Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1924-07-17 · Heft 29 (17.7.1924) · page 9

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
65 (1924)
Issue
Heft 29 (17.7.1924)
Date
1924-07-17
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2446951-2450286-2450314--71416-2528730
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Die Geschichte einer verlorenen Hoffnung- LEW ism Von S. Schachnowlh. (Fortsetzung.) Von der anderen Seite raschelte es durch das Geäst und bald kam eine seltsame Gestalt, fast auf Aken VierM den Häng hinuntergeklettert. „Bote Gottes", schrie Sabbatai auf. „Du kennst mich?!" „Da, ich sah Dich iM Geiste kommest und hattte Deiner. Du kommst zur rechten Zeit, um die Betörten und ihren alten Rabbi zu belehren über die PkaNe Gottes Und die durch Mich sich neu 6otbereitenden Geschehnisse. Tritt Nähet- Bote Gottes, Und rede." Der Mann trat NUN Um das Feuer, däs Gesicht Rabbi Iskaffa und den Bürgern zugewandt. Män konnte jetzt Ae tzäNZe Gestatt M Helten Lichtscheine setzen. Eist untersetzter Mann mit leicht ergröllkem, ist Gilden Strähnen bis auf die Brust waltenden rötlichen Bürte, üm den Kopf war ein Turbän schlecht und nachlästig gebunden, so däß er von vorn wie däs Stirtttüch einer alten Frau aussah. Der verstaubte und an vielen Stellen durchlöcherte Mantel war um die Mitte von einem groben IMI zusammengehätten. In seinen Äugen glimmte verhaltenes Feuer. Der Mann beschrieb mit dem langen Pilgerstock eine große Ante in der Luft, die gleichsam M Einleitung seiner Worte andeuten sollte, wie weit her er gekommen war in einer ihm von Gott gewördMst HMigM MstNiW. „Ich kömme," sing ßer Fremde, mit heiserer Stimme an, „aus dem heiligen Lande über Konstantinopel und heiße Abraham Jachini; durchwanderte Länder und. Wüsten mit diesem Stchbe, denn eiE rief mich von börste Und trieb MH NB HMtN. Als ich in der Nacht zum neunten ÄS ün-HeWengräbern betete Und ist der Höhte R a b v i Schim e o n. Meme Tränen MMM, M schlief ich ein. Und als ich «rMachte, l<ch di e § P e rg am en t in meinen. Händen- Wie ich^ wieder einschlchf, rief eine Stimme: „MststNtt, Msräham Jachiiii, Und göchie Deinem HckMlkeme Ruhe noch Rast,chis;Dst von eistem Lest^Wuer Ist der Nacht überrascht wirst. Dorthin Dringst Du d i e s e Urkunde Und überreichst sie dßm AuserwählM. Hier ist sie . And er drückte SaMatai das Pergaryenf ist die Hastd. ^... ' „Was stK WWE^ drängte die Mchse Ans Sabbatai. - ESavoatai las: > „Ich, Schimeon Söhn Hochais, lebte dreizehn Jahre in der Höhle ustd trauerte darüber, daß sich die Zeit der Wunder nicht einstellte, da ertönte mir eine SiststW: '-Ein Sohn ward der Welt geborenam» Tage der Zerstörung, und heißt Sabbatai. Er wird Aufbau dem Lande und Habbat der Welt bringen; Nachdem er den tzrößtzn Drachen gedemütigt hat . . . Er ist ,der. wahre Messias des Herrn, vßt Wlt M seinen Füßen zwingen wird . . c" : -Mv«hast Du den Zettel gefunden, Jachinr?" -AbeayamJachiniwier^kMke seineErzählung: UM!MlM W Mit Mach stärtßren FWest NüOzürnSlest. ' V ■;'! „IMd M i r däs Pergarnent," '.bat Hösef /Jskaffa, „ich möchte es mit eigenen Augen lesen." Jskaffas Hände zitterten zusehends, als sie den Fetzen hielten. „Hier haben sich, wie mir scheint, Lug und Phatasterei zusammengefunden, um Verderben über