Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 65 (1924)
- Issue
- Heft 19 (8.5.1924)
- Date
- 1924-05-08
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2450286-2450304--71238-2528541- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
65. Jahrgang Frankfurt a. M., den 8. Mai 1924 4. Ijar 568-1 Nr. 19 j Der Israeli!) Ein Centralorgan Iflr das orthodoxe Judentum Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. I »H 'J WA MIT! Abonnement ab Januar 1934: Deutschland 1 Goldmark monatlich; Ausland: Bierteljahrpretse (entsprechend dem deutschen Inlandspreis zuzüglich Kosten des Streifband-Versandes) Deutsch-Österreich: 60000 Kronen; Amerika 1 Dollar; England 4 sh.; Frankreich 16 Fr.; Belgien 16 Fr.: Hollands fl.; Italien 20 Lire; Jugoslawien 70 Din.; Litauen 7.60 Lit.; Rumänien 100 Lei; Polen ab 1. April Zloty 6.— vierteljährlich; Schweiz 6 Fr.; Tschecho-Slowaket 25 Kronen; Ungarn 16000 Kronen: Dänemark 6 Kronen; Norwegen 8 Kronen; Schweden 3.60 Kronen. Einzelnummer dreißig Goldpfennige. Der Israelit erscheint jeden Donnerstag. Inserate 30 Goldpfennige. für Stellensuchende 20 Goldpf., für die stebengefpaltene Nonpareille-Zeile. Die 75 mm breite Reklamezeile: letzte Textseite 1.20 Mk., vorletzte Textscite 2.— Mk.; Ehiffregebühr in Höhe eines doppelten Fernbriefportos. Rabatt nach Tarif. Bei laufenden Inserataufträgen tarifm. Preiserhöhung jederzeit Vorbehalte». Jnseratenannahme durch den Verlag des Israelit G.m. b. H., Frankfurt a. M., Tr. Eschenheimer Straße 23, Tel. Hansa 6842 sowie durch sämtl. Annoncen-Exped. des In-und Auslands Alleinige Inseraten»,rnnhnre für Frankfurter Teschäftsanzeigen: Sul. Schmidt. Langestraß« 3. Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Zahlungen direkt an den Verlag auf Postscheckkonto Frankfurt (Main) Nr. 19803. — Außerdem an: Postsparkasse Wien Nr. 79603 — Postsparkassena'mt Budapest Nr. 18434 — Postscheckamt Zürich Nr. Vlll 7234 — Inkasso-Bank Amsterdam — Böhmische Nnionbank in Prag — Banca Mannarosch, Blank & Co. in Bukarest — Filiale des Wiener Bankvereins in Agram. üizatto, Tee Weg de? frommen. In der nächsten Nummer beginnen wir in Iorm der Wuch-Aeikage mit dem Neudruck von Mosche Kstaziw Luzalto s unsterölichem Werke rbtm v'iV' in der Irefftichen Nebersehuug Dr. I. Wostkgemulsts, die läugere Zeit vergriffen mar. Sücfier $u atcn pucifm für 3st?ac1i£~!Rbomtcnfcn: Hirsch, Pentateuch 5 Bde ged Statt: Abonnenten: G. Sft. G. M. 35.- 30.- Hirsch, Gebete. (nur noch wenige Exemplare) Lehmann, Samuel Ha-nagid Schachnowitz, Merelaika „ Lustmensche« „ Jenseits „ Im Judenstaat der Chafaren „ Salomo, der drosch. 8 — f*c geb 2.50 Sudans, Baalschem von Mtchelstadt Lieferung gegen vorherige Einsendung des Betrages zuzüglich Versand-Porto oder gegen Nachnahme. Frankfurt a. M. Verlag des Israelit G. m. b. H. „Wahl"-Berwandtschaften. Die Wahlresultate liegen noch nicht im einheitlichen Bilde vor. Soviel steht bis jetzt fest: die schlimmsten Befürchtungen sind nicht eingetroffen. Die Völkischen und Nationalsozialisten haben selbst in ihrer ureigenen Heimat, in Bayern und vorab in München, eine Niederlage erlitten und auch die Deutschnationalen haben bei all ihren Gewinnen, die sie als zweitgrößte Partei nach den vereinigten Sozialdemokraten in den neuen Reichstag einziehen lassen, doch nicht die Macht errungen. um, wie sie so sehnlichst wünschen, Alleinbeherrscher der Situation zu sein. In diesem Zusammenhänge kommt es uns weniger auf Einzelheiten an, als vielmehr darauf, aus den Wahlen, ihren Kämpfen, Begleit- und Folgeerscheinungen, einige Lehren für uns zu ziehen. Wenn inan sich in den Wahltagen die Plakate und Kundgebungen ansah, die Versammlungen besuchte, die Wahlreden hörte und sich den zweifelhaften Genuß der Lektüre von Leitartikeln verschieden gerichteter Zeitungen nicht entgehen ließ, so mußte man den Eindruck gewinnen, als gäbe es heute gar keine anderen Sorgen in Deutschland als die Juden, als ginge es überhaupt bei der ganzen Sache nur um die Juden. 