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Der Israelit · 1924-05-22 · Heft 21 (22.5.1924) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
65 (1924)
Issue
Heft 21 (22.5.1924)
Date
1924-05-22
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
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Sette 10 Nr. 21 Der Israelit Ü dargestellt wird. Der Taubstumme, der das Wort nicht hören und nicht nachsprechen kann, lernt durch Zeichen, durch vorgesührte Taten vernünftig sein. So vorzüglich auch die Sprache ist, mehr als ein Mittel wird sie nicht, aber die Tat ist ihr Z w e ck. Darum heilig sei die Tat, die Arbeit, die Erlangung einer Fertigkeit, denn sie schafft einen Beruf, sie fördert die Selbsthilfe, und diese ist der Zweck. Zu den Worten: „wenn ihr in das Land kommt, so sollt ihr pflanzen allerlei Fruchtbäume" (Kap. 19, 23) bemerkt der Midrasch: „So lange Israel in der Wüste war, auf unfruchtbarem Boden lebte, bereitete ihm Gott selbst die Himmelskost, Manna, ließ Wasser aus hartem Felsen sprudeln, schaffte zur Abwechslung auch Wachteln herbei. Ms die Wüstenbewohner aber das fruchtbare Land Kanaan betraten, hörten alle diese Nahrungsquellen auf und Moscheh sprach zu ihnen, „jetzt leget selbst Hand ans Werk, pflanzet und schaffet euch selbst Nahrung, das ist die Aufgabe des Menschen, die Selbsttätigkeit, sie ist eine heilige Pflicht, ehrlicher Erwerb, die Mittel sind dazu geboten, Gottes Segen wird nicht ausbleiben." Nun zu euch, Kinder: wendet dieses auf euch selbst an. Gott hat euch gute Eltern gegeben, die für euch zärtlich und liebevoll in jeder Beziehung sorgen, so lange ihr hilflos seid. Werdet ihr aber größer, älter, kräftiger und fähiger, dann müßt ihr euch den Weg selbst ebnen und eigene Bahn betreten, dann fällt euch die Pflicht der Selbsthilfe zu. Darum benützet die Zeit der Jugend, bereitet euch für euren künftigen Beruf vor,rorH»n rm ans heilig sei dir die Arbeit — liebe sie". Personalien. Fürth i. B., 3. Mai. Dem in der israelitischen Kultusgemeinde und darüber hinaus hochgeachteten Klausrabbiner Herrn Markus Faust wurden aus Anlaß seines 90. Geburtstages viele Ehrungen aus der Fürther Bürgerschaft zuteil. Dem geistig noch sehr rüstigen alten Herrn wurden persönliche Glückwünsche überbracht von Vertretern der Geistlichkeit, städtischen und jüdischen Institutionen, vielen Gemeindemitgliedern und Bürgern. Das greise Geburtstagskind war dadurch ersichtlich hoch erfreut, zumal in einer Zeit, wo die Gegensätze stark aufeinander prallen, lieber den Lebensgang des Herrn Klausrabbiner Faust ist zu sagen, daß er bereits mit 18 Jahren das Rabbinerdiplom erhielt, daß er als solcher später in Pleschen in Posen in Vertretung des Rabbiners Dr. Silberberg und weiterhin in Gollantsch, Reg.-Bez. Bromberg, wirkte. Nach Fürth' kam er bereits vor 38 Jahren. Er ist wohl der älteste Rabbiner in Deutschland und ein Urenkel des bekannten Rabbis von Kosnitz, bei dem seinerzeit Napoleon 1. erschien und dem er seinen baldigen Sturz in Rußland weissagte. Möge Herrn Rabbiner Faust noch ein langer, gesunder Lebensabend beschieden sein. Fürth, 7. Mai. Im blühendsten Lebensalter, an der Wende seines zweiten Jahrzehntes, verschied Arnold Feuchtwanger, der einzige Sohn des ihm vor einigen Jahren in den Tod vorausgegangenen Markus Feuchtwanger aus Fürth i. B. War schon