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Der Israelit · 1924-06-19 · Heft 25 (19.6.1924) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
65 (1924)
Issue
Heft 25 (19.6.1924)
Date
1924-06-19
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 Nr. 26 Der Israelit 19. Juni 1924 Frankfurter Berichte. Der Festtag des Frankfurter Mekor Chajim. Dem Jubilar! Prolog für die akademische Feier von Dr. Lindenbaum. Ein Halbjahrhundert! Zwar im Weltgeschehen Erscheint uns diese Spanne Zeit nur klein; Dort, wo Geschlechter kommen und vergehen. Wo Staaten beben. Throne stürzen ein. Uns aber, denen es vergönnt zu sehen Auf fünfzig Jahr' in einem Lernverein, Uns gibt der Ablauf solcher Jahresrunde Wohl volles Recht zu dieser Feierstunde. Gar viele haben sich in unsren Räumen Erfreut an unserer Thora Lebensquell, Der Jahr für Jahr tagtäglich ohne Säumen Von kund'gen Lippen strömte silberhell. Und mancher ward von lichten Friedensträumen Umgaukelt an gefahrumdräuter Stell', Der draußen in dem grausen Schützengraben Sich dürft' an unseren Thorabriefen laben. Drum gilt für uns es, heißen Dank zu spenden Von dem der Festesred' geweihten Ort Vor allem den verehrten Herrn Dozenten, Die uns vermittelt unserer Meister Wort. Gott möge mit Erfolg an allen Enden Ihr heilig Wirken krönen fort und fort; Noch lange mögen sie das Glück genießen, Der Thora Pforten andren zu erschließen. Doch einen, dem besonderer Dank gebühret. Ihn seh'n wir leider nicht in unsren Reih'n, Ihn, der Jahrzehnte lang uns treu geführet. Dem Alles stets war des Vereins Gedeihn. Wie wird jetzt wieder fein Verlust verspüret! Wie dürft' grad' er heut hochbefriedigt fein! Doch sicher wird er dort in lichten Höhen Des Höchsten Gnade heut für uns erflehen. Dank allen, die durch Lernen und durch Gaben Nach ihrer Kraft gefördert unser Ziel. Und schließlich zoll'n wir Ihm, der hocherhaben Auf Wolken thront, des Dankes Hochgefühl, Der uns mit seines Segens reichen Gaben Sichtbar geleitet durch das Zeitgewühl, Und bitten ihn: Owinu fchebafchomajim, Beschütze weiter unseren „Mekor Chajim"! Die akademische Feier. Der Jubiläumstag des Mekor Chajim war von morgens bis in die späteste Nachtstunde ein Festtag nicht nur für den Verein, sondern auch für die Kehillah, mit der er durch engste Thorabande verbunden ist. Ernst und würdig, machtvoll in ihrer Aufmachung, in Fülle der Darbietungen und Eindrücke war die akademische Fei er,der der ganze Vormittag gehörte. Schön, harmonisch und gemütsvoll verlief die gesellige Veranstaltung an den reich gedeckten Festtafeln nachmittag fast bis zum Morgengrauen. Das Ganze war ein Erlebnis, das die jüngere Generation ins Alter mit hinausnehmen und aus dem sie noch in späteren Zeiten Liebe und Kraft schöpfen wird. Viele der Aelteren und Alten waren aber an diesem Tag beim mächtigen Aufsprudeln des Lebensquelles wieder jung geworden. Gegen 10 Uhr vormittags waren die vielen Tausend Plätze in der riesigen Halle des großen Saalbau wie auf der Galerie voll und eng besetzt. Oben auf der großen Estrade saßen Dozenten, Vorstand, Festkomitee und Vertreter der Deputationen. Ein Ehrensefsel war für den Herrn Rabbiner reserviert. Kaum war auch dieser besetzt, da ertönte oben im mächtigen Chor i3v n», so feierlich und erhebend, wie wir es noch nie gehört. Die Feier war eingeleitet. Ein jüngeres Mitglied trat an die Rampe vor die blumengeschmückte Tribüne und trug in ausgezeichneter Deklamation einen Prolog vor, der in gemeißelten Sätzen Mekor Chajims Wehmut, Mekor Chajims Freude und Mekor Chajims Hoffnung an diesem Jubeltage zum schönen Ausdruck brachte. Nun erfolgte warmer Gruß an die Versammlung sowie Dank an die Dozenten im Namen des Mekor Chajim aus dem Munde des derzeitigen Leiters seines Lehrbetriebes Herrn Josef Sänger. Den Höhepunkt erreichte jetzt die Feier mit der