Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 65 (1924)
- Issue
- Heft 5 (31.1.1924)
- Date
- 1924-01-31
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6 Nr. 6 Tekegievtentag des Aeuppenvevöandes der Agudas Jisroef In Neutfekkand. Sonntag und Montag, den 10. und!l. Februar in tzalberstadt. Die Orts- und Jugendgruppen wollen die ihnen durch Rundschreiben zugegangenen Mitteilungen beachten. Personalien. Eine Achtzigerin. Würzburg, 27. Jan. Am Sabbat traspn 's feiert Frau Klara Wechsler, geb. Rosenbaum, ihren 30. Geburtstag. Sie entstammt der in weiten jüdischen Kreisen bekannten Familie Rosenbaum in Zell a. M. und war dem früh Heimgegangenen bekannten Rabbiner Th. Wechsler V-xi in Schwabach und Höchberg treue und würdige Gattin. Möge der allbeliebten Matrone noch ein langer ungetrübter Lebensabend beschieden sein. Hamburg, 9. Schwat 5634. Heute morgen durcheilte unsere Khillo wie ein Lauffeuer die schmerzliche Kunde von dem plötzlichen Heimgange der Frau Julie Mendel rry/ einer Enkelin von Samson Raphael Hirsch und Tochter von Julius Hirsch y'xr aus Frankfurt a. M. Diese seltene Frau hat sich im Glück wie im Unglück bewährt als echte Esches Chajil im wahrsten Sinne des Wortes, durchdrungen von tiefster Jiroh und stärkster Emunoh. Davon legte beredtes Zeugnis ab die ungewöhnlich starke Beteiligung von Jung und Alt bei der Lewajoh, trotz der herrschenden Eiseskälte, die schönen aus dem Herzen kommenden Worte des Hesped des Herrn Rabbiner Dr. Plato '"2 , die große Zahl der Besucher, von denen jeder Einzelne einen wahren Hesped hielt auf die allzufrüh Heimgegangene, die sich mit ungewöhnlich frohem Mut und Gottoertrauen ins Krankenhaus begeben hatte, um sich einer schweren Operation zu unterziehen, der sie dann leider erlag. Die innigsten Worte der Trauer fanden die jungen Kollegen und Kolleginnen der Tochter, die den Verlust der wahrhaft mülterlichen Freundin, deren liebreizendes Wesen, deren Gastfreundschaft und Güte, deren verständnisvolles Eingehen auf die Wünsche und Ideen der Jugend, welchen diese so selten begegnet, mit wehem Herzest beweinten. Im Trauerhause fand Herr Direktor Dr. Tarlebach •>": in seinem Nachrufe hinreißende Worte für sie als wahre jüdische Heldin, als echte Tochter ihres Vaters und Großvaters für ihre Selbstlosigkeit, Bescheidenheit, Frömmigkeit und Ergebung, mit der sie das Schicksal ertrug, ihre zwei blühenden, prächtigen, zu den schönsten Hoffnungen berechtigenden Söhne, hingeben zu müssen. Ganz hat sie sich von diesen schweren Schicksalsschlägen nie wieder erholt, jedoch verschloß sie ihren Schmerz, um ihrer Umgebung nicht trübe Stunden dadurch zu bereiten, wie denn ihre Bescheidenheit gegen Jedermann wirklich rührend war. So führte sie ihr Haus, das von jedem Jüdischfühlenden als vorbildlich anerkannt werden mußte. Möge ihr S'chuß dem tiefgebeugten Gatten und ihrer Familie beistehen. Ihr Andenken wird in der ihr liebgewordenen Hamburger Khillo sicherlich niemals erlöschen. n''as:m Frankfurter Berichte. Jüdische Volksschulen in Frankfurt. Am Sonntag fand im Saale von Hochs Konservatorium eine Versammlung gesetzestreuer Mitglieder der „Israelitischen Gemeinde" statt, um die Gründung eines Schulvereins zwecks Errichtung einer neuen orthodoren Volksschule in die Wege zu leiten. Den Vorsitz führte Herr Fritz Sondheimer, der zwar die „segensreiche Wirksamkeit" des