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Der Israelit · 1924-07-17 · Heft 29 (17.7.1924) · page 10

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
65 (1924)
Issue
Heft 29 (17.7.1924)
Date
1924-07-17
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 10 Nr. 29 Der Israeli IT Juli 1924 Jachini aber hob rasch den Beutel auf und steckte ihn zu sich, und die Jünger luden den Korb auf die Schultern. „Wohin gehen wir?" fragten die Jünger. Jachini nannte Konstantinopel. . Sabbatai schüttelte verneinend den Kopf. „Noch nicht," sagte er, „dahin führt ja letztens der Weg, über die Sultanstadt nach der heiligen Stadt Davids. Aber noch ist die Frucht nicht ganz ausgereift ... Israel muß zuerst erobert werden . . ." Und sie schlugen den Weg nach Saloniki ein. (Fortsetzung folgt.) Uinderecke. „Es ist gern geschehen". '>*K.wnrS- ■jr Dvn Heinrich Einstädter in Frankfurt a. M. Am Rande des Städtchens liegt an der Landstraße ein kleines Haus, aus dem eine bunte Fahne hervorragt. Neben der Fahne steht eine Tafel mit der Aufschrift Pflasterzolll Hier muß jedes fremde Fuhrwerk Halt machen, um im voraus die Stadt durch den zu entrichtenden Betrag für die Abnutzung des Straßenpflasters schadlos zu halten. Jeder Bauer, der ein Pferd oder ein Rind zum Markte führt, hat Pflasterzoll zu entrichten. Nur die Einwohner der Stadt selbst find davon befreit. Vor etwa vierzig Jahren war Pflasterzoll- Einnehmer ein Mann mittleren Mters, den ich oft in seinem Dienst beobachtete, und an dem mir schon als Kind seine große Gefälligkeit auffiel. Wenn ein Wagen vor seinem Häuschen hielt, so beschränkte er sich nicht darauf, das Geld in Empfang zu nehmen und dafür einen Zettel abzugeben, sondern er schaute auch danach, ob das Riemenzeug des Pferdes in Ordnung war oder ob sich nicht etwa vom Rande eine Schraube gelöst hätte und mit raschem Zugriff brachte er dann die Sache wieder in die Reihe. Gang und gäbe war es zudem, den Einnehmer um allerhand Besorgungen anzugehen. Bei ihm wurden die verschiedensten Gepäckstücke abgegeben, die dort wieder abgeholt werden sollten. Ein großer Teil sämtlicher Gegenstände, die vom Lande in die Stadt gebracht wurden, mußten am „oberen Tor" niedergelegt werden, um von ihren Adressaten dort in Empfang genommen zu werden. Wenn nun jemand dem Zolleinnehmer für seine Gefälligkeit dankte, so antwortete er stets: „ Es i st gern geschehen". Auch uns Kindern gab er diese Antwort, wenn wir ihm für irgendeine Freundlichkeit dankten: „Es ist gern geschehen". Der Sinn dieser Worte kam uns aber erst spater zu Bewußtsein, als wir Spielkameraden schon durch die Wahl des Berufes in alle Winde zerstreut waren. ’ ' Damals wollte es der Zufall, daß ein Halbjahr hindurch zwei meiner Schulfreunde in der gleichen Stadt wohnten. Leo Ringer besuchte eine höhere Schule und Gustav Pfeil hatte dort nach Beendigung seiner Lehrzeit eine Stelle als Handelsgehilfe gefunden. Leo war ein sehr begabter und fleißiger Schüler. Seine Eltern waren keine reichen Leute. Sie mußten schon ein Opfer bringen, um ihren Sohn studieren immer zm Beschaffung der-Mücher und Hefte, und sonstiger motMndigen Ämge ausreichte.An Vergnügey dachte er-gaMNicht. tz - y Eines Tages aber' bot 'sich auch: ihm eine unerwartete Abwechslung. _ Es war infolge eines Festes schulfrei, Da kam einer seiner begüterten Klassenkollegen, dessen Heimat nicht sehr weit, entfernt war, an einem Nachmittage freudig erregt zu Leo. „Denk dir, was meine Wern geschrieben haben. Sie laden dich freundlichst ein, mit mir den Schabbos bei ihnen zu verleben.. Eine Msage gibt es natürlich nicht. Morgen früh sieben Uhr geht unser Zug. \ Leo war freudig überrascht. Ein paar gute Tage standen ihm bevor, Und das Leben in der frommen Gemeinde R. stellte er sich mit Recht als ein sehr anziehendes vor. Seines Freundes Eltern waren ihm als sehr gastfreundliche. Leute bekannt,, Und so sah er gar keinen Grund, aus dem die Einladung abzulehnen gewesen wäre. Doch kaum hatte ihn sein Freund verlassen, da kam ihm ein. Gedanke, der seine Freude gewaltig abkühlte: das Reisegeld! Es war Ebbe in seiner Tasche. Die paar Pfennige, die den Rest seines Besitzes bildeten, reichen nicht hin. Mas war da zu tun? Den Freund um ein Darlehen, anzugehen, war nicht angängig. Er wollte zwar gern die Gastfreundschaft jener Leute, annehmen, weiter aber durchaus nichts. Nach Hause schreiben? Dazu reichte die Zeit, nicht mehr. So blieb als einziger Ausweg; sich an die Gefälligkeit seines Heimatsgenossen Gustav zu wenden. 