Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1924-07-03 · Heft 27 (3.7.1924) · page 14

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
65 (1924)
Issue
Heft 27 (3.7.1924)
Date
1924-07-03
Page
– (sequence 14)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2446951-2450286-2450312--71387-2528698
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 14 Nr. 27 Der Israelit die sie sich durch solchen Preis erkaufen muhte. In Freundeskreisen der Braut machte man sich Sorgen um die schöne, tugendsame Bracha, deren Vorgänge im Schatten eines sonderbaren Mannes ganz verdunkelt werden und verschwinden sollten. Es fehlte auch nicht an warnenden Stimmen, aber Bracha selbst, still und zurückhaltend, blieb stumm und taub für alle Bedenken und Einwendungen und ließ die Dinge ruhig an sich herankommen Am 9. Äv hatte Sabbatai sein zweiundzwanzigstes Lebensjahr erreicht, Bracha zählte erst siebzehn. Und tags darauf sollte die Hochzeit im Haufe des Josef Hakohen mit allem Pomp, wie es die Stellung der beiden Familien rechtfertigte, gefeiert werden. Schon am frühen Morgen zogen die Musikanten nach altem Herkommen mit Pfeifen und Trompeten durch die Straßen und hielten spielend an jedem Hause, aus dem die Gäste zum Hochzeitsfeste geladen waren. Gegen Mittag füllten die Männer der Gemeinde das Haus Rabbi Mordechai Zewis, und die Frauen unlr Mädchen sammelten sich um die Braut im Haufe Josef Hakohens. Der Männerzug mit dem Bräutigam in der Mitte sollten sich nun nach Brauch und Sitte unter Musikklängen zur Braut begeben. Alles hatte Aufstellung genommen, in der ersten Reihe der Brautvater Mordechai und Rabbi Josef Jskaffa, der greise Lehrer der Gemeinde. (Fortsetzung folgt.) Kinderecke. Igel und Fuchs. rnamsm Don ZSero Zrerttugcr. Heller Sonnenschein lag über den Gefilden Moabs. Auf einem Acker dicht neben einem Zedernwäldchen saß gemütlich Familie Igel, den Geburtstag des Jüngsten, des kleinen Bileam, feiernd. Der war ein niedlicher Kerl, rund, fett, immer hungrig, immer frech, immer lustig, der Stolz der Alten, die Plage der Geschwister. Mit erlesenen Genüssen war die Tafel versehen. Es gab Feldmäuse, Regenwürmer, Frösche, Schnecken, Vögel, Blindschleichen, Ottern; Aepfel und Birnen zum Nachtisch. Vater Igel brachte auf den kleinen Bileam einen regelrechten Trinkspruch aus und wünschte ihm ein langes, gesundes Jgelleben, eine gemütliche, mit Stroh und Heu gepolsterte Wohnung und erfolgreiche Jagd. Die Mutter wischte sich vor Rührung die ewig feuchte Nase, die Kinder taten desgleichen. Bileamchen aber, der Held des Tages, würgte unaufhörlich Stücke einer Otter hinunter. Schließlich sangen alle das Lied: „Freue dich, Jüngling, deiner Jugend." Doch jäh brach der Gesang ab. Der Alte hatte einen Warnungsruf ausgestoßen und sich schnell zu einer Kugel zusammengerollt. Im Augenblicke wurde die ganze Familie kugelrund, starrte vor Stacheln und blieb bewegungslos liegen. . Ein Fuchs war gekommen. „Ei, guten Tag! Friede mit euch! Störe ich etwa? Das sollte mir leid tun. Hm, der Tiisch gedeckt, wohl Feiertag heute? Seltene Leckerbissen sehe ich. Würmer — pfui, Schnecken — pfui. Ottern — pfui! Ich begreife nicht, wie aus alledem fettes, schmackhaftes Jgelfleisch wird. Darüber muß ich einmal den alten Uhu befragen." „Was knurrt ihr da in euern Rüffel, Herr Igel? Ich verstehe euch nicht. Ihr verkehrt in seltsamen Formen mit eurem Gaste,, das muß man sagen. Nicht eines Blickes würdigt ihr ihn. Bin'ich denn euer Feind? Gewiß habe ich euch zum Fressen gern, aber bis heute h a b e ich euch doch noch nicht gefressen. Bedenket, ein Fuchs will auch leben. Lebt ich r denn nicht, indem ihr tötet? Täglich bringt ihr Schnecken und Vögel und Würmer und Frösche um und wollt, daß man euch gutmütige Tiere nennt. Ich aber, der ich mich auf ähnliche Art ernähre, bin der böse, grausame Fuchs. Dabei habe ich ein gutes Herz. Die Tränen sitzen mir locker im Auge. Ein Freund bin ich dem Freunde." „Haha," lachte der Igel, „ihr Freundschaft! Freundschaft zwischen Hund und Katze, zwischen Moab und Midian!" „Lachet nicht," grollte der Fuchs, „ich weiß wahre Freundschaft zu würdigen und. zu halten. Das Leben ist ernst. Ich habe auch meine Sorgen." , „Schert euch fort",sagte der Igel. „Warum eigentlich so schlechter Laune, Herr Igel? Ich bin doch an einem festlichen Tage gekommen. Ja, ja, ich habe auch meine Sorgen. Die Jäger pirschen im Walde. Oh, diese moabitischen Jäger! Man ist seines Lebens nicht sicher. Wir sind überhaupt in einer schrecklichen Welt. Gäbe es keine grausamen Moabiter, wie schön wäre das Leben! Vor Tieren des Waldes fürchte ich mich nicht, der