Festrede des Herrn Rabbiner Dr. Josef Breuer; es hieße einen in sich geschloffenen Kunstbau mit einigen blaffen Federstrichen zeichnen, wollte man im Rahmen eines Zeitungsberichtes diese begeisterte wie begeisternde und feintönige Hymne auf den Lebensborn derThora widerklingen lasten. Man darf hoffen, daß diese Festrede den Akten des Mekor Chajim und der jüdischen Oeffentlichkeit in ihrer Ganzheit erhalten bleibt. Ein weiterer brausender Chor (o'nytf imch leitete zum zweiten Teile, den Begützungen und Ansprachen, über. Ms erster ergreift Herr Jacob Rosenheim das Wort, um im Aufträge der Verwaltung und im Namen der Kehillah Adas Jefchurun in schönen Worten und Deutungen dem Thorahort Mekor Chajim warmherzigen Gruß zu entbieten. Unbeschreiblichen Eindruck machte es als jetzt die schöne greise Gestalt des Herrn Oberxabbiner Onderwyzer aus Amsterdam auf der Tribüne sichtbar wurde, der, expo- Änhaltsüberstcht. 1. Leitartikel: Abrahamttisches oder mosaisches Judentum? — 2. Wochenrundschau: Die Kehillothwahlen in Polen. — Und willst du nicht mein Brudex sein . . . — 3. Homiletik: Rabb. Dr. Winkler, K^nhagen: Bemerkungen zum Wochenabschnitt. — Nach dem Wochenseste. — 4. Kleines Fe utlleto n: Das Grab Josephs. — Literarische Notiz. — 8. Aufsätze: Bon Sl. Mannheimer in Dettelbach: Ein verschwundener Menschen-Typ. — 6. Korrespondenzen und Nachrichten. — 7. Personalien. — 8. Briefkasten. — 9. Frankfurter Berichte.— Bereinskalender. — Gebetzeiten. — 10. Feuilletonbeilage: S. Schachnowitz: Die Messiasbraut. — 11. K tnderecke: Bon Heinrich Einstädter: Der Segen des Sabbats. — 18. Vermischtes. nierter Vertreter des einheitlichen holländischen Judentums und Vorsitzender des Rabbinischen Rates der A. I. in Holland, in kurzen, schlichten Worten seiner Freude über das, was er in dieser Stunde in Frankfurt erlebt hat, Ausdruck gab. Des offiziellen Programmes ein Teil war auch der Dozentengruß, den jetzt Herr Redakteur S. Schachnowitz an Mitglieder und Verwaltung entsandte. , Er ging von der Entstehung des Vereines aus, zeichnete kurz die einzelnen Phasen seiner Entwicklung und schloß mit einem warmen Appell an die anwesenden Mitglieder, in gleicher Fülle und in gleicher Begeisterung zu den Festen zu erscheinen, die der Verein Tag für Tag feiert, den Schiurim. Er überbrachte zugleich die Grüße der „Jüdischen Frauenoereinigung" und des alten Lernvereins „Liwjath Chen". Nun folgt Deputation auf Deputation. Herr Dr. S. Ehrmann spricht für die Ieschiwa, Friedberger Anlage, Herr Emanuel Kaufmann kurz und schlicht für die Schneidersche Jeschiwa, Herr Lehrer Hirschberg für den Bund jüdischer Lehrer, auf die Interessengemeinschaft zwischen Bund und „Mekor Chajim" hinweisend. Herr Oberlehrer Kaufmann bringt in Herzlichen Worten die Grüße der V. I. A. zum Ausdruck, Herr Dr. Paul Kulp übermittelt die Glückwünsche der Organisation der Jüngsten, der E s r a. Wie der Reigen der Reden mit einem Prolog begonnen hatte, so schloß er jetzt mit einem Epilog, verfaßt und wirksam vorgetragen von Herrn Manfred Neuberger. Wieder sammelte sich der Chor um den Dirigentenstab des Herrn N e u m a n n. Ein mächtiges Halleluja ertönt und gibt dem Ganzen den würdigsten und nachhaltigsten Abschluß. Ehrung der Token. Die Pause, die am Nachmittag zwischen der akademischen Feier und der geselligen Veranstaltung entstanden ist, wurde ausgenutzt, um die Toten zu ehren. Eine Deputation, bestehend aus Verwaltungsmitgliedern und älteren Freunden des Vereins, begab sich auf den Friedhof, um an den Gräbern der verstorbenen Vorsitzenden, Vorstandsmitglieder und Lehrer des Vereins in stillem Gebete Gelöbnis abzulegen und deren Fürbitte für das weitere Gedeihen des Vereins zu erflehen. Der Abend. Um 6 Uhr nachmittags traf man sich, diesmal nur Herren, in der Frankfurt Loge zu Stunden geselligen