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Der Israelit · 1924-03-06 · Heft 10 (6.3.1924) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
65 (1924)
Issue
Heft 10 (6.3.1924)
Date
1924-03-06
Page
– (sequence 17)
Language
German
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°--Oll °~° töfc) 3fidiscfter 61 "öl o—o IIP-oIIN« Doffesfreund $um Organ des Vereins für die jüdifchenSnferejfen (Rheinlands c.D. D<». Lvslf in Lsln n. Rh. -OJ O- ^8. Jahrgang Frankfurt a. Al., 6. März ^924 / 30. Adar I 568^ Nr. X u. 2 An unsere Leser! Sri« dem 27. Will 6881 »«tte der „Jiidische VoUsfrellnd". das Organ des Vereins für die jüdischen Interessen Rheinlands (E.V.) in Köln, infolge der Lase im DruSereigewerde sein Erscheinen e'nstellen müssen. Auch diese Nummer bedeutet noch einen zaghaften Versuch, unser Unternehmen von neuem zu beginnen. Wenn unsere Mitglieder und Freunde slauben, es läge im Interesse der jüdischen Sache, unser schwaches Streben unterstützen zu sollen, dann wird der Versuch gelingm. Es steht bei ihnen, die gerstrsen Bestrebungen des überlieferten Judentums aus dem wirtschaftlichen Zusammenbruch der Zeit zu retten. Bericht über die ordentliche Mitgliederversammlung des Vereins für die jüdischen Interessen Rheinlands (E. V.) vom 5. Adar I 5684 (10. Februar 1924). Eine zahlreich aus allen Teilen der Rheinprovinz und Äus Köln besuchte Versammlung fand sich morgens 11 Uhr zusammen, um in harmonischer Beratung und bei gemeinsamem Mittagsmahl die jüdische Sache der Provinz zu besprechen. Der Mund, der auf den früheren Versammlungen seit 22 Jahren das erste Er- Bffnungswort zu sprechen pflegte, ist für immer verstummt. Statt seiner lei ete zum ersten Male der Nachfolger im Vorsitz, Herr Nathan Kahn-Köln, die Versammlung. Er trat sein Amt mit folgender Rede an: Sehr geehrte Damen und Herren! Im Namen des Vorstandes des Vereins für die jüdischen Interessen Rheinlands, der mich mit der Leitung der heutigen Versammlung betraut hat, heiße ich Sie herzlichst willkommen. Zunächst stelle ich fest, daß die Einladung satzungsgemäß ergangen ist. Ich danke Ihnen für Ihr zahlreiches Erscheinen aus nah und fern und für die hierdurch gebrachten Opfer an Zeit, die mir als einen Beweis dienen für Ihr dringendes Interesse, die Derei'.stä igkeit, die unter dem Druck der wirtschajtlichen Verhältnisse und insbesondere der Verkehrssperre sehr gelitten hat und noch sehr leidet, wieder aufs neue zu beleben. Ich gebe der Ho fnung Ausdruck, daß wir a le in unfern Erwartungen nicht getäuscht werden und der heutige Tag eine neue Etappe auf dem Wege zur Erreichung unserer Vereinsziele darstel t. Ich begrüße insbesondere die Herren Rabbiner und alle auswä.tnen Freunde und gebe der besonderen Genugtuung da.über Ausdruck, heute den Senior, den Begründer und das Ehrenmitglied unseres Vereins, Herrn Hanauer, unter uns zu sehen. Ihn heiße ich besonders herzlich willkommen. Ich erfülle eine Pflicht der Dankbarkeit, wenn ich ihm von dieser Stelle aus zum 80jährigen Geburtstageden er jüngst feiern konnte, das herzlichste Maseitow zurufe. Der Rabbiner des Vereins und ich hatten es uns nicht nehmen lassen, ihm persönlich in Euskirchen am 'Tage selbst unsere Wünsche auszudrücken, wobei ihm der jüdische Doktortitel honoris causa — der Ehower — verliehen wurde. Möge er ad Meoh weesrim schono in gleicher Frische und Rüstigkeit an der Entwicklung unseres — seines — Vereins teilnehmen können. Meine Damen und Herren! Seit unserer letzten Mitglieder7ersammlung sind beinahe 2 Jahre verflossen und da geziemt es sich wohl, einen kurzen Rückblick zu halten, was in diesen zwei Jahren sich ereignet hat. Da muh ich zunächst eines Mannes gedenken, den wir das Glück halten, an der Spitze unseres Vereins zu sehen, der ihm von Anfang an den Stempel seiner Persönlichkeit aufdrückte. Unser Vorsitzender, Herr M. L. Munk hat uns verlassen und mußte einem höheren Rufe folgen. Was wir in ihm verloren haben, das zu schildern, reicht