sein ganzes Wesen getreu den Traditionen seiner Familie geartet, so verstand er es auch in allen Lebenslagen — und fein junges Leben hatte ihn bereits in vielfach bunt gewürfelte Kreise verschlagen — immer das Banner des echten Judentums hochzuhalten. Er war ein vortrefflicher Charakter, ein fertiger ernster Mensch mit seinen kaum 20 Jahren, strebsam und zielbewußt. Seine Urteile in geistigen, geschäftlichen und profanen Fragen hörend, glaubte man sich einem gereiften Manne gegenüber; es war, als hätte er seine Gaben doppelt besessen, sein Leben intensiver und bewußter gelebt als andere Menschen. So viele Hoffnungen, Wünsche und Erwartungen werden ihm zu Grabe getragen! Möge Gott der schwer geprüften Mutter Trost und Schutz verleihen in dieser schweren Prüfung. Aurich, 9. Mai. Die hiesige Gemeinde hat einen schweren Verlust durch den Heimgang Abraham K n u r r s erlitten. Aus einem Hause altjüdischer Treue stammend und herangewachsen unter der Leitung der hervorragenden Männer, die in seinen Jünglings¬ und frühen Mannesjahren der Gemeinde Aurich das unverfälschte Judentum erhalten haben, setzte er sein edelstes Streben daran, das jüdische Leben der Heimatgemeinde auf der Höhe zu halten. Im Verein mit gleichgesinnten Männern hat er namentlich darauf hingewirkt, daß auch heute, wie von jeher, alle Geschäfte der Mitglieder der ansehnlichen Gemeinde am rov geschlossen sind. Wo immer es galt Thoralernen fördern zu helfen, war er einer der ersten. Dabei übte er unter Hintansetzung aller geschäftlichen Inanspruchnahme seit Jahrzehnten in weitestem Kreise die Funktion eines imw aus. Zu diesen jüdischen Tugenden kam ein außerordentlich freundliches, hilfsbereites Wesen, das ihn zum erklärten Freund der ganzen Bevölkerung, Juden und Nichtjuden, machte. Er wird vielen sehr fehlen. Außerordentlich war die Beteiligung bei dem Begräbnis und zahlreiche Freunde auch aus nichtjüdischen Kreisen folgten der Bahre. In den Reden, die am Grabe gehalten wurden, und die wegen des nahen Sabbat beschränkt werden mußten, wurden die hohen Tugenden des Verblichenen rühmend zum Ausdruck gebracht. Wallerstein, 10. Mai. Von einem herben Verlust wurde die altehrwürdige Gemeinde Wallerstein betroffen. Jfak Wild,der über 25 Jahre in selbstloser Weife als Kultusvorstand der jüdischen Gemeinde wirkte, wurde unter Teilnahme einer fast unübersehbaren Menge aus nah und fern zur letzten Ruhe gebettet. Herr Lehrer Strauß aus Nördlingen widmete ihm am Hause herzliche Abschiedsworte und ermahnte die aus allen Konfessionen zusammengesetzte Trauerversammlung nach dem Vorbild des Verstorbenen den Frieden und die Eintracht zu pflegen und zu wahren. Am Grabe schilderte sein Schwiegersohn sein inniges Familienleben, seinen unermüdlichen Fleiß und sein bescheidenes Wesen. Ein Stück der historischen Gemeinde ist mit ihm dahingegangen. Möge 'n die wunden Herzen heilen und seinen himmlischen Trost spenden. Taauberbischossheim, 20. Mai. Im Kreise zahlreicher Kinder und Enkel werden kommenden Samstag, den 24. Mai, die Eheleute Levi Sauer und Frau Ernestine geb. Koch, ihr goldenes Ehejubiläum feiern. Die besten Wünsche werden dem geehrten Jubelpaare, das sich mit Gottes Hilfe sowohl körperlicher wie geistiger Frische erfreut, aus allen Kreisen hiesiger Stadt entgegengebracht. Möge ein froher und glücklicher Lebensabend w-w'si nrr» ipbem Jubelpaare unter Gottes gnädigem Beistand beschieden sein! Beukhen. 