5 Er traf ihn gerade bei Ladenschluß. , Gustav» ich muß dich heute bitten, mir eine große Gefälligkeit zu erweisen. Die Eltern meines Freundes Breitenberg haben mich auf Schabbos eingeladen und nun fehlt.mir das Reisegeld. Konntest du mir. zehn Mark vorstrecken?" „Gewiß", antwortete Gustav sogleich, „und mit großem Vergnügen." Und so befand sich Leo bald im Besitze des nötigen Geldes, und konnte sich ungestört der Freude hingeben. r . Was er sich von seiner kleinen Reise versprochen hatte, das verwirklichte sich. Man bot echt jüdische Gastfreundschaft und war bestrebt, ihm die Zeit so angenehm als möglich zu gestalten. Leo fand. Gelegenheit, das schöne Zusammenhalten der Familie kennen zu lernen, das das Leben in guten jüdischem Gemeinden auf dem Lande früher besonders anziehend erscheinen ließ. Er trat in Beziehung zu den meisten Gemeindemitgliedern, die sich verpflichtet fühlten, dem Gaste auch ihrerseits aufmerksam zu sein. „Ich hatte mir auch einen jungen Freund aus W. auf diesen Schabbos eingeladen", erzählte ihm gelegentlich eines Besuches ein älterer Herr. „Er ist dort bei Kern und Gerhard im Geschäft, wo ich immer einkaufe und bedient mich , stets besonders aufmerksam. Aber er hat im letzten Augenblicke noch abgeschrieben. Ich wünsche nur, daß die Ursache keine betrübliche sein möge." Erstaunt horchte Leo auf. „Bei Kern und Gerhard? Es ist doch nicht am Ende mein Freund Pfeil?" „Gerade der ist es", antwortete der andere. „Aber wenn Sie gut bekannt mit ihm sind, dann wissen Sie vielleicht, was ihn davon abgehalten hat, hierher zu kommen?" „Ich weiß es nicht, aber ich ahne es. Vielleicht bot ich' selbst, allerdings ohne meinen Willen, die Ursache." Und Leo vertraute dem Manne an, unter welchen Umständen sich seine Abreise vollzogen hatte, und setzte hinzu: . „Ich nehme als wohl möglich' an, daß Gustav sich' jetzt vor Ende des Monats auch nicht gut bei Kassa befand, und daß er zu meinen Gunsten von der Einladung zuruckgetreten ist. Er war immer so gut und selbstlos. Daß ich aber auch nicht an diese Möglichkeit gedacht habe!" zu war es mit fernem Taschengeld Er war froh, wenn es , Wenn Leöchch die Tatsache vergegenMrHgte, daß Gustav ihm gegenüber kein Wor^ vonHer an ihn ergangenen Einladung ^erwähnt^chatte. so Kourde es ihm fast« HA WUME Hlß in des? Tat der Freund zurückgetreten' wA, um ihM selbst das Vergnügen zu ermögliche^ Dieser Gedanke bedrückte ihn sichtlich.-k Äber^öeß alte Herr beruhigte ihn, indem er sprach: „Es ist ja nicht aller Tage?Abend. Wir werden Ihren Freund auch noch einmal bei uns. sehen." . Als Leo nach W. zurückkehrte, war sein erster* Gang zu Gustav Pfeil. Er behauptete mit solcher Bestimmtheit, was die Ursache seiner Ablehnung gewesen war, daß Gustav dicht mehr zu einer Ausrede seine Zuflucht nehmen konnte. So lächelte er denn nur in seiner lieben, freundlichen Art und fprach schlicht die: den beiden Jugendfreunden geläufigen Worte: „Es ist gern geschehen." - Familiennachrichten. Barmizwo: 19. Juli r»EHS. Hans, Sohn des Herrn Samuel Haasz «L Frau, Berlin, Gormannstraße 1. Synagoge Adas Jisryel, Artilleriestraße 31. ffis ist ausschließlich Sache der Leser, die im Inseratenteil enthaltene«. Empfehlungen ritueller Ware» oder sonstige Angaben religionsgesetzlichen Charakters auf ihre Zuver- V . / , lasstgkeit zu prüfen. Für die Reisezeit unentbehrlich;osind meine unter hiesiger Rabbinats-Aufsicht hergestellten erstklassigen Fleischkonserven Kauiherrs Wurst-, u. Konservenfabrik, Inh. M. Levi, Fulda. BAD HOMBURG LoulsensfraOe 16 Elisabethenstr. 49 (am .Markt) . Telefon 297 (am Kurgarten) r. tücin>1V(ausc 1 IBoif lRonay >> 3 Jjqipqiiotis J BflD TÖLZ - »Parkhotel fllpenhof« Modernstes Haus am Platze. Erstklassige Pension bei massigen Preisen. ‘ GRUDEN Gas-und Kohlenherde Komb. Herde Transport. Kachelöfen Horstköfter,Knodt&G2 Am Eschenheimer Tor 3 Tel. Hansa 683 Verantwortlich für. den allgemeine» Teil und das Feuilleton 8. chachnowih;Znferatei.B.;6. Sch ach-nowttz. sSmttich MLLZMRMÄMM. fStwSti Sermb» »«ÜM'ArtiengefeLschaft, Wiaks

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