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Der Israelit · 1924-05-08 · Heft 19 (8.5.1924) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
65 (1924)
Issue
Heft 19 (8.5.1924)
Date
1924-05-08
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 10 Nr. 19 Der Israelit Kluges wußt' er zu ersinnen, Konnte in dem Kopfe spinnen Der Gedankenfaden viele, So im Ernste, so im Spiele. II. Peßach stand jetzt vor der Tür, Und gescheuert nach Gebühr Ward im Haus. In seinem Zimmer Vater „lernend" saß wie immer. Heute aber manche Pille Drehte er für seine Kille In der Predigt. Die Frau Hanna Brachte lachend 'ne Havanna, Auf daß halte vor die Laune Und man für und für bestaune Seine Redeglut. Versonnen Kostete er schon die Wonnen Seiner Predigt, und in Ruh' Stak der Fuß im Morgenschuh. Doch sein Sohn, der Erstgeborne, Und vom Onkel Auserkor'ne, Meier hatte ausgeheckt. Einen Plan mit Knalleffekt. In dem Spiel „Nach Kanaan" Zeigte sich der ganze Mann, Schöpfend aus dem Uebervollen, Teilte aus er Bombenrollen. Onkel saß als Pharaone Auf 'nem hohen Polsterthrone, Ihm zur Seite Tante Pine Als die Königin Sin-Sine. Beide weinten lange schon Um den toten Königssohn Der, geschnitzt und puppengroß, Lag auf ihrem Königsschoß. Feuchte Linien auf der Diele Zeigten an: man war am Nile, Und ein Becken, wasserschwer, Kündete das Rote Meer. Meier mit der Heldenpose War sehr würdevoll als Mose. Wie er winkte mit dem Stabe, Eilends packte seine Habe Alles Volk. Es war'n die Lenden Wohl gegürtet. Zn den Händen . Trug man Stiesel, Hüte, Bücher. Mutters schönste Taschentücher Bargen Scheren, Messer, Knöpfe. Benjamin trug ird'ne Töpfe, Jakob Blech und Stiefelwichse, Anselm die Konservenbüchse, Esther Seife, Schal und Spiegel Und der Dan 'nen alten Tiegel. Hinten folgte nun der Trotz: Puppen saßen hoch zu Roh, Esel, Bären, Wagen, Affen, Ochsen, Kühe, Schafe, Waffen, Zog man, stöhnend unter Lasten, An den Schnüren ohne Rasten. Doch es machte den Beschluß Mäusejäger Kater Buß, Den sie aber so sehr stippten, Daß er schnell floh aus Aegypten, Während alle kleine Fratzen Schmatzend kauten frische Mazzen. So gerüstet, auf Sandalen, Bon dem Nil sie sich empfahlen, Brachen sie, gefüllten Wamses, Hoffnungsfreudig auf von Ramses. Mit Gepfeife und Gebrumm Zog man um den Tisch herum, Mordsgetöse und Geschreis Gab dem Tage seine Weihe, Bis ein frommer Sang versüßte Volkes Abmarsch nach der Wüste. Endlos war des Weges Länge, Dazu drückte das Gehänge! Nächte gingen, Tage kamen, Jauchzend endlich sie vernahmen Fernher Meeres Wogenprall. Lauschend innehielt der Klal. Doch gleich wieder mit Gebrumm Zog man um den Tisch herum, Bis plötzlich man jagte mit Jammergeschrei In planloser Flucht durch die Wüstenei. Trompetengeschmetter und Stampfen der Rosse! Der wilde Aegypter mit lärmendem Trosse, Der Pharao gleich gierigem Häher Stieß tückisch herab aus die Hebräer, Die brünstig zum Himmel und zum Propheten Zn tiefster Herzensnot laut flehten. Doch der böse Pharaone Machte seine Rechnung ohne Israels Beschützer: trocken Blieben sogar alle Socken, Während sie in kühnem Bogen Rotgefärbtes Meer durchzogen. An die schüsselbreite Lache Kam der König, brütend Rache, Längelang fiel er aufs Becken, Er mit seinen Puppenrecken. Hui, war das ein toller Trubel, Ein Gejauchze, ein Gejubel! Und man sang