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Der Israelit · 1924-02-21 · Heft 8 (21.2.1924) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
65 (1924)
Issue
Heft 8 (21.2.1924)
Date
1924-02-21
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Benage0"' Der Israelit Skizze aus dem amerkkan'schen Leven der Gegenwart. Don Anpa Pezierska. tlleberfetzung aus dem Englischen des Menorah-Journals von A. M.) (Fortsetzung). ..Werden die „M ldtä'igkekts"-Damen uns w'eder Essen b ingen müssen?" fragte Rahe! mit vor Furcht geweiteten Augen. „W rte nur. Vis ich alt genug bin, dann trete ich in ein Geschäft ein und verdiene Geld." Und beschützend erhob sie ihre kleinen hilflosen Arme. Des Kindes Mk'gefühl brannte wie Salz auf der Mutter Wunden. „Weshalb kamen w r nach Amerika?" D e vier Wände ihres vernichteten Heims hallten Antwort zurück. Nur die Bündel Bet'zeug blieben, von Rahel mit wildem Trotz bewacht, als ob sie diese ben von dem Sch ffbruch retten wollte. Das Kind rauh auf d.e Seile schiebend, warf der Mann sie über die Schulter. Mit Rahel, die sich an ihrem Nocke fest.)ielt, tastete sich Frau Ravinsky die dunkle Treppe hinunter. „Mein Leben, mein Blut, mein Federbett!" schrie sie, als er das Familienerbstück in die Gosse schleuderte. „Gewalt!" niedergeschmettert fiel sie darauf. „Wie viele Winter brauch e meine Mutter, die Federn zusammenzubringen! Meiner Mutter Hochzeitsgeschent!" Aus den Höfen, den (Sätzchen, den Torbogen sammelten sich d e Nachbarn. Hannah Breineh drängle sich mit ihrer B.ut durch dir Menge, mit vor Mitleid roten, geschwollenen Augenlidern. „Kommt einstweilen zu mir." Sie half der gramdurchwühlten Frau auf die Fütze. „Wlr slnd zusammengepackt wir Heringe in 'ner Tonne, aber einige mehr können immer noch Platz finden." Das Federbett unter den Arm nehmend, ging sie nach Hause. „Einige Jahre weiter und Ihre Rahel wird a't genug sein, Arbeits-Erlaubnisschein zu erhalten, dann sind all Ihre Nahrungesorgen vorüber," ermutigte sie, indem sie die Türe ihres stickigen, kleinen Zimmers öffnete. Die Aufregung an der Stratzenecke unterbrcch das Geschwätz der im Metzgerladen klatschenden Frauen. Herr Sopkin hörte auf, Fle.sch zu schneiden. „Wen zwang man zu räumen?" f agte er. zu dem gestikulierenden Mob an den Türeingang tretend. „O weh, Reb Ravinsky!" „Himm ischer Vater, solch guter Jude, solche Leuchte für die . Well!" „Zu Hause, in Rutz'and, kühle man den Boden, auf den er trat, und in Amerika wirf, man ihn auf dle Strahe." „Wer kümmert sich in Amerika um Religion! In Amer.ka sorgt jeder nur für den Magen." „Arme, kleine Rahel, solch n'edl'ch Kind! Schreibt Briefe für jeden im Viertel." „Solch träger Nichtstuer! Den ganzen Tag im Beshamidrasch!" spöttelte des Pfand'eihers Frau, ein starkbus ges Weib. die dicken Finger mit Diaman en brdeckt. „Warum arbei.et er nicht in einem Laden?" Ein Nachbar wandte sich ihm zu. „Ei. hört sie nur! So ch eine Schweines.esserin. solch ein Dickkorf! Sie wagt, Reb Ravinskys Namen in den Mund zu nehmen!" „Wer war sie zu Hause? — E'nes Wasserträgers Weib, eine Köchin! Und in Amerika mccht sie sich wich ig, erleuchtet die Siratze mit ihren Diamanten!" „Dann schickt jemand, es den „Mildtätigen" mitzuteilen." Mit einer Geste der Selbstverteidigung betastete des Pfandleihers Frau ihre goldenen Perlen. „Ich bin Mitglied der „M ldtätigen". „Die „Mi.'dtä igen"? Ein schweres Jahr über sie" kam ein Chor erregter Stimmen. „All meine Feinde sollen bei den „Mildtätigen" Hilfe suchen müssen." „Web dem, der in die Hände der „Mildtätigen" fällt!" „Ein einziger, armer Mann mit gutem Herzen kinn mehr helfen als die „Mildtätigen" mit all ihrem Geld." Herr Sopkin hämmerte auf seinem Hackklotz. das Gesicht purpurn vor Erregung: „Weiber, mit Reden allein wird die Schüssel nicht voll." „Take, take!" Eifrige Gesichter drängten vorwärts. „Wir wollen unter uns eine Sammlung machen." „Ich habe mit meiner M tz^e ei noch niht Rockefellcrs Millionen erworben, aber immerhin, auf gut Glück! hier ist mein Anfang." Und Herr Sopkin warf einen Dollar in den Korb auf den Ladentisch. Eine Frau. e'n zerlumptes Tuch über ihren Kopf, ergriff ein Geldstück mit ihrer Hage en Hand. „Gott ist mein Zeuge, dies aus meiaer Tasche zu ziehn. ist wie m ine rechte Hand abreihen. Ich brauche jeden Cent, um meine Kinder am Leben zu erha'ten, aber wie kann man solch heiligen Juden auf der Strahe lassen?" „Meine Feinde sollten sich um jeden Cent mit solch bitterem Schweih zu plagen baben, wie ich." Hanna Hayyeh streckte ihre von Seifen-' 'chaum noch feuchten Arme aus und kühle das Zehncentstück, das sie in die Sammlung