Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 65 (1924)
- Issue
- Heft 31 (31.7.1924)
- Date
- 1924-07-31
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2446951-2450286-2450316--71445-2528761- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Sette 4 Nr. 31 würden, sie könnten auch nicht dem Schimmer unseres damaligen Genius aus der Not heraus zur Seite gestellt werden. pin der den Abschluß einer zweiten gewaltigen Verfallszeit des jüdischen Volkes darsteellt, hat, wie nicht erst näher geschildert zu werden braucht, eine beinahe nicht minder mächtige Lebenserschütterung für Jisroel gebracht. Die herzzerreißenden mm* die Klagelieder und Elegien der Zeit bieten uns ein tränenreiches Bild von dem Blut und Elend der damaligen die ihr Ende gekommen wähnte. Allein trat nicht gerade damals ein besonders helleuchtender Genius des Gottesvolkes in Erscheinung, und zwar in Gestalt der großen die, wie mächtige Geisteskometen am jüdischen Himmel auftauchten? bHprm /,töt diese Geistesriesen und sprachgewaltigen Boten Haschems, diese niemals übertroffenen Helden der Wahrheit und des Rechts, diese Bezwinger des Bösen und Bahnbrecher des Guten; diese, die ewigen Wahrheiten und unwandelbaren Lehren der Tauro von der wuchtigsten, eigenartigsten und bewundernswertesten Seite aufzeigenden Hochgestalten, bewirkten sie etwa nicht eine geradezu goldene Klassikerzeit des Judentums? Ja, durch sie ließ Haschem erst eigentlich Jisroel aus dem Hintergründe einer kleinen orientalischen Nation in den Vordergrund der Weltaufmerksamkeit treten und sie waren doch selber nur Kinder der Armut und des Elends ihres Volkes. Mit Recht bemerkt dernm uma zu dem Schmerzensausruf Jirmijahus: enaan^pR „Sie, die Witwe Zion, hat keinen Tröster" wie folgt: ♦•♦rfr mn rib j’R ->arriw mp» *?d. Ueberall, wo es heißt, sie hat keinen Tröster, da hat sie doch erst recht einen. Jirmijahu selbst war schon eine der größten Tröstungen. Und verhielt es sich nicht so in der dritten genannten Verfalls- und Leidenszeit, in der Zeit der blut- und tränenreichen Raserei des Antiochus und seiner Helfershelfer? Jehudo Makkabi und das Geschlecht seiner großen Brüder und Helden stellen doch wohl eine weltgeschichtlich einzig dastehende Erhebung aus dem Niedergang dar, ein staunenswertes Sichrecken des Genius aus der Not heraus, ein Steigen ins Riesenhafte aus dem Geringen und Tiefen. Damals bestätigte sich das Wort: •ab nmt» naip i23v2 pi6 nprn wen nm? '2 Cra v'^nn)' was nach dem (matsO nm sma so übersetzt werden soll: Wenn unsere Seele in den Staub gebeugt ist und unser Leib am Boden klebt, also wenn wir narnnnsind, da erhebst du dich, Gott, zu unserem Beistand. Damals hat sich die größte Ehrenrettung des Judentums vollzogen. Die auf Jisroel verächtlich herabsetzenden Nationen haben durch die Makka- Der Israelit bäer den „schlagendsten" Beweis von des kleinen Völkleins Kraftgehält erhalten. Die zweite Zerstörung Jerusalems und des Tempels durch die Römer gehört zweifellos zu den allerherbsten Schicksalsschlägen, die Jisroel getroffen. Wenn jemals, so schien damals das Geschick des Judentums besiegelt. In der Tat war dieses das folgenschwerste Leidereignis in der Geschichte unseres Volkes. Die Wirkungen der damaligen Auflösung der jüdischen Staatlichkeit und der Zersprengung der Volksglieder über alle Wetlteile zittern noch heute nach. Sie haben seit ca. 2000 Jahren unser Los gleich dem des sagenhaften Ahasver gestaltet, dessen Bild man uns andichtet. Nichtsdestoweniger entwickelte sich gerade aus diese? übermächtigen Not heraus abermals das schier mächtigste und nachhaltigste Lebenselexier des Judentums: Die rrvarna, die Lehranstalt, die Schule des Taurolernens ihrer selbst wegen, das sman ma, die na’an. Nicht, daß es bis dahin das alles nicht gegeben hätte. Im