Beisammenseins. Es begann mit einem Doppelsijum auf Tr. „Pessochim" und die „sechs Teile der Mischna", ausgelernt von Herrn R. A. Gerfon Posen, bezw. Herrn Rektor Falk. Beide Dozenten lernten die Schlußteile, in geistvoller Weise Ende mit Anfang verbindend, aus, worauf man sich in den großen Saal zur herrlich gedeckten Tafel begab. Oben am Dozententisch hatten auch die Mitbegründer und Ehrengäste Platz. Speisefolgen, Aufmachung und Bedienung zeigten, daß auch hier von Herrn Ries alles mit besonders liebender Hand vorbereitet war, um so bedauerlicher, daß viele, die sich zu pät anmeldeten, unter den Zeitumständen nicht mehr »erücksichtigt werden konnten. Hier wurde der Reigen der Reden eingeleitet mit einer Begrüßungsansprache des Herrn Gabriel Plaut, der im Namen der Verwaltung und des Festkomitees in kernigen Worten, die auch die Wehmut und Trauer um die nicht mehr unter uns Weilenden wiederklingen ließen, die Gäste willkommen hieß, den Dozenten dankte und besonders auch der Verwaltung der Gemeinde für die Ueberlaffung der Räume zu den Lernzwecken des Vereins Dank aussprach. Darauf ergriff das Wort Herr Rabbinatsaffesfor Posen, der das erste Glas dem Herrn Rabbiner, dem es nicht möglich war, auch an der Abendfeier teilzunehmen, widmete und damit ein begeistertes Echo im Saale fand. Als dritter Redner überbrachte Herr Emil Golds ch m i d t in gewohnter Beredsamkeit die Grüße der Gemeindeverwaltung. Herr Redakteur Schachnowitz, dem die Aufgabe zufiel, heiteren Ton in die Stimmung zu bringen, entledigte sich seines Auftrages mit einer humorvollen Rede, in der er Programm, Dozenten und Vorstandsmitgliedern, besonders auch Herrn Grünb l a t t, die Huldigung des Publikums in Form von Lachsalven sicherte. Herr H. Halpern hatte die schwerere Aufgabe zu lösen, bei vorgerückter Stunde und annimierter Stimmung mit ernsten Thoraworten aufzuwarten. Noch war ein offizieller Gruß ausständig: Herr Direktor Professor Dr. Fink setzte mit gewohnter botanischer Fachkenntnis und mathematische Exaktheit die Naturgeschichte und die Eigenheiten des Lebensbaues auseinander, um auf die Bedeutung des Vereins als Ergänzung der Schule hinzuweisen und die Grüße der letzteren zu überbringen. Eine Versäumnis hatte auch Herr Leopold Schwab nachzuholen, indem er als Berufener, von der Bedeutung und der Wirkämkeit des „Nachlath Zewi" innerhalb des „Mekor Lhajim" in den anderthalb Jahrzehnten seines Bestehens sprach. Zuletzt kam noch aus dem Kreise der Hörer und Mitglieder ein würdiger Vertreter mit Herrn D. I. W e i l zu Wort.. Eine Reihe von angemeldeten Rednern mußte mit Rücksicht auf die vorgerückte Stunde auf das Wort verzichten. Zwischendurch sprudelte in breiten Strömen der Humor und versetzte die Gemüter in eine Festfreude, die die Welt draußen mit ihren Sorgen und Krisen vollkommen vergessen ließ. Die Herren Oberkantor Peisfachowitsch und Kantor Steinberger sangen, Herr Julius Peisfachowitsch begleitete am Klavier, Herr Herbert Krüskal malte uns an die Wand herrliche Kenessiobilder. Und als die Gestalten unter begleitenden Reimworten über die Bühne gingen, unter denen man gar manchen lieben Freund wiedererkannte, war des Jubels kein Ende. Schöne Tischlieder, (gezeichnet von „Arno", F. Sch. und anonym) in denen alle „stark mitgenommen" wurden, wurden verteilt und bei den vollen Akkorden des Klaviers im Chore gesungen. Ein Einakter, vortrefflich gespielt von den Herren Fritz Stern und Fritz Strauß,trug nicht wenig zur Belustigung bei, und man müßte nicht im Zeitalter des Radio leben, sollte man nicht bei dieser Gelegenheit auch der Weltklänge mittelst dieses neuesten Wunders der Technik teilhaftig werden. Daß man hinter dem Radioapparat die Stimme eines lieben Freundes erkannte, der noch im Nebenberufe über einen prächtigen Tenor verfügt, mag nur eine Zufälligkeit gewesen