Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 65 (1924)
- Issue
- Heft 12 (20.3.1924)
- Date
- 1924-03-20
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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IHäffcr Heraurgegeöe» oondee JCandesocgantfafion der flgudas-Jiseoel in Deutfcfifand. JO. )clhrgang Frankfurt a. Al., -en 20. März 1924 / 14. Adar II 5684 Nummer 4 Eine Delegation -er „Agudas Jisroel" bei König Hussein. Jerusalem, den 29. Fehr. Am Sonntag dieser Woche sprach eine Abordnung der Agudas Iisrpel, die zugleich auch den Waah Hoir hoaschkenasi vertrat, bei König Hussein, m Suni vor. Die Depujätiom deren Entsendung von der Leitung der palästinensischen Landesorganisation unter Zustimmung der in Jerusalem anwesenden europäischen Agudaführer, beschlossen worden war, wurde persönlich geführt von Oberrabbiner Sonnenfeld und bestand aus den Herren Rabbiner Jungreis, Prof. Dr. de Haan und Rabbiner A. Ch. N o e. Der König empfing die Delegation außerordentlich freundlich und lieb sich die gehaltenen Ansprachen von dem bei der Audienz abwesenden Minister des Auswärtigen ins Arabische ubersctzetz. In seiner Erwiderung führte König Hussein aus, daß er sich der freundlichen Beziehungen bewußt sei, die von jeher zwischen Juden und Arabern geben sch 1 hätten. Er verspreche, daß von seiner Seite auch in Zukunft alles geschehen werde, um diese Beziehungen freundlich zu gestalten. Er werde bei jeder jüdischen Angelegenheit mit der Weltorganisation „Agudas Jisroel" rechnen und jede Bitte, die von ihranihngelangenwerde, dürfe der wohlwollendsten Aufnahme sicher sein. Nach einem Besuch beim Emir Ali, der die Herren mit großen Ehren in seinem Zelte empfing, wurde die Delegation zur königlichen Tafel zugezogen, wobei Oberrabbiner Sonnenfeld an der Seite des Königs Platz nahm. Nach beendeter Mahlzeit fand ein Empfang bei Emir Abdulla statt, der dem Führer der Delegation, Oberrabbiner Chaiim Sonnenfeld, im Namen seines Vaters einen hohen arabischen Orden überreichte und seinen baldigen Besuch in Jerusalem in Aussicht stellte. Alsdann wurde die Delegation nochmals von König Hussein in Abschiedsaudienz empfangen. Die hebräische Adresse, die von der Depu- J tation dem König überreicht wurde, hatte folgenden Wortlaut: An Seine Majestät den König Hussein ben Ali l., König von Hedschas. Majestät! Im Namen Gottes, des höchsten Gottes, des Eigners von Himmel und Erde! Wir beehren uns, vor Eure Majestät hinzutreten als Bevollmächtigte der orthodoxen Weltorganisation „Agudas Jisroel" und im Namen der in Jerusalem unter dem Namen Waad Hoir hoaschkenasi bestehenden orthodoxen Gemeinde, die in ihren Bestrebungen und Zielen der Weltorganisa ion „Agudas Jisroel" eng verbunden ist. Im Namen dieser Organisation und im Namen der erwähnten orthodoxen Gemeinde bringen wir Euerer Majestät bei Ihrem Erscheinen im Gebiete des Heiligen Landes heiße Segenswünsche entgegen. Möge der König aller Könige den Thron Eurer Majestät erhöhen, es blühe das Recht in Ihren Tagen zum Glücke aller derer, die im Schatten Eurer Majestär Schutz finden. ^.Agudas Jsroel" ist die Organisation der orthodoxen Juden auf dem Erdenrund. Die etwa eine Million umfassende organisierte Mitgliederschar Agudas Jsroels darf sich auch als Dolmetsch derjenigen großen Massen orthodoxer Juden betrachten, die sich bisher keiner Organisation angeschlossen haben, aber mit uns geeint sind in dem Wunsche und Willen, die durch die Thora, die schriftliche und mündliche Lehre, bedingte Eigenart des jüdischen Voltes aufrechtzuerbalten und alle Zeitfragen im Leben der jüdischen Gesamtheit im Geiste der Thora und ihrer Vorschriften zu lösen. Die Weltorganisation „Agudas Jisroel" ist vollkommen unabhängig von jeder anderen jüdischen Organisation. Die Kenessio Gedaulo der „Agudas Jisroel", die im Elul vorigen Jahres in Wien stattfand. an der die Erwählten des orthodoxen Judentums, die Größen der Thora und die Führer des jüdischen Volkes aus allen Enden der Erde ieilnahmen, hat öffentlich erklärt, daß sie keiner anderen Organisation die Vollmacht erteilt, in ihrem Namen oder im Namen des jüdischen Volkes das Wort zu führen. So vertrauen wir denn, daß in jedem Falle, in dem Eurer Majestät Meinungsäußerungen von jüdischer Set+e über irgendwelche die jüdische Gesamtheit berührende Frage unterbreitet werden, auch den Bevollmäch'igten der „Agudas Jisroel" Gelegenheit gegeben sein wird, im Namen des orthodoxen Judentums vor Eurer Majestät zu erscheinen. Wir versichern Eure Majestät, daß die Juden überall, in allen Ländern ihrer Zerstreuung in Liebe und Brüderlichkeit mit ihren Mi bürgern zusammenzuleben bestrebt sind. Und auch im