nun für und für Ganz begeistert „Os joschir". m. Das Getöse, der Gesang, Bis zu Vaters Stube drang, Der noch immer voller Eifer Geist verspritzte ohne Geifer, Rauchumhüllt von der Havanna, Die gereicht ihm seine Hanna. Jetzo, bei dem Lärm der Kinder, Flog die Feder noch geschwinder, Und die Predigt, meterlang, Sich empor zur Höhe schwang, Machtvoll preisend Petersilie, Moraur, Lattich, die Familie, Mazzo, Israel, Charauses, Und die Poesie des Hauses Und der lieben Sedernacht. — Dann hat Vater Schluß gemacht. Vermischtes. Berlin, 3. April. Am Sonntag, den 30. März ds. Zs. fand in den Vereinsräumen des Israelitischen Fortbildungsvereins „Montefiore" die 39. Generalversammlung statt. Der Vorsitzende begrüßte die Anwesenden' und gab einen Rückblick auf das vergangene Jahr. Er gedachte der verstorbenen Gönner Herrn Moritz Posen und Herrn Hermann Kreitner. Alsdann dankte er den Dozenten für ihre aufopfernde Tätigkeit. Trotz der schwierigen Verhältnisse im letzten Jahre hat der Verein regelmäßig seine Schiurim abgehalten, deren Besuch zufriedenstellend war. Aus dem Vorstand schieden zwei Mitglieder aus. Die erfolgte Neuwahl ergab folgendes Resultat: 1. Vors.: Herr Moritz Neuberger, stellv. Vors.: Herr Siegfried Maschler, Schriftführer: Herr Mar Straus, Kassierer: Herr Joseph Jacobi, 1. Beisitzer: Herr Ernst Rosenblüth, 2. Beisitzer: Herr Guido Lebenbaum, Bibliothekar: Herr Mar David. Der Vorsitzende schloß die Versammlung mit dem dringenden Appell an die Mitglieder, die Schiurim recht oft und zahlreich zu besuchen. Cassel, 28. April. Am 4. ivN - Tag wurde in Cassel ein zwangloser Verein zur Wahrung der Interessen des überlieferten Judentums in Cassel unter dem Namen nin 'pnnv gegründet. Die Gründung dieses Vereins war notwendig, weil seitens des Gemeindevorstandes berechtigte Wünsche der gesetzestreuen Minorität bezüglich der Besetzung der Kantorstelle in der Synagoge nach altem Ritus nicht bewilligt wurden. Dem Verein sind bereits ca. 60 Mitglieder beigetreten. Berlin, 22. April. Advokat Dr. jur. Roman Pretzel, Rechtsbeistand in polnischen Angelegenheiten, ist zum Dolmetscher der polnischen Sprache gerichtlich beeidet worden. Hamburg, 6. April. Von Berlin aus wird ein Aufruf verbreitet, durch den Beiträge zur Neuauflage des Antisemitenhammers des verstorbenn Schriftstllrs Josef Schrattenholz verlangt werden. Es empfiehlt sich, daß diejenigen, welche die Absicht haben, sich an der Sammlung zu beteiligen, sich zunächst darüber vergewissern, wer für die richtige Verwendung der gesammelten Gelder Gewähr leistet. Sprechsaal. Jüdische Name«. Berlin, 24. März. Sehr geehrte Redaktion! Das Schlußwort jeder Diskussion gebührt dem Referenten. Als solcher möchte ich jedoch die geneigte Aufmerksamkeit der Leser nur mit rekapitulierenden Grundthesen meiner Abhandlung vom 2. Jan. ds. Js. in Anspruch nehmen. 1. Das außerjüdische Benennen jüdischer Kinder in älterer Zeit hatte Gründe, die für die Gegenwart nicht mehr maßgeblich sein können; insbesondere gilt dies von weiblichen Namen. 2. Die heutigen Eltern dürfen beim Benennen ihrer Kinder sich "keine andere Frage vorlegen als die, wie die letzteren am besten zum Mute des Bekennens zu erziehen seien; hierzu erschien mir als geeignetes Mittel die Wahl der biblischen Namen ohne Hinzugabe anderer Namen für irgendwelchen Profangebrauch. 