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Der Israelit · 1924-03-06 · Heft 10 (6.3.1924) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
65 (1924)
Issue
Heft 10 (6.3.1924)
Date
1924-03-06
Page
– (sequence 19)
Language
German
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Nr. 10 Seite 19 6. März 1924_ das Bewußtsein entschwinden, daß der Flug zur Höhe die Bestimmung des jüdischen Lebens bedeutet, der Friede und die Einheit nur auf die eine Wahrheit Begründer sein können, sollte eine so völlige Entfremdung von der jüdischen Aufgabe erfolgen, dann ist Menschenkraft zu Ende. Wir können nicht in die Häuser dringen, UM gegen den Willen der Eltern die Kinder der min zu gewinnen. Wir können, ohne gerufen zu sein, gerufen von den Erziehungsverpflichteten, nicht in die Schule treten, um der Sinailehre zu ihrem Rechte zu verhelfen. Wir vermögen nicht die Friedensschalmai einer irrenden Gesellschaft mit ernster Stimme zu übertönen und die Wahrheit als Korrektor des Friedens Zu verkünden. Es mangelt uns an Macht und. Kraft der Werbung, gegen den Materialismus der Zeit zum Idealismus zu überzeugen. Nicht wir haben uns, sondern Gott hat uns die nnm gegeben. Er allein kann und muß sie in seinem Volk wieder zur Geltung bringen, wenn sie verloren ist. Gott selbst hat es sich Vorbehalten, gegen uns reines Wasser der reinen Wahrheil zu sprengen, damit wir rein werden. Von euren Sünden der Unreinheit und eueren Wandlungen werde Ich s e l b st euch reinigen. Ich selbst werde euch ein neues Herz geben und einen neuen Geist werde Ich euch einpflanzen. Ich werde das Herz wie Stein, gefühllos und unzugänglich, aus euerm Körper entfernen und werde euch geben ein Herz von Fleisch. Und Meinen Geist gebe Ich in euch und werde bewirken, daß ihr in meinen Gesetzen wandelt und ihr meine Satzungen lernt und sie ausübet. (Jecheskel 36, 25—27). Auch den Dienst an dem hl. Leuchter können wir nicht versehen. Wie der Gärtner nur säen und das Wachsium im allgemeinen fördern kann, — er jätet das Ankraur aus dem Boden und düngt und tränkt das Land, damit die Frucht gedeihen kann, aber seine Hand formt nicht den Kelch, gestaltet nicht den Fruchtknoten, bildet nicht die Staubgefäße und schnitzt die Blumenkrone nicht —, so können auch wir Menschen den Lichtbaum der Gotteserkenntnis und der Gottesfurcht nur im Keim des Wurzelstockes Nachweisen und empfehlen. Daß er wachse und gedeihe, daß er blühe und Früchte reifen lasse, dazu muß sonnige Liebe der Eltern scheinen, dazu gehört auch Wind und Regen aus den Schätzen 1>es Himmels. Nichr einmal den Tisch des leiblichen Wohles vermögen wir zu bedienen. In Zeiten der Hochkonjunktur des Verdienens und Genießens von frühester Jugend an in wahnsinnigem Prassen und wilder Lust nach eingebildeten Werten von nebelhaftem Nichts, da verhallt der Ruf des V"3 psav rn ungehört. Er meint: «Nipvn nm V'avai,p»an V'apa?K*ia3 naVi -ama vanvnV 'im nrn kV •paaVm mn aian nnn na« nrn naa oia rrrnn pKn ann nasaa Die Welt war nicht des Goldes wert; es ist nur geschaffen, um in dem sittlich-geistig hohen Dienst der erhabenen Symbole des pva und des snpan r?a die Sprache der Lauterkeit und Reinheit zu sprechen, die sich mit keiner Schlacke besudelt und keine Verbindung mit unreinen Elementen eingeht. Welch stürmender Jüngling ließ sich vom Ernst der Vorstellung von seinen selbstgeschaffenen Zielen abbringen, welcher Vater, der von Sorgen sich hat beugen lassen, hat den Mut der eingeredeten Pflicht zu entsagen, für das Morgen der Familie, für ihre soziale Erscheinung verantwortlich zu sein, wenn das soziale Gefüge seiner Umgebung den Maßstab für die Schätzung des Menschen verloren hat?! Und läßt gar die Gemeinschaft Iisroels zu Zeiten sittlich-religiösen Tiefstandes einen ideellen Dienst der Gesamtheit am goldenen Altar des