Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 65 (1924)
- Issue
- Heft 28 (10.7.1924)
- Date
- 1924-07-10
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10 Nr. 28 Der 3 5 r ö e 1 i t 10 Juli 1924 chens machte, tauchte da plötzlich aus dem im nächtlichen Dunkel einer Seitengasse gelegenen Häusergewirr eine in ein weißes Laken gehüllte Gestalt aus, bei deren gespensterhastem Anblick ich unwillkürlich stutzte. Beim Näherkommen unterschied ich zu meiner Ueberraschung an den schwarz-weißen Seitenstreifen, die sich von dem Gewebe abhoben, daß das, was ich für ein Laken angesehen, nichts anderes als ein Talis war. Da hat wohl gar einer meiner Religionsgenossen — so mutmaßte ich — in seinem heiligen Andachtseifer vergessen seinen Gebetsmantel abzulegen, oder es ist wohl einer meiner unglücklichen, verfolgten und hierher geflüchteten ostjödischen Elaubensbrüder, der vielleicht nach Heimat licher Gepflogenheit im Schmucke seines gottesdienstlichen Gewandes, unbekümmert ob der profanen Blicke der Menschen und der Gasse aus irgend einem Grunde das unweit gelegene Gotteshaus aufsuchen will! Schon beabsichtigte ich den Glaubensgenossen anzureden, ihn über Zweck und Begehr zu befragen, um ihm womöglich helfend, ratend und tatend beizustehen, als ich erst jetzt zu meiner noch größeren Verwunderung gewahr wurde daß die Gestalt im Talis gar keine Mannesperson, sondern vielmehr eine Frau war. Und wieder glaubte ich die Ursache dieser eigentümlichen Erscheinung erraten zu haben. Gewiß hat ein armes jüdisches Weib in seiner Notlage den Talis ihres Mannes als Umschlag tuch benutzt, um sich vor der winterlichen Kälte zu schützen, weil sie sich bei der herrschenden Teuerung leider die so sehr notwendige, wärmende Hülle nicht kaufen kann! So tragikomisch auch dieser Anblick, diese Frau im Talis, mich berührte, so konnte ich mich doch eines leisen Lächelns nicht erwehren über den guten Einfall Während ich dieses überdachte, war mir die Frau so nahegekommen, daß der Schein der elektrischen Glühbirne ihre Gesichtszüge klar und deutlich hervortreten ließ. Und da erkannte ich zu meiner abermaligen, noch größeren Ueberraschung, daß die Frau im Talis gar kein jüdisches, sondern ein christliches Weib war, eine einfache Arbeitersfrau. So hatte ich mich denn wiederum getauscht! Selbst eine jüdische Frau greift in ihrer Tagesnot nicht zum Talis ihres Mannes, nm ihn zu profanisieren, ihn als Kopftuch zu benutzen, wozu ihn jenes Weib gewiß nur aus Unkenntnis über seine ureigentliche Bestimmung gebrauchte! Aber meine Neugierde war aufs höchste erregt. Wie war die christliche Frau zu diesem Gebetmantel gekommen? Dahinter steckte doch sicherlich ein Geheimnis oder sonst etwas dergleichen, das ich unter allen Umständen ergründen muß. Unauffällig folgte ich der Frau, und während ich darüber nachdachte, wie ich es doch am besten anstelle, um sie zum Reden zu bringen, hatte ich genügend Zeit, sie, in ihrer sonderbaren Umhüllung genau zu betrachten. Die Art und Weise, wie sie den Talis trug, hätte selbst einem chassidischen Rebbe oder einem polnischen Bocher alle Ehre gemacht. Sie hatte ihn malerisch-phantastisch über Kopf und Schulter gezogen. Die Stirne umrahmte die breite Silberborte, die den oberen Rand des Gewandes zierte; die Seitenränder umspielten die kleinen wollenen Fransen und an den vier Ecken fehlten