warf. Herr Sopkin ging auf den Fuhsteig und schüttelte den Korb vor den Vorübe gehenden. „Nehmt die Hand aus der Tasche, nehmt den Bissen vom Mund! Wer wird dem Armen helfen, wenn nicht der Arme se'bst?" Ein Schauer Münzen strömte hinein. Es chien nicht Geld, sondern Fleisch und Blut des Volkes. Jede Münze der Teil eines lebenden Herzens. Beschämt durch die überwältigende Erahmut der Menge, schä te des Pfandleihers Weib mürrisch einen Dollar aus der Rolle der Scheine in ihrem Strumpf und wollte ihn in die Sammlung legen. Dutzende Hände erhoben sich in Protest. „Nein, nein. Euer Geld und unser Geld kann nicht zusammenkommen!" „Unser Geld sind wir — unsere Körper! Eures ist der Verdienst de; Pfandladens. Behaltet Euren trefenen Dollar für die „M.ldtätigen!" Erst als der Schames, mit seinen Sch'üsseln rasselnd. Rabbi Rav nsky sanft berührte und iln erinnerte, dah das Bashamidr.sch längst l'ätte gesch ossen werden müssen, fiel es diesem ein. dah irgendwo — vielleicht noch auf der Strahe — Weib und Kind auf ihn warteten. Das Ereignis des Tages hatte nur die Innigkeit ver.iefl, die ihn mit Gott und seiner Thora einte. Noch beweg en sich seine Lippen im gewohnten Gebete, als er unter Führung der Nachbarn die neue Unterkunft suchte, die mit dem gesammelten Ee.de für einen Monat gemietet worden war. Brot. Butter. Milch. Eier, grüh'en sein Auge, als er die Türe öffnete. „Nun, Frau, ist ein Gott über uns?" Sein Gesicht leuchtete in unen wegtem Glauben. „Der Gott, der die k einen Fische in der See und die Vögel in der Luft Futter finden lätzt, ernährt er nicht auch uns? Du siehst, der Hocherhabene sorgt für unsere indischen Beda fnisse. unsere einzige Aufgabe hier ist, um Hei igke.t zu bitten, damit wir Sein Licht schauen!" Eine Wo ke von Traurigkeit siel a"f ihn aus den trüben Augen seiner. Frau. „Warum bist Du noch so düster, voll Qual?" mahnte er, „wenn Du nur auf Gott vertrauen wolltest, würde uns alles Gute." „Auf meine Feinde soll das Gute fallen, dos uns geworden ist." stöhnte Frau Rawinsky. „Besser tot, als vom Mi leid gütiger Menschen aufgeholfen zu werden." „Kommt es denn darauf an. wie die Hilfe kommt, so lange wir unsere See en Hochhalten können, Ihn für Seine Gnade zu preisen." Verzweiflung war in dem Bück, den sie auf die stolze St'rn ihres Mannes heftete — eine Stirne, unberührt von Zeit oder Sorge, glatt, ruhig, failenlos wie die eines Kindes. ..Kein Wunder, dah die Leute glauben, ich sei Deine Mutter. Die Jahre machen Dich jünger. Du bekamst kein Blut in Deinen Körper, kein Gefühl in Dein Herz. Ich muh meine Augen vor Scham sch ietzen, wenn ich auf der Strahe die Leute treffe, die uns halfen, aber Du — Du — Schande kann Dich nicht beschämen, — Armut nicht zermümen — „Armut? Es steht im Talmud, dah Armut der Schmuck eines Juden ist, wie eia rotes Band an einem weihen Pferd. Diejenigen, we che Gott erwählt für Seine nächste Welt, können es hier nicht gut haben." „Höre auf, mich mit der nächsten Welt zu füt.ern," schleuderte sie ihm in Erbi terung entgegen, „gib mir etwas auf dieser Welt." „Warte nur, bis unsere amerikanische Tochter heranwächst. Das Kind hat meinen Kopf." rühmte er mit vä erl chem Sio z. „Warte nur, die Welt wird noch von ihr reden. Mit dem hebräischen W ssen, das ich sie leh.te, wird sie aus a.len amer.kanischen Kindern heroorstrahlen." „Aber wie wird sie unter ihresgleichen den Kopf aufrecht tragen können, wenn Du von den „Mi dtätigen" abhängig bist?" „Frau, sorge Dich nicht um unsere Rahel! Es steyt in dem heiligen Buch, die Welt ist ein Rad, das sch immer dreht. Die Reichen werden arm. wenn nicht sie. dann ihre Kinder oder Kindeskinder. Und die Armen, wir wir, kommen hoch und immer höher. Uns.re Tochter wird reich sein, sie wi.d den „Mildtätigen", die uns ha fen, Geld geben. Jesa ah sagt" — „Genug, genug", unterbrach Frau Ravinsky, von den Prophezeiungen ihres Mannes gegen ihren Willen durchschauert. Ich kenne schon Deine ganze Weisheit. Komm, komm, s.tze Dich und itz etwas. Du hast den ganzen Tag gefastet." (Fortsetzung folgt.) Wolf JiNvctz yst- ITeßcr den Tod des hebräischen SchriftsteNers und großen Historikers Wolf 3ttn,eÖ haben wir bereits berichtet, auch über feine Pe.fö ilich.eit und f'i ren Lebensgang. Es fei hier nur noch eiliges über j'iie litera i'che und wis e s hastliche Mr.samknt a,ge ü^t. Wolf Jawetz war noch einer ans der al en Schule. Er beherrschte die gesamte jüdische Literatur von der ältesten bis zur neuesten und gehörte zu den wenigen, die, mt besten Sinne selbst Kulturträger, die Haslala in jüdische Bahne»

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