Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 65 (1924)
- Issue
- Heft 22 (29.5.1924)
- Date
- 1924-05-29
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2450286-2450307--71294-2528600- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Mohel 3× ep/1006163
OCR text
Seite 10 Nr. 22 Der Israelit schuldige Kind und lief zusammen mit ihren Eltern in das Haus des Resnik. Und wie ich ahnungslos nach Hause kam, war das Unglück geschehen, unabänderlich für alle Zeiten. , Der Vorsitzende wendet sich an den Mohel Awrohom Meier Resnik: „Habt Ihr für Euere verbrecherische Tat Bezahlung angenommen?" Resnik: Daß mich Gott behüte. Ich nehme he, armen Leuten kein Geld für solche heiligen Handlungen. Den Lohn erwarte ich hier auf der Anklagebank. Vors. (an die junge Mutter gewendet): Mit welchem Rechte habt Ihr es gewagt, das Kind eines treuen Kommunisten für alle Zeit „jüdisch" zu machen? Angell.: Mit dem Rechte einer jüdischen Mutter. Ist das etwa nicht genug? Vors.: Die Sachlage ist genügend geklärt. Ehajim Elje brummt dazwischen: So geklärt wie die Luft im Tollhaus. Das Wort hat der Staatsanwalt. Der Staatsanwalt hält eine lange Rede und schließt mit den Worten: Genossen! Wir müssen die Sache bitter ernst nehmen und können nicht scharf genug zu Gerichte gehen mit der schwarzen Bande, die die Grundlagen unseres Staates gefährdet. Sie ist .schlimmer wie der Zarismus, schlimmer wie die Denikinscharen. Jene Elemente können wir uns noch dienstbar machen. Aber die Religion ist die Feindin der Menschheit und muh mit Stumpf und Stiel ausgerottet werden. Der Verteidiger plädiert auf milde Sttafe. Die Finsterlinge müssen aufgeklärt werden, und Zuchthaus sei keine Bildungsstätte. Die Angeklagten erhalten das letzte Wort. Ehajim Elje nimmt gemütlich eine Prise, sieht mit großer Der« ächttichkett auf den Richterlisch und sagt gar nichts. Der Möhel Awrohom Meier Resnik schreit den Richtern zu: Wir haben stets für unser Judentum gelitten und werden es auch weiter tun. Ihr könnt uns alles nehmen, Brot und Freiheit, aber unsere Jüdischkeit? Nein, sage ich und sagen wir alle, „Lau" mit großen Olef . . . Der Vorsitzende entzieht ihm das Wort. Das Gericht zieht sich zurück. Nachdem es wieder erschienen ist verliest der Vorsitzende stehend das Urteil. Angeklagte! Nach Recht und Gerechtigkeit gebührt Euch für Euer schreckliches Verbrechen die schwerste Sttafe. In Anbetracht dessen, daß die Mutter Kommissarsfrau ist und die Großeltern alte Leute sind, lassen wir Gnade vor Recht walten und entlassen die drei Angeklagten nur mit scharfem Verweis im Namen der Sowjetmacht. Bei dem Mohel Awrohom Meier Resnik wird ebenfalls das Alter in Betracht gezogen und wirdihm daher nur eine Geldstrafe von zweihundert Goldrubel auferlegt. Resnik (lacht zum Publikum): Wenn ich zweihundert Goldrubel hätte, wüßte ich schon was besseres damit zu twt. Die verbotene Chederschule könnte es gut gebrauchen. Ehajim Elje ruft: „Boruch schepotrani!" und verläßt mit Frau und Tochter den Saal. Das Kind schreit jämmerlich. „Weine nicht, Kind," beruhigt die Großmutter. „Wir werden dich großziehen für Thauro, Chuppo und gute Werke. Es werden die Feinde von außen und innen nicht erleben, daß du einmal eine rote Binde trägst, weine nicht Kind, weine nicht! ... Draußen stimmt die Menge ein lautes Hurra an für die Angellagten ... Personalien. Würzburg. 