selbst die Zizisfäden nicht, gleichsam an das „Urisem usechartem" mahnend und der frommen Hand gewärtig, die sie an Augen und Lippen führen sollte. Za, bildete ich es mir nur ein oder war es wirklich so: in Miene und Gebärde der Frau gab sich ein merkwürdig versonnener, geradezu andächtigelegischer Ausdruck kund, wie er just zum Gewände taugte. Sie war eben in einen Metzgerladen getreten. Als sie wieder herauskam, war mein Entschluß gefaßt. „Guten Abend!" redete ich sie an, „Ihr habt da ein ganz sonderbares Umschlagtuch, wie ich noch keines gesehen, liebe Frau!" „Nicht wahr, mein Herr!" fiel sie ein, und ein gewisser eitler Stolz leuchtete dabei aus ihren Augen, indes die eine Hand das Gewand liebkosend abtastete, „es ist ein schönes Tuch und gefällt wohl auch Euch recht gut wie jedem, der mir begegnet?" „Ja; aber erklärt mir doch bitte, wie Ihr zu demselben gekommen seid!" fuhr es mir etwas ungeschickt über die Lippen. „Gestohlen Hab' ich es nicht," entgegnete sie mir ebenso flink, scheinbar verletzt über meine freilich etwas ungestüme Frage. „Verzeiht, gute Frau, ich wollte Euch gewiß nicht kränken, aber ich vermute, daß Ihr durch besondere Umstände in den Besitz dieses Gewebes gekommen seid, oder daß es seine eigene Geschichte hat. Wollt Ihr mich sie nicht hören lassen?" „Ich weiß nicht," erwiderte sie gleich wieder versöhnt, „aus welchem Grunde Ihr ein so auffälliges Interesse an meinem Tuche nehmt, aber wie dem auch sei, jedenfalls scheint Ihr etwas über seine Herkunft zu wissen oder zu ahnen. Nun gut» ich will daher ausnahmsweise Euren: Wunsche willfahren. Begleitet mich bis zu meiner Behausung am Ende der Stadt, dann sollt Ihr seine Geschichte hören!" Gern willigte ich ein, und die Frau begann alsbald mit weicher, rührsamer Stimme: „Dieses Tuch ist das letzte Crinnerungspfand von meinem lieben Mann, Gott Hab' ihn selig. Er brachte es mir im Kriegsjahr 1916 aus Rußland mit, als er nach fast zweijähriger Abwesenheit zum erstenmal auf Urlaub nach Hause gekommen war. Ich habe ihn seitdem nicht wieder gesehen," — dabei wischte sie die Tränen von ihren Augen — „nie wieder von ihm gehört; er ist und bleibt verschollen, wird wohl schon längst mit vielen seiner Kameraden in russischer Erde schlafen. „Liebe Frau!" sagte damals der Gute zu mir, als er mir das Tuch überreichte, „halte es gut in Ehren; es hat mir oft da draußen im Felde treffliche Dienste geleistet, mich vor manch' frostigem, harten Luftzug geschützt; aber es ist mir besonders heilig, weil es mich an ein herzerschütterndes, überaus trauriges Erlebnis erinnert. Höre! Es war nach der Erstürmung der starken polnischen Festung Brest-Litowsk am 26. August 1915. Unter heftigem feindlichem Infanterie- und Maschinengewehrfeuer war es den vereinten österreichisch-ungarischen und deutschen Truppen endlich gelungen, die zehnfachen Drahthindernisse mit Kolben und Spaten zu zerstören und die in den Hindernissen gelegenen Minenfelder unter schweren Verlusten zu überschreiten. Gegen 7 Uhr abends begann mein Regiment den Angriff auf das südliche Festungswerk, während gleichzeitig brandenburgisch-schlesische und mährisch-galizische Truppenteile die nordwestlichen Werke angriffen. Es entwickelten sich die heftigsten Bajonettkämpfe. Ein Fort nach dem andern fiel in unsere Hand. Nach hartnäckigem, aber nutzlosem Widerstand flüchtete die übrig