Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 65 (1924)
- Issue
- Heft 30 (24.7.1924)
- Date
- 1924-07-24
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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i Sette 2 Nr. 30 Der Israelit 24. Juli im Künstlerseele eigen ist, keine Gunst gewährt. Gewiß — es gab und gibt auch eine religiöse Kunst, und über das Leben des Thora-Juden ist eine berückende Fülle von eigenartiger Schönheit aus-« gebreitet;— aber die Vorherrschaft des Ethischen, die Gewohnheit der unbedingten Unterwerfung unter die gegebene sittliche Norm läßt sowohl in ihren unmittelbaren Folgen für Gedanke und Tat als auch in den durch die Zucht von Jahrtausenden geschaffenen charakterologischen Wirkungen den höch sten ästhetischen Seelenzustand, bei dem alle Norm in den Schauern der Neuschöpfung verschwindet, nicht aufkommen. Es bedürfte einer sorgfältigen Analyse der seelischen Wirkungen, die von Lehre und Leben des heutigen Judentums (Thora, Propheten, Psalmen, Halacha, Agada, Gebet, Drusch, Pilpul, Musfar, Chassidus) in seiner ganzen Breite und Tiefe ausgehen, um das hier Angedeutete im einzelnen zu begründen und damit die Grenzen genau zu bestimmen, innerhalb deren dem Sehnen nach „religiöser Erneuerun"äuf dem Boden der jüdischen Wahrheit Erfüllung werden kann. Die weltgeschichtliche Aufgabe des jüdischen Volkes, Trägerund Garantderinder Sinai-Offenbarung verankerten sittlichen Normunddamitder MöglichkeitsinnvollerWeltanschauung überhaupt zu sein, ist von so ungeheurer Tragweite, daß sich ihr jedenfalls alle anderen Ideale — mögen es auch echte und für die Menschheit einen Selbstwert bildende Ideale sein — zu unterordnen haben, selbst das Ideal des Schöpferisch-Religiösen, als dessen erster Typ uns Abraham, unser Vater, erschienen ist.- Es bleibt uns nun noch an der Hand des gewonnenen Ergebnisses kurz eine religiöse Auseinandersetzung zu beleuchten, die sich vor kurzem in der zionistischen Presse zwischen Freigeistern und Rückkehrenden abgespielt hat und die für unser Thema von besonderem Interesse ist. (Fortsetzung folgt.) und einflußreiche Einzelpersönlichkeiten mit dem Probleme beschäftigt und in mehr oder minder eindringlicher Formder Völkerbundkommission die Bedenken unterbreitet, die vom religiösen Standpunkte aus der Einrichtung der wochenlosen Blankotage entgegenstehen. Eine sehr gründliche, von hervorragender fachmännischerSeite ausgearbeitete Eingabe ist in der Angelegenheit von der Leitung der „Agudas Jisroel" ergangen, die den positiven Vorschlag macht, anstelle der ominösen Blankotage die Jahre auf 52 mal 7 Tage gleich 364 Tage abzurunden und die Differenz durch ein alle 5 oder 6 Jahre eingelegtes 53wöchiges Jahr (also ein Jahr mit Schaltwoche) auszugleichen. Gegen diesen Vorschlag, der zuerst in Nr. 4 des „Israelit" gemacht wurde, inzwischen ganz selb Wochemmndschau. Die Kalenderreform. Seitdem wir in der ersten Nummer dieses Jahrgangs die Aufmerksamkeit der jüdischen Welt auf die der Beobachtung des Sabbats aus der geplanten Kalenderreform drohenden Gefahren lenken konnten, haben sich erfreulicherweise aus allen Ländern und Lagern jüdische Körperschaften >,Matin" vertreten worden ist, haben wir bisher keinerlei ernsthaften Einwand gehört. Er läßt der siebentägiger) Woche ihre Jahrtausende alten geheiligten Rechte und sichert doch die von den Kalenderreformern so eifrig erstrebten angeblichenVorteile der auf einen bestimmten Wochentag festgelegten Monatsdaten. Soviel bekannt, will die Völkerbundkommission die bisher nicht gehörten geistlichen Autoritäten des Judentums infolge der eingelaufenen Proteste nunmehr zur gutachtlichen Aeußerung heranziehen, und es