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Der Israelit · 1924-02-28 · Heft 9 (28.2.1924) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
65 (1924)
Issue
Heft 9 (28.2.1924)
Date
1924-02-28
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Getto 10 yir. 9 Der Israelit 28. Februar 1924 Sie suchte nach einer Ausrede, um von dem Elend wegzukommen, das sie überwältigte. „Ich werde bald zurück sein." „Wie bitter," jammerte Frau Rawinsky, als die „Mldiätige" dann das Zimmer verlassen hatte. „Ich kann niemals mehr mein Haupt aufrecht halten, wie andere Leute. Ich fühle mich niedriger als ein Dieb, eben weil ich einen Mann habe, der sich Tag für Tag an Gott hält." Sie knackte die Gelenke ihrer knochigen Finger. „Einziger Gott, horche besser auf mein Gebe!! Errette mich aus dieser Hölle der Mildtätigkeit!" Zehn Minuten später kam Frl. Naughton zurück mit einer Tasche voll von Lebensmitteln. Ich werde Ihnen ein Frühstück zubereiten." Sie maß Kakao in einen abgenutz en Topf. „Und bald wird der Ausläufer kommen mit genügend Lebensmittel für die ganze Woche." „Bitte, bitte", flehte Frau Ravinsky, „Ich kann jetzt nicht essen — ich kann nicht —" „Aber das Kind, es bedarf sofort nahrhafter Speise." Rahel barg ihr Gesicht in ihrer Mutter Schatz, ihre eingesunkene kleine Brust hob sich und fiel vor erschrecktem Herzklopfen. „So klein sie ist, fühlt sie doch, wie bitter das Essen der Mildtätigkeit schmeckt." Fräulein Naughton konnte das Unbehagen der Frau, Unterstützung anzunehmen, wohl verstehen. Sie war diesem Stolz der Armen früher schon begegnet. Aber sie hatte keine Sympathie für diese Mutter, die in ihrem Kinde Widerstand erweckte, gegen die Hilfe, die so dringend nötig war. Ihre Geduld brach. Sie wandte sich vom Ofen und setzte entschlossen ihr Verhör fort. „Hat Ihr Mann unser Stellenbüro besucht?" „Nein." „Dann schicken Sie ihn morgen um 9 Uhr auf unsere Arbeitsstube. Er kann Portier oder Träger werden." „Mein Mann? Mein Mann Portier oder Träger?" Ihre Augen flammten. „Wissen Sie, was mein Mann war in Rutzland? Das Beste des Landes brachte man ihm, für das Vergenügen, seinem Lernen zuzuhören. Tonnen voll Fleisch, Töpfe voll Hühnerfett standen in meinem Keller. — Allein die gefüllten Fische, die ich verschenkte, sind mehr, als die „Mildtätigen" in einem Monat für die Armen ausgeben." Fräulein Naughton konnte ein Lächeln nicht unterdrücken. „Warum verlietzen Sie es denn, wenn alles so vollkommen war?" „Meine gefüllte Fisch! Oi-i-i! Oi-i-i! Mein Apfelstrudel — mein schöner Apfelstrudel!" wiederholte sie immer, unfähig, sich vom Bild der Vergangenheit loszureitzen. (Fortsetzung folgt.) Noch einmal:DcrjildischeName! Es ist Kaum zu verstehen. Kommt da ein aufrechter Mann mit geradem Blick und gleichem Sinn und legt seinen Finger aus eine der schwärenden Wunden unsrer Zeit, flugs stellen sich Besserwissende ein, um es noch hat es sich nicht auswirken können — im Keime zu ersticken. Ja, warum? Nicht allein dürres, auch das grüne Holz leistet diesen nützlichen Dienst. Wie sehr freute sich nicht das Herz beim Lesen jener kräftigen Zuschrift, die gegen die arische Sille des entblößten Hauptes mit dem Nüstzeug der Gelehrsamkeit, aber ,auch mit überzeugender Wärme Sturm lief, wie einleuchtend und lauter sind die Darlegungen jenes andern Schreibers im »Israelit - vom y. Januar 1924, der die verwerfliche Art fremder, unjüdischer Namengebung in gemessenem Tone geitzelte. Diese Seldstentmannung, die Scham vor sich seUIt, das eigene Ich verleugnende Schwäche dient bis auf den heutigen Tag als Zielfcheil'e aller jener unflätigen und rohen Witze; dabei ist ihnen ein gewisser Grad von Berechtigung nicht leicht abzusprechen. Man müßte schon lange suchen, um irgend ein Volk zu finden, das sich.so sorgfältig bemühte, die Namen seiner Vorfahren der Oeffentlichkeit vorzucnthalten. wie