Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1924-07-10 · Heft 28 (10.7.1924) · page 16

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
65 (1924)
Issue
Heft 28 (10.7.1924)
Date
1924-07-10
Page
– (sequence 16)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2446951-2450286-2450313--71406-2528718
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

Pflicht, dann kann es nicht richtig fein und ist es nicht richtig, daß diese religiöse Pflicht gegen das Prinzip des Arewuth verstößt. Im Gegenteil.' Görade aus dem Bewußtsein der Arewuth-Pflicht heraus, aus dem Gefühl heraus, daß wir verpflichtet find, den Begriff der jüdischen Gemeinde in seiner Reinheit und Eindeutigkeit dem jüdischen Volke zu erhalten, verneinen wir die jüdische Zwittergemeinde, die mit gleicher Liebe und Sorgfalt orthodoxes und neologes Judentum pfleg t.*) Es ist darum nicht richtig, wenn Sie sagen, daß wir die anderen „ihrem Schicksal überlassen". Sie hätten mit dieser Behauptung recht, wenn die Austrittspflicht bloß den orthodoxen Juden gälte. Sie gilt aber für alle Juden. Kein Jude darf Mitglied einer Reformgemeinde sein. Der Austrittsgedanke bedeutet, zu Ende gedacht, nichts anderes als die einfache Wahrheit, daß vor Gott und Thora eine jüdische Gemeinde mit neologen Einrichtungen überhaupt nicht mehr als eine jüdische Gemeinde im Sinne Gottes Mw der Thora gilt und daß daher jeder J u d e EPstrchtet ist, sich von einer solchen Gemeinde lv^i^agen. Fern ist es und war es noch immer von uns, die anderen ihrem Schicksal zu überlassen. Im Gegenteil: Wir wollen sie zu Teilnehmern unseres Schicksals machen. Nicht wir, die wir die jüdische Zwittergemeinde für uns und für alle verneinen, überlassen die Anderen ihrem Schicksal. Das tun die, welche die jüdische Zwittergemeinde für sich und die anderen bejahen. Wenn orthodoxe Juden zu ihren neologen Brüdern sprechen: Behaltet ruhig eure neologen Einrichtungen, sorget nur dafür, daß daneben auch für uns orthodoxe Einrichtungen geschaffen werden —: Heißt das nicht, unsere neologen Brüder ihrem Schicksal überlassen? Heißt das nicht, sie in ihrer Necklogie bestärken? Warum sollten denn unsere neologen Brüder ihre neologen Einrichtungen jemals aufgeben, wenn ihnen von orthodoxer Seite attestiert wird, daß die Schaffung von orthodoxen Einrichtungen neben neologen Einrichtungen schon „Anerkennung des orthodoxen Prinzips" bedeutet? Abgesehen davon steht es ja geschichtlich fest, daß bei der Entstehung der Gemeindeorthodoxie in ihrer Frankfurter Zentrale, nicht der Arewuth- Gedanke, sondern die Besorgnis einer Schwächung der Neologie durch die Möglichkeit des Massenaustritts Pate stand. Schon lange bevor die Frankfurter Reformgemeinde zu ihren Konzessionen an die Orthodoxie sich verstanden hatte, gab es keinen Juden in Frankfurt, der hätte behaupten können, daß in Frankfurt für orthodoxe Bedürfnisse nicht genügend gesorgt wäre.. Im Sinne der Arewuth-Pflicht standen und stehen die Einrichtungen der Religionsgesellschaft allen Juden offen, auch denen, die nicht Mitglieder der Religionsgesellfchaft waren und sind. Ein wirkliches Bedürfnis zur Schaffung orthodoxer Einrichtungen innerhalb der Reformgemeinde war nie vorhanden. Wenn sie trotzdem geschaffen wurden, so war dies lediglich ein politischer Schachzug, der eine Schwächung des Rückgrates der Reformgemeinde verhindern sollte. Der Schachzug gelang. Die Gemeindeorthodoxie entstand. Sie blieb in der Reformgemeinde. Sie blieb, nicht weil nunmehr die Bedürfnisse befriedigt wurden — die waren längst befriedigt — sie blieb, nun — weil sie even bleiben wollte. Sieger war die Neologie» die für ihr Rückgrat nicht mehr zu bangen brauchte. Was hat dieser Sieg der Neologie mit dem Arewuth-Gedanken zu tun?