Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 65 (1924)
- Issue
- Heft 26 (26.6.1924)
- Date
- 1924-06-26
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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26. Juni 1924 D e r Israelit Nr. 26 Seite 7 Redner bemerkt, daß ihm die Bestrebungen natü gut genug bekannt seien. Palästina als Einwanderui land für jüdische Massen zu wählen, was in bescheidenem Umfang an und für sich durchaus zu billigen sei, aber für große unter Umständen plötzlich in Bewegung gesetzte Massen, sei Palästina nicht aufnahmefähig. Die Entwicklung der Einwanderung nach Palästina könne nur eine langsame und begrenzte sein. Die russischen Gebiete böten aber weiteste Aufnahmefähigkeit, wobei nicht nur die europäischen, sondern auch die asiatischen Teile in Betracht kämen. Dort würden sich die Möglichkeiten für wirtschaftliche und geistige Entfaltung der Juden Herstellen lassen. Ausdrücklich müsse dabei betont werden, daß die Abwanderung, der Juden aus den überfüllten russischen Weftgebketen rein freiwilliger Natur sein müßten. Man könnte ihnen nur Vorschläge machen auf Grund der Aussichten, die für sie eröffnet werden könnten, und die Entscheidung sei ihnen selbst natürlich anheimzustellen. Eine kleine Kommission aus erprobten Fachleuten hätte über landwirtschaftliche Ansiedlungen, Möglichkeiten der Unterbringung in Bergwerken (womit in Deutschland während des Krieges gute Erfahrungen gemacht worden seien) und Arbeitsfelder für Kaufleute usw. Untersuchungen an Ort und Stelle anzustellen. Prosperierten die Kolonisten und die Uebersiedelten, dann würde dieser Erfolg Anziehungskraft auf immer weitere jüdische Elemente der russischen Westgrenze ausüben nach dem Innern Rußlands zu emigrieren. Zur Bewältigung des ganzen Problems in größtem Stile werde die Schaffung einer internationalen Organisation alsdann ins Auge zu fassen sein. Das Slärkeverhaltrns der Parteien in Polen. Warschau, 23. Juni. Von gewählten 1074 Gemeindevorstehern in Polen gehören an: 60 Prozent der Agudas Jisroel, 3 fßvosent Alexandre Chassidim, 7 Prozent religiöse Unparteiische (Orthodoxe zusammen also 70 Prozent), ferner Zionisten 12 Prozent, Misrachi 4 Prozent, Handwerker 10 Prozent, Bund und Volkisten 4 Prozent. Der Kampf um die religiöse Gemeinde in Wilna. Wilna, 10. Juni. Dr. Wigodski fetzt feine Angriffe in der Presse gegen Rabbi Chaim Oser Grodzenski und gegen die übrigen Mitglieder des Wilnaer Rabbinates fort. Dr. Wigodski argumentiert, daß der Kampf der Rabbiner um die religiöse Gemeinde die jüdische Einheitsfront zerstören muß, die in der gegenwärtigen antisemitischen Epoche besonders notwendig ist. Er behauptet weiter, daß das Wilnaer Rabbinat in diesem Kampfe isoliert dasteht und schließt den Artikel mit persönlichen Angriffen auf Rabbi Chaim Oser Grodzenski und Rabbi Menacheim Krakowski. Die ebenso unsinnigen, .wie grundlosen Beschuldigungen. besonders auch die persönlichen Angriffe auf den weltbekannten Wilnaer Rav haben in den religiösen Kreisen Wilnas eine starke Erregung hervorgerufen. »lmüderstchr. l. Leitartikel: Die Phantasten eines Ministers. — 2. Wochenrundschau: Der orthodoxe Wahlerfolg in Polen und die zionistische Presse. — Die neue Malus - Verordnung in ErezJXisoet. —8. Homiletik: Politik der Erfüllung. — Rabb. Dr. Winkler, Kopenhagen: Versuch zur Aufklärung einer dunklen Targumstelle. — 4. Aufs 8 tz «: A. Mannheimer in Dettelbach Ein verschwundener Menschen-Typ. — Dr. Ed. Biberfeld, Berlin! Der Geist der jüdischen Kultur und das Abendland. — 8. Korre ilpondenzen und Nachrichten. —«.Vermischtes. —?. Personalien — 8. Briefkasten. — 9. Roman. Jtttgattt«. Auf lange Frist. Budapest, 14. Juni. Bei Besprechung des Angriffes auf jüdische Studenten rn der Universität von Fünfkirchen in der ungarischen Nationalversammlung fragte der antisemitische Deputierte Srefan Lendvai-Lehner