3. Dafür, daß der heilige Name nicht durch unwürdiges Verhalten seines Trägers entweiht werde, kann nur eine Gewähr existieren: Ideal jüdische Erziehung der so Benannten; das Weitere walte Gott, der uns für das Sechuß der Namen aus Mizrajim geführt hat. Dr. B. C. * _8. Mai 1924 Zur Erinnerung an Jacob S. Posen Vs»- Löbliche Redaktion! ' Gestatten Sie einem langjährigen Schüler, der die erschütternde Nachricht vom Heimgange seines verehrten Lehrers, Herrn Jacob S. Posen V'st durch den „Israelit" erfuhr und dem es daher nicht vergönnt war, dein allzufrüh Verstorbenen die letzte Ehre zu erweisen, Ihrem weitverbreiteten Blatte eine Anregung zu geben, die sicherlich den Beifall und die Zustimmung aller,' die das Glück und die Ehre hatten, dem V: ivrn nahe! zustehen, finden dürste. Der „Israelit" hat in seinem Nachrufe mit Recht daraus hingewiesen, daß Herr Jacob S. Posen seinen eigentlichen Berus im Lernen, hauptsächlich aber im Lehren erblickte und auch Herr Rabbiner Dr. Hoffmann verwies in seinem isvn auf die Tatsache, daß der Verstorbene ein seltener min pai» war. In der Tat dürften die Schüler bcs Herrn Jacob S. Posen y'xr nicht nur nach Hunderten, sondern nach Tausenden zählen, welche sich in den verschiedensten Berufen und sozialen Stellungen befinden. Von dem geradezu eisernen Fleiße des Heimgegangenen Lehrers und seinem innern Drange, nun zu lehren und zu verbreiten, spricht folgende Tatsache, die nur wenigen bekannt sein dürfte: Im Sommer 1888 setzte Herr Posen den ersten iistf auf — 5 Uhr früh an und zwar nur für einen Hörer und dieser war — der Schreiber dieser Zielen. Ungefähr drei Jahre hatte ich das Glück, zu den Schülern des Herrn Jacob Posen zu zählen, seinen eisernen Fleiß, seine seltene mmn nun«, seine Art „glatt und einfach" zu lernen und vor allem seine wahrhaften niaiv nvrn zu bewundern. Als ich den verehrten Lehrer vor ungefähr 12 Jahren wiedersah, erzählte er mir ganz stolz von den v'viin, die ihm im Lause der letzten, Jahre gelungen waren, von den mm die er virm gewesen usw. Nun hatte Herr Posen die Gewohnheit, seine mm 'smn mit Bleistift in seiner Rim anzumerken, ebenso in den v'ivv, die er gerade benutzte. Viele solcher Anmerkungen befinden sich, wie ich mit Bestimmtheit weiß, im iiV yii? von Rabbr Jakob Ettinger l>"xr auf die Traktate ■pnma und nis». Es wäre Pflicht und Aufgabe der ehemaligen Schüler, die mm >amn des verehrten Lehrers V*xt zu sammeln, zu sichten und in Buchform unter dem Namen apy fiior herauszugeben, um sein Andenken für ewige Zeiten zu erhalten. Dann wird es auch von diesem Großen in Israel heißen n» «V ap>y* Zwittau (Mähren). Rabb. Dr. Felix Kanter. Konditorei und Kaffee »Botel« BAD HOMBURG Louisenstraße 16 Elisabethenstr. 49 (am Markt) Telefon 297 (am Kurgarten) Der Vorstand des Vereins für die jüdischen Interessen Rheinlands (E. V.) gibt bekannt, daß gelegentlich der am 11. Mai beginnenden Kölner Messe auf dem Messeplatz ein rituelles Restaurant eingerichtet wird. Dasselbe steht unter der Aufsicht des Rabbinats der Synagogengemeinde Adaß Jeschurun, Köln. Gust. Schwarz Gutleuftstr. 14 — Kein Laden — -nfipniin GRODEN Gas- und Kohlenherde Komb. Herde Transport. Kachelöfen Horstkötter, Knodt & C2 Am Eschenheimer Tor 3 :: Tel. Hansa 683

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