- Ich sage es offen, Herr Rabbiner, es fällt mir schwer, wenn ich an diese Dinge denke, ruhig und sachlich zu bleiben. Ich denke an das Wort Rabbiner Hirschs: „Es ist dies eine Ungeheuer- *) Zur halachifchen Begründung dieses Satzes verweise ich auf meinen Artikel „A r e w u s, Grundsätzliiche^ Bemerkungen". lichkeit und ein JMmer, deren Erfahrung einem das Herz brechen könnte —." Aber ich weiß, wenn wir diese Dinge im Affekt behandeln, kommen wir nicht weiter. Und wir müssen weiter kommen. So dürfen wir das Wort rtuwa am1? fö’ü man nicht äuffafsen, daß wir Verstimmungen und Kränkungen der Väter auf Generationen hinaus vererben. Und wir werden weiter kommen, wenn wir uns einander in den Grundbegriffen unseres jüdischen Denkens nähern. Es muß doch da eine Art babylonischer Sprachverwirrung über uns gekommen sein, wenn Sie und Ihre Gesinnungsgenossen unter Arewuth das eine und wir darunter ein anderes verstehen. Es ist der Mangel einer einheitlichen mm nsw, einer geläuterten Sprache, der das gegenseitige Verstehen der v'rn' untereinander in so verhängnisvoller Weise erschwert. Lassen Sie uns an der Beseitigungdieses Mangels arbeiten, wie es der Prophet Zephanja für die ganze Welt verlangt: ',*i äün a^s mp? mm nsv tra» Vh iisnn m '2 in« östt my*?. _ Sprechsaal. I»r Auseinandersetzung über den nimp-Regriff. Sehr geehrte Redaktton! Mit Befremden lese ich den Streit über Begriff und Grenze des „Arewuth". Sicher hat der Begriff in der Halacha niemals den Sinn gehabt, daß man im Verbände von d'J'b und bleiben müsse, um von ihnen kleine Konzessionen für die Gesetzestreue zu erlangen oder auch große, denn mit diesen Konzessionen werden ja die a»i»a noch lange nicht von hrny errettet. Rabbi Jizchok Elchonon spricht von einem Einzelfalle, daß man auch eine niaia vor einem mm« bewahren muh, woran noch kein vernünftiger Mensch auch vor ihm gezweifelt hat. Aber werden denn die Liberalen vor aniB's bewahrt, wenn man von ihnen Konzessionen gegen Konzessionen erlangt? Heißt es hin-)* wenn man, um einen orthodoxen Rabbiner anstellen zu dürfen, sofort die Konzession machen mutz, daß gleichzeitig auch ein liberaler Rabbiner angestellt werde, oder, wenn man es erreicht, daß eine orgelfreie Synagoge gebaut wird gegen die Konzession, daß aüch eine mitOrgel gebaut werde? Welche d'hs'h: werden da verhütet? „Man darf die Liberalen nicht sich selbst und ihrem Schicksal überlassen, sondern muß versuchen, sie zu bessern usw." Daß dies halachisch unrichtig ist, und daß die v'poivn 'Vm dies niemals als Pflicht angesehen haben, hierfür bringt schon der bv pa, der unstreitig größte nt%-iin V« des vergangenen Jahrhunderts, der V'xt ->siv von unwiderlegliche Beweise. Einige seien hier angeführt. In V'a nawn '1 pVn tmo onn heißt es: ivvn iAk y'tn wn sVntV m rrmnV xn'«i *iam ia« am im'ihn 'niVvrck ^rriv' ihm aaryinan un'i miasa iiuw psi DMimn »n’n i-irrsi pyi mzmn 'ann ’B’a vin"ni pnsa t/'a pm nVttap irnxV iiarr n“y a"o mn-in j«y ,iarVy sni'-mx a'Sjra Vin^ v '’am »vro n»n rnnv 'ai> pmai! '’o Y'vn k''b-> nni «"»p *n*»' nunai l-n"bp> ‘->o '"»rin» 'pvs -nvi niaivi» rrrn ■uv s"m '’sn ow rJ'o ’iai Und ebenso v'^s nanwiin bezug auf die Reformer: i'v ii»rn niyn amy 'wi 'im irVian Vya atpnsrö viyn '’n rna iiva an Vwn py 6in«ii pnx* Also die a'iisv die die Karöer aus der jüdischen Gemeinschaft ausgeschlossen haben, haben den Begriff des aimy nicht so aufgefaßt, daß man mit ihnen eine gemeinsame my bilden muß, damit sie sich nicht noch weiter