25. Mai. Ein Stück jüdischen Alt- Würzburgs wurde heute zu Grabe getragen, Meier Oppenheimer, der durch vier Jahrzehnte w2v r»ru*n der hiesigen nVnp gewesen und erst die letzten 3 Jahre bei seiner einzigen Tochter in deren Familie in Mannheim verlebte, wurde auf dem hiesigen jüdischen Friedhofe, im Alter von 83 Jahren, zur letzten Ruhe gebettet. Eine unübersehbare Traueroerfammlung hatte sich eingefunden. Fast die ganze Gemeinde batte sich zur Bestattung ihres langjährigen Führers versammelt und zahlreich waren. Freunde und Verehrer von auswärts erschienen. Galt es doch einem Mann die letzte Ehre zu erweisen, der wie selten einer seine Kräfte, sein reiches Wissen und Können eingesetzt hatte für seine Gemeinde und ihre Institutionen, der all die vielen Ehrenämter, die man ihm aufgebürdet hate, in wahrer Treue versah, nur im Interesse der guten Sache, nie der äußeren Ehre willen. Einer altangesehenen Familie entsprossen, wurde er im Geiste echter Jüdischkeit erzogen; er erwarb sich reiche Thorakenntnifse auf der Jeschiwoh in Metz und beim alten Würzburger Rav. R. Sekel Bär Bamberger, daneben ein hervorragendes profanes Wissen und verstand es stets beide Kulturen in schönster Harmonie zu vereinen. 1881 in den Vorstand der jüdischen Gemeinde gewählt, gehörte er bis 1920 der Verwaltung, teils als Vorstandsmitglied, teils als erster Vorsteher an, wirkte er als Vorsitzender des jüdischen Krankenhauses, als Vorstand der Chevra kadischka, als Kuratoriumsmitglied des Würzburger Lehrerseminars und der Höchberger Präparandenschule, stets und überall als ein Mann der unentwegten Pflichttreue, alsmwno 212» »2222 Der allgemeinen Trauer gab Herr Rabbiner Dr. H a n 0 v e r beredten Ausdruck, indem er ein wahrheitsgetreues Lebensbild des Entschlafenen entwarf und seine nni'i Nim sowie sein echtes rwnr seine Gewandheit und Bescheidenheit zeichnete im Bilde des biblischen Samuel. Herr Justtzrat Dr. Haas als 1. Vorsitzender sprach dem Heimgegangenen den Dank für die eifrige und ersprießliche Tätigkeit zum Wähle der Gemeinde. In warmen Worten gedachte Herr M. Rindstop f »derzeitiger Vorstand der Chevra, des langjährigen Leiters und Meisters, der in rastlosem Eifer und mit echt jüdischem Zartgeefühl tatkräftiges TonmVaaübte. Herr Hermann Buxbaum, der dem Twan pnx auch persönlich sehr nahe gestanden, widmete tiefempfundene Worte des Nachrufes und Dankes namens der Verwaltung des Israelitischen Lehrerseminars sowie des Krankenhauses. Herr Ludwig Lazarus sprach namens der Frankenloge und gab dem Trauergefühl der Brüder beredten Ausdruck. Herr Samuel Pfeuffer fand innige Dankesworte für die Verwaltung der Präparandenschule Höchberg, die er in das schöne hagadische Gleichnis von der auf Silberschale fallenden reifen Ruß kleidete. Zuletzt sprach Herr S. O. Wreschner aus Frankfurt a. M., ein Neffe des Verewigten, für die Gesamtfamilie, das Bild des Oheims in Anlehnung an das biblische Bild lara \ms zeichnend. Sein Andenken bleibt unverwischt in unseren Herzen. »322^ p'is 22t. Vermischtes. Wiesbaden, 20. Mai. Wiesbaden war früher als Stadt der Rentner bekannt. Alle Not, die den Rentnern der Krieg und die Nachkriegsjahre und ganz besonders die Jnflatton des letzten Jahres gebracht hat, ist in Wiesbaden mit aller Schärfe hervorgetreten und die jüdischen Rentner, wie überhaupt alle nicht mehr im Erwerbsleben stehenden Glaubensgenossen sind von ihr in gleicher Weise betroffen worden. Um dieser Not zu steuern sind in Wiesbaden zwei Einrichtungen von jüdischer Seite geschaffen worden: RituellerMittagstisch und das jüdische Altersheim. Die rituelle Küche geht auf eine Anregung zurück, die von Frau Löwenstein ausgegangen, von der Arbeitsgemeinschaft der Jüdischen Wohlfahrtsorganisationen in Wiesbaden bereitwillig aufgenommen und sofort in die Tat umgesetzt wurde, nachdem eine Anzahl opferwilliger Gemeindemitglieder sich zur Unterstützung durch Geldmittel und Waren bereit erklärt haben. Am 11. April 1923 erfolgte die Eröffnung zunächst in zur Verfügung gestellten privaten Räumen. Da die Teilnehmerzahl stark anwuchs, genügten diese Räume bald nicht mehr. Es wurde möglich, sie in ein eigenes Heim Faulbrunnenstraße Ecke Schwalbacherftraße zu verlegen. Die Räume in dem neuen Heim bestehen aus einem großen hellen Speisesaaal und einem zweiten, gemütlich ausgestatteten Zimmer, das den Gästen auch an den Nachmittagen