Räucherwerkes zu? Wo Kräfte sich zusammenfinden von Ost und West und Süd und Nord, da gilt es die Linderung materieller Not. Iisroel in seiner Gesamtheit empfindet die geistige Not: sollen wir sagen: noch nicht oder nicht mehr? Das war selbst für Fernstehende das Erhebende der nVna nmaa der Ägudas Iisroel, daß für Iisroels einziges Gut, für seine g e i st i g e Erbschaft noch Herzen schlagen, die das Empfinden noch lebendig halten, daß map ps mm p« qk wenn keine mm in Iisroel lebt, es des Mehles nicht wert ist, aus dem das Brot seiner körperlichen Erhaltung gebacken wird. Wenn Väter und Gemeinden das Opfer nicht zu bringen vermögen, ihren Kindern Taurohlehrer zu halten, dann sind wir anl Ende des jüdischen Daseins angelangt. Wenn für njnx die Hände sich öffnen, für Nim aber nicht, wenn zur Erhaltung von mm - Schulen in Stadt und Land die Mittel fehlen, für Küchen und Anstalten zur Pflege des körperlichen Wohles aber ein edler Wettstreit die Spender ehrt, so vermögen wir nur zweifelhaften Erfolg darin zu erblicken. Denn während ber allen Geräten für das Heiligtum der Befehl zur Herstellung in der Einzahl tvw> erfolgt, heißt es ber dem p-iK dem Taurohträger iv9i in der Mehrzahl. Und dieser Aufruf an die Gesamtheit bedeutet die Mahnung. mmV aVia iai'v ma -pisa ipvV'i Van iw Alle, alle sollen, nlüssen kommen, um den piK zu fertigen, worin die mm ruhen soll. Auf allen und aus jedem liegt die Pflicht, der Welt die nun zu erhalten. Sie ist das Licht, das erst die anderen Kräfte des Menschheitsbodens weckt. und fördert. Darum ist der p-is zuerst geboten, wie das Licht die erste Schöpfung war. Ohne Geisteslicht kein Gedeihen der Bodenpflanzeir. Ihr Wachstum allein aber vermag kein Licht zu erzeugen. Wenn wir an der Hand dieser Zeichnung unseres Unvermögens Land und Leute unseres Wirksamkeitsgebietes einschätzen, in einer Zeit, so abnorm und überreizt, so blind und taub gegenüber den Ueberlieferungen der Geschichte und den Erfahrungen eigener Tage. Der I sr aeli t sollen wir dann die Hände in den Schoß legen und verzichten? Scheint nicht wie bei Jesajas Berufung jeder Erfolg aussichtslos irm Vki irn im -larnn Vki vm ivao- Höret und wollet nicht begreifen, sehet und wollet nichts erfahren? Etwas können wir vielleicht noch leisten n'vsi v'ivV v'vv '39 p»aV ra'vnpn m Du sollst die Bretter für die Wohnung aus ausrechtstehenden SchrttiNihölzern fertigen. Es wird gefragt, warum bei v'sipn der bestimmte Artikel steht, da bisher doch noch nicht die Rede vonden Brettern war und sie nicht als bekannt vorausgesetzt werden können. Aber unsere Ueberlieferung meint, das Volk kannte die Bretter, aus denen jetzt das Heiligtum gezimmert werden sollte. Unser Vater a?9' habe sie in Aegypten gepflanzt und habe seinen Kindern anbefohlen, diese Ledern beim Auszug mitzunehmen, damit das Material vorhanden sei, wenn der Befehl an sie erginge, ein Heiligtum zu errichten. Meine Damen und Herren! Auch wir sind in einem mVa, wie es unsere Väter waren. Aber uns fehlt ein 3P9' der seine Kinder darauf hinweist, daß das mV» nicht die Zukunft unseres Volkes ausmacht, uns fehlt ein apy der sich und uns über den Druck der Zeit erhebt, der den Mut hat, die Gegenwart nicht zu beachten und für die Zukunft zu sorgen, uns fehlt ein apsr> der die 'Geduld beweist na«?' paaVa nsai ma' nana pms einen Baum an Kraft und Größe im unscheinbaren Keim als Setzling in der Zeiten Erdenschoß zu pflanzen, daß er Frucht und Schatten den kommenden Geschlechtern spende. Wir verstehen das mVa nicht, die Geschichte nicht, die wir erlebe n. Sonst würden wir segnen den laan ns pm laan m ann der streitet für uns und der unser Recht vertritt. Würden wir den Untergang der Verfolgerdynastle im Osten und die plötzliche Verwirrung der Gedanken und Handlungen unserer Todfeinde im eigenen Lande