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Der Israelit · 1924-07-31 · Heft 31 (31.7.1924) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
65 (1924)
Issue
Heft 31 (31.7.1924)
Date
1924-07-31
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Dr. 31 1924 Die Messiasbraut. Die Geschichte einer verlorenen Hoffnung. Von S. Schachnorvih. (Fortsetzung.) 9. In Saloniki. Das Zeichen in Saloniki fiel zu Anfang nicht sehr zugunsten SabbaLais aus. Viel Volk sammelte sich dort um ihn und seine Schar, unter dem aber Neugierde, Zweifel und auch Spott die Begeisterung und Anhängerschaft weit überwogen. Die Kunde von den Vorgängen in Smyrna und dem gegen ihn ausgesprochenen Banne war Sabbatai auf kürzerem Wege hierher vorausgeeilt, sicherte ihm wohl Interesse, mahnte aber zur Vorsicht. Jugendliche Schwärmer, Träumer aus Lehrhäusern und abenteuerlustige Menschen von der Straße schlugen sich rasch zu ihm. Wie er aber mit seinem Gefolge am ersten Sabbat in die Synagoge treten wollte, empfingen ihn die Diener vor den Toren mit einer Tafel, die ihm im Namen des Rabbinats den Eintritt ins Gotteshaus verbot. Er war ja ein Verbannter. Es entstand ein Tumult und ein Ringen zrvischen den Tempeldienern und der Sabbataischar, die mit Gewalt einzudringen suchte. Aber die Pforten des Gotteshauses blieben ihr verschlossen. In den Wandelhallen der Synagoge war die Wiedergabe des Smyrnaer Bannspruches angebracht mit einer Anfügung des Saloniker Besdin, die jeden mit dem Banne bedrohte, der in Mißachtung des Smyrnaer Verdammungsspruches, dem „Verführer Sabbatai ben Mordechai Zewi" Folgschaft oder Hilfe leisten sollte. Diese Kundgebungen wirkten abschreckend und werbend zugleich, dieweil sie Sabbatai in vieler Augen die dem Messias so nötige Märtyrerkrone aufsetzten. Es fiel sogar schwer, für ihn Unterkunft zu finden. Keiner von den Alteingesessenen, die etwas auf sich gaben, hätte es gewagt, den Gebannten über seine Schwelle zu lassen, und die neuen Anhänger kamen zumeist aus den Reihen der Jungen, Fremden und Besitzlosen. Aber der vielerprobte Jachini wußte Rat, und der nicht so rasch geleerte Beutel Mordechais, in den noch andere Spenden von offener und geheimer Hand flössen, tat das übrige. Es gelang Jachini, die von einem Kabbalisten aus Safet errichtete und dem reichen Rafael Josef Chelebi aus Kairo erhaltene Klaus in der Nähe des Hafens, von jeher ein Sammelpunkt aller, die sich mit der Geheimlehre befaßten, zu gewinnen. Hier errichtete Sabbatai sein Domizil, und das eigene Leben konnte seinen Fortgang nehmen. Gottesdienste mit eigenen Gebetformeln, Gesänge und Tänze und wiederum mystische Vermählung mit der Thora. Sabbatai sprach offen den Gottesnamen in feinen vier Buchstaben aus und das Volk, dem jetzt heilige Sehnsucht oder Neugierde immer neuen Zuzug brachten, schrie und jubelte: „Es lebe der König Gabbatai Zewi, der Gesalbte des Herrn!" Es gab bald Kämpfe zwischen Vätern und Gähnen um Sabbatai in Saloniki. Jetzt waren alle Zeichen da, und Jachini trieb auf sein Ziel hin, einen Boten nach Amsterdam entsenden, um die schöne Sarah, die Messiasbraut, nach Saloniki zu holen. Da wurde' es den Rabbinern von Saloniki denn doch zu viel, und sie ergriffen, um größeres ^ebel zu verhüten, zu dem Mittel, das sie erst cheuten. Sie riefen die türkischen Behörden an, ueilich ohne das Gebühren Sabbatais in allen Zeilen