gebliebene Besatzung gegen den Bug, verfolgt von mehreren Bataillonen, die sich an der vom Feinde zerstörten Flußbrücke festsehten. Gegen 11 Uhr nachts zog unser siegreiches Heer in die etwa 50 000 Einwohner zählende, jedoch fast menschenleere Stadt ein, die der abgezogene Feind an mehreren Stellen angezündet hatte. Mein Bataillon hatte Befehl, in dem nahe der Festung gelegenen Dorfe Kobylany Nachtquartier zu nehmen, um am andern Morgen die den Feind verfolgenden Bataillone abzulösen. Es war eine regnerische, feucht-kalte Augustnacht. In dem fast gänzlich zerstörten Dorfe war kaum eine Hütte ganz. Totmüde, vom Kampfe ermattet, streifte ich mit mehreren Kameraden die Straßen nach einem halbwegs angehenden Unterschlupf ab, bis wir auf ein größeres Gebäude stießen, das wir auf den ersten Blick als die „Judenschul", die Synagoge des Ortes, erkannten. Wir beschlossen kurzweg, hier zu nächtigen, und stiegen die halbzerfallene Treppe empor. Die Tür stand angelweit offen. Wir traten ein; ein paar Stufen führten abwärts in den Jnnenraum, der uns dunkel, wie eine weite Leere entgegenstarrte. Gleich beim Eintritt schlug uns eine schwere stickig-modrige Luft entgegen, die uns das Atmen beschwerte. Und zugleich beschlich uns ein ganz unheimliches Gefühl. Wie mit gespenstischen Armen schien es nach uns zu greifen. Wir erschauerten und konnten nicht sagen worüber. Wars der geheiligte Raum selbst, von dem das Schauern ausging, oder ahnten wir dunkel, daß etwas unser harrte, aus uns lauerte, dem wir nicht Namen, noch Deutung geben konnten? Genug es war da! Unsere Augen weiteten sich,' bohrten sich in das Dunkel hinein, um es zu durchdringen. Leise, behutsam tasteten wir vorwärts; seltsam i hallten unsere Schritte wider. Da — was war bas? Mein Fuß war plötzlich aufgehalten, an etwas Körperliches gestoßen. Es fühlte sich an wie die Hand oder der Fuß eines Menschen. Meinen Gefährten erging es ebenso. Wir blieben wie mit magnetischer Kraft festgehalten, wagten nicht weiter vorwärts. „Licht, um alles in der Welt Licht!" schrie einer. Daß ich auch daran nicht dachte! Auf der Brust trug ich meine elektrische Taschenbatterie. Ein Druck — und ein Lichtstrahl erhellte wie mit magischem Schein das spukhafte Dunkel. Aber er genügte, um uns das Blut erstarren zu machen über das Gräßliche, das wir schauen mußten. Auf dem Boden, in den Bankreihen lagen, saßen oder drängten sich in grausem Gemisch blutige, menschliche Gestalten mit marmornen, wächsernen, schmerzverzerrten, qualvoll entstellten Zügen. Die Augen unnatürlich weit aufgerisfen, die erkalteten Lippen teils noch geöffnet, als ob sie all das Grausame, das man ihnen angetan, hinausschreien, als ob sie ihre Peiniger und Mörder im Tode noch anklagen und verfluchen wollten, so lagen sie dahingestreckt im wirren Durcheinander» Männer, Frauen und Kinder, Greise und Jünglinge, oft zu wrmlosen Massen entstellt. Dort eine Mutter, ihren Säugling wie zum Schutz noch an ihre Brust gepreßt; hier ein Mann, seine Frau fest umschlungen haltend, die eine Hand wie zur Abwehr erhoben gegen das menschliche Raubtier, das sie beide dahingewürgt! Und noch Entsetzlicheres sah ich, das zu schildern die Zunge ich sträubt. Dazwischen lagen verstreut zerrissene Gebetbücher, blutige Kleiderfetzen, zerschlagene Geräte; an den Wänden klebte oder troff noch das Blut der Gemordeten. Wir