recht begreifen, dann würden wir uns in Ehrfurcht vor Ihm niederwerfen und Seine mm küssen, würden kein wertvolleres Kapital, keinen reichern Besitz für unsere Kinder wünschen, würden Opfer für ihr jüdisches Wissen bringen, würden sie, wenn am Platze keine Lehrer vorhanden sind, zur na's?' senden, würden sie, so oft die Zeit es gestattet, selbst dorthin begleiten, würden die Kinder Schulen anvertrauen, in denen göttliches mit Menschenwissen vereint, einen ganzen Iudenmenschen für das Leben gestaltet und rüstet. Solche na'v» ist ja auch in der Kölner nun maVn und solche Schule in der Iawne vorhanden. Die Heiligkeit der Ehe, aus der Menschen entkeimen, die ein offenes Organ für die Saat der mm', vom Mutterschoße als heilige Lebensgabe mitbringen, müssen wir durch Beachtung der Ehegesetze und ernste Sorge um das nij?a pflegen. nam» und die Gesetze über unsere Ernährung sollen uns die Würdigkeit geben, menschenwürdig in Geist und Gemüt in Selbstheiligung und Selbstbeherrschung ein Leben als Jude zu führen, naiv soll den Hochmut bannen, der aViV-Strauß uns die Einheit des Menschengeschlechtes empfinden lassen. Das Zinsverbot soll uns im jüdischen Bruder den Bruder erblicken lehren und Ehrlichkeit in Handel und Wandel den Tag der Nechenschaftsablage erleichtern. pVsn am Haupt und Hand stärken uns zum Lebenskampf und die Segenssprüche über den Genuß adeln und veredeln unsere leibliche Pflege. Und der rav vor allem, dem Schöpfer des! Alls und dem Richter der Welt geweiht, als Segen > und nicht als Opfer empfunden, breitet mit dem Gedanken an Gott und mit der Selbstweihe an Ihn die Decke des Friedens über uns und ganz Israel und aVaim Wir können und wollen nur die tptmj? sein, die Schutzwand, die das Eisen abwehrt, das E s a u s Symbol bildet, se in Lebenselement, und das darum a u s geschaltet ist aus den Materialien, die am und im jüdischen Heiligtum ihre Verwendung fanden; wir können nur den Schutzwall bilden gegen die Verlockungen, die von anderer Seite den jüdischen Eedankengang verwirren. wollen, ihm Ziele zeigend, die ein ins Uebermaß gesteigerter Selbsterhaltungstrieb aufgerichtet hat und die Ideen der nnm aus den Herzen reißt, Tendenzen, die Völker im Konkurrenzkampf entzweien, zum Kriege rufen und die Welt vernichten (Pf. 68, 31). i3vn' nianp v'a9 na Die in der Zerstreuung Vereinzelten müssen wir in ihrem angestammten Gedankenheim befestigen (Ps. 68, 7). nma D'-rir a'ena und müssen immer wieder aufs neue versuchen, die verheerenden Stürme der Leidenschaft, denen Völker und Staaten erlagen und erliegen, von u n f e r m Erbe fernzuhalten, dann wird die in unser Herz seit Tausenden von Generationen eingepflanzte mm sich von selbst zum Lebensbaum entwickeln. Die Pflicht unserer Tage ist es, v o n E r u n d aus neu aufzubauen. — Jede Zeit hat ihre Pflichten. — Drum ist es heute an Ihnen, meine Damen und Herren, daß auch zu Zeiten der Teuerung das schriftlich« Wort unseres bewährten Vereinsorganes nicht für immer verstummen muß und durch die Verkehrsschwierigkeit die so notwendige persönliche Berührung der Gemeinden und Mitglieder mit den Funktionären des Vereins nicht gestört bleibt. Beides fordert der Zweckparagraph unserer Satzung. Wenn moderne Verkehrsmittel für das Geschäft nicht zu kostspielig sind, dann müßt Ihr so jüdisch fühlen, um zu wissen, daß nun-Verbreitung sich auch und nicht minder bezahlt macht. Ideale! höre ich sagen. Jawohl Ideale! Aber Ideale sind des Juden einzige Reellitäten. Gewiß müssen wir Ideale und nur Ideale pflegen, sie sind des Juden und des jüdischen Volkes Lebensberuf, mit ihnen steht und fällt auch unser Verein. Ihnen Opfer zu bringen, bedeutet Segen und nicht Verlust, den Opfernden und der Gesamtheit. Wir wollen sein, was wir durch Geburt sind, Gottesdiener, auf die er sich stützt, seine Auserwählten, an denen Er Wohlgefallen haben will, auf die Er Seinen Geist gelegt, damit sie Recht unter die Völker hinaustragen. (Jes. 42, 1). Wir wollen die a'snp sein, von denen die Sidroh sagt: : miny o'W 'xy ,prmV O’tnpn m rrean „Du sollst die Bretter für die Wohnung fertigen ans Schittimhölzern nach ihrem Wachstum aufrechtstehend." II. 26. 