Mensch nur ist mein furchtbarer Feind. Man hat mir erzählt, dort drüben im Hebräerlande wohnten barmherzige Menschen. Dort kenne man keine Jägerei. Dort erbarme man sich des Esels, der unter seiner Last zusammenbricht und binde dem Ochsen das Maul nicht zu, wenn er drischt; dort füttere der Hebräer die Haustiere früh am Morgen, dann erst esse er selber. „Schade, daß ich kein Ochse bin im Hebräerlande", seufzte der Igel. „Aber hier in Moab," fuhr der Fuchs klagend fort, „hier warten die Unmenschen nicht einmal, bis man verendet ist. Vom zuckenden Leibe noch schneiden sie sich ihre Happen. Ich gehe zu den Hebräern. Dort gilt meine Art zwar als unrein die eurige übrigens auch. Herr Igel — aber das schadet nichts. Dort ißt man mich nicht, dort jagt man mich nicht, dort kann ich in Ruhe meinem Berufe nachgehen und ein ehrenvolles Fuchsenalter erreichen." „Fuchs, da täuschst du dich," brummte der Igel, „man kennt auch dort, den Verderber Weinberge. Ertappt man dich auf dem Hühner- und Gänseraub, läßt dir auch der Hebräer den Knüppel um den Kopf sausen. Und mit Recht." „Rauben, rauben! Wer spricht von Raub und Diebstahl! Ich nicht. Denke ich des heiligen Landes, in das ich wandern will-der Gedanke schon veredelt mich. Mißtraut mir nicht. Wer sich bessern will, dem helfe man. Ich will mich bessern. Wandert mit mir hinüber nach Kanaan! Ich habe mir sagen lassen, dort stimme auch der Fuchs ein in den Lobgesang zu Ehren des Schöpfers der Welt. Himmel und Erde, Paradies und Hölle, Sonne und Mond, die eilenden Wolken und zuckenden Blitze singen, Meere und Flüsse rauschen ihr Lied, in Ehrfurcht neigen sich Bäume und Sträucher und Aehren und singen dem Schöpfer; der gewaltige Leviathan lobsingt, es singen die Löwen und Bären, die Adler in den Lüften wie Skorpione und Ameise und Wiesel auf der Erde. Wie schön muß es in einem solchen Lande sein!" „Du bist ein Heuchler, ein Scheinheiliger", sagte entrüstet der Igel. „Wer mag dir trauen? Wo du auch sein magst, du bleibst immer der Fuchs, der Schlaue, der Hinterlistige. Du dich bessern? Du schleppst deine Sünde auch ins Hebräerland hinein. Deinesgleichen sollte heiligen Boden meiden. Mit dir wandere ich nicht. Ich bin auf der Hut." „Ihr seid grob und unverschämt und beleidigt einen Bußfertigen. Ihr seid dumm und ungebildet. Ihr wisset nicht, daß selbstGerechte sich nicht mit einem-Büßenden messen können. Uebrigens — den Igel wird man vergebens im Chor der Kreaturen suchen, die ihren Schöpfer preisen. Ihr 3 Juli 1924 seid dieser Gnade nicht gewürdigt worden. Ich will von euch nichts mehr! wissen. So lebt denn wohl. Ich habe Eile. Immer näher kommen die Pfeilschützen. Ich bin in Gefahr." Der Schlaue entfernte sich einige Schritte. D« schwirrte ein Pfeil durch die Luft. „Ich bin getroffen," jammerte der Fuchs. „Ich sterbe. Seid barmherzig, helft mir, helft mir!" Eilig entrollte sich die Jgelfamilie. Der Jüngste war zuerst zur Stelle. „Du armer, armer Fuchs", rief er. Doch dieser, der sich nur verstellt hatte, sprang empor und tötete den Kleinen mit einem furchtbaren Biß. Hastig verzehrte er ihn. Die Igel aber jammerten herzzerreißend und vergossen bittere Tränen. Inzwischen kamen die Jäger immer näher. Pfeil um Pfeil durchschwirrte die Lust. Plötzlich machte der Fuchs einen- Sprung und brach zusammen. Er war tot. Langsam näherten sich die Igel. Sie sahen den toten Räuber, sie sahen das tote Ägelchen. Freudiger Anblick dort, jammervoller hier. Da sagte der Alte: „Ach, es gibt auf Erden keine reine Freude. Wie hätten wir Ägel gejauchzt beim Tode des Feindes, nun ist dieser Tag zur Trauer geworden. Und mich will bedünken. daß kein Glück so erfreuen, als ein Unglück schmerzen kann." Am anderen Tage wollten die Igel nach dem Judäerlande pilgern. Als sie aber Füchse auf der Lauer sahen, beschlossen sie, zu bleiben, wo sie waren. E« ist ausschlietzlich Sach« der Leser» die im Snfttitttmtfi e«thaUe«en Smpsehknrae« rwreLer Ware« oder son-ligr Angabe« relisionsgesekttchen Charakter« «ruf ihre Zuverlässigkeit -u prüfe«. itri und Kaffee BAD HOMBURG Loulsensfraße 16 Ellsabefftensir. 49 (am Markt) Telefon 297 (am Kurgartea) Rolf ftonay 3 Jßaioaiians Für die Reisezeit unentbehrlich sind meine unter hiesiger Rabbinats-Aulsicht hergestellten erstklassigen Fleischkonserven Kauiherrs Wurst« u. Konservenfabrik, Ink. M. Le-vi, Fulda. BAD TÖLZ * »Parkliote! Alpenhei« Modernstes Haus am Platze. Erstklassige Pension bei massigen Preisen. 0RUDEN Gas- und Kohleriherde Komb. Herde Transport* Kachelöfen Horsf kötter, Knodf & C9 Am Eschenheimer Tor 3 :: Tel. Hansa 683

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.