erscheint auch die Zustimmung der katholiischen Kirche zu der Reform noch keineswegs so sicher, wie dies anfänglich angenommen wurde. So bleibt immerhin die Hoffnung, daß es gelingen werde, diese neue Bedrohung des Sabbats abzuwenden, der ohnedies gerade heute schweren Anfechtungen unterliegt. In Polen droht die Verschärfung der Sonntagsruhe, in Griechenland will der Minister auf dem Verwaltungswege die Zwangsruhe am Sonntag für Mazedonien einführen, ohne auf das halb jüdische Saloniki Rücksicht zu nehmen. Ueberall wird so die Treue der aaw fiat? auf eine harte Probe gestellt. Möchte sie bestanden und die Gefahr mit starker Hand abgewehrt werden. Vom Kampfplatz der Presse. Die „Jüdische Rundschau" wehrt sich in einem mit Injurien bis zum Bersten angefüllten Entrefilet gegen den Nebensatz in unserem Leitartikel vom 10. Juli, daß sie „s o n st moralische Mordversuche gegen die Aguda und ihre Führer für höchst verdienstlich" halte und verlangt Beweise dafür. Um die Richtigkeit unserer Behauptung zu erkennen, braucht sie sich nur den Satz anzusehen, den sie selbst zitiert („eine zahlenmäßig kleine Clique", die man „im Judentum m o r a l i s ch i s o l i e r e n inuß, damit sie nicht politische Kämpfe mit den Mitteln körperlicher Gewalt, und - der Verleumdung führen kann") oder ihren Ausbruch gegen die Aguda, weil der „Orthodoxe Rabb i n e r v e r b a n d" sich erlaubte, den religiösen Begriff des Arewuth in öffentlicher^ Erklärung klarzustellen, woraus der blinde Hast „B a n n, ja Fölter und Scheiterhaufen",machte, oder ihre aus der „Jüdischen Stimme" in Kowno zustimmend übernommenen Beschimpfungen gegen die Aguda als Landkäufer in Erez Jisroel — das sind nur wenige Beispiele. — Reden wir doch einmal deutlich. Die Herren Journalisten in der Sächsischen Straße wissen ganz g e n a u, daß die an der Spitze der „Agudas ständig auch von einem Fachmann im Pariser, .Jisroel" stehenden Rabbinen und Laien, die nicht gegen Entgelt, sondern rein um der Sache willen, ihr Leben in den Dienst ihres religiösen Ideals stellen, es an persönlicher Eh'renhaftigktzit mit den zionistischen Führern aufnehmen können. Wenn trotzdem ein jüdisches Blatt wie die „Rundschau" fortgesetzt versucht, diesen Männern in ihrer Gesamtheit unerhörte Ehrenkränkungen zuzufügen, ihr Ansehen durch Schimpfworte in der Oeffentlichkeit herunterzusetzen, sie, als ob sie Pestverbreiter seien, „moralisch isolieren", d. h. also doch, in den Augen der jüdischen Welt moralisch töten will, sie als Torquemadas und blutdürstige Religionsverfolger stigmatisiert, wenn man niemals einer sachlichen Würdigung der Aguda-Jdeen, wie der Ideen der unabhängigen Orthodoxie überhaupt, sondern immer nur dein öden Geschimpfe über „Separatisten", „Frankfurt", „Reaktionäre", „Klerikalismus" begegnet, dann verdient all das keine andere Bezeichnung als den eines großangelegten, systematisch betriebenen. moralischen Mordversuches. Wir wissen zufällig, daß einflußreiche zionistische Führer diese Kampfesweise der „Rundschau" durchaus mißbilligen, und wir wollen darum für den Augenblick mit der v e r d i e n t e n Kennzeichnung ihrer neuesten Leistung zurückhalten. Hinsichtlich des Falles Jendrzew können wir nur wiederholen, daß — so wenig wir uns gewiß gescheut haben würden, eine gutgläubig wiedergegebene, aber als falsch erwiesene Beschuldigung als falsch anzuerkennen — dieser Beweis bisher vor keiner unparteiischen Instanz geführt worden ist. Wir müssen daher, wollen wir uns keiner Untreue schuldig machen, unseren Gesinnungsgenossen in Polen, die ihre Ueberzeugung von der Verursachung der Tat durch die zionistische Hetze durchaus aufrecht hätten, mehr Vertrauen <3 Bemerkungen zum Wochenabschnitt. Bon Rabbiner Dr. WinNer kn Kopenhagen.!. 