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Der Israelit · 1924-02-14 · Heft 7 (14.2.1924) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
65 (1924)
Issue
Heft 7 (14.2.1924)
Date
1924-02-14
Page
– (sequence 1)
Language
German
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65. Frankfurt a. 7N., den 14. Februar 1924 9. Adar 1 5«;^4 Nr. 7 Oer Israelit D8W Ein Centralorgan IBr das orthodoxe Jiiflentiun fff|M & » ß6m&3&Bl&Sai& 8ii Devründet non Dr. Pphmrmn ln Mnlnr W 1 bMWw” i Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. *A v'lbomiLMiieiit ab Januar 1924: i i'Utia.i. rtb 1 uuilbniarf tiiuiiunict); Au -> ia » a. U<icru-U jahrpreise (entsprechend dem deutschen Inlandspreis zu^üplich Kosten des Streifband-Versandes) Deulsch-Ölterreich: 5(MMHJ Krone»; Amerika 1 Dollar; «rnaland 4 sh.; Frankreich 13 Fr.; Be!a>en 15 Fr.: Holland 2 fl.: Italien 2> Lire: Jliposlau'ien 70 Ti».: Litauen 7.50 Lit.: Rumänien 100 Lei; Polen 4 deutsche Goldmark zum Tageskurs; Schweiz 5 Fr.; Tschecho-Slowakei 30 Kronen; Ungar» 15000 Krone»; Dänemark 5 Kronen; Norwegen 5 Kronen; Schweden 3.50 Kronen. . Einzeln»,inner dre'ßiq (Roltmfcnntqeici .iriaiiu etiu,e>n, leut» itnnu'ir.iuij. .Miiuau 3ii Goldpkennige, NN «leUenilichende 20 Goldpf.. für die siebengeipaltene Nonpareille-Feile. Die 80 mm breite Reklamezeile: letzte Terkicite 90 Pfg.. vorletzte Tcxlscite 1.20 Pfg.; sshisfregebuhr in Höhe eines doppelten Fcrnbriefportos. Rabatt nach Tarif. Bei lausenden Fnseratansträgen tariim. Preiserhöhung jederzeit Vorbehalten. Inferatenannahnie durch den Verlag des Fsraelit G. m. b. H.. Frankfurt a. ÜJI., Gr. lkfchenheiiner Straße 23. Tel. Hansa 5842 sowie durch käintl. Annoncen <krred. des Fn- und Auslands Alleiinae Fnserakenannabme für Frankfurter »efftert r Oh». Schmidt. Lang, strake ’-i. Plahvorlst risten ohne Perhindlhl k, it. ahtunaen direN an den Perlag aut PvuicheUkonlo Fiantiurl UU. - ri»>nrdein ait; Poinpatlaiie L^ie» '1fr. ,0003 — Pa»,pa> lag«, »aw, 'L'uoopeii vtr HJü-t - PmncheUauii lirtrh Nr. VIII 7234 — Poitlcherkamt Amsterdam fttr 2-1 **39 — Räbmiscfie!tn-ondank ln 'praa — Hmn• » ihinnarnsdi. Hlnnk S- Cu. ln Pnkarrit — Filiale des ')0iener Panknereins in Aaram. Von der Notgemciufchaft der Gknerot!0NLN. Eine historische Studie für die Gegenwart. H. Durch reiche, intensive Jnnenarbcit machte man sich immun nach außen. Was woll en wir auch sonst tun? Wollten wir e’tca Lcbm und Lebensgenuß und Erfüllung unserer Aufgaben als Juden und Menschen von der Zeilen Gunst und Ungunst abhäng'g machen? Nur unter der Sonne glücklicher Umstände das sein, was zu sein wir berufen sind? Das würde sich so anhören wie der bi tere Humor in der Aufschrift auf einem der Militärwegen zu Anfang des Krieges: ..Bei schlechtem Wetter findet die Schlacht im Saale statt. . ." Unser gesch'chilicher Kampf für uns und die Welt fragte nicht nach W nd und Sonne. Wieviel blauer, wolkenloser Himmel war der Menschheit in ihre: fünftausend'ährigen «Geschichte überhaupt beschieden? Wie spärlich bemessen war aber der Sonnenplatz des Lebens spez:el! für das jüdische Volk! Im „Kusari" sagt der Meister zum Chasarenkönige: „Die Juden sind das Herz im Weliorganismus, das Herz aber reagiert stets zuerst und am stärksten auf jede tank, aste Unstimmigkeit im Organismus." Tie Welt war immer llrank. Sollten wir mit der Erfüllung unserer Aufgaben warten, bis se gesundet? Nein, -an unseren Aufgaben, am jüd schen Wesen sollte sie mit genesen. Das Herz ist nicht nur Seismograph, der Erschütterungen anzeigt, sondern es ist auch Kraf zen.rum, das, wenn es stark ist, den Organen neues Leben gibt und sie durch Kr sen hindurchführt ... Ein kurzer Blick nur auf das letzte Jahrtausend. R„bbenu Gerschom, um den ersten überragenden Großen in Deutschland zu nennen, lebt zur Zeit der Karolinger und sächsischen Könige, da Zwangsbekehrungen noch die sanfteste Art der Verfolgung bilden, diese rauben dem Rabbi den eigenen Sohn. Was finden wir davon in seinem Lebenswerle, in seinen die Lehre rettenden frtrun, seinen das jüdische Leben auf Jahrtausende regelnden rmpn? Ein eieg sch es Lied (Dmax nnn tot) hat des Vaters Tränen ausgenommen und sie der spä'eren Welt der weinenden Väter erhalten. Die Werke und Werte seines führenden Ge.stes wissen nichts von Leid und Tränen. Wo finden wir in Rafchi oder den Toffofos nur ein e'nziges Wort über die Sch ecken der Kreuzzüge? Und