das Wort nicht aus, ein Mann, der eine vollendete jüdische Persönlichkeit in des' Wortes vollkommener Bedeutung war, ein Mann von edelsten Empfindungen, ein Zadik in jeder Form; durchglüht von Begeisterung zu unserer heiligen Thora und zum Judentum, stellte er feine reichen Geistes« und Herzensgaben stets in den Dienst jeder guten Sache. Wer je das Glück hatte, ihm nahe zu sein, der empfand die Reinheit seiner Gesinnung, seine grenzenlose Bescheidenheit, und wir dürfen es hier bekennen, er war ein Vater der Armen und Bedürftigen. Seit der Begründung unseres Vereins hat unser Heimgegangener Führer, von dem wir sagen können, er war gleich Moses ein Ewed Nemon, in nie versagender Treue und Liebe ihm sein Bestes gegeben. Leine Stunde war ihm zu früh oder zu spät, keine Reise in gesunden Tagen zu beschwerlich, wenn es galt, die Ziele unseres Vereins: Verbreitung von Tauro in den Rheinlanden zu fördern. Mit jugendlichem Schwung hielt er hoch das Banner, auf dem in leuchtenden Worten stand: Mi Laschem, wußte hohe Begeisterung für unsere heiligen Lehren auch in den Herzen und Seelen derer zu erwecken, die vom Wege der Thora abgewichen waren. Glich er doch. seinem , großen Vorgänger Aron, von dem uns gesagt wird: : 7w-QN mr ams : oii-v errrn mi>r onin denn auch er war erfüllt von Friedensliebe, mit der er all seine M tmenschen umschloß. Seine Bescheidenheit, aufrichtige Ueberzeugungstreue und fein nie versagendes Gottvertrauen waren die Quelle und der Zauberstab, womit es ihm gelang, alle Widerstrebenden zu einigen und sie der Gotteslehre näherzubringen und wenn es uns m. G. H. gelungen ist, das Schifflein unseres Vereins durch die zuweilen brandenden Wogen des Weltgeschehens und der Wirrnisse der Zeit zu lenken, so danken wir dieses seinem klugen Rat und seiner starken Hand. Auch von ihm können wir sagen: 83 mittx t,y> m'i Seme Hand lieh er uns in Treue bis zum Sonnenuntergang, bis zur letzten Stunde seines gottgesegneten Daseins! So können wir diesen Augenblick nicht vorübergehen lassen, ohne unserm Heimgegangenen Vorsitzenden unfern heißen und herzlichsten Dank nachzurufen für alle Liebe und Treue, die er dem Verein entgegengebracht hat. Diesen Dank aber müssen wir in die Tat umsetzen, und alle Mitglieder unseres Vereins mögen ehrlich und aufrichtig bestrebt sein, in dem Geiste und Sinne des Verewigten weiterzuwirken. Dazu möge uns das Verdienst des Heimgegangenen beistehen. Roch eines Mannes muß ich schmerzlich Erwähnung tun, der bis vor einigen Jahren dem Vorstand unseres Vereins angehörte. Herr Laldenbach, Düsseldorf, ist leider auch nicht mehr und dankbar gedenken wir seiner stets treuen und bewährten Mitarbeit. Leider waren die verflossenen zwei Jahre auch sonst nicht ohne trübe Erscheinungen. Die traurigen, wirtschaftlichen Verhältnisse, die Nöte, in denen sich unser deutsches Vaterland befindet, warfen auch ihre Schatten auf unseren Verein, hemmten seine Entwickelung. Die notwendigsten - Reisen in die einzelnen Bezirke und Städte konnte durch unfern Vereinsrabbiner, insbesondere im letzten Jahre, nicht ausgesührt werden, weil die Verkehrsschwierigkeiten zu groß waen. Infolgedessen hat sich unter allen Mitglieder^ eine gewisse Entfremdung geltend gemacht. Diese Entfremdung ist noch dadurch gefördert worden, daß mir unsere Zeitung, den „Volksfreund'' nicht mehr aufrechterhallen konnten. Es ist die geldliche Seite natürlich infolge dieser Erscheinungen eine überaus schwierige geworden, da die Einziehung von Beiträgen völlig bedeutungslos geworden war und die Einziehungskosten größer waren, als die Beiträge selbst. Es muß daher nach dieser Richtung eine Aenderung geschaffen werden, die bei der heutigen allgemeinen Goldmark-Einstellung leicht zu finden ist. Aber auch wegen der Wiedergewinnung einer Zeitung müssen alle Anstrengungen gernacht werden und dürfte sich vielleicht im Laufe der Aussprache Gelegenheit finden, zu dieser Frage Stellung zu nehmen. Wie Sie jedenfalls aus den