Israel zu bringen." Mit hastiger Bewegung wollte er den Zettel ins Feuer werfen. Aber die unsicheren Hände versagten, und das Pergament fiel daneben, wo es ein Jünger rasch aufhob, an die Lippen führte und Sabbatai wieder gab. Die Menge UM ihn schrie und tobte, daß das Knistern des Feuers wie die Seufzer Jskaffas übertönt wurden: „Es lebe unser Führer, unser Herr und König, Sabbatai Zewi, der Messias des Herrn!" „Du bist dem Banne verfallen, Abtrünniger!" ächzte Josef Iskaffa. Aber seine schwache Stimme ging unter im Tanz und Taumel, die sich wieder erhoben. Sabbatai und Jachini, den Wanderstück noch in der Hand, tanzten im Kreise, den die inzwischen stark angewachsene Jüngerschar um sie gezogen hatte.. Iskaffa an der Spitze der Rabbiner von Smyrna zog sich gesenkten Hauptes und wankenden Schrittes in die Nacht zurück. Nicht alle Bürger, die Mit ihnen gekommen waren, begleiteten sie jetzt auf dem Rückwege. Viele waren geblendet bei Sabbatai geblieben. Noch in der gleichen Nacht sahen die Rabbiner und Vorsteher im Gemeindehause zusammen und berieten über die Maßnahmen, die zur Abwendung der inneren und äußeren Gefahren zu ergreifest waren. . Pinheiro fehlte. Er war auch nicht bei Sabbatai. Er war noch nicht eins mit sich und ging in den nächtlichen Wald hinaus, auf ein Zeichen des Himmels wartend, wo die Wahrheit sei. Der vierbuchstabige Name war ihm in die Seele gedrungen, daß er immer noch zitterte und nicht wußte, ob er ein Wunder, eine Verheißung oder eine Gotteslästerung erlebt hatte. Indes berieten die alten Rabbiner und würdigen Mitglieder finster und ernst- Iskaffa schlug sich aufs Herz und bekannte seine Schuld wie Reuben bei der Wahrnehmung des Unglückes mit Josef. Er klagte sich an, seinen Schüler nicht genügend gehütet, nicht genugsam gewarnt, nickst genug auf seine Entwicklung geachtet zu haben. Man ließ den Vater Sabbatais, Mordechai Zewi, Gecken» um auch ihn zu hören. Aber er war nicht im Bett und auch rächt zu Hüufe. Es hatte ihn auch bei Sabbätai keiner gesehen. Die Rabbiner kamen endlich zum Schluffe, daß der Große Bann nöch in Dieser Nacht ausgesprochen werden müsse» dem. erstens dürfe man eine solche Gotteslästerung keine Minute ungeahndet lüsten. Dann aber füllten sie im Schlosfe desPttscha, wenn sie morgest früh erwachen Und von dem nächtlichen Vorgänge am Pagos hören, gleich Wissen, daß die Gemeinde und die jüdische Gemeinschaft mit diesen Dingen nichts zu Um chatte ... „Mast sollte auch seine Austreibung aus der Stadt bewirken," meinte Josef Hakohen, noch im festlichen Rocke, den -er morgens zur Hochzeit seiner Tochter angezogen hatte. „Die Austreibung kommt dann von selbst," fügte Iskaffa, ,Menn ihm nicht gar Schlimmeres droht vom Pascha, der für Verschwörer reinCrbarmen kennt. Cs ist mir Geh ums Herz um Sabbatai, auf den wir große Hoffnungen fetzten. Aber Gott ist unser Zeuge, wir können nicht anders. Es gilt» Gefahren von -der Gemeinschaft Israels abzuwenden." Eine Stunde später brannten schwarze Wachskerzen in der grüßen Synagoge, in der alle versammelt waren» die durch' die Vorgänge der bewegten Nacht äüs ihrem Schlafe geschreckt wurden. Mit weinerlicher Stimme trug der ist Sterbekleider gehüllte Josef Iskaffa die Flüche aus dem dÄtten Buche Moses wor. 