18. Mai. Im Alter von 82 Jahren starb hier Baruch Politzer. Einer guten, echt jüdischen Familie entstammend, war er rüstig und von regem Geschäftsgeist bis zuletzt. Früher Lehrer, betätigte er stich später als Kaufmann und blieb ein streng religiöser Mann von bescheidenem und festem Charakter. Er hat sich in seiner Jugend durch Selbststudium ein umfangreiches jüdisches und profanes Wissen angeeignet und hat vielen Kindern zum Studium verholfen. Als leuchtendes Vorbild ebnete der Verstorbene seinen Kindern den Weg in religiöser wie in weltlicher Beziehung, und werden diese sein Andenken stets in Ehren halten und seine guten Lehren nach Möglichkeit zu befolgen suchen. — Der Tod erfolgte am nos bvf p*>m? Die große Beteiligung bei der Beisetzung zeugt von der Beliebtheit und dem großen Ansehen des Verstorbenen. Wien, 1. Mai. Eine wahre njm verstarb hier am 8. Nissan — gerade am Begräbnistage ihres als fitu und p’is weithin bekannten Vaters, des Duna Szerdahelyer Rabbiners — mit Frau Ester Braun, Gattin des in der Schiffschul ebenso bekannten, wie beliebten und angesehenen Herrn Gesa Braun. mws “jVö jo niO2 Die Haupttätigkeit einer wahrhaft jüdischen Frau spielt sich hauptsächlich innerhalb ihrer Häuslichkeit ab, aber bei einer i»'n mm, wie die Ver-> blichsne es war, in deren Charakter die Grundstimmung das „gute Herz" war, welches R. Eleasar ben Arach als den vorzüglichsten Besitz des Menschen preist, ist es nicht zu verwundern, daß sie sich über diesen engbegrenzten Wirkungskreis hinaus betätigte. Wohl selten hat ein Mann in seiner nvn m^'m-Tätigkeit eine bessere iiro ms gefunden, als ihr Gatte in seinem ehrenvollen Amte als Kassier des i»in-Vereines. Alle, die ihren Mann in dieser amtlichen Eigenschaft oder auch privat in Anspruch nahmen, wurden aufs freundlichste von ihr empfangen, und in schweren Kriegszeiten hat sie sich mehr als einmal den kurz zugemessenen Bissen entzogen, um ihn in unauffälliger Weise den Hungrigen in Liebe zu geben. So übte diese o’Vio /o mit ihrem schlichten, bescheidenen Wesen in zartsinniger, echt jüdischer Weise das echte, wahre ivn Daß diese durch tiefe Religiosität und echte Frömmigkeit ausgezeichnete Frau die Erziehung ihrer Kinder i-s nuwni nilon oii leitet, bedarf nicht erst der Erwähnung. Wie ihr ganzes Leben nichts als hingebende Pflichterfüllung, und Gewissenhaftigkeit und Milde die Grunds züge ihres Wesens bildeten, so ertrug sie die fast; einjährige schmerzensreiche Krankheit mit bewundernswürdiger Eottergebung und zeigte sich hierin als. würdige Enkelin des berühmten Rabbi Jehuda Oßad y'xr, dessen mö nubaö sie geerbt zu haben schien. Sonntag, den 9. Nissan wurde die Verewigte unter reger Teilnahme der Schiffschulgemeinde zu Grabe geleitet. Auch diese große rrft zeigte deutlich, wie beliebt und geehrt die Verewigte allseitig gewesen ist. Wegen des Nissan konnte ihr von offizieller Seite kein lvvn gehalten werden und mußte sich ihr aus der Ferne herbeigeeilter Neffe, Herr Juda Hirschler aus Eisenstadt darauf beschränken, in kurzen Worten ihre Verdienste zu würdigen. Ihr Andenken wird bei ihren Verehrern fortleben. V'nxin-, Dr. K. als Privatsekretär des Prinzen Max von Baden während dessen Kanzlerschaft angeblich großen Einfluß auf die Politik