P h i l a n i r 0 p i n anerkannte, die Notwendigkeit einer neuen Volksschule neben der ooni „ P h i l a n t r 0 p i n " beabsichtigten liberalen Volksschule mit der Verschiedenheit der religiösen Anschauungen und neben der seit 40 Jahren bestehenden Volksschule der Israelitischen Religionsgesellschaft mit der Verschiedenheit der gemeindepolitischen Richtung begründete. Das gründliche und eindrucksvolle Referat über dre jüdische Volksschule erstattete Dr. I. Bombe r g e r aus Nürnberg, dvr sich mit den spezifischen Frankfurter Verhältnissen nicht befaßte. In der Debatte trat Lehrer Levy gegen die beabsichtigte Neugrün- Ldung auf, die unnötig sei und dem Geiste der Geineindeorthodorie widerspreche. Nach dem Vorbilde der verstorbenen rabbinischen Führer, die ihre Kinder dem „Philantropin" anvertraut hätten, obgleich es damals noch keinen konservativen „Parallel-Religionsunterrkcht" Der Is raeli 1_ gab, müsse man auch heute „Konzessionen" machen, und geduldig weitere religiöse Fortschritte allmählich zu erzielen suchen, nicht aber sich separieren. R. A. H 0 r 0 v i tz verwahrte seinen Vater gegen bte unzutreffende Be-- hauptung, daß er jemals Konzessionen gemacht habe; er habe seine Kinder nur im letzten Jahr am Religionsunterricht des „Philantropin" teilnehmen lassen und es verstanden, das Gute der Schule aus dem Schlechten auszusondern. Georg Freuden st ein, der Vorsitzende des neuen Schulvereins und Adolf Dorfzaun erklärten, die GemeindeorthodoUe habe es satt, Konzessionen und Konzessiönchen zu machen, wo es sich um das religiöse Heil der Jugend handle, und man wolle auch keine Konzessionen mehr von der liberalen Seite erbetteln, sondern selbständig Vorgehen. R. A. Schönberg sucht zu erklären, warum die Gemeindeorthodoren ihre Kinder nicht in die bestehende Israelitische Volksschule schicken könnten; man erkenne dort die Gemeindeorthodorre nicht als gleichberechtigt an. Soweir der uns zugegangene Bericht. Der Gegenstand bedarf der weiteren Erörterung. Jedenfalls ist es ein ganz unmöglicher Zustand, daß um die wenigen 80 jüdischen Kinder, die zur Zeit die städtischen Volksschulen besuchen, ein Wettbewerb von drer jüdischen Volksschulen entbrennt. Wir meinen, daß die „Liberalen" ihre Kinder ohne Gewissenszwang in die städtischen Volksschulen (Dispens am Sabbat möglich) und die Gemeindeorthodoren die ihrigen in die vorhandene orthodore Volksschule schicken könnten. Die künftige gemeindepoli.ische Gesinnung der Kinder wird — insbesondere vom sechsten bis neunten Lebensjahre — von feiten der Schule wohl kaum entscheidend beeinflußt werden. UaM Gkasar öen Isaria. Vor gutbesetztem Hause sprach am letzten Sonntag abend in den Räumen des Mekor Chajim Herr Rabbiner Dr. Jonas B 0 n d i, Mainz, über das obige Thema. Auf Grund der wegweisenden Forschungen Halevys und sich in dessen Gedankengängen bewegend, entrollte der Redner ein anschauliches Bild von den politischen und geistigen Kämpfen im Kreise Rabban Gamaliels und zeigte, welche Bewandtnis es mit dem im Talmud oft genannten aivi wis hat. Man gewann einen klaren Blick hinter die geschichtlichen Zusammenhänge des Konfliktes Josua-Gamaliel und der Wahl Rabbi Eleasars, der nach dem Tode Rabban Gamaliels ganz allein den Nassi-Sitz einnahm. Es ist nützlich und dankenswert, daß die Ergebnisse der Halevyschen Forschungen aus diese Weise von vinem Berufenen