Gegenteil, die grundlegende Zeit der jüdischen Wifsenfchaftsschulen, die der Soserim und ersten Tanaim, besonders der Hillelisten und Schamaiten lagern gewissermaßen bereits abgeschlossen vor. Aber solange noch das vipsn ma stand und das Sanhedrin in der mtan ro:?? der zentrale Punkt war, von dem die Tauro ausging, fiel der rrnarna nur eine peripherische Rolle zu. Im das Volk war der Grundbegriff des annanma, nämlich im Lernen an sich ein höchstes Gut der Nation zu erblicken, dessentwegen allein schon das Leben des Juden lebenswert erscheint, nur schwach eingedrungen. Tauro lischmo auch ohne Bezug auf die Möglichkeit der Awaudo im Beth-Hamikdosch und ohne Anwendung auf Jeruschulojim und die nationale Herrlichkeit, vermochte man sich im allgemeinen nicht gut vorzustellen. Erst der Untergang der nationalen Herrlichkeit und das Unglück des Staatsverfalls, ließen den alten, aber jetzt in einem neuen Lichte erscheinenden Begriff der Metiwto als den machtvollen zentralen Punkt des jüdischen Fortlebens erstrahlen. rr»asm MT, Jawne und seine Weisen wurden zum anerkannten Rettungsanker, der das dem Untergang auf Haaresbreite nahegekommene Jisroel über Wasser zu fyatten berufen war. Nach dem Muster und Vorbild desnimaVprna aber als der ersten eigentlichen Metiwto im erörterten Sinne, entwickelte sich die Metiwto, das Bes Hamidrasch Und folgerichtig die Jeschiwoh als ein Zeitgenius des Judentums eigenster Art. Wie gegossen paßt auf diese damalige Erhebung aus der Tiefe das herrliche Psalmwort: "iva -»rrns m ’jntnw *]mm *6*6 „Wäre nicht deine Lehre mein Ergötzen, dann _ 31; Juli 1924 wäre ich vergangen in meinem Unglück" (Psalm 119, 92). Einer der Größten unter den Großen unseres Volkes, Rabbi not p pni'- ward damals von Haschem aus dem Elend der Zeit heraus zum Genius-Erwecker berufen. Unter der aus der Gemoro in f'M bekannten Ueberwindung von großen Hemmnissen hat er die rrrnis nbxn die „geringe Rettung" wie er sein Unternehmen bescheiden nannte, zur n^ro nbsn, zur großen Rettung gestaltet, so daß das unterliegende Jisroel das siegende Rom überdauern konnte. Die Sühnestätte aus Stein und Holz, so vermochte der große Meister seinen Schülern, die wegen des pin bitter weinten, zu sagen, ist gefallen, aber Zedokoh, das Heiligtum des Herzens und Teschuwoh, der Altar der Seele, sind uns geblieben (Jalkut Hoschea 522 und Mechilto Jisrau). Die sichtbare Stätte für diese inneren Heiligtümer aber blieb fortab das Lehrhaus und zwar durch die Mischno-, Gemoro- und Geaunim- Epoche hindurch und, wenn auch oft und äußerst bedroht, bis hinein in die fünfte gewaltige Niedergangszeit, in das Ghetto-Mittelalter. (Fortsetzung folgt.) Um die Selbständigkeit der Orthodoxie. Von Haörja Sen Z'esisa. 4. Die Steuerleistung darf aber nicht ausschließlich unter dem Gesichtspunkt der materiellen Unterstützung betrachtet werden. Viel schwerer wiegt die in ihr zum Ausdruck kommende Mitgliedschaft in einer Resormgemeinde, die eine ideelle Unterstützung der Gesetzwidrigkeit bedeutet, sofern sie freiwillig ist. Kultusgemeinden, Synagogengemeinden sind r el i g i ö je Körperschaften, das einigende Band ist die Betätigung der gemeinsamen religiösen Pflichten. Wenn in einer Gemeinde von statutenwegen für alle „Richtungen" gesorgt wird, dann ist damit ipso facto gesagt, daß diese „Richtungen" von dem Band gemeinsam betätigter religiöser Pflichten umschlungen sind. — D amitistdie Anerkennung aller RichtungenvorGottundMenschenvollzogen. Der Gedankengang ist so eindeutig, so zwingend, von der Geschichte der letzten Jahrzehnte des deutschen Judentums so zweifelsfrei bestätigt, — ich erinnere nur an die von liberaler Seite so gern auf die „beiden Richtungen" angewandten Worte: "Di mm ibm V?