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Der Israelit · 1924-06-12 · Heft 24 (12.6.1924) · page 16

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Journal
Der Israelit
Volume
65 (1924)
Issue
Heft 24 (12.6.1924)
Date
1924-06-12
Page
– (sequence 16)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 Nr. 9 12. Juni IM Lande zu berichten. Rabb. Dr. Pinchas Kohn gab als Vertreter des Geschäftsführenden Ausschusses die Erklärung ab, datz Wien bis zur nächsten Äenessio Eedaulo der Sitz des Zentralbüros bleibt und somit erhöhte Leistungen für die Arbeiten der Organisation vollbringen mutz. Der organisatorischen Auswirkung der Hauptversammlung ist es zu verdanken, datz der Landesvorstand mit frischen Kräften gestärkt, bereits eine erhöht organisatorische und Propagandatätigkeit entfaltet. Im XX. Bezirk, der eine sehr starke jüdische Bevölkerung hat, wurde am 21. Jjar — 15. Mai — die Gründung einer selbständigen Ortsgruppe vollzogen; hierdurch gewinnt die Aguda in Wien neue wertvolle Arbeitskräfte. Auch der Bearbeitung des Burgenlandes wurde seitens des neuen Landssoorstandss erhöhte Aufmerksamkeit gewidmet. In Polen wurden alle Kräfte der Aguda durch die Vorbereitungen zu den Gemeindewahlen gebunden. Der Kampf um den Charakter der jüdischen Gemeinde ist von historischer Bedeutung, und unabhängig von dem Ausgang der Wahlen kann bereits heute festgestellt werden, datz Agudas Iisroel in Polen in ihrem zähen Kampfe an der Spitze der religiösen Gruppen eine providentielle Aufgabe im Dienste des thoratreuen Judentums erfüllt. Der Kampf um den religiösen Charakter der Gemeinde griff auch aus das Wilnaer Gebiet über, wo Rabbi Chaim Oser Grodzenski an der Spitze jener steht, die für die traditionelle Verfassung der jüdischen Kehillah kämpfen. Der Präsident des Zentralrates Oberrabb. Lewin-Sambor hat trotz intensiver Anteilnahme an dem Wahlkampf Zeit gefunden, durch eine große in Stanislau abgehaltene Versammlung die Tätigkeit der Aguda in Östgalizien in neuen Schwung zu bringen. Rabb. Moses Lau aus Sucava «Bukowina) hat hierbei sehr wertvolle propagandistische Dienste geleistet. Im übrigen wurde die Propagandatätigkeit in den einzelnen Landesorganisationen mehr aus dje einzelnen Spezialgebiete verlegt, über die wir bei den einzelnen Institutionen berichten. Jugendorganisationen. Unsere Jugendorganisationen arbeiten mit vorzüglicher Energie. Die Rayonkynserenz der Zeirei Emunei Iisroel in Kalisch, am 24. Adar II — 30. März — hat nebst der Konferenz der w e st - g a I i z i s ch e n Jugendorganisationen in Przemysl erwiesen, wie vorteilhaft solche Distriktstage auf die Arbeit der Jugend wirken. In Kalisch sind über 50 Delegierte aus 20 Städten zusammengetreten, um über die Arbeit der Jugend zu beraten. Die Hauptbeschlüsse dieser Konferenz betreffen die Lehr- und Lerntätigkeit der Jugend. Auch die Arbeit für Erez Iisroel erobert immer weitere Schichten der Zeirim. In Kalisch selbst hat Sejmdeputat Lazar Sirkis, der mit der Delegation des Eerer Rebbe in Palästina war, über Erez Iisroel referiert und der Jugend praktische Winke für eine ersprießliche Arbeit gegeben. Die Zeirim der Agudas Iisroel in Polen beteiligen sich hervorragend an der Arbeit für die Wahlen zu der Gemeinde. Sie sind es, die in der Agitation am meisten von den Gegnern des religiösen Blocks zu leiden haben. Die Jugendorganisation der Aguda hat leider auch den Verlust eines Mitgliedes zu beklagen. Am letzten Tage des Pessach wurde Mendel Lipmanowilsch in Iendrzejow von zwei Burschen überfallen und ist den erlittenen schweren Verletzungen bald erlegen. Das orthodoxe Organ „Der Iud" in Warschau wie