15. Meine Damen und Herren! In Reih und Glied erheben sich diese Bretter nV?a Vv K'vnvvma wie Soldaten im Heer des Höchsten. Sil b e r n e Füße hatte jedes Brett. Auf schlackenfreier Grundlage der Selbstlosigkeit standen sie, überzogen vom reinen Gold wertvollster Wahrhaftigkeit und unverfälschter Folgerichtigkeit des Wollens. . Innen zeigten sie die auswärtsführende Faser der Entwicklungsfähigkeit ihres Ursprunges von der Wurzel bis zur Krone. Ein Ring der Treue und der Einigkeit verband sie zum einheitlichen Schutz des jüdischen Heiligtums göttlicher Wahrheit mit ewig unverlierbarer Bestimmung, die das Glück der Welt bedeutet. Das alles will sagen: Wenn du dieses himmlische Symbol hienieden aus Erden verwirklichst, danil sende ich die Genien der Unsterblichkeit hinab und lasse meine na'av in euerer Wtitte weilen. Die Seraphim stehen dienstbereit, des göttlichen Befehles gewärtig, in den Höhen. Wir können in glühender Gottesliebe die feurigen Vollstrecker Seines Willens hierunten sein. Wir können in dunkler Nacht die leuchtenden Sterne am Firmament der Menschheit werden. Wir brauchen nur die goldenen Spangen zu bilden, die Anschauung und Gesetz in harmonischer Einheit verbinden, jüdisches Denken und jüdisches Leben, damit das schützende Dach eins sei, von dem Kraft und Reinheitsstreben als segnende Cherubim herniederschweben, wir brauchen nur als Schutzwand dastehen zu wollen anas bereit und aufrecht, dann dürfen wir getrost und hoffnungssroh entgegenharren der Stunde der Erlösung für Vuiv' und die Menschheit. Den Glanzpunkt -er Tagung bildete der mit großer Spannung erwartete und 'mit rauschendem Beifall belohnte Vortrag des Seminardirektors und Rabbiners, Herrn Dr. Emanuel Carlebach über das Thema: Wissenschaft und Judentum. Leider sind wir heute noch' nicht in der Lage, den Wortlaut des nach Form und Inhalt wohlgelungenen Vortrags unseren Lesern Mitteilen zu können. Bei der Dorstandswahl wurde Herr Jonas- M.-Gladbach zum Ehrenmitglied ernannt, die nach dem Turnus ausscheidenden Herren wurden wiedergewählt und Herr Julius Weil-Köln und Herr Oppenheimer-Goch neugewählt. Mithin setzt sich der Vorstand aus folgenden Herren zusammen: Nathan Kahn-Köln, Vorsitzender, Direktor Salo Meyer-Düsseldorf, stellvertr. Vorsitzender, S. Grünfeld-Köln, Rendant Herr Julius Weil, Schriftführer, Herr G. Loewenstein, Jacob Cohen-Köln, Heinrich Levisohn-Siegburg, Dr. Rothschild-Dinslaken, Jos. Alexander I - Vallendar, Mos. Schweizer-Euskirchen, Oppenheimer-Goch. Ehrenmitglieder: S. Hanauer-Euskirchea und I. B. Jonas-M.-Gladbach. Wir wollen hoffen, daß der Druck der Zeiten nunmehr für immer von uns genommen sein möge, damit wir mit frischem Mut unter tatkräftiger Hilfe aller Gleichgesinnten an den Wiederaufbau jüdischen Lehens und Strebens gehen können. Mitteilungen: Mit der nächsten Nummer wollen wir die Veröffentlichung der Spendenlisten wie in den früheren Jahren wieder beginnen. Es werden in unserm Büro: Köln, Hohenstaufenring 14, Postscheckkonto 50 648 Köln, alle Spenden entgegengenommen und weitergeleitel. Vor all'im bitten wir unserer besonderen Kassen zu gedenken: 1. Verwaltungskasse des Vereins. 2. Crez Iisroel. 3. Verlag des Jüdischen Volksfreundes. 4. Schulfond. 5. Stipendienfond. 6. Verfügungskasse zu wohltätigen Zwecken. 7. Talmud Tauroh-Köln. 8. Iawne, Realgymnasium u. Lyceum-Köln. 9. Mikwoauskasse. Wir bitten um reichliche Purtmspendrn!

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