'Dann schrillten Schofartöne durch die Nacht. Der Bann war gegen Sabbatai und seine nAnhang ge s p r o ch e n. * -tz * Im Walde saß Pinheiro einsam Md allein auf einem Baumstamm, die Augen zum Nacht-- stimmet erhoben. „O Herr der Welten, laß ein Zeichen geben,: auf daß dein Knecht, Mose Pinheiro, weiß, wo die Wahrheit ist und ob er sich nach rechts oder links zu wenden habe. Wir gehen irre, Herr im Himmel, in Nacht und Not, und das Herz zerspringt vor heiliger Sehnsucht. Gib ein Zeichen, Herr! . . ." Da schrillte ein Schofarton von oben mitten in seine qualvollen Gedanken hinein. Pinheiro sprang auf. „Das Zeichen!" jubelte er, „ein Schofarruf um die Mitternacht, es war das Zeichen! ..." Und wie ein Jüngling raste er den Abhang hinab, de mFeuerfcheine entgegen, zu Sabbatai. In der Lichtung entdeckte er aber unten im Tal ein anderes Licht, das gelbflackernde Kerzenlicht aus der Synagoge. Es ging ihm die Erkenntnis auf über den Schüfar her Nacht und er wurde wieder irre. Das Zeichen kam von hier -s* und es war eine Warnung. 8. Zeichen am Wege. Sabbatai sah die Stadt Smyrna fürs erste nicht wieder. Das Feuer war noch nicht verglommen, die Tänze noch nicht verrauscht, als schon am frühesten Morgen der Befehl des Pascha überbracht würde, Sabbatai möge für seine „nächtlichen Ruhestörungen", die aufrührerisch wirktest, sich eisten anderen Platz suchen und schleunigst Smyrna verlassen. Die Behörden des Wilajet nahmen die Sache nur für harmlose Ruhestörung, vielleicht auch mit Rücksicht auf Mordechai Zewi, den angesehenen Handelsherrn der Zudenstadt, noch mehr vielleicht, Um m der Hauptstadt nicht den Eindruck zu erwecken, daß man zu wenig auf der Hut war und die Dinge bis zur offenen Verschwörung gedeihen ließ. Man hielt es für besser, den Jüngling, ohne aus der Sache viel Aufsehens zu machen Md ohne Anlegung von Aktendie unbequem werden kennten, still abziehen zu lasten. Sabbatai kam dieser stille Abzug nicht sehr gelegen. Durch die Straßen gezerrt, ins Gefängnis geworfen, beschimpft und geschlagen, das hätte eher in feinem Plane gelegen Md den Märtyrer vollendet, ihm auf alleFälle größere Anhängerschaft verschafft. Run Mer zog er Hll ist den Spätsommermorgen hinaus, gegen S a la n i t i zunächst. Einige Mutzenseiner Getreuen mit ihm. Auch Abraham Jachini ging mit. Er, der Vielgewandte und Vielgewanderte, war der beste Wegeweiser. Den Pagos hinauf stiegen sie. Auf halber Höhe kam ihnen von der Staotseite Elia, der ältere BruderSabbatais, in den Weg. „Hier ist ein Korb mit Nahrungsmitteln und Kleidern und hier ein Beutel, nimms", sagte er kurz mit innerer Verbitterung. Sabbattti sah sich kaum nach ihm um. „Nimm's, es ist vom Vater-" wiederholte er, „er schickte mich her und ich ging. Von mir aus hätte ich dir den Henker geschickt, Abtrünniger, Verderber Israels! ..." Er warf ihm 'Korb und Beutel vor die Füße und wandte sich eiligen Schrittes zur anderen Seite. „Ein Verbannter, ein Fluchbeladener! Verdammt, wer in Entfernung von vier Ellen ihm nahetritt," hörte man noch Elias Stimme. Sabbatai lächelete sehr befriedigt. Also war die erwartete Beschimpfung doch nochgekommen! Und'7er, Sabbatai, tat, wie der Gottesknecht im Buche Jesajas, nicht den Mund auf, blieb stumm wie ein Lamm . . .

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.