die „Jüdische Telegraphen- Agentur" (ITA) bringen diesen Totschlag in Zusammenhang mit den Gemeindewahlen. „Der Iud" hat in mehreren Artikeln den Zusammenhang zwischen der Pretzhetze der Gegenpartei im allgemeinen wie der verhetzenden Agitation in Iendrzejow im besonderen und diesem fürchterlichen Ereignis nachgewiesen. Da die agudagegnerischen Pretzorgane diesen Zusammenhang leugnen und der agudasreundlichen Presse den Mißbrauch des Mordes in Iendrzejow zu politischen Zwecken zumuten, empfiehlt die Wiener „Jüdische Presse", die Angelegenheit vor einem unparteiischen Schiedsgericht zu klären, schon damit das Andenken eines jungen, frommen Jünglings nicht in den Schmutz des gehässigen politischen Kampfes gezogen werde. Auch in den westeuropäischen Ländern bildet die Jugend einen wertvollen Teil unserer organisatorischen Tätigkeit. In Holland entfalten sie eine wertvolle Arbeit für die einzelnen Fonds der Aguda. In Deutschland fördern sie nebst Keren Hatauro und Erez Iisroel auch die soziale Arbeit. Es ist mit Genugtuung auf die zahlreichen Jugendschristen und Zeitungen hinzuweisen, die dem Tätigkeitsdrang der Jugend ihre Entstehung verdanken. Die Jugendorganisation in Oesterreich hielt ihre Hauptversammlung Sonntag den 14. Jjar — 18. Mai Frauenorganifation „Beth Jakob". Die Frauenorganisation „Beth Jakob" entfaltet auch in der letzten Berichtsperiode eine eifrige Tätigkeit. In Warschau fand am 2. Tag des Chol Hamoed eine gutbesuchte Frauenoersammlung nn großen Saal der Charvazeles-Mädchenschule statt. Das Hauptziel der Frauenorganisation „Beth Jakob" ist die Gründung und Erhaltung von Mädchenschulen Die neugegründeten Beth Jakob-Schulen in Mlawa und in Stanislau machen gute Fortschritte. Die letztere wird bereits von 160 Kindern besucht. Die vierte Nummer des Frauenjournals „Beth Jakob" erschien zu Pessach. Keren Hathora. Der Keren Hathora hat in der Berichtsperiode weitere Fortschritte gemacht. Das erste Der Israelit Blätter Heft der „Keren Hathora-Blätter" verließ knapp vor Pessach die Presse und hat überall einen sehr guten Eindruck gemacht. Da dieses Heft speziell für Westeuropa bestimmt war, erschien es in deutscher Spräche. Es ist geplant, nebst den Veröffentlichungen des Keren Haihora im offiziellen Organe der Aguda im „Haderech" auch selbständige Veröffentlichungen in hebräischer und jüdischer Sprache oorzunehmen. Der Leiter der Keren Hathora-Zentrale Dr. L. Deutschländer verbrachte das Pessachfest in der Schweiz, wo er mehrere öffentliche Vorträge hielt, denen interne Besprechungen mit Freunden des Keren Hathora folgte. Der organisatorische Erfolg des Besuches war die Konstituierung des Landeskomitees für die Schweiz mit dem Sitze in Luzern unter dem Vorsitz des Herrn Rabb. Brom und eines Lokalkomitees in Zürich. Der materielle Erfolg war ebenfalls zufriedenstellend. Es sind ungefähr 10.000 Franken für verschiedene Ieschiwoth und Thoralehranstalten gezeichnet worden. Auch in Deutschland und Oesterreich ist die organisatorische Ausgestaltung des „Keren Hathora" vorwärtsgekoinmen. In Deutschland konstituierte sich das Direktorium des Keren Hathora am 17. Jjar in Hamburg. Als Vorsitzende gehören dem Direktorium des deutschen Keren Hathora-Komitees, Rabb. Dr. Spitzer, Hamburg, Rabb. Dr. Auerbach, Halberstadt, an. Das österreichische Keren Hathora-Komitee steht unter der Leitung der Mitglieder des österreichischen Rabbinischen Rates Oberrabb. Fürst für Agudas Iisroel, Eroßrabb. Moses Friedmann, Wien, Oberrabb. Simon Löwy, Frauenkirchen. Auch Großrabb. Markus Friedmann, Sadagora (zurzeit Wien) hat der Leitung der Keren Hathora- Zentrale gegenüber dem Wunsche