Berichten unseres Rendanten noch näher hören werden, sind Spenden vollkommen ausgeblieben. Wenn wir trotzdem bis heute in der Lage waren, unsere Beamten zu honorieren und die Ausgaben zu decken, so ist dies unserem emsigen und außergewöhnlich tatkräftigen Rendanten zu verdanken, der sich unter Einsetzung seiner ganzen Kraft bemüht hat, uns in den Stand zu setzen, unsere Ehrenpflicht zu erfüllen. Ich nehme Veranlassung» ihm von dieser Stelle aus unfern herzlichsten Dank auszusprechen, möchte aber auch nicht verfehlen, gleichzeitig einen dringenden Appell an alle Mitglieder zu richten, nunmehr in ausreichendem Maße ihre Pflicht zu erfüllen. Wenn in der letzten General-Versammlung daraus hmgewiesen wurde, daß durch die Not der Lehrer eine Lehrer-Not entstände und daß sich insbesondere die jungen Kräfte veranlaßt fühlen, andere Berufe zu ergreifen, in denen sie für die Zukunft eine bessere geldliche Lage erhoffen und wenn hierbei auf die dringende Pflicht der jüdischen Gemeinden hingewiesen wurde, die ihre Beamten so stellen müßten, daß sie mit ihren Familien sorgenlos leben können, so ist leider festzustellen, daß in dieser Hinsicht die Lage eine ganz trostlose geworden ist. Unter Verkennung ihrer jüdischen und menschlichen Pflichten haben ganze Bezirke und Städte, insbesondere die ländlichen Bezirke, in diesem Punkt schwer gesündigt. Ich brauche nur auf die Zeitungsauseinanderfehungen hinzuweisen, die vor längerer Zeit die Oeffentlichkeit beschäftigten und die einen Blick in Verhältnisse gewählten. die geradezu erschreckend waren. Man hält es nicht mehr für notwendig, auf dem Lande und an kleineren Plätzen, einen jüdischen Lehrer zu halten und tröstet sich mit der billigen Ausflucht, es könne das Geld nicht zusammengebracht werden. Mas nützen, meine Damen und Herren, alle Reden und alle schönen Versicherungen, wenn wir sie nicht durch die Tat bekräftigen. Wir schaffen für unsere Linder, unsere Familie das Veste, das Schönste, das Teuerste, für unser Geschästswesen so viel Dinge an und zahlen sie gern nach Maßgabe unserer Lräste. Wir tun alles, um unsere Lörperkräfte aufzufrischen, sie zu stählen, was auch durchaus nötig ist. Nichts ist uns zu teuer, um es zu kaufen. Aber unfern Lindern Ewigkeitswerte mit auf den Weg zu geben, ihnen Halt und Stütze im Kampf ums Dasein zu verleihen, sie zu ertüchtigen, daß sie den Lamvs gegen innere und äußere Feinde siegreich bestehen, sie einzusübren in die jüdische Wissenschaft und ihnen die Schätze unserer Thora zu vermitteln, sodaß sie uns auch noch nach unserm Tode für die Erbschaft danken, die wir ihnen hinterlassen haben und uns dafür segnen: — Das kann man natürlich nicht, das kostet zu viel. Welch riesengroße > Verantwortung nehmen alle diejenigen auf sich, die nicht alles für die Ausrechterhaltung des Lehrerstandes einjetzen. Die Linder, die Träger der Zukunft, unsere Hoffnung und unser Stolz, sie müssen uns wertvoller sein als Gold und Silber. Meine Damen und Herren! In der dieswöchentlichen Sidroh wird uns von dem Ban des pra berichtet. Eine heilige Lade aus Schittimholz, innen und außen von reinem Gold überzogen, soll angefertigt werden, in die das Zeugnis, die Tauroh, hineingelegt werde. Dazu soll ein Deckel aus gleich edlem Material gearbeitet und aus dem reinen Gold des Deckels sollen an beiden Enden der Lade die beiden Eherubim herausgehämmert werden, die ihre Flügel nach oben ausbrerten und ihren Blick auf den Deckel — unter dem das Zeugnis, die Tauroh, liegt, richten. Und unsere Erklärer sagen dazu: Das Antlitz der Cherubim sei das von Lindern gewesen. Meine Damen und Herren! Ist dieses nicht ein Bild der Erziehung? Auch unser Haus soll ein Heiligtum sein und unser Herz imb unsere Seele die heilige Lade, in die wir die Thauro hineinlegen; unser ganzes Innen- und Außenleben sei erfüllt von den edelsten, sittlich-hohen Eigenschaften. Und aus diesem der Tauroh geweihten, von Gottes-

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