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Der Israelit · 1924-04-03 · Heft 14 (3.4.1924) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
65 (1924)
Issue
Heft 14 (3.4.1924)
Date
1924-04-03
Page
– (sequence 17)
Language
German
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Hfäffei? fievausgegeßen non der fandesorganijafion der jlgudas-Jisroef in Ventfekkand. JOi Jahrgang Frankfurt a. Ztt, den 3. April 1924 / 28. Adar II 5684 Nummer 5 Genehmigung der Landesstatuten. Hal-erstadt, 27. März. Der Geschästsführende Ausschuß der Agudas Jisroel und der Rabbinische Landesrat haben sich mit der Satzung der deutschen Landesorganisation und mit dem Normalstatul für Ortsgruppen einverstanden erklärt. Beide Satzungen sind damit rechtskräftig geworden. „Haderech". Das hebräische Zentralorgan der „Agudas Jisroel" erscheint mit Beginn dieses Monats in neuem, schmuckem Gewände und erweiterter Form als Monatsschrift. Neben der allgemeinen Orientierung über wichtige Zeitfragen bietet das Blatt belehrende Aufsätze über die agüdistische Ideologie sowohl wie die praktische Arbeit der Aguda und setzt sich auch mit den anderen Strömungen in der Jüdenheit in vornehmer Form auseinander. Die Redaktion liegt in der Hand des Herrn Rabbiner Tauwijo Horowitz m Wien. Die deu 1fchen Ortsgruppen sollten das Blatt in einem oder mehreren Exemplaren für ihre Mitglieder abonnieren. Breis: 11/2 Dollar pro Iahr. Zionistische Quertreibereien. Der Empfang der palästinensischen Agudas Jisroel-Delegation bei König Hussein und die Ehrungen, die ihr der König erwies, scheinen der zionistischen Organisation, merkwürdigerweise stark in die Glieder gefahren zu sein. Nur so läßt sich die Jntrigue erklären, die man von seiten der zionistischen Exekutive gegen die Delegation eingefädelt hat. Der zionistische Vertreter in Jerusalem veröffentlicht über dieses Heldenstück soeben folgenden Bericht, der uns unmittelbar vor Redaktionsschluß zugeht: „Unter Bezugnahme auf den im „Felestin" Nr. 4662 vom 14. März veröffentlichten Bericht, in welchem eine angebliche Erklärung Sr. Majestät des Königs Hussein an die palästinensische orthodoxe Iudenheit enthalten ist, sandte Colonel Kisch am 14. März an den Außenminister König Husseins. Sk. Exzellenz Fuad Bey el Khatib, ein Telegramm, in welchem er wegen der Richtigkeit dieses Berichtes anfragt. Es ist nun eine telegraphische Antwort eingetroffen, die die Richtigkeit des erwähnten Berichtes verneint.; Im Hinblick auf die Wichtigkeit der Sache begab sich der Sekretär der politischen Abteilung der zionistischen Exekutive mit einem Brief Eolonel Kisch's zu dem Außenminister Fuad Bey el Khatib. In diesem Schreiben wurde die Veröffentlichung eines offiziellen Dementis verlangt. In einem Antwortschreiben an Colonel Kisch bestätigt der Außenminister den Empfang des Briefes und schreibt weiter: „Wie ich Ihnen bereits in meinem Telegramm mitgeteilt habe und wie ich auch gegenüber Captain Iaocbs erklärt habe, entbehrt der fragliche Bericht jeder Grundlage, da Sr. Majestät Während seines Zusammenseins mit der Delegation eine solche Erklärung keineswegs ab- . gegeben hat. Ein offizielles Eommunigue hierüber wird im „El Shack el Arabi" erscheinen: anbei eine Kopie des Communiques. Ihre Begrüßungen an Sr. Majestät anläßlich der Übernahme des Kalifats machten einen