popularisiert werden. Schlechte Zeiten. Die Agudas Jisroel- Ortsgruppe hielt am Dienstag abend in der Aula der Realschule ihren zweiten Vortragsabend (das Referat des Herrn Professor Dr. Schüler am ersten Vortragsabend wird in der nächsten Nummer dem Eedankengange nach wiedergegeben werden. D. Red.) ab, der schon dem äußeren Bilde nach einen vollen Erfolg bedeutete. Der große Raum war bis auf den letzten Stuhl besetzt. Nach einleitenden Worten des Vorsitzenden, Herrn Leopold Oppenheimer, ergriff der Referent des Abends, Herr Redakteur S. Schachnowitz, das Wort zu seinem Referate über „Schlechte Zeiten, eine historische Studie für die Gegenwart". Redner behandelte eingangs den Widerstreit der optimistischen und pessimistischen Weltanschauung in der modernen Philosophie im Lichte jüdischer, bezw. talmudischer Lebensauffassung und zeigte dann an Hand alter Dokumente, wie man im alten Judentum auf äußere Not reagierte und gegen sie ankämpsie, gewährte auch einen Einblick in die Werkstätten des jüdischen Geistes von der Zeit der Mischna bis an die Schwelle unseres Jahrhunderts, die, stark in sich, der Zeiten Nöte spotteten. Was sich an Lehren für dre Gegenwart aus der Notgemeinscha>t der Generationen ergibt, zählte Redner im einzelnen auf. Der mit gesteigerter Aufmerksamkeit von überaus zahlreichem Auditorium angehörte und starkem Beifall aufgenommene Vortrag schloß mit der kurzen, klaren These: stark und stolz nach innen, bescheiden und zurückhaltend nach außen, hilfsbereit nach allen Seiten. — Der Vorsitzende stattete dem Redner den Dank der Versammlung ab und richtete an ihn die Bitte, die Ausführungen im Drucke einem noch größeren Kreise zu übermitteln. R. Mitgliederversammlung der A. I. Ortsgruppe. Im Anschluß an den Vortrag fand Dienstag abend eine Mitgliederversammlung der Ortsgruppe statt in Anbetracht des bevorstehenden Delegiertentages der Ortsgruppen in Halberstadt. Es wurden die Statuten besprochen und als Delegierte nach Halberstadt wurden gewählt die Herren: Frankenthal, Rosen, Gerson Schnerb, Dr. Hofmann, Bodner, Jak. Wolf, Leopold Oppenheimer, Leopold Schwab. Generalversammlung der A. I. Iugendgruppe. Die Agudas Jisroel-Jugendgruppe hielt an: letzten Donnerstag eine außerordentliche Generalversammlung ab, deren Tagesordnung in der Hauptsache aus Neuwahlen bestand. Die Versammlung war gut besucht und man hat sich an der Diskussion über die bisherige Tätigkeit und die künftigen Richtlinien rege beteiligt. Auf eignen Wunsch schieden aus dem Vorstande der bisherige verdiente Vorsitzende Herr Gerson Schnerb und Herr 31. Januar 1924 Abrahams. Die Leitung der Agudas Jisroel-Jugendgruppe wurde nun in die Hand ihres früheren und ersten Vorsitzenden, des Herrn Hermann Frankenthar gelegt. Neugewählt in den Vorstand wurde Herr Klausner. In den Vorstand der Mädchengruppe wurden an Stelle von Frl. Selma Schlenker und Bertha Katz, die ausgeschieden sind, Frl. Lina Birnbaum und F:l. Silberberg gewählt. Die anderen Vorstandsmitglieder wurden sämtlich wiedergewählt. Es ist zu hoffen, daß unter der neuen Leitung die bisherige intensive Arbeit fortgesetzt wird und das Agudaleben in Frankfurt einen neuen Aufschwung erhält. Sizumfeier in der A. I. Iugendgruppe. Sonntag, den 20. Januar (15. Schwat) hatte die hieslge Jugendgruppe wieder einmal Gelegenheit, eine festliche Veranstaltung von echt jüdischem Gepräge