es heute große, und leider nicht die schlechtesten Teile der Judenheit tun. Die durch dieses Gebühren ausgelösten zersetzenden Einflüsse sind von verheerender Wirkung aus uns alle, sie erziehen zwangsweise zur Heuchelei und zu dem Gefühle einer — glücklicherweise nicht vorhandenen — Minderwertigkeit. Jedenfalls sind die Bestrebungen jener um das Wohl und Wehe ihres Volkes besorgten Männer ein erfreuliches und begrüßenswertes Zeichen innerer Gesundung gepaart mit natürlichem Selbstbewußtsein; zwei Eigenschaften, die uns bitter not tun. Man müßte Zw her, sollte man meinen, solchen Männern treu zurneite stehen und durchaus vermeiden, ihnen unter Vorbringung historischer, psychologischer oder anderer, an den Haaren herbeigezogenen Gründe ein Bein zu stellen: umso bedauerlicher aber ist es, wenn mit der unverhüllten Absicht der Erschütterung ihrer unangreifbaren Position, eine Polemik in die Erscheinung tritt. Damit habe ich den Aitikelin einer der letzten Nummern im Auge, der sich mit der Eingangs dieses erwähnten dringenden Mahnung beschäftigt, von der Unsitte abzülassen, jüdischen Kindern christliche oder heidnische Namen zu geben. Zeit und Raum gestatten nicht auf den Inhalt näher einzugehen, man müßte sonst sagen, daß die Beweisführung des Herrn Artikelschreibers lückenhaft ist und dort, wo sie wissenschaftliche Grenzgebiete streift, einer strengeren Untersuchung kaum standhält; von den mancherlei Widersprüchen, die zuletzt dem angegriffenen Verfasser sogar in der Hauptsache Recht geben, ganz zu schweigen. Einige kurze Fragen und Bemerkungen seien jedoch erlaubt: Tut es not. einen Anlauf, der gewiß im Sinne der Thora und ihrer Lehrer liegt, mit der Lauge einer angeblich geschichtlichen Kritik zu übergießen, ihn dadurch zu schwächen? Der Verfasser durste doch gewiß nicht behaupten, daß der Gebrauch nichtjüdischer Namen ein gutes Werk und zu empfehlen sei; er wird auch kaum die Ansicht vertreten. Hans fei ein der Thoraforderung entsprechender, genügender Ersatz für unser Jochanan, wenn auch Hans ein Kosenamen und ein Diminutiv jüdischen Ursprungs ist. Ein oberflächlicher Leser mit hergebrachten Anschauungen — Produkte einer im Goluth erschlafften Seele — könnte mit Leichtigkeit versucht sein, dies herauszulesen und die weiteren Konsequenzen aus den etymologischen Experimenten des Verfassers zu ziehen; ist ja auch der Name des Gründers der christlichen Religion — mit ungleich viel mehr Sicherheit — jüdischen Ursprungs, auch mit der gräzisterten Endung. Wenn man hierzu bedenkt, daß Juden in bedauerlicher Gedankenlosigkeit ihren Kindern seit vielen Jahrzehnten als Aequivalent für Nathaniel (Gabe Gottes, Theodor), den — in Beziehung auf jene altägyptisch-griechische Göttin der Lustdirnen Isis entstandenen — Namen Isidor (Gabe der Isis) beizulegen für gut fanden, so dürste es sich schon für einen jüdischen Seelsorger empfehlen, seine in temperamentvoller Entgegnung geäußerten Ansichten über die Beibehaltung der fraglichen nichtjüdischen Rufnamen, seien sie eingebürgert oder nicht nmo^ schleunigst zu revidieren. Die Ehrlichkeit gebietet es zu gestehen, daß jene traurige Erscheinung, wie sie in der Benamsung zu Tage tritt, nichts weiter als das Eingeständnis einer durch jahrhundertlange Verfolgung erzeugten ohnmächtigen Schwäche ist, die mit Gottes gnädigem Beistand einmal überwunden werden muß, aber über alte Fehler und ihre Folgen den geschichtlich verbrämten Mantel falsch verstandener Liebe oder Nachsicht zu breiten, geht hier, da es sich um ein vitales Gebot in höchster Potenz foan npinn iobn 8^>) handelt, nie und nimmermehr an. Je eher mit dieser unjüdischen aber auch gleichernlatzen unweisen Namensgebung ein Ende gemacht wird, je besser, und destomehr sind die mühevollen Anstrengungen jener tapsern Männer mit heißem Dank anzuerkennen und ihnen nachzueifern