zu arbeiten, gibt es für Mohammedaner nicht und sie haben auch immer hier am Freitag gearbeitet. Und am Sonntag, oder einem anderen Tag, wie es gerade auskam, freigehabt. Aber nun, da die Zionisten mit der Nationalisierung des Sabbats anfangen, beginnen die Mohammedaner mit der Nationalisierung des Freitags . Die Nationalisierung des Sabbats. Vor allem die nationalistischen Institute auf nationalem Boden, die für die Anerkennung des Sabbats als Ruhetag eintreten. lünder find. Wo aber find die Mörder der beiden Juden und des Arabers, die den Mord vor vier Monaten in Tel-Aviv und Jaffa verübten?" Nun, in der Zwischenzeit hat man die beiden Mörder von Bab el Waad gefaßt und zum Tode verurteilt. Bei Strafen, die schwerer als drei Jahre Gefängnis sinh, wird hier automatisch Berufung eingelegt, ohne daß also der Verurteilte erst Berufung einlegen muß. Nun hat man ein paar Tage lang diesen Fall vor der Berufungsinstanz verhandelt und die hat einen Verurteilten freigesprochen und bei dem anderen das Todesurteil bestätigt. „Ach," sagte ich zu einem der Beamten, „der zum Tod verurteilte war wohl geständig?" „O nein", war die Antwort, „der war bereits zum Tode verurteilt ... in Kontumaz . . . das macht nichts." „Und der andere," fragte ich weiter, „der hat schwer bereut." „Nein," war die Antwort, „der war auch schon für eine andere Sache zum Tode verurteilt... in Kontumaz . . . und da hat ihm der Freispruch natürlich nichts genutzt." Und dann gibt es noch Leute, die behaupten, diese beiden seien nicht die Mörder von Bab el Waad. Aber der Gerichtshof hat sein Möglichstes getan. Wenn ich so überlege, über wieviele Dinge ich euch | noch schreiben könnte. Und wenn ich überlege, über wieviele Dinge ich eigentlich in den letzten Jahren hätte schweigen können! Gestern ist Sidnah Abdullah hier angekommen. Sein Vater, der König Hussein, hat sich bereit erklärt, für die Reparatur der Omar-Moschee die Gesamtkosten zu zahlen. Man sagt, mehr als hunderttausend Pfund. Und Sidnah Abdullah ist hergekommen, um alles in Ordnung zu bringen. Er ist in den schönen Appartements des Oberkommissar, der immer noch Herbert Samuel heißt, abgestiegen. Aber das Essen hat Sidn« wieder bei Mussa Kazem Pascha el Husseini, dem Leiter der antizionistischen Bewegung, eingenommen. Viele Freunde und Bekannte des Sidnah Abdullah sind zu ihm gegangen, um ihm die Hand zu küssen. Wir haben uns nach dem Wohlbefinden des Emir Talal und des kleinen Emir Naif erkundigt. Und wir hörten, daß es ihnen beiden gut geht. Gelobt sei Allah! In vier Wochen kommt der arabische Kongreß zusammen. Sir Herbert ist in Ferien gegangen. Jeder weiß, daß dies alles Symptome sind. Nur die Ewigkeit weiß wovon und wenn es Zeit ist, wird sie es sagen. (Uebersetzt von H. K. Für die Reisezeit unentbehrlich sind meine unter hiesiger Rabbinats-Aufsicht hergestellten erstklassigen Fleischkonserven Kauiherrs 'Wurstu. Konservenfabrik, Inh. M. Levi, Fulda. *) Untenstehend bringen wir den letzten Bericht Jacob Israel de Haans aus Jerusalem an das „Handelsblad". Dieser Brief trägt das Datum Jerusalem, den 20. Juni. BAD HOMBURG Louisenstraße 16 Elisabethenstr. 49 (am Markt) TelefOIt 297 (am Kurgarten) tDein-Kfause Aolf lionay 3 Hawanam BAD TÖLZ ■ »Parkte! Aipenhof1 Modernstes Haus am Platze. Erstklassige Pension bei massigen Preisen. Verantwortlich für den allgemeinen Teil unv Vas FeutUet S. Schachn owitz;Inseraie i. B.:S. Schachnowitz, law',' y in Frankfurt a. M.; Pädagogische Beilage: Lehrer I- «s in Fulda. — Verlag »Israelis, G. m. b. H., Frankfurt a. Druck: Hermon Verlags-Aktiengesellschaft, Frankfurt a.