guten Eindruck auf Se. Majestät. Er dankt Ihnen für Ihre Glückwünsche und läßt Ihnen mitteilen, daß seine Haltung die gleiche geblieben ist, wie an dem Tage, an dem Sie sich von ihm verabschiedet haben. Das im „El Sherk el Arabi" abgedruckte offizielle Eommunigue lautet u. a.: Der in der Zeitung „Felestin" Nr. 4662 vom 14. März erschienene Bericht über eine angebliche Erklärung Sr. Majestät des Kalifen an die jüdische Delegation ermangelt der Wahrheit." Die Zeitung „Felestin", deren Bericht hier hinsichtlich der Erklärung des Kalifen dementiert wird, ist das offizielle Organ der palästinensisch-arabischen Exekutive. Wir kennen den Bericht nicht, vermuten aber, daß er dem König direkt zionistenfeindliche Aei ßerungen in den Mund legt, die er bei dieser Gelegenheit nicht getan hat, und die auch in dem Bericht des brr-w' hip völlig fehlen. Was dort und in der agudistischen Presse überhaupt von dem Empfang und der Erklärung des Königs berichtet wurde, trägt für jeden, der Husseins offen bekundete Gesinnungen kennt, den Stempel absoluter Genauigkeit. Man braucht dabei noch nicht einmal die neueste telegraphische Mitteilung des „Daily Erpreß" mit heranzuziehen, wonach König Hussein inzwischen erneut seiner Gegnerschaft gegen die Politik der Zionisten, die auch den „orthodoxen Juden keine Gerechtigkeit widerfahren" ließen, Ausdruck gegeben habe. Was soll also der kleinliche und unwürdige Versuch durch künstliche „Dementis" Stimmung gegen „Agudas Jisroel" zu machen, die an den Tatsachen nichts ändern? Die Agudas Jisroel und ihre K'nessio G'dauloh. Don Dr. Nathan Birnbaum in Hamburg. Der nachfolgende Aufsatz, der in Bubers Zeitschrift „Der Jude" erschienen ist, enthält in fesselnder Form auch. für Agudisten soviel Wertvolles, daß wir uns durch den Abdruck den Dank unsrer Leser zu verdienen hoffen. Red. Die Agudas Jisroel war schon früher einigermaßen gekannt, belächelt, befehdet und Gegenstand weitergehender Neugier, aber erst durch ihre erste Kenessio Gedaulo wurde sie ins volle Bewußtsein der jüdischen Mitwelt gerückt. Wie die Menschen schon einmal sind, mußte sie ihnen erst so vorgeführt werden, wie heute Bewegungen vorgeführt werden, u m Aufmerksamkeit zu finden. Jetzt erst wurde aus dem mitleidigen Lächeln derjenigen, die „selbstverständlich" „darüber hinaus" sind, ein grelles Hohnlachen, aus gelegentlichen Hieben politischer Gegner ein dauerndes Angreifen, aus dem Hinhorchen selbständigerer oder gar führender Geister ein Nachdenklichwerden und Bedenken. Und was den ersten noch nicht klar wurde und den zweiten erst als Ahnung aufstieg, die man nicht gerne wahr haben wollte, war den dritten klare Erkenntnis: Daß man nämlich über das überlieferungstreue Judentum zumindest doch etwas vorei ig zur Tagesordnung übergegangen war. Gewiß, man hatte gewußt, daß es noch Millionen Juden gab — vielleicht war es sogar die Mehrheit — die den alten Vorschriften gemäß ihr Judentum lebten, aber man hatte seit den Tagen der Aufklärung und noch mehr der Moderne mit ihren technischindustriellen Hintergründen immer mehr Abtrünnige und außerdem noch feststellen können, )aß sich zwischen diesen und den noch nicht Abtrünnigen Uebergangsstufen mit größerer oder geringerer Elastizität in der Treue gegen die Ueberlieferung bildeten. Man hatte auch gesehen, wie friedlich und ahnungslos