heiligen Lande, für dessen Wohlergehen und für dessen Wiederaufbau wir dreimal täglich zu Gott flehen, ist uns diese Tradition heilig. Diese guten Beziehungen möchten wir auch in Zukunft bewahren. Schulter an Schulter mit allen Bewohnern des Landes an dessen Aufbau, Besiedlung und blühender Entwicklung arbeiten zum Heile und Segen der verschiedenen Völkerstämme, dir in diesem Lande wohnen, das der seelische Mittelpunkt und das Ziel alles Strebens für das Judentum ist. Wir geben gleichzeitig der sicheren Hoffnung Ausdruck, daß Eure Majestät Ihren mächtigen Einfluß zu Gunsten aller Juden geltend machen wolle, die in den arabischen Ländern leben. Der Herr der Welt segne Eure Majestät, Ihre Kinder und Nachkommen, und noch viele Jahre möge sich Eure Majestät deS Glückes Ihrer Völker erfreuen. In Ihren und unseren Tagen möge Juda geholfen werden und Israel wohne in Frieden. Amen." Es erregte allgemeine Aufmerksamkeit, daß Oberrabbiner Sonnenfeld, der bisher die Grenzen Erez Jisroels wohl feit einem halben Jahrhundert nicht überschritten hat, die Zusammenkunft mit König Hussein für wichtig genug hielt, um den Boden von nxin zu betreten. Der Mitgliedsbeitrag. Mehrfach sind die Ortsgruppen zur Zahlung des Jahresbeitrags aufgefordert worden. Er zerfällt in zwei Teile: 1. die Kopfsteuer von 1 Goldmark je Mitglied, die voll und ohne 'eglichen Abzug nach London für das Fmanzdirektonum der Gesamt-Agudo abzuführen ist, gemäß der Verpflichtung, die auf der Kenessio Gedaulo die deutsche Landesorganisation übernommen hat. Jedes Mitglied hat diese Kopfsteuer zu zahlen, gleichviel ob es einer Ortsgruppe, einer Jugendgruppe oder den Zeire Emune Jisroel in Deutschland angehört oder vereinzelt wohnt. Ohne diese Leistung darf kein Mitglied irgendwelches Wahlrecht ausüben. 2. den Beitrag an die Landesorganisation (den Gruppenverband), dessen Höhe zu bestimmen, jedem Mitglieds überlassen ist. Von dem Ergebnis aber hängt allein ab, inwieweit die Landesorganisation ihre Aufgaben gegenüber den Mitgliedern und Gruppen erfüllen, insbesondere den Informationsdienst organisieren, Anregungen und Auskünfte geben, sowie überhaupt den Briefverkehr bewältigen kann. Ist der eingehende Betrag ausreichend zu der Deckung der Kosten für Büro. Angestellte, Drucksachen und Vervielfältigungen, dann können die Gruppen regelmäßig, pünk lich und reichlich mit wünschenswertem Material versehen werden. Ist der Geldeingang unzureichend, wie im letzten Halbjahr, dann geschieht nur, was ehrenamtlich tälige Hände, neben anstrengender Berufsarbeit, mit persönlichem Schreibwerk bewältigen können. Alle guten Ratschläge wohlmeinender Freunde — der Vorort müsse sich gute Schreibmaschinen anschaffen, Steno ypistinnen einstellen, den und den Vervielfältigungsapparet besorgen ... — sind ebenso praktisch wie überflüssig. Noch praktischer und keineswegs überflüssig ist das Geld zur Bestreitung all der schönen Errungenschaften. Von den Eingängen für die Sachfonds der Aguda, also für Keren hatora, Erez Jisroel, Kriegswaisen und andere Zdoko, kann für Büro-Ausgaben nichts gekürzt werden, das ist eine Selbstverständlichkeit. Nur aus den Beträgen, die über die Kopfsteuer hinaus für Organisationszwecke von den Mitgliedern und Gruppen eingehen. kann des Vororts Schornstein rauchen. Tapfer Schmähten auf dem Delegiertentag tuts nicht allein. Hand wird nur von Hand gewaschen ... G. Die Landeskonferenz der Agudas Jisroel in Litauen (vom 13. bis 16. Adar I 5684.) Bei der Gründung der Agudas Jisroel konnte man im gegnerischen Lager nicht genug auf die Unmöglichkeit Hinweisen, Chassidim und westeuropäische Juden zu einer einheitlichen Organisation zu bringen. Ein Jahrzehnt der Agudoharbeit genügte, um vor aller Welt darzutun, daß der damalige Skeptizismus unberechtigt war. Heute sucht man die Agudoh dadurch zu diskreditieren, daß sie nichts weiter als ein Zusammenschluß der „separatistischen" Orthodoxie Deutschlands und der ungarischen Nachfolgestaaten mit dem überwiegenden Teile der Chassidim darstelle, daß aber die übrige Orthodoxie fernstehe. Die erste litauische Landeskonferenz der Agudas Jisroel hat noch deutlicher als die Kenessio Gedaulo den Beweis erbracht, daß die Idee von Agudas Jisroel auch im mchtchassidischsn und nicht „separatistischen" Litauen in derselben Stärke lebt, wie in Polen und in der Slowakei. Es ist charakteristisch für diese erste Landesversammlung der litauischen Agudoh, daß die wackeren Männer, welche in Kowno die Konferenz vorbereiteten, ursprünglich selbst starke Zweifel hegten, ob diese besucht würde; teilweise aus technischen Gründen wegen der schlechten Verbindungen, insbesondere in der Winterszeit.