ihnen zu verraten. Am Tage, da der Bote nach Amsterdam abgehen sollte, wurde Sabbatai seine Ausweisung aus der Stadt übermittelt. Er zog mit einer größeren Schar aus, als er vor Wochen in die Stadt, gekommen war. Und in der Klaus am Hafen hatte er sich eine Position geschaffen, die auf seinen Namen auch in seiner Abwesenheit schwor und für ihn warb. „Wohin gehen wir?" fragten die Jünger, nachdem sie die Tore der Stadt hinter sich hatten. Sabbatai wies nach Süden und sang: „Ich freue mich, wenn sie mir sagen, ins Haus Gottes gehen w.ir ... Jerusalem, das erbaut ist wie eine Stadt, die in sich geschlossen ist . . ." „Nach Jerusalem, der heiligen Stadt!" jubelte die Schar und sang den angestimmten Psalm mit Sabbatai im Chore weiter. Jachini schien mit dem Reiseplan nicht einverstanden. Er sang nicht mit und machte ein nachdenkliches Gesicht. Wie er später mit Sabbatai allein war, sagte er: „Wir dürfen nicht so nach Jerusalem kommen. Unsere Positionen in der Zerstreuung sind noch zu wenig fest und. zu gering an Kraft, wir dürfen nicht mit leeren Händen kommen." „Du kamst, mich stark zu machen, und nun zagst und zweifelst Du, Jachini," sagte Sabbatai gekränkt und verärgert. „Weil Du stark sein und bleiben sollst, Meister, darum muß ich jede Enttäuschung und Entmutigung von Dir fernhalten. Ich kenne Jerusalem. Dort waltet die Not und waltet die Sehnsucht. Erstere verlangt Hilfe und letztere Verheißung . . . Wir dürfen nicht so mit leeren Händen kommen ..." „Wo sollten wir denn Hilfe und Verheißung herholen?" „In Aegypten, von wo auch der e r st e Erlöser kam, und Josua, der Israel ins Land brachte." „Sprich deutlicher, Jachini!" „In Aegyptens Hauptstadt Kairo, sitzt Rafael Josef Chelebi, der reiche Münzmeister und Steuerverwalter des Kalifen. Er ist Fürst und Büßer zugleich. Goldene Ordensbänder zieren seine Brust, darunter wohnt aber ein frommes, jüdisches Herz, das sich in Erlösungssehnsucht verzehrt. Diese fromme Fürstenseele müssen wir gewinnen. Rafael Josef Chelebi soll uns den Weg nach Jerusalem bahnen und damit zum Herzpunkte des jüdischen Volkes." „Wird uns Raphael Josef Chelebi anhören, verstehen?" „Laß dieses meine Sorge sein, Meister." Ohne daß die Schar die Aenderung des Reiseplanes recht merkte, bestiegen sie ein Schiff, das durch die Gewässer des Mittelmeeres nach Alexandrien segelte, um von dort nach Kairo zu gelangen. 10. „Bedenken und Bedenken." . Auf Vallak, der Nilinsel bei Kairo, stand, noch von den Palmen des Parkes beschattet, der zum nahegelegenen Palaste des Kalifen, Mehemed Ali, führte, das stattliche Haus Rafael Josef Chelebis, des Münzmeisters und Steuerverwalters des Kalifen. Graue, ungemeißelte Steine gaben dem Vau einen etwas harten, in sich gekehrten Zug, doch zeigte die verzierte Kuppel den vornehmen und amtlichen Charakter des Hauses an, und der Posten vor dem Hause deutete auf den fürstlichen Bewohner. Rafael Joses Chelebi war der jüdische Fürst, der Stolz der Diaspora, nachdem sie auf eigene Throne und Kronen nicht mehr Hinweisen konnte. Ein Mann, der das Vertrauen seines königlichen Herrn nicht minder genoß, wie einstens ein Samuel Hanagid, ein Chisdai eben Schaprut, dessen Herz aber nicht minder wie das dieser Männer in Liebe zu seinem Volke erglühte, und in Gottes- und Erlösungssehnsucht sich ergoß. Eine glänzende fürstliche Fassade mit stolzer Kuppel, dahinter aber hart