zu begehen. Die Schiurimteilnehmer und zahlreiche andere Gäste fanden sich auf Einladung des Vorstands in den Räumen des Mekor Thajim zusammen, um den Sijum auf ll'nvv. welchen Schiur Herr H a l p e r n in der Gruppe vorgetragen hat, zu feiern. Nachdem Herr Halpern den Schiur „ausgelernt" hatte, ergriff Herr Dr. K u l p das Wort, um die Gäste im Namen des Vorstands zu begrüßen und ausgehend von den Gedanken der Sidra und des aapa V'ö den man ja auch gleichzeitig feierte, die Aguda-Jugend zu immer intensiverer geistigen Tätigkeit auszufordern, die sich nicht mit den Lorbeeren eines Sijums begnügen dürfe. Sodann» beglückwünschte Herr Dr. H 0 f m a n n im Namen der Dozenten Herrn Halpern und schloß daran, von den letzten Zeilen von v'nvv ausgehend, warme Worth, der Aneiferung zum Lernen. Im Namen der Ortsgruppe sprach Herr Leopold Oppenheimer in ähnlichem Sinn, im Rainen des Mekor Thajim, Herr Joseph Sänger. Ebenso fanden dann die Worte von Rabbi Moische Schneider lebhaften Widerhall bei den Anwesenden. Nach gesanglichen Darbietungen von Herrn Sternberg sprachen noch Herr B r u e n n und aus den Kreisen der Talmidim Herr O e l b a u m anregende nmn 'iai- Zum Schluß kam noch Rabbi Benzion B e e r - mann zum Wort, der die Verdienste von Herrn Halpern um die Mehrung von 'nn feierte. Nicht zuletzt ser gesagt, daß auch an leiblichen Genüssen Reiches geboten wurde, und es darf auch wohl an dieser Stelle den Damen, die sich darum verdient gemacht haben, Anerkennung und Dank ausgesprochen werden. Agudas IisroekIugerrdgruppe. Am Sonntag, den I. Februar» abends 3.30 Uhr, findet n"a im Vereinslokal Hanauerlandstr. 17, ein Muffaroortrag des Herrn Rabbiner Benzion Beermann statt. Am Donnerstag, den 7. Februar, abends 9 llhr (pünktlich) beginnt unter der Leitung des Herrn stud. phil. Harry Abt ein Kurs über deutschjüdrsche Literatur. Ts wird darauf hingewiesen, daß die unter Leitung des Herrn Arnold Merzbach stehende Arbeitsgemeinschaft am nana 'd tav> (9. Februar), nachm. 4.45 Uhr, wieder beginnt. Werei« jüdischer Akademiker. Samstag, den 2. Febr. abends 7.45 Uhr hält die Vereinigung jüdischer Akademiker einen öffentlichen Vortrag im Lokal des Mekor Chajim-Vereins Langestr. 18, Cab, zu dem Damen und Herren als Gäste willkommen sind. Es spricht Bbr. Arnold M e r z b a ch über das Thema: „Die Religionsdisputation von Tortosa (1413—14) nach einem Sendschreiben des Bonastruc an die Gemeinde von Gerona". AienstMörlättw. Am Sabbat a'vava "s begeht der allbeliebte Oberküster der Synagoge Friedberger Anlage, Herr David Ginsberger, sein fünfundzwanzigzähriges Dienstfubiläum. Personalien. In voller geistiger und körperlicher Frische begeht Herr Bernhard Schmidt (früher Altona) am Frcllag,. 8. Februar, Langestraße 3 seinen f ü n f u n d s i e b z r g - sten Geburtstag. Vereinskalender. Acre!« Mekor Hhajim. Freitagabend nach Schul „ Mikrovortrag"; Herr Louis Ca hn. Samstag vorm, nach Schluß der Synagoge im Hörsale „Dinim"; Herr Rektor Falk, — nachm. Va4 Uhr Dpyi py im Vereinslokale; Herr Red. S. S ch a ch n 0 w i tz. Sonntag vorm. 9 Uhr und Dienstag abends 6 Uhr im Dereinslokale ,Gemoro", Herr R. A.. G. Posen. — abends 6 Uhr im Dereinslokale Langestratze 18, Vortrag des Herrn Dr. W. Hofmann über »Einige interessante halachischmedizinische Fragen". II. Teil. 'Montag und Mittwoch abend7Uhr»Gemoro", Herr Rabb. Dr. Jos. Breuer.