sich hie gesetzestreu Gebliebenen dazu verstanden, von solchen, die es nicht geblieben waren, geführt zu werden. Und man war darum so ganz unbemerkt in die sichere Vorstellung hineingeglitten, daß man es mit Leuten zu 'tun habe, denen der Tod schon in den Knochen saß und die man ruhig in ihrer veralteten Schönheit dahinsterben lassen dürfe, ohne sich noch einer Gefahr von ihnen versehen zu müssen . . . Und nun plötzlich dieses heiße Treuebekenntnis vor aller Welt, diese Offenbarung lebendiger Energie, dieser stürmischer Wille zum Leben, diese Heerschau einer Macht, die mit Witzen nicht abzutun ist. Denn eine Heerschau und eine Willenskundgebung war die Kenessio Gedaulo vor allem und darin lag ihre Bedeutung. Ich will nicht leugnen, daß sie gewisse Richtungen für sachliche Arbeit wies und so manche Beschlüsse faßte; die sich bei Umsetzung in die Tat als wertvoll erweisen können. Aber ich denke im allgemeinen viel zu wenig demokratisch, habe mir auch schon zu viel Kongresse, Konferenzen und dergl. angesehen, um darauf viel Gewicht zu legem Ich bin überzeugt, daß man ähnliche Ergebnisse auch ohne eine Kenessio Gedaulo hätte erzielen können. Was jedoch ohne eine erste Kenessio Gedaulo niemals hätte erzielt werden können, das ist eben das Aufgebot, das nach innen und außen Voraussetzung für weitere Erfolge war und vor allem ein klares Bild des Sinns, des Werks und der Menschen der Agudas Jisroel lieferte. Deutlicher als es bei der K'nessioh g'dauloh in den mannigfaltigsten Schattierungen des Gefühls, der geistigen Reichweite, des Temperamentes, des Stils — abgesehen von aller offizieller Manifestierung — geschah, konnte der Sinn der Agudas Jisroel nicht zum Ausdruck kommen. Deutlicher konnte nicht gesagt werden, daß die Agudas Jisroel im jüdischen Volke ein von allen Völkern wesensverschiedenes Volk, ein Volk sieht, das ohne die Verknüpfung mit dem, der es auserwählte, und ohne das ihm zuteil gewordene göttliche Lebensgesetz nicht denkbar ist und für das nur diese magna charta seiner Pflichten, nicht aber die Art in Betracht kommt, wie sich die andern Völker ihren Bestand sichern oder zu sichern wähnen. Heller und freudiger tonnte der Ruf: „Die Thorah ist souverän in Israel" nicht erschallen. Bündiger und stolzer konnte das Bekenntnis zur Form im Judentum als einem unberührbaren, — weil Geleit, Bürgschaft, Gleichnis und Stücke seines Wesens — nicht abgelegt werden. Es ging ums ganze Judentum — gegen ganze und halbe Verneinung. Cs ging um die goldene Kette, die nicht reißen darf. Und diesen Geist religiöser Geschlossenheit und Entschlossenheit atmete alles, was vom Werk der Agudas Jisroel auf der Kenessio Gedaulo sichtbar wurde — selbst das, was man der nichtjüdischen Welt zu sagen hatte. Nur daß hier der Nachdruck auf die Solidarität aller gottgläubigen Menschen gelegt war. Aber gerade auch dies gab der Kenessio Gedaulo ein einzigartiges Relief. Man fühlte: Nie hätte der österreichische Bundeskanzler Seipel, ein katholischer Geistlicher, ein soweit über formale Höflichkeit hinausgshendes Begrüßungsschreiben an die Kenessio Gedaulo gerichtet, wenn er nicht die religiöse und religiös-disziplinäre Grundorientierung der Agudas Jisroel erkannt hätte. Und nirgends hätte ein Protest gegen die Religion-»--

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