Ausdruck gegeben, an der Arbeit des Keren Hathora sich beteiligen zu wollen. Den Höhepunkt der Arbeit für Keren Hathora bildet unzweifelhaft die feierliche Grundsteinlegung der Jeschiwa „Ehachmei Lublin", die am 33. Omer-Tage in Lublin stattfand. An der Feier haben sich der Czortkower, Gerer, Sokolower, Radziner, Amschilower, Karliner, Slonimer, Tomaszower und der Ostiller Rebbe (Schwiegersohn des Belzer Rebbebeteiligt. Ferner die Mitglieder des Geschäftsführenden Ausschusses, Rabb. Dr. Pinchas Kohn, Rabbi Beer Friedmann, Oberrabb. Sejm-' deputat Lewin, Sambor, I. M. Lewin, Warschau, Rabb. Tobias Horowitz, Wien und der Organisator des großen Werkes, Oberrabb. Schapira, Piotrkow. Den ersten Grundstein hat der Czortkower Rebbe, den zweiten der Gerer gelegt. All diese Führer der Aguda wie. der Spender des Bauplatzes. Herr S. Eichenbaum waren .Gegenstand herzlicher Ovationen seitens der anwesenden Gäste, deren Zahl ungefähr 50.000 betrug. Die Grundsteinlegung der Jeschiwa Chachmei Lublin ist aber nicht nur ein Erfolg des Keren Hathora-Gedankens, sondern gleichzeitig eine große Aufgabe, die an jeden thoratreuen Juden, besonders aber an die Mitglieder der Aguda herantritt, um den begonnenen Bau zum glücklichen Ende zu führen. Nebst der Ausgabe, den Aufbau der Lubliner Jeschiwa zu fördern, trat an Keren Hathora neuerdings die Notwendigkeit heran, für die Linderung der schrecklichen Not der polnisch-litauischen Ieschiwoth, Gelder herbeizuschaffen. Es wurden den Flüchtlingen aus Rußland unter dem Eindruck der schrecklichen Berichte wiederum namhafte Beträge angewiesen. Um die nötigen Summen zu , beschaffen, werden in der nächsten Zeit Oberrabb. Schapira, Piotrkow in England, Regierungsrat Kreppel, Wien in Holland und Rabb. Kalmanowitsch Rakow in Belgien und im Rheinlands für den Keren Hathora werben. Um die Arbeit dieser Sendboten des Keren Hathora zu erleichtern, haben Rabbi Chajim Sonnenfeld und Rabbi Jizchok Jeruchem Diskin, die an der Spitze des Keren Hathora Komitees in Erez Iisroel stehen, ferner der Chöfez Chajim und Rabbi Chaim Oser Grodzenski warme Aufrufe für den Keren Hathora erlassen. , Da die Reise des Czortkower Rebben nach Kongreßpolen sichtlich einen großen Eindruck gemacht hat, da ferner Großrabb. Markus Friedmann, Sadagora, vor seiner Abreise nach Galizien der Hoffnung Ausdruck gegeben hat, datz es ihm trotz der furchtbaren Wirtschaftskrise in Polen gelingen werde, für den Keren Hathora zu werben, ist anzunehmen, daß es dem Keren Hathora möglich sein wird, den schwer ringenden Thoralehranstalten des Ostens beizustehen. Erez Iisroel. Die Unterhandlungen unseres Büros in Jerusalem mit dem Auswanderungskommissär der palästinensischen Regierung macht gute Fortschritte. Es ist zu hoffen, daß von dem erstklassigen Menschenreservoir der Aguda in Polen und Litauen möglichst viele nach Erez Iisroel kommen. Es ist ein großer Strom von Emigranten unterwegs. Unser Büro in Bratislawa und Wien hat vollauf zu tun, um die Emigranten zu versorgen. Es ist zu hoffen, datz die baldige Eröffnung des Wandererheimes des Jüdischen Hilsswerkes der Aguda in Wien der katastrophalen Situation der Emigranten wesentlich abhelfen wird. Das von der Aguda unterstützte thoratreue Schulwerk in Erez Iisroel gewinnt an Ausdehnung und Aufnahmefähigkeit. So wurde in der Berichtsperiode abgesehen von der Erhöhung der Subventionen an einige bestehende thoratreue Lehranstalten eine neue Mädchenschule in Tiberias gegründet. Mit Rücksicht' auf das Schmittohjahr, in welchem wir uns gegenwärtig befinden, setzt die Palästinazentrale in Frankfurt ihre Werbetätigkeit für den Schmittohfond fort. So wurde, besonders