die Regierung, ob sie beabsichtigt, den Numerus clausus gegen jüdische Studenten voll und ganz durchzuführen. Der Bildungsminister erwiderte, es fei die Absicht der Regierung, das Gesetz über den Numerus clausus weiter durchzufiihren, es wird solange nicht aufgehoben werden, bis nicht die verlorenen Provinzen Ungarn zurückerstattet worden sind. (I. T. A.) Die neue Malus-Verordnung. Jerusalem, 6. Juni. Die Regierung versendet an die Presse folgende amtliche Mitteilung über den Inhalt der neuen Wakuf-Berordnung: Das gegenwärtig in Palästina geltende Gesetz kennt kein anderes Rechtsmittel, um irgendwelche Vermögenswerte dauernd milden Zwecken zu widmen, als die Errichtung eines „Heiligtumsgutes" (Wakuf) vor einem moslemischen oder nicht-moslemischen religiösen Gerichtshof. Philanthropen und philanthropische Gesellschaften haben oft um das Recht gebeten, milde Stiftungen nach den in Europa geltenden Rechtsformen zu errichten. Die am 1. Juni als Gesetzentwurf im palästinensischen Regierungsamtsblatt erscheinende Verordnung soll diesen Wünschen Rechnung tragen. Sie zeigt den Weg zur Errichtung von Stiftungen nach dem bürgerlichen Rechte und unter der Aufsicht der bürgerlichen Gerichtshöfe. Sie beeinträchtigt in keiner Weife die Freiheit derjenigen Personen, die durch Errichtung eines Wakuf nach der alten Art und nach dem Rechte der religiösen Gemeinschaften milde Stiftungen ins Leben rufen wollen. Die Verordnung gewährt nur eine Alternative für diejenigen Privatpersonen und Verbände, die n i ch t gewillt sind, von den religiösen Gerichtshöfen Gebrauch zu machen. Die neue Verordnung ist dem Wakuf-Rechte nachgebildet: sie sieht ähnlich wie nach dem moslemischen Gesetze die Ernennung eines ertrauensmannes" vor, der die Vermögenswerte für die vorgeschriebenen Einzelzwecke unter voller Verantwortung für seine Geschäftsführung zu verwalten hat. Die Ernennung kann sowohl durch den Stifter erfolgen wie durch den Gerichtshof, der mit der Verwaltung milder Stiftungen betraut und für deren ordnungsgemäße Vermögens-Administration verantworlich ist. Die Verordnung gilt für die Errichtung milder Stiftungen, nicht aber für Familienstiftungen. Es ist beabsichtigt, das Amt eines öffentlichen Vertrauensmannes zu schaffen, der auf Ansuchen von Einzelpersonen oder Institutionen mit der Verwaltung von Wohltätigkeitsgeldern betraut werden kann, da sich in vielen Fällen das Bedürfnis nach dem Vorhandensein einer solchen, unter Aufsicht der Regierung stehenden vertrauenswürdigen Verwaltungsstelle herausgestellt hat. Durch eine besondere Verordnung werden die Pflichten und Verantwortlichkeiten dieses öffentlichen Vertrauensmannes geregelt werden. Ausdrücklich heißt es in der Verordnung, daß sie die bereits als Wakuf vor religiösen Gerichtshöfen errichteten Stiftungen in keiner Weife berührt. „Kol Jisroel", das Organ der palästinensischen Aguda, begrüßt die neue Verordnung mit außerordentlicher Genugtuung, weil sie den Wünschen der Orthodoxie in weitestem Maße entgegenkommt. Zu wünschen wäre nur noch eine klare Erklärung darüber, daß auch bereits bestehende religiöse Stiftungen nicht gegen ihren Willen gezwungen werden können, sich dem offiziellen Oberrabbinat zu unterstellen, daß vielmehr auch für sie die Oberaufsicht der bürgerlichen Gerichtshöfe genügt, sofern diese Stiftungen nicht etwa von vornherein vor dem ONerrabbinat errichtet worden sind. Die Wahlen zum Waad hoir hoaschkenast. Jerusalem, 5. Juni. Die ersten aus demokratischer Grundlage durchgeführten Wahlen zum Waad Hoir Hoaschkenast in Jerusalem fanden Mittwoch, den 2. Siwan (4. Juni) statt. Die Wahlbeteiligung war überaus groß. Mit Rücksicht auf den Charakter der Wahlen herrschte eine gehobene und feierliche Stimmung unter den Wählern. Von den ungefähr 1300 Mitgliedern der Gemeinde erschienen 1200 an' der Wahlurne. Wahlvorschläge wurden von vier Gruppen eingereicht. Die