vom Judentum entfernen, trotzdem würde man wahrscheinlich auch einer rppns einen nnta t» fern, um sie von s"x iid's zu erretten. Unwiderleglich ist auch die Argumentation des v"n, daß hier die Befürchtung nan min ins Va xm »6® wegfällt, da sie ja schon aasyV nan mm waren. Daraus ergibt sich nun Folgendes: Wir sind verpflichtet aus dem Grundsatz des aiai» heraus, jeden von einer jüdischen Mutter Geborenen vor v'iiv'x zu bewahren, müssen uns aber von b'3'b absondern '2'n >n in"inns 'niernsn tnb% dazu verpflichtet uns das mniy gegen uns selbst. So wird man auch die iah» 'a shV-oa, die ja auch von einem maiy gewußt hat, begreifen, wenn sie lehrt: niin^inip^ii"ax ai« inmi' p« a'ann nax pna* Wir müssen nicht frömmer sein als ''i»o Y der die v'xip ihrem Schicksal überließ, und es liegt auch ein wenig Ueberhebung darin, wenn wir meinen daß wir gegennu'agefeiter sind, als jene waren, die für sich und ihre Kinder gefürchtet haben 'nivark m’V rVi m«*inn. Halachisch wird sich der Standpunkt der Gemeindeorthodoxie schwerlich begründen lassen, weil der Standpunkt gar nicht aus halachifchen Erwägungen heraus geboren wurde. Es waren eher Gefühlsmomente, die, mitgesprochen haben, sehr ehrenwerte zwar, die aber mit der verstandesmäßigen Halacha nichts gemein haben. Berlin, im Siwan 5684. Rabbiner Dr. Klein. - HendeMftrtz-^ I?' - Erez ^isroeistmd^ > Ajchbach: Wechsler 20.70. ~ Brückenau: durch Gündershelmer, Synagogenspende 95. ~ ‘ Burapreppach : Präparandenschule 6tz. Frankfurt: A. u. I. Weil. Ablvs. Hochzeit Thalmann 3. Herbert Kruskal 2. Dr. I. Fenchtwanger 2, Popper ü. Leiter b. Prismiloh 6.29. gulda: dch. Dr. L. Cäyn 87. alberstaht: Js. Nutzbaum aus der Zdokobüchse 131, Aron Hirsch u. Sohn 2. Heilbronn: Adas Jeschurun 100. flüttenbach: Gemeinde 19. angenschwalbach: H. Katz 5. N. N. 5. Marburg: S. Cohen 5, Lehrer Pfifferling 3. Mainz- H. Samuel 1. Nürnberg: D. Wertheimber gesamm. b. Mingan 510, bei einer Sitzung 4. Sally Feuchtwanger 30. Oberseemen: dch. W. Goldschmidt in d. A. J.J. 51. Ottensoos: 21.57. Treuchtlingen: Aus der Gemeinde 60, Agüdagruppe 10.— Schwabach : Gemeinde 14. Würzburg: I. Ullmann 5.99. . R. w b. h. Aschbach: Wechsler 5.50, N. N. 1.50. Hüttenbach: 1.-. Agudas I. Jugendgruppe Karlsruhe 0.50. Schaars Zedek-haspttal. Schwabach: 13. Kindergarten m Jerusalem. Ansbach : Nabb. Dr. Brader 60 Schulwerk. Aschbach: Wechsler 10. Homburg (Saar): H. Levy 50 Frs.. Talm. Hach. 8.6y. Thvra-Aonds. Agudas I, Jugendgruppe Karlsruhe 2. Keren Hathora. Gunzenhausen : Aehseld 5. Oldenburg: Lehrer M. Meyberg 5. Keren Hajischuw. Ansbach: Nabb. Dr. Brader 75. Oldenburg : Lehrer M. Meyberg 6. Lhallogeld. Schwabach: Clara Mannes 3.50. Moschab-Sekenim. Aschbach: Wechsler 6. Schmittafonds. Ansbach: Rabbinat 60. Berlin: Dr. E. Brasch 8.77. Fulda - dch. Dr. L. Herz, von der Gemeinde Btrstein 19, Dr. Bacharach Eschwege 20, Gemeinde Hersseld 125, Bankier Hahn 10, Lehrer Katz Hersseid 36. Halberstadt: Js. Nutzbaum 200. Hüttenbach: Gemeinde 65. Heinsarth: Gemeinde 11. Niederaula: Lehrer Gans 21. Sprendlingen: dch. Lehrer Leop. Kaufmann 15. Schwabach: 65. Ottensoos 47. Jejchiwas Zion. dch. Lehrer S. Brückheimer Marklbreit 35.20. Rausch-Chaudefchspende. Frankfurt: Jak. Goldschmidt. 10, Os. Neumann 6, §raü S. Goldschmidt 6, S. Mugdan 10, Rob. ron 5, Bern. Wolpe 5. Hamburg: Palästina-Kommisstön 175. Karlsruhe: 62.20. Mannheim: 30. ~ Nürnberg: 30.50. Oldenburg: 39. Schwabach: 19. Stguffa-dflavlteit ■ * '" ärftäfificfi in allen Üvtsgnnppen. Verantwortlicher Schriftleiter: D. G o ldfch m td t in Halberstadt.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.