und asketisch schlicht, so war das Haus, so war der Mann. Allmorgenlich fuhr der goldbeschlagene Wagen mit den Purpurvorhängen, von arabischen Pferden gezogen, vor, um den Münzmeister in der perlenbesetzten großen Uniform mit den vielen Ordensbändern auf der Brust zum Kalifen zu bringen. Wenn er gegen Abend heimkehrte, den ordengeschmückten Rock ablegte und im einfachen wallenden jüdischen Gewände in den großen, schmucklosen Speiseraum trat, saßen fünfzig jüngere und ältere Talmudgelehrte an seiner Tafel, seine beständigen Hausgenossen, die in seinem Palais auch ihr Lehrhaus hatten und das Mahl mit ihren weisen Reden und den Früchten ihrer Forschungen in der offenen und geheimen Lehre würzten. Da mußte sich schon im Vorraum mancher Minister, mancher Hofmann, mancher Gesandte gedulden. Der Münzmeister saß noch über einem schwierigenBibelsatz, einer rätsethaftenSoharstelle oder sprach und sang Gebete für Israel, das sehnsüchtiger als die draußen, Einlaß beim Herrn der Herren suchte und der Erlösung harrte ... Wenn das Mahl zu Ende war, halfen ihm bereitstehende Diener in die Galakleider wieder und er begab sich in den mit lebenden Palmen geschmückten Audienzsaal, um die Wartenden zu empfangen, ihre Anliegen anzuhören und Staatsgeschäfte zu erledigen. Wenn das alles in später Abendstunde für einen Tag vorbei war, zog sich Rafael Josef Chelebi in seine Gemächer zurück, wo schon einige Auserlesene seines Lehrhauses seiner warteten, an deren Spitze sein erster Freund und kabbalistischer Berater Samuel Vital. Die Prachtgewänder löste ein Büßerrock aus grobem Stoffe ab und der größte Teil der Nacht war Gebeten, Bußübungen und Kasteiungen gewidmet. Es war auch nach Kairo über Palästina und auch über Smyrna die Kunde gedrungen, daß die Zeit des Heiles angebrochen, der Messias schon auf dem Wege sei und 5436 Jahre nach der Schöpfung, wenn die Nazarener im Abendlande neben einem Tausend drei Sechszahlen verzeichnen, sein Erlösungswerk vollenden werden. Nur wenige Jahre noch bis zum letzten Ende, dessen Anfang vielleicht längst begonnen hatte oder sich jeden Augenblick ankündigen müßte. Es mußte die kostbare Zeit ausgenutzt werden mit innerer und äußerer Reinigung und Entfündigung. Die Tauchbäder im Hofe Chelebis wurden fleißig benutzt und die Gebete verstummten nicht Tag und Nacht. Jede amtsfreie Minute Chelebis gehörte dieser Vorbereitung. Samuel Vital, der die Bußübungen leitete, tat dieses nach einem ganz bestimmten Plane, den er von seinem Vater, Chajim, dem großen Jünger des großen Meisters der Kabbala, Rabbi Jzchak Lurja, übernommen hatte. Wenn in später Nachtstunde die politischen Geschäfte von beschaulichen Unterhaltungen und Gebeten abgelöst wurden, dann war es Rafael Josef Chelebi, als habe sich seine Seele nach einer Wanderung durch fremdes Gelände in de Heimat gefunden. Samuel Vital glaubte in der großen Seele dieses Mannes die Seele des b i b-! i s ch e n Joses, des Vertrauten Pharaos und Wohltäters seiner Brüder wiederzuerkennen und prach es in allen Formen aus. Josef der Bibel war es nicht gegönnt, ins gelobte Land einzuziehen. Aber er sprach auf einem Sterbebette: Bedenken und bedenken wird Euch Gott, dann sollt ihr meine Gebeine von hier mit Euch nehmen." „Josef war Fürst, ja König. Und er sprach von „Bedenken" und „Erlösen" ... Er sprach

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