hatten im Kriege schon viel des Schrecklichen gesehen, erlebt, wie es diese furchtbare Menschengeißel eben mit sich brachte, ab« was sich hier an Entsetzlichem zugetragen hatte, das überbot wohl alles. Teufel in Menschengestalt, vertierte, rohe Soldatenhorden waren gleich blutgierigen Wölfen über friedliche, fromme Menschen hergefallen, die sich hier zum Gebete versammelt oder dorthin geflüchtet hatten,- um, wohl das Verderben ahnend, im Gotteshause Zuflucht zu suchen. Es war kein Zweifel! Die zurückgeschlagenen Russen hatten an den armen unglücklichen Juden des Dorfes ihre Wut über ihren Zusammenbruch in solch barbarischer, tierischer Art ausgelassen. Wir hatten es schon oft vernommen, daß sie die armen, gewiß ganz unschuldigen Juden für ihre Niederlage verantwortlich machten, ja daß sie sogar zur Maskierung ihrer Stellungen Hunderte dieser Aermsten in unsere Feuerlinie hineingetrieben; nun hatten wir diesen furchtbaren Beweis. Die Mitternacht war schon längst vorbei, und weil wir zu müde waren, ein anderes Nachtquartier zu suchen, so beschlossen wir dennoch, hier bei den Toten den Morgen abzuwarten. Wir überwanden. das Grausen und streckten uns zu hnen auf die kalten Steinftießen nieder. Ich wählte meinen Platz weiter vorn nach der Ostwand zu. Einige Stufen führten zu einer mit einem perlest- und gold. bestickten, halb zerschlissenen Vorhang bekleideten Lade. Ihre Türe stand offen und ließ mehrere in Samt und Seide gehüllte Gebetrollen erblicken. Bor der Lade stand ein altarähnlicher Tisch, an dessest Fußende ich erst jetzt einen ehrwürdigen Greis bemerkte, tot, gleich seinen Brüdern. Es war wohl der Vorbeter oder Rabbi der Judengemeinde gewesen. Neben ihm zur Seite lag halb geöffnet eine pergamentene Gesetzesrolle, mit hebräischen Buchstaben voll beschrieben; ein eigentümlich buntbemalter Leinenstreisen umwand sie noch teilweise. Die eine Hand des Greises hielt noch den Holzgriff der Rolle krampfhaft umfaßt. Bon seiner Schulter war ihm ein weiß- und schwarzgestreifter, mit Fransen ver. sehener Mantel halb herabgeglitten. Die verglasten, offenen Augen hatten selbst im Tode noch einen ungemein ergreifenden, mehr tiestraurigen als qualvollen, einen geradezu überirdischen Blick, der einem durch Herz und Seele ging. Ich ging hin und drückte sie ihm zu. Beruhigt über diesen Liebesdienst streckte ich mich neben den schlummernden Alten nieder und zog, fast unbewußt, weil mich auf dem kalten Boden fröstelte, das erwähnte Schultertuch an mich, um mich damit einzuhüllen. So ruhte ich mit meinen Kameraden Seite an Seite bei den stummen Schläfern einige Stunden, bis.. uns bei anbrechendem Morgen lautes Trompetensignal zur Sammelstelle rief. Rasch erhoben wir uns, warfen noch den Toten einen letzten Scheidegruß zu und verließen die traurige Totenstätte, im Herzen die Mörder verfluchend. Das Tuch des toten Rabbi nahm ich aber mit mir als Erinnerung an diese Nacht und auch in der Absicht, mich damit vor der so. rasch einsetzenden russischen Kälte zu schützen. Dem Rabbi konnte es doch nichts mehr dienen; er möge es mir verzeihen. Das ist das Tuch hier, das ich Dir nun überlasse, halte es in Ehren!" — — — Die Frau hatte, schweraufatmend, wie von einer drückenden Last befreit, geendet; wir waren gerade an ihrer Wohnung angelangt. Mit tiefem Weh, wortlos, ohne sie zu unterbrechen, hatte ich ihrer