sein. An Anzüglichkeiten und „verzuckerten" Wahrheiten an die Adresse des Vereines und der Gemeindeverwaltung hat es jedenfalls dieses Radio nicht fehlen lassen. Gegen % 2 Uhr nachts wurde das Tischgebet, das eine ansehnliche Summe einbrachte, angestimmt, und es war nicht mehr weit von rvnntf rftsn pr, als man in gehobenster Stimmung heimzog Es war ein Fest, wie es eben nur aus der Liebe zur Thora und der Freude an der Thora erwachsen kann. Unzählige Telegramme und Begrüßungsschreiben gingen dem Vereine aus nah und fern zu. Ergänzung und Berichtigung. Als Ergänzung zur Chronik in der Festschrift des Mekor Chajiim wird uns von guteingeweihter Seite mitgeteilt, daß sich die Tätigkeit des Direktors Dr. Mendel Hirsch V'xt, im Mekor Chajim nicht nur auf Tehillim-Vorträge beschränkte, vielmehr hat Direktor Dr. Hirsch von der Gründung des Mekor Chajim-Vereins im Jahre 1874 an feine Kraft dem Verein in umfassendster Weise gewidmet; er hat sofort den Gemoro-Unterricht übernommen, den er zwei bis dreimal wöchentlich erteilte. Außerdem haben sofort seine Vorträge am Schabbosmorgen nach Synagogenschluß begonnen: ebenso die Vorträge an je einem Wochentagsabende. Gut erinnerlich sind dem Schreiber noch die herrlichen Kusri-Vorträge Hirschs, die sich bis zu der Zeit fortsetzten, da er seine ganze Tätigkeit einstellte. Durch ein bedauerliches Versehen des Setzers und Korrektors ist bei Angabe der Verfasser der Feldbriefe des Mekor Chajim in der Chronik der Festschrift der Name des Herrn Lehrer Simon Una ausgelassen worden. Wir tragen dieses hiermit nach und verweisen auf die in der Festschrift veröffentlichten Briefe Nr. 34 und 43, die u. v. a. aus seiner Feder stammen. In der Liste der Vorstandsmitglieder am Schluffe der Festschrift sind noch nachzutragen: Emil Schwarzschild r'v Gustav Altmann die Herren Jakob Strauß und Josef Strauh-Mela. Agudas Iisroel-Orlsgruppe Frankfurt a. M. Es wurde feit langem vornehmlich von feiten der östlichen Anhänger der Agudas Jisroel in Deutschland als ein Mangel empfunden, daß sich besonders in den größeren Gruppen, die Tätigkeit mehr nach den überkommenen westlichen Gepflogenheiten vollzieht, wobei der Eigenart und den besonderen Wünschen der östlichen Mitglieder nicht gengend Rechnung getragen würde. — Diese Frage wurde — und nicht nur in Frankfurt — gelegentlich der Anwesenheit des „Sanoker Räu? eifrig erörtert und in dem Sinne entschieden, daß an Orten mit zahlreichen ostjüdischen Einwohnern die Möglichkeit gegeben sein soll, für die Veranstaltungen zwei Untergruppen zu gründen, die zusammen die Ortsgruppe des Ortes repräsentieren. Der Zweck dieser Gründung entspringt nicht etwa einer Gegensätzlichkeit zwischen dem östlichen und westliichen Element, sie sott vielmehr die Basis der Ortsgruppe erweitern, so daß jeder innerhalb der Ortsgruppe seine Eigenart vertreten und gepflegt sieht. Auf diese Weife sotten alle Kreise dem Agudah- Gedanken nähergebracht werden und sich innerhalb der Ortsgruppe zu gemeinsamem Wirken zusammenfinden. Es wurde in gemeinsamer Sitzung von Delegierten beider Kreise folgendes Protokoll aufgestellt, das vom Vorstand der Landesorganisation in Halberstadt genehmigt worden ist und somit als Basis auch für andere Plätze dienen kann. 1. Es existiert nach wie vor nur eine Ortsgruppe Frankfurt: dieselbe gliedert sich in zwei Untergruppen: Untergruppe a) mit vornehmlich westlichen Mitgliedern, Untergruppe b) mit vornehmlich östlichen. Mitgliedern. 2. Jede Untergruppe wählt ihren eigenen Vorstand und Vorsitzenden. Das Präsidium der Ortsgruppe setzt sich aus den Vorsitzenden der beiden Untergruppen zusammen. 3. Das Präsidium vermittelt die gegenseitige Fühlungnahme der beiden Untergruppen. 4. man tann in beiden Untergruppen gleichzeitig Mitglied sein. 8.

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