dennoch wissen wir, daß Salomo Jzchaki bei Ausbruch des ersten Kreuzzuges 1096, ein Fünfziger auf der Höhe seines Lebens und Lehrens, hart an der Grenze der Schrecken in Troya f e gesehen und milerlebt und in Deutschland die besten Freunde und nächsten Familienangehörigen verloren hatte! Und wir wissen, daß die Tossof sten beim zweiten und drillen Kreuzzuge zum Teile selbst' den Märtyrertod erlitten. Was kümmerte sie die Gasse, durch die die fanatisierten Horden mit ihrem Haß- und Rachegesang fluteten? Ihr Sinn war höheren Dingen zugekehrt. Ihr „K o s ch e" galt nicht der harten Not der Zeit, sondern einer Unebenheit im „Kontroskommentar", ihr „Temo" war n'cht das große Staunen über die aus den Fugen geratene Welt, sondern es war das gründl'chere Vertiefung erheischende Staunen über irgend einen Widerspruch im Bache, das das jüdische Leben bedeutet, im Buche des Talmuds . . . Hatte n'cht Maimonides seinen Kommeniar zur M schna größten'e'ls auf der Flucht von Spanien nach Kairo über Palästina geschrieben? Hatte nicht von 1280 an Rabbi Meir von Rotenburg hinter den hohen Festungsmauern von Ensisheim die Gefängnisluft mit dem Lch e und Feuer der Thora erhellt und desinf'ziert? Halle n'cht sein vornehmster Schüler Rabbi Ascher ben Jechiel auf der Flucht von Deutschland nach Spanien sein ragenles We k, „Den Rösch", einen Grundpfeiler unserer Halacha, vollendet? Und dessen Sohn Rabbi Jakob baal hatturim, der das Fundament und die vier Wände zu unserem „Schulchan Aruch" zusammentrug, war all seine Tage ein armer Wanderer, ein Flüchtling ohne Ruh und Rast., ohne Heim und Dach. Schre.bt n'cht Abarbanell seinen Kommentar sozusagen am Lichte des Scheiterhaufens, auf dem seine B.üder rösten? In Paris wird der Talmud verbrannt, aus England werden die Juden verbrannt. In Bayern setzt die Rindfleischbewegung ein, in ganz Deutschland bald darauf der „schwarze Tod", mit der Verleumdung der Brunnenvergiftung, die mehr jüdisches Blut gekostet hat, als alle drei Kreuzzüge zusammen. Zwischendurch en stehen Werke wie „Moidechai", „Or Sorua", der „Schulchan Aruch" mit „Veth Jossef" und „Rmo" und hunderte mehr. Wo blieb d'e Rot? Sie sang und zitterte aus einigen Stich aus und Kinaus, die ihr Bezirk waren wie dazumal Trat at „Taani h" die Rot der talmudischen Zeit einschloß. Bis an d'e Wrrkstätte des jüdischen Geistes gelangte sie nicht. Damals nicht und auch n'cht später, da in Frankfurt ein „Scheloh" mitten in der Haßatmosphä'e eines Frttmilch sich eine eigene Welt von Heiligkeit und Reinheit errichtet, ein Josef Juspo Hahn (fax »jor), ein Samuel Schotten lebten und lehr en, da drüben jenseits von Memel und Weichsel unter zaristischem Drucke, der unseren B.üdern so ziemlich alles nimmt, was zum Leben gehört: L'cht, Lift und Recht, Zentren der Thora e.blühen, Geistesgrößen hervorgehen vom Wilnaer Gaon bis zum „Chcfez Cha,im". und Druckereien en stehen, die unsere geistige Substanz in einer kaum erlebten Weise hüten und mehren. Immer das gleiche Bild. Fegt der Sturm durch die Gassen, dann geht der Ruf: 'vV ■pwa ■pfto iiavi ■pinn xa Innen hine'n, in sich zurückgezogen, indes draußen der Sturm lobend an die Fenster pocht, da zeigt Israels Geist erst, was er kann. . . Eine kleine Pause brach e die Emanzipation im vorigen Jahrhundert, und wir wolien hier nicht untersuchen, ob und inwieweit diese Pause hemmend oder fördernd auf das jüdische Leben gewirkt hat. Aber war es überhaupt eine Pause? Die Kulturwelle, d'e nach der großen Revolution durch die Lande flutete, hatte die Luft n'cht gereinigt, die Hemmungen nicht restlos beseitigt. Wohl hing der Himmel voller Geigen und die Fceihei sschalmeien wurden gebiasen von allen Dächern. Es öffnete sich von der engen Judengasse eine Türe zur Welt, es gab auf einmal Menschheitsaufgaben, denen man einen Teil des Iudefeins opfern zu müssen glaub'e. Und als das Mendelssohnerbe bis zum Taufbecken herabgewirtschaftet war, kamen die Adepten und Liquidatoren, um zu retten, was noch zu reiten war. Es kam die jüdische Wissenschaft, und ihr auf den Fuß folgte die prak ische Reform, es entstand, mit einem Worte, das liberale Judentum. Aber die Brücke zur Welt war doch nur eine Notbrücke, fe brach beim neuen Eisgang des Antisemitismus zu Anfang der ach'ziger Jahre und wurde nach allen Seiten fortgetrieben. Für dieses liberale Juden-

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