zur Verfügung steht, eine Einrichtung, die während des letzten, langen Winters besonders dankbar empfunden wurde. Zeitungen, Bücher und Spiele sorgen für Unterhaltung. Alt Entgelt wird gegenwärtig 1,50 Goldmärk für eine Woche erhoben. Dieser geringe Preis ist natürlich nur infolge der vielen, der Küche gespendeten Zuschüffe durchzuführen. Einr recht erheblichen Anzahl der Gäste muß übrigens auch dieser geringe Preis erlassen werden. An den Nachmittagen wird den Gästen kostenlos ein Glas Tee Mit Brot verabreicht. Die Besucherzahl ist von anfänglich 10 Personen auf 55 bis 70 Personen täglich gestiegen, obwohl der Zutritt der Zustimmung einer besonderen Kommission bedarf. Als Eigentümerin des Hauses ist die Nassau-Loge eingetragen, die die Räumlichkeiten bereitwillig auch für Versammlungen der anderen jüdischen Vereine zur Verfügung stellt. Die Leitung der Küche untersteht einem von der Nassau-Loge eingesetzten Ausschuß, dessen Arbeiten feit Begründung der Küche Herr Sally Herz leitet. Die Notwendigkeit der Einrichtung eines jüdischen Altersheims ist schon vor Jahren von Moritz Heimerdinger, dem Nestor der jüdischen Wohlfahrtspflege in Wiesbaden, betont worden. Als dje Not immer dringlicher wurde, kam unerwartete Hilfe durch ein Vermächtnis des im Jahre 1922 verstorbenen Deutschamerikaners Moritz Archenhotd. Dieses Vermächtnis wurde durch Verwandte des Verstorbenen weiter erhöht und nach langem Suchen war es möglich, das Haus Walkmühlstraße 85 zu erwerben. Eine Reihe weiterer Spenden ermöglichte uns, das Haus von Grund auf zu renovieren. Es kann 12 Personen Aufnahme gewähren. Ein behaglich ausgestattetes Speisezimmer dient den Insassen zum gemeinschaftlichen Aufenthalt. Mitten im Grünen und in der Nähe prächtiger Anlagen und des Waldes gelegen, ist es vorzüglich für seine Zwecke geeignet. Den Insassen wird außer der Wohnung volle Beköstigung in gut bürgerlichem Stil geboten. Die Pensionssätze sind äußerst niedrig bemessen, es ist bei ihnen in jedem einzelnen Falle auf die Leistungsfähigkeit der Pensionäre oder ihrer Angehörigen Rücksicht genommen. Wegen der geringen zur Verfügung stehenden Plätze sind Neuaufnahmen augenblicklich nicht möglich. Das Eigentum des Hauses ist wie bei der Rituellen Küche der Nassau-Loge übertragen worden, die ein Kuratorium für die Verwaltung eingesetzt hat, an dessen Spitze Herr Gustav Flörsheim steht. Am Sonntag, den 11. Mai 1924 wurde das Heim mit einer schlichten Feier seiner Bestimmung übergeben. 29. Mai 1924 deshalb um Namensangabe wenigstens der Redak. tton gegenüber bitten, weil wir dem Autor etnin» Aenderüngen in der Form vorschlagen wollten. Bäcker O S. in Köln. Wenn Sie Ihre Absuh. als Reklame benutzen wollen, fo sehen wir darin eim Selbsteinschätzung, gegen die nichts einzuwenden ist M. Sch. Hellimes. Bettag eingegangen. Familiennachrichten. D a r m i z w 0. Erich. Sohn von Iofef König;. I höfer, Breslau. Anger 8. Synagoge Wallstratze. «» ist «»»schließlich Sache der Leser, die i« SnserateMiil enthaltene« Empfehlungen ritueller Ware« oder sonstig| ««gaben religions^e^li^en^Tharatter» ans ihre Znver, j SCHUMANN-THEATER Gastspiel »Deutsches Theater Mfiachen« PREMIERE Wien gib acht. Sonnabend, den 31. Mai abends 732 Weitt'TCfause Lotte Werkmeister Brüder Hoppe Kond Mil Kal fec»lliiWil< BAD HOMBURG LoulsenstraBe 16 Ellsabethenstr. 49 (am Markt) Telefon 297 (am Kurkarten) Für d erstl Kaol lie Reisezeit unentbehrlich meine unter hiesiger Rabbinats-Aüfsicht hergestellten (lässigen Fleischkonserven lerrs Wurst" u. Konservenfabrik, Inh. M. Levi, Fulda. E3 GRUDEN Gas- und Kohlenherde Komb. Herde Transport. Kachelöfen Horstkötter, Knodt & C9 Am Eschenheimer Tor 3 :: Tel. Hansa 683 in Frankfurt a. M.; PÄagogtsche BeilageLehrer I. “fm; in Fulda. - »erlag .Israelit-, ®. m. d. H./ Frankfurt a.»'-: Druck: Hermon Verlags-Aktiengesellschaft. Frankfurt a. SB-