in der kategorischen Forderung: Jüdischen Kindern jüdische Namen! (Der Herr Einsender tut dem von ihm angegriffenen Verfasser Unrecht; es handelte sich für diesen nur um die Ergänzung des für die Beurteilung der Frage wichtigen historischen Materials. Red.) Kinderecke. Wie sie die Erlösung erzwingen wollten. Aus den Jerusalemer Geschichten. Vor dreihundert Jahren lebten in Jerusalem drei Rabbiner, die Tag und Nacht das Gesetz studierten und sich auch in der Kabbala gut auskannten. Sie hießen Rabbi Schalom Scharabi, Rabbi Chajim Delarosa und Rabbi Iossef David Asulai. Groß und angesehen waren die Rabbiner und ihr Ruf ging durch alle Lande. Um diese Zeit gab es keinen Herrscher in Jerusalem und es tat ein jeglicher, was ihm gefiel. Die Ismaeli en besonders bedrängten die Juden, überfielen ihre Häuser, plünderten sie aus und mißhandelten viele. Es war eine Zeit des Leides für Israel wie kaum zuvor. Die drei Rabbiner trauerten, weinten und beteten um ihre Brüder. Und als all dieses nichts nütze, versammelten sie sich in der Höhle Zidkjahus und berieten, was zu tun fei. Am Ende beschlossen und gelobten sie, kraft ihrer Beziehungen zu den höheren Sphären, Moschiach herbeizuzwingen, koste es, was es wolle. Seitdem zogen sich die drei Rabbiner ganz in die Höhle zurück, hüllten sich in Sack und Asche und fasteten alle Tage, unterzogen sich auch allen Kasteiungen und arbeiteten an ihrer inneren Reinigung ohne Unterlaß. Als sie sch genügend vorbereitet glaubten, verließen sie die Höhle, es war die Nacht des neunten Ab, und bestiegen den Oelberg. Dort betete jeder für sich an einem von ihm gewählten Grabdenkmal. Und als sich in der Mitternachtsstunde der Himmel auftat, da riefen die Rabbiner die Namen aller Heiligen an, die sie bis jetzt n'cht auszusprechen wagten. Eine große Erregung kam über die Welt, und man glaubte, Moschiach sei nahe. Vom Himmel kam aber eine Stimme: „Noch ist es nicht Zeit. Und wenn Ihr noch weiter drängt, so wird die Welt aus den Fugen geraden, und Oede kommt statt Erlösung. Auf daß Euer Drängen sich aber nicht wiederholt, mutz einer von Euch heute nacht noch Jerusalem verlassen, um es nie wiederzusehen, denn so Ihr Drei beisammen seid, könnt Ihr solche Versuche von neuem unternehmen." Die Rabbiner erschraken nicht wenig und fielen auf ihr Angesicht. Als sie sich erhoben, berieten sie darüber, wer von ihnen Jerusalem verlassen sollte, und sie beschlossen, das Los entscheiden zu lassen. Es fiel auf Rabbi Iossef Chajim Asulai. Noch in dieser Nacht ging er aus der heiligen Stadt, es wußte keiner wohin. Auch die anderen zwei Rabbiner wurden von hartem Schicksal betroffen. Als Rabbi Schatom Scharabi einmal, wie üblich, an der heiligen Wsstmauer sein Mitternachtsgebet verrichtete, kam ein Ismaelite und hieb ihm mit dem Schwerte den Kopf vom Rumpfe ab, der in das Hinnomtal hinunterkollerte. Nach wenigen Tagen erkrankte Rabbi Chajim Delarosa und starb. Auf dem Totenbette hatte er aber angeordnet, daß man ihn nicht in Ehren bestatte, sondern seine Leiche durch Straßen schleife bis zum Tale Josaphat. Keiner dürfe seinen Tod beweinen. Die Schüler weigerten sich aber, diesen Auftrag auszuführen und trugen die Bahre den Oelberg hinauf. Da kam ein Trupp Beduinen des Wegs, die sich auf die Träger stürzten, um sie auszuplündern. Diese ließen die Bahre im Stich und liefen davon. Die Beduinen warfen aber die Leiche aus dem Sarge und schleiften sie bis zum Tale Josaphat. Der Wunsch des großen Toten halte sich erfüllt. Und eine himmlische S.imme rief: „Heil Dir, Rabbi Cha.im. Auch Deine Sünde ist gesühnt! . . ." •D’öJins anyaos’jffp inin» 7118' O’JS *1203 DH D* '*|V3pa *p3n >'3'2N '“(2JP8 718T öw» 2pin rmwh hpi '71V1N11 sm f2 ‘r'znn 7i8wh» ♦mznm mrs nhn D'ö' H3'28 210 WH nsnV '102N '8VN2 8inw rw'N l'Q' 22p' 81?

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