der Sabbat Porsches B'har — der Wochenabschnitt, der die Vorschriften über Schmittoh enthält — benützt, um überaA beim Thorävorlesen für den Schmittohfond zü spenden. Presse. Es ist ein ersteuliches Zeichen der Aktivität der einzelnen Gruppen der Aguda, datz immer mehr Publikationen erscheinen', die berufen sind, die Idee der Aguda in die breite Masse zu tragen. Die Jugendorganisationen gehen da voran: „Der jiddische Weg" (Monatsblatt, herausgegeben von Misrad Haziirim, Przemysl, Iegielonska 7 II. p.) macht mit seiner zweiten Nummereinen sehr guten Eindruck. Von den „Orthodorischen Blättlech" (Lodz. Marianszk: Nr. 7) erschien Nummer 8 und 9. Von dem orthodoxen Frauenjournal „Beth Jakob" (Lodz, Aleranderowska 28) erschien aus Schebuoth Nr. 5 u. 6. Ms Neuerscheinungen sind das Wochenblatt „ 1l n f t r Weg" (Siedlce ul. Ogrodowa 17/4) und „Piotrkow er Stimmen", ein Organ der Agudajugend in Piotrkow zu verzeichnen. Ferner ein von dem Vorstand der Agudas Iisroel-Jugendorganisation in Deutschland erschienenes „Tendenzblatt" mit sehr gutem Inhalte. Es erschien ferner in der Berichtsperiode Nr. 10 vom 2. Jahrgang des „Nachrichtenblatf tes" der Agudas Iisroel-Jugendorganisation in Deutschland. Anschrist: Siegmund Stein, Berlin N. 24, Elsässerstr. 20, Leo Munk, Köln, Händelstr. 19. Fügen wir noch hinzu, datz unser hebräisches Zentralorgan „Haderech" nunmehr regelmäßig erscheint und daß die Mitteilungen des Pressebüros der Agudas Iisrou allwöchentlich die wichtigsten die Orthodoxie betreffenden Nachrichten vermitteln. Postscheck - Konto Laadesverbaades „Agudas Jisroel“ Berlin Nr. 18901. Aus der Bewegung. Frankfurt a. M. Die Stellenvermittlungszentrale der Agudas Iisroel-Jugendorganisation, Frankfurt a. M., Röderbergweg 71, vermittelt seit einer Reihe von Monaten Stellen für Angestellte, Handwerker usw. Durch die wirtschaftliche Depression befinden sich insbesondere die gesetzestreuen Angestellten in einer überaus schwierigen Lage, und wir bitten alle Firmeninhaber, die. ihren: Personal am Sabbat freigeben, die be: ihnen eintretenden Vakanzen sofort an obige Adresse zu melden. Wien. (A. I. P. B.) Der Czortkower Rebbe hat einem unserer Mitarbeiter gegenüber erllärt, daß dir Wiedergabe seiner Aeutzerungen an den Korrespondenten des Newyorker „Morning-Iournal", Herrn Abraham Goldberg, in der Ita-Meldung entstellt ist. Der Czortkower Rebbe ist von der Richtigkeit des Agudaprogramms tief überzeugt und ist der Ansicht, daß die Aguda in ihrer segensreichen positiven Arbeit für Klal Iisroel den richtigen Weg geht, der endlich zum Frieden führen mutz. Damaskus. (A. I. P. B.) Herr Nachum Nissim aus Ierusalenr, Mitglied des Zentralrates der Agudas Iisroel, besuchte aus einer Propagandareise auch unsere Stadt. Er hat überall Agudagruppen gegründet und mehrere Schiurim für Arbeiter und Jugendliche eingerichtet. Er lenkte die Aufmerksamkeit seiner Zuhörer in seinen Berichten über die Kenessio hauptsächlich auf die Keren Hathora- und Erez Iisroel-Arbeit. Seine Ausführungen wurden überall mit großem Interesse ausgenommen. Briefkasten. I. St. Auf Ihre Anfrage sei nochmals ausdrücklich festgestellt, datz § 4 der Aguda-Satzung sich lediglich auf Organisationen bezieht, die „in prinzipiellem Gegensatz zur Weltorganisation Agudas Iisroel" stehen. Daß dabei lein Mensch an dfe Gemeindeorthodorie gedacht hat, ist selbstverständlich. Demgemäß war auch in unsrer redattionellen Nachschrift in Nr. 6 der „Blätter" nur von dem Verhältnis des „Misrachi" zur Agudas Iisroel die Rede. Berantwortlicher Schriftleiter: <8. Gold schmidt in Halberstadt

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