2m Zeichen des Hakenkreuzes oder des Kampfes gegen das Hakenkreuz standen alle weniger künstlerisch anmutig, denn budenmesseschreierisch ausgestatteten Wahlplakate. „Bürger heraus, folgt dem Zuge nach rechts!" Die letzten 4 Worte blutrünstig rot, dann ein großes Hakenkreuz mit schwarz-weiß-rotem Banner als sinnige Verzierung für die folgenden Sätze, deren jeder mit „Die Juden" (fett gedruckt) beginnt. Ein schwarz-weiß-rot umrandeter Zettel fordert die deutsche Jugend auf, die „einzige Hoffnung der deutschen Nation", — für Rhein und Ruhr einzustehen und — gegen die Juden. Ein in unschuldigem und gemütvollem Weiß gehaltener Zettel wendet sich an die deutschen Frauen, „deutsche Treue" zu wahren und — gegen die Juden zu stimmen. Kommunistische Plakate behaupten nicht ohne Humor, daß man „von der Ostgrenze bis in die Schweiz, den Esel erkenne am Hakenkreuz". Sozialdemokraten und Demokraten schreien: „Wir wollen religiöse Toleranz!" und werfen die Zettel in die jüdischen Briefkästen. DeutscheVolkspartei erinnert daran, daß sie Juden nicht ausschließe und läßt erkennen, daß sie auch ihre Stimmzettel nicht auszuschließen, die Güte haben wird. In den Zentrums blättern werden Reminiszenzen erzählt aus früheren Zeilen, da große Zentrumsführer bei gegebener Gelegenheit sich für jüdisches Recht, insbesondere für die religiösen Rechte der jüdischen Konfession eingesetzt hätten. 'Mit einem Worte: ein Kampf gegen Juden, für die Juden und u m die Juden. Man könnte vergessen, daß es in der Siebenzigmillionenbevölkerung Deutschlands im ganzen nur 600 000 Juden gibt! So zwischen der Parteien Haß und Liebe schwankend, ist es für den Juden nicht leicht, feste politische Stellung zu nehmen. .In Wahrheit war die Frage: wen wähle ich? für den Juden nie schwerer zu beantworten als bei den letzten Reichstagswahlen. Es hat nunmehr jeder gehandelt, wie er es mit seinem jüdischen und politischen Gewissen verantworten konnte. Ist ja mit Recht von der gesamten jüdischen Presse die Notwendigkeit und die gebieterische Pflicht für jeden Juden betont worden, der Wahlurne nicht fern zu bleiben. Wir selbst hielten es für gut und ratsam, an die ehrliche Hilfe, die uns in all den Jahren vom Zentrum geworden ist, zu erinnern und an unsere Ehrenpflicht, unseren Dank mit dem Wahlzettel zu votieren, umsomehr, als wir darin zugleich Sicherung für die Zukunft erblickten. Ehrlich ist die Hilfe des Zentrums, weil es letzten Endes in seinem eigenen Interesse liegt, unsere religiösen Rechte zu schützen. Selbstverständlich wollten wir damit nicht vergessen machen, was wir auch der Demokratie und den weiter links stehenden Parteien für ihren Schutz und Beistand und ihren Kampf gegen den Antisemitismus schulden. Ist doch der „Verein zur Abwehr des Antisemitismus" in erster Reihe eine Schöpfung der deutschen Demokratie, und zwar auf Initiative und unter Führung von nichtjüdischen Demokraten. Wie sich immer der nächste Deutsche Reichstag bewähren wird, die Lehren aus den Wahlkämpfen sind wenigstens nach einer Seite erschöpfend und abschließend. Unsere Feinde kennen wir genau, und haben sie stets gekannt. Unsere Freunde jedoch kennen wir noch nicht. Sie nach den „Wahl-Verwandtschaften" und „Wahl-Freundschaften" erkennen wollen, hieße, sich einer Selbsttäuschung hingeben, die große Enttäuschungen zur Folge haben müßte. Wir haben bereits der deutschen Demokratie ihren ehrlichen Willen, uns in allen politischen Fragen, in allen Angelegenheiten des Rechtes tapfer beizustehen, attestiert. Man vergesse aber nicht, daß das jüdische Recht für die Demokraten ein Teil des allgemeinen aus dem Prinzips von Freiheit und Gleichheit geborenen Rechtes ist, das seinen Stolz darein setzt, religiöse Schranken und Hemmungen nicht zu kennen. Wie die Dinge heute in Deutschland stehen, ist allem Gassengeschrei der Münchner und Miesbacher und Thüringer Maulhelden zum Trotze, unser Bürgerrecht nicht bedroht. So tief wird Deutschland, das Heimatland eines Kant und Goethe, von einem Hitler, Dinter, Mulle und ähnlichen Demagogen nicht in Grund und Boden geredet werden können! Ernstlicher bedroht kann unser religiöses Recht werden, wobei man noch nicht allein an das Volksschulgesetz denken muß. Für