und dann auch auf die Friedensverhandtunge« in Versailles ausgeübt hat. Der Anschlag wurde in der folgenden Weise vorbereitet: Hahn sollte in seinen: Auto fortgelockt werden. Mit einem Drahtseil wollte man dann das Auto zum Stehen bringen. Hierauf sollte man Hahn durch einen Schlag auf den Kopf betäuben und ihn so nach München zur Hitlerschen Oberleitung bringen. Für den Fall des Mißlingens der Entführung sollte Hahn an Ort und Stelle erschossen werden. Das Gericht nahm die vollkommen mißlungene Cntführungsaktion nicht ganz ernst, sondern verurteilte die drei Angeklagten nur wegen Begünstigung der in Baden verboten gewesenen nationalsozialistischen Partei, und zwar Holl und Simon zu je drei Monaten Gefängnis, Huegli zu vier Monaten Gefängnis. Die. Strafe erscheint durch die Untersuchungshaft verbüßt. Frankfurt a. 2N., 16. Mai. Herr Lehrer Simon Eschrvege von Frankfurt a. M., Sofienstraße 126, fordert seine Kollegen, die am 13. Juli 1899 mit ihm vom Würzburger Seminar in den Beruf getreten sind, alter Tradition folgend, sich an dem Tage der 25jährigen Wiederkehr ihres Eintritts in den Beruf in Würzburg zusammenfinden. Als Tag des Zusammenkommens ist der 13. Juli bestimmt. Berlin, 9. Mai. Das Heim für tuberkulös gefährdete Kinder in Wyk a. Föhr wird voraussichtlich am 15. Mai eröffnet werden. Der Pflegesatz betrögt für 6 Wochen ungefähr 120 bis 130 Mark. Anfragen fmd an den Israel, humanitären Frauenoerein Hamburg, Husumer Straße 1, zu richten. ::r? GRUDEN Gas- und Kohlenherde Komb. Herde Transport. Kachelöfen f Ci' Horstkötter, Knodt & C2 Am EschenheSmer Tor 3 :: Tel. Hansa 683 Im Monat Juni gastiert im Schümann-Theater das Deutsche Theater München, Hans Grüß, mit der Original Kronacherrevue „Wien gib acht" von Bruno Hart und Karl Farkas. Die Revue umfaßt 12 Bilder mit 150 Mitwirkenden. Vermischtes. Frankfurt a. 21t., 14. Mai. Vor dem Schwurgericht der badischen Stadt Konstanz fand dieser Tage der Prozeß gegen den Urheber des Anschlags auf das Leben des Privatsekretärs des ehemaligen Reichskanzlers Prinz Max von Baden, Kurt Hahn, statt. Angeklagt waren der Ingenieur Ernst Holl aus Windsheim, der Arbeiter Paul Simon aus Breslau und der Schriftsteller Heinrich Huebli aus Romanshorn wegen planmäßiger Verabredung zum Mord, sowie wegen Vergehens gegen das Gesetz zum Schutze der Republik. Den Angeklagten war zur Last gelegt, daß sie am Morgen nach der Münchner Putschnacht nach Ueberlingen kamen, wo sich das Schloß des Prinzen Max befindet, um im Aufträge ihres Verbandes den Privatsekretär des Prinzen Max von Baden, Kurt Hahn, lebend oder tot nach Bayern zu schaffen.- Die Beseitigung des Hahn sollte deshalb stattfinden, weil er Jude fei und tOein-ICfause Bräder Heppe Lotte Werkmeister r>_ ( ee »1 •fj üftafDJ. BAD HÖMiBURG Louisenstrpße, 16 , ,,, Elisabef henstr.49 (am Markt)' , ' . Telefon, 297 (»m ljCurgarten) Gust. Schwan Gut leuf str.f 4 ’i-kii.rVtfden- Sad ßavzbiivg x Motel, Pension Backhaus l. Ranges am Walde l! unter" Ästfsichtdes Halberstädter Rabbinats. R Zimmef mit kalt. uJwatin. fließ. Walser Badezimmer— Zentralheizung« — Elektr. Licht. sclMSS'il'i Ä tzAbl. April das ganze Jahr geöffnet. Mäßige Preise -.Primas Veyifleguyg^-7; -T^Aelephon^l > „ 3ed?F. Santsta^Pstnian. , , Alles bjoekit. i ' :'i -Jl'i in Tf 58

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