Erzählung gelauscht. Ich glaubte wie aus einem schweren Traum zu erwachen. Und doch wußte ich, daß das alles leider wirklich wahr gewesen. Das konnte unmöglich aus der Luft gegriffen sein. Ich sah im Geiste das Beihaus mit den Gemordeten vor mir, glaubte ihr - Todesröcheln, ihre Schmerzensschreie, ihr „Schema jisroel" deutlich zu vernehmen. Mein Herz krampfte sich zusammen, blutete über das Blut meiner Elaubensbrüder^ das die russische Bestie vergossen; ich dachte an die Schrecken der Pogrome, von denen meine unglücklichen östlichen Brüder und Schwestern schon so oft heimgesucht wurden, nicht nur gestern, sondern noch heute — und wie ein heißes, schluchzendes Gebet entrang es sich meiner wunden Seele: „Ao horachamim", Vater der Barmherzigkeit, nimm Dich Deines armen, verfolgten Volkes an; sende baldiges Heil, Hilfe, Erlösung! — — — Ich dankte der Frau, die noch selbst tief ergriffen vor mir stand, tränenden Auges für ihre Erzählung und erklärte ihr: „Wißt Ihr auch, gute Frau, daß dieses Tuch uns Juden ein heiliges Symbol ist, als Gebetmantel dient, in den wir Männer uns beim Gottesdienst hüllen!" „Ich habe wohl vermutet," entgegnete die Frau, „daß es einem derartigen Zweck geweiht sein müsse, wußte es aber doch nicht genau und bestimmt bis zu diesem Augenblick." „Wollt Ihr mir es daher nicht überlassen, um es wieder seiner Bestimmung gemäß zu verwenden," fuhr ich fort, . „ich will Euch gerne einen anständigen Preis dafür zahlen, oder wenn's Euch lieber ist, ein anderes, schöneres Tuch dafür kaufen?" — „Nein, mein Herr," antwortete die Frau erregt, ' ,Jhr könnt unmöglich von mir verlangen, daß ich Euch das Gewand ablasse. War es mir seither geheiligt als letzte Erinnerungsgabe meines lieben Mannes und durch seine traurige Geschichte, so ist es mir jetzt noch viel teurer und wertvoller, seitdem ich weiß, daß es Euch ein heiliges Symbol ist, sozusagen ein Talisman, mit welchem sich die frommen Juden umhüllen. Das ändert doch nichts an der Sache! Was es Euch ist, kann' es auch mir sein. Ich fühle mich jetzt, nachdem ich seine Bestimmung kenne, in seiner Hülle noch mehr geboraen und geschützt, wandle in ihm sozusagen in Gottes Schutz!" Damit reichte mir die Frau die Hand und verschwand im Flur ihres Hauses. — Ich war über die Antwort der braven Frau nicht überrascht, hatte es kaum anders erwartet, als daß sie meine Bitte ablehnen würde, und mußte ihr recht geben. Ich wußte ja auch — und dieses Bewußtsein befriedigte mich — daß der Talis in den Händen dieser Frau nicht entweiht, nicht minder geehrt und geheiligt wurde wie in der Hand des frömmsten Juden. Auf dem Heimweg mußte ich aber noch viel über die schönen Worte dieser schlichten Frau Nachdenken, die mit dem Worte Talisman fast unbewußt ausgesprochen, was der Talis ist und sein soll. Und ich mußte weiterhin darüber Nachdenken, wieviele meiner Glaubensgenossen haben leider heutigentags diesen Talisman, wie ihn die Frau nannte, von sich abgestreift und mit diesem äußeren Symbol ihres Judentums zugleich ihr inneres, ihr ganzes jüdisches Empfinden und Denken. Denen möchte ich so gerne die Worte dieser Frau im Talis zurufen. Ob's wohl was helfen würde? Ja — ,,Urisem usechartem!" Haltet Selbstprüfung,innere Einkehr und Umkehr; schauet in euch und seid eingedenk eurer hohen Bestimmung, bleibt brave, aufrechte und treue Söhne eures Judentums!