« — daß man ihn als der Diskussion enthoben an- Tiere. An alles läßt sich zwanglos Wiederholung aus dem Gesamtreligionsunterricht ankmüpfen. Wo die Verhältnisse irgendwie günstiger liegen, greise man zu leichten, dem Kinde naheliegenden Dingen aus »»En und Mischna. In letzterer könnte genommen werden eine Auswahl in n"> naivwo es sich um konkrete Dinge handelt (Bau der Sukko, Beschaffenheit des Esrog, Lulof usw., des Schosar, Verkündung des Neumonds). Man nehme eine Disziplin nur etwa eine halbe Stunde, dann die folgende. Das Kind soll den freiwilligen Charakter des Ganzen herausfühlen. Auch Belletristisches kann geboten werden als Einlage und Zugabe, das zur Stütze des Gar nicht ohne ist auch die schon des öfteren empfohlene direkte Einübung der Kleinen zum Dorbeten. Der Gewinn ist hier ein doppelter. Lesefertigkeit und Fähigkeit zur späteren Funktion als Chason. Die bisherigen Versuche in Großstädten lauten überaus ermunternd. Auch das würde in die Ferienzeit gut sich einstigen. Man sieht, an Stoffauswahl fehlt es nicht. Wo ein Wille, da ein Weg. Seien wir bezüglich der Ferienzeitbenützung nicht fo engherzig. Wie oft läßt man den Kleinen Mustkstunden oder sonstigen Nachhilfeunterricht geben. Eine oder die andere Stunde „Lernen" ist sicher nicht anstrengender als weite Wanderungen oder Radtouren, bei denen Kinder erhitzt und erschöpft heimkehren. Im Jenseits lautet die erste Frage an uns: mm^> amrnyap. hast du Zeiten dir festgesetzt zum Thorastudium? Wohlgemerkt: nysp, nicht etwa: „Hast du mm gelernt?" Das könnte tausendmal eher der Fall sein als das feste, unverrückbare Bestimmen einer Tageszeit zum Lernen, analog dem pvva »yaa m,> beschränke deine Geschäftstätigkeit, um Muße zur mm herauszuschlagen. Für die langen Ferientage, in denen wir die Alltagssorgen und Alltagsgeschäfte beiseite legen, wäre die Verantwortung für einen vollständigen mm doppelt schwer. Ja. das Lernen zur Ferienzeit wäre nicht einmal das Ideal-, '-©i nasiwa^ narrn!?rr- Wir Juden sind eben auch hier das Volk der nbinfi' der eigenen Anschauung, des besonderen Standpunktes. (Wortragstournee Ar. Walyan Airrröamns in poCett). Den ersten Vortrag über das Thema „Wenn Jüden wollten verstannen", hielt Dr. Nathan Birnbaum in Lodz am Dienstag. 13. Tammus — 15. Juli — im überfüllten großen Saale von „Philharmonia". Dem Dortrage wurde seitens aller Kreise des jüdischen Lodz ein lebhaftes Interesse entgegengebracht. Die mit großer Lebendigkeit und innerer Ergriffenheit vorgetragenen religiösen Gedanken Birnbaums haben auf die Zuhörer einen gewaltigen Eindruck gemacht. Nathan Birnbaum gab auch verschiedenen Journalisten lange Interviews, woraus zu entnehmen ist, daß er demnächst ein spezielles Merk über seine Stellungnahme zu den Erez-Jisroel - Fragen veröffentlichen will. Bon Lodz aus begab sich Dr. Nathan BirnbaNn nach Warschau. In Warschau hielt Dr. Birnbaum seinen angekündigten Dortrag. Bor Beginn des Vortrages hat ihn Herr Schachne Awrach begrüßt und diese Begrüßung wurde zu einer ebenso herzlichen, wie imposanten Kundgebung für Nathan Birnbaum. Auch sein Warschauer Vortrag fand, dank seines religiösen Inhaltes» der trotz der philosophischen Teile gut verstanden wurde, eine enthusiastische Ausnahme. Wochenkalender. 2. - 9. August 1924 / 2. - 9. Ab 5634 Samstag Aug. 2 55 2 28 Sonntag 3 3 Montag 4 4 Dienstag 5 5 Mittwoch 6 6 Donnerstag 7 7 Freitag 8 8 Samstag 9 amm 9 Familienirachrichten. Barmizwo: 2. August. Josef. Sohn des Herrn Alfred Rajna. Bärckhausftratze 20. Synagoge Unterlindau. — ©am maa 's rap Erich, Sohn des Herrn Dr. Gustav Stiedel, Eschenheimer Anlage 18. Synagoge Friedberger Anlage. Gefchästs-Jubiläury: Am 1. August feiert Fräulein Recha Mendelsohn bei der Firma Hermann Wronker A.-G. ihr 25 jähriges Geschäfts-Jubiläum. Goldne Hochzeit: 2. August. Herr Meier Schiff & Frau Johanna geb. Strauß, Habsburger- Allee 28.