25. 12: 'N'12 NN M12 .Ich gebe chm lPinchas) Meinen Bund des Friedens". — Das unvollkommene Wow im Worte Scholaum erinnert an Rafchis Bemerkung zu 2"a >V'D *mpna: Unser Stammvater Jakob habe dem Propheten Eliah (iN'^rr). der ja nach der Agada mit Pinchas identisch sei, das Wow in seinem Namen (in'bk) als Pfand genommen, daß er Israel einst die Erlösung an-- kündige. — So lange Israels nicht vollkommen ist. was doch allein durch dienVma erfolgen kann, so lange erhält Pinchas-Elijahu fein Wow nicht zurück. — H. 26, 59: rn^ ’TOK '1*? M *7221' MöJ? NV8 ÜV1 •»tV? nmx »Das Weib Amrams hieß Jochebed, die Tochter Levis, die sie dem Levi geboren hatte". Wer sie war, die Jochebed geboren hatte, steht nicht. Diese Lücke sucht Malbim dadurch auszufüllen, daß er das Wort nm# als einen Eigennamen auffaßt; die Frau Levis habe also „Autzo" geheißen. Diese Auslegung mutet etwas fremdartig an, doch finden wir sie bereits in den Anmerkungen der bvnisviv .Yvmft- Es läßt sich nicht feststellen, ob Malbim sie von den Tossafot herübergenommen oder ob er bteje übersehen und selbständig zu der gleichen Auffassung gekommen ist. — m. 27, 15: 'n ND» .Moses redete zu Gott und sprach." — Jalkut Schimeoni ('^k atpa 8vn) macht daraus, aufmerksam, daß dieser Satz nur einmal in der Tauro vorkommt, — eine besondere Auszeichnung, die Moses vor seinem Tode von zu teil ward. — „Möge doch der Gott der Geister einen Mann über die Gemeinde bestellen, daß sie nicht wie eine Herde sei, die keinen Hirten hat". 28. 1. „Und Gott redete zu Moses also: Gebiete den Kindern Israels und sprich zu ihnen". — Den Zusammenhang dieser beiden Schriststen beleuchtet der Midrasch Rabba zu n"s irwn TtP und Tanchuma, hier, durch ein Gleichnis: Eine sterbende Königin empfiehlt ihre unmündigen Kinder der besonderen'Fürsorge des Königs. Doch dieser spricht: Sind es nicht auch meine Kinder? Anstalt daß du mich ermahnst, auf sie zu achten, ermahne sie lieber, mich zu achten! Desgleichen auch hier: Als Moses, bekümmert um das künftige Los seines Volkes, sich flehentlich an Gott mit den Worten hinwandte: „Wenn du schon beschlosien hast, mich von dieser.Welt zu nehmen, so laß mich doch wissen, wem Du nach mir die Führung meines Volkes anvertrauen willst!", sprach Gott m zu ihm: '21XN vp ..Meine Kinder, Meiner Hände Werk empfiehlst Du meiner Obhut?! 133 jik 18 ‘jinttp Befiehl lieber ihnen, daß sie meine Gebote hüten sollen! Notiz. Herr Rabbiner Dr. Winkler erblickt in seinem „Versuch zur Aufklärung einer dunklen Targumstelle" (s. Nr. 26 Ihres Blattes) einen Beweis für die Bescheidenheit des jrsnrr darin, daß dieser als Vertreter des Stammes Eftaim nicht Einspruch gegen die Erhebung des Stammes Menasche zum Repräsentanten der Söhne Josefs unter den Kundschaftern erhob. Iosua habe hierzu alles Recht gehabt, denn auch sein Großvater, der Stammessürst von Estaim: Elischomoh ben Amihud, sei nicht nur Mr seinen Stamm, sondern auch als Vertreter der Söyne Josefs überhaupt genannt worden. — Nach einer interessanten Erklärung von nisvin ("brriV'h 82in) würde diese Mottvierung wegsallen, nisvin sagt nämlich daß hier bei den Kundschaftern die Nennung oes Vertreters des Stammes Menasche nur deshalb erfolgte, um damit auszudrücken, daß der Enkel ('viv p na) aus der Sünde des Vorfahren. *]öT> gegen seine Brüder (»m nKXin) und aus seiner Bestrafung kein warnendes Beispiel nahm. Oben in ia*7»a Kapitel 1, Vers 10 u. 32 wird natürlich, konsequent der na-D des Stammvaters Efraim als Erbe der Stammeswürde Josefs gekennzeichnet, die Nennung Menasches ist hier also das Gegenteil einer Bevorzugung. Frankfurt a. M. I. Samuel.