Liste der „Agudas Jisroel" hat die Majorität errungen. Große Prokestversammlungen gegen die Sabbatenlweihung zionistischer Führer. Jerusalem, 10. Juni. Die öffentliche Sabbathentweihung, die die Mitglieder der engeren Exekutive der obersten zionistischen Behörde, Herr Georg Holpern und Vaan Friesland bei "ihrer jüngsten Anwesenheit in Chaifa begangen haben,-hat eine große Erbitterung in allen religiösen Kreisen Erez Jisroel hervorgerufen. In Jerusalem fand auf Initiative des Mischmeres Schabbosvereins Diens- , den 8 Siwan ein Massenmeeting statt, in welchem mehrere Redner der Erbitterung der thoratreuen Judenheit über solche Vorfälle Ausdruck gaben. Rabbiner Selzmann aus Newyork wies auf die unangenhemen Folgen hin, die solche Handlungen bei der amerikanischen Judenheit Hervorrufen werden. Zum Schluß nahm die Versammlung eine scharfe Protestresolution an. In den Versammlungen in Chaifa und Tiberias wurde der Forderung Ausdruck gegeben, daß die obengenannten Mitglieder der engeren zionistischen Exekutive sofort demissionieren. Aus aller Welt. Deutschland. In K o b u r g überfiel eine Hakenkreuzlerbande vom „Schutz- und Trutzbunde" harmlose jüdische Passanten^ Die Angegriffenen bedienten sich dabei in der Notwehr eines Revolvers, mit dem sie zwei der Angreifer schwer verletzten. — Unter dem Namen „Freunde jüdischer Familienforschung" tat sich in Berlin ein Verein zusammen, mit der Aufgabe, für die Erhaltung und Bewahrung jüdischer Familienurkunden einzutreten. Es soll demnächst ein Archiv zu diesem Zwecke eröffnet werden. — Der Deutsche Frauenausschuß zur Bekämpfung der Schuldlüge" >st auch an den Allgemeinen Rabbinerverband mit der Bitte herangetreten, seine Mitglieder zu veranlassen, am 28. Juni, dem Tage der fünfjährigen Wiederkehr der Unterzeichnung von Versailles, gleich den evangelischen Geistlichen von der Kanzel herab die Schuldlüge zu bekämpfen. Der Allgemeine Rabbinerverband hat die Bitte an seine Mitglieder weitergegeben. — Der bekannte Rabbiner vvn Petersburg Dr. Eisenst a d t ist in Berlin eingetroffen, und darf man erwarten, von ihm authentische Nachrichten über die Lage der Juden in Rußland zu erhalten. — Unter dem Namen „Soncino-Gesellschaft" haben sich in Berlin Freunde des jüdischen Buches zu einem Vereine zusammengetan. Soncino ist der Name der ersten jüdischen Druckerfamilie in Italien im 15. Jahrhundert, und getreu diesem Namen hat es sich die Gesellschaft zur Aufgabe gemacht» für schöne jüdische Buchausgaben zu sorgen und seltene Texte und Drucke in schöner Ausstattung heraus- bzw. wiederherauszugeben. Dem Ausschuß gehören u. a. auch Rabbiner Dr. Meier Hildesheimer, Prof. Dr. Aron Fr ei man-Frankfurt a. M. und Hermann Struck an. Palästina. Für den Palästina-Pavillon auf der britischen Reichsausstellung im Wembley wurde von Palästina aus das Modell des jüdischen Dorfes „Nahalel" geschickt. Das Modell wurde in Palästina aus Holz von jüdischen Arbeitern hergestellt. Rußland. Der Lubawiczer Rebbe erhielt die Erlaubnis, aus Rostow am Don. wo er vielen Verfolgungen ausgesetzt war, nach Leningrad (Petersburg) zu übersiedeln. — Wie jetzt näher bekannt wird, ging die Gründung der „lebendigen Synagoge" in Poltawa, von der wir kürzlich berichteten, von Bundisten und Poale-Zionisten aus. Die Frommen boykottierten diese Gründung. Chemikalienu. Farben-Fachmann, 27jährig, ledig, mit I» Beziehungen zu Fabrikanten, Händlern und Konsumenten im Jn-u. Ausland, franz. u. engl. Sprache beherrsch., sucht leitende Stellung mit Fixum u. Gewinnbeteiligung. Prima Referenz. Gefl.Zuschriften <on.« att die Exp. unter 18818 Gut gehende Backerei u. Mehlhandlg. a. d. Lande sucht tüchtigen jungen Ottann aus anständ. Familie evtl Einheirat. Off. unt. 13808 an die Exp. Tüchtige mit allen vorkommenden Büroarbeit, vertraut, sucht per sofort Stelle. 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