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Der Israelit · 1924-01-17 · Heft 3 (17.1.1924) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
65 (1924)
Issue
Heft 3 (17.1.1924)
Date
1924-01-17
Page
– (sequence 13)
Language
German
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17. Januar 1924 Der Israelit Nr. 3f Seite 18 «««« Blätter Ser Agudas Jisroel in veulscvland. Ein Sendschreiben des Chofez Chajim. Rabbi Israel Meir Hakohen in Radin, Ehrenpräsident des rabbinischen Rates der „Agudas Iisroel", der trotz seines hohen Alters mit jugendlicher Frische die Ereignisse und Entwicklungen des jüdischen Lebens verfolgt, hat ein Sendschreiben an die Judenheit erlassen, das gewiß in allen jüdischen Kreisen mit gebührender Ehrfurcht ausgenommen wird und das wir auszugsweise in folgendem wiedergeben: „Wenn dich Sorge bedrückt, so sagen unsere Weisen, so suche sie aus deinem Gedankenkreise zu entfernen oder gib ihr anderen gegenüber Ausdruck. Heber meine schwere Sorge hinwegkommen, kann ich nicht, so lange ich lebe; sie anderen milzuteilen habe ich versucht, aber keinen Widerhall gefunden. So habe ich denn beschlossen, meinen Schmerz und meinen Kummer der Öffentlichkeit anzuvertrauen, in der Eew.tzheit, datz sich doch Menschen finden werden, bei denen sich meine Worte Eingang verschaffen. Weh ist mir nicht nur über den Verlust an Ansehen, den Thoralehre und Gottesgesetz in unserer Zeit erlitten haben, sondern auch über das furchtbare Anwachsen der inneren Streitigkeiten in Israel. Von Tag zu Tag mehren sich die Parteien, und die Parteien innerhalb der Parteien. Alles vollzieht sich öffentlich in Druckschriften, die jede Partei nach allen Windrichtungen verteilt, in Flugblättern, für die man Unterschriften sammelt, und worin jede Gruppe die andere schmäht und heruntersetzt. Die ganze Diaspora komm mir vor wie ein Feuerbrand und kein Tag vergeht, der mir nicht gegen meinen Willen Zeitungen und Broschüren ins Haus trägt, in denen man sich gegenseitig beschimpft. Wehe aber, doppelt wehe, daß auch über unser heiliges Land das Werk des Jezer Horah Macht gewinnt, und auch dieses Land hineingefallen ist in das Netz der inneren Streitigkeiten. Ich weitz nicht, wer ihnen die Erlaubnis gegeben hat, sich von dem Verbote der Bösrede und von dem Verbote des Streites zu emanzipieren. Jeder glaubt, auf seiner Seite sei die Wahrheit, und nur der Gegner, der den Streit verursacht, belade sich mit Schuld, während ihn selber keine Strafe treffen könne. Wie groß i st dieser Irrtum! Selbst wenn die Wahrheit auf seiner Seite ist, so ist es doch bei jedem Streit unvermeidlich, datz der Ehr- . geiz, recht zu behalten, sehr häufig alle. Bedenken zum Schweigen bringt und das Krummste gerade erscheinen läßt. Aus Zorn und Siegeseifer kann keine wahre Gerechtigkeit hervorgehen. Was wollen wir tun, wenn die göttliche Gerechtigkeit uns zur Verantwortung zieht! Aber noch mehr: welcher Chillul H a s ch e m wird durch diese Vorgänge veranlaßt und wer weiß, wohin dies alles führen wird. Man denke an das Wort der Weisen: „Irrtum oder Absicht gilt gleich, wenn es sich um die Entweihung des göttlichen Namens handelt und es gibt keinen Strafaufschub beim Chillul Haschem." Das Sendschreiben erinnert sodann an die Vorgänge, die zum Tode der Schüler Rabb! Akibas führten und schließt wie folgt: Ein einziger Mensch mit einer einzigen Versündigung kann das Schicksal der Welt wie sein eigenes zur Entscheidung führen; um wieviel mehr, da der Jezer Hora eine solche Macht erhält, datz er lausende in Israel zu jnn und npVna führt. Wer weih, was daraus entstehen kann, insbesondere in dieser unserer Zeit, da die jüdische Not ins Ungemessene gestiegen ist und fast alle Zeichen zutreffen, die in pimo und nviv für die herannahende Messiaszeit niedergelegt sind. Der Gedanke liegt nahe, datz unsere Zeit die Zeit des nrptfö*? Knaj?5? sei und es wäre darum wahrlich geziemend, datz jeder einzelne sich ermanne zu Thora und guten Werken, den Frieden in Israel zu mehren, auf datz die Wagschale des Verdienstes überwiege. Das Herz zittert, gerade in solcher Zeit das Werk des Jezer Hora gelingen zu sehen, der Kampf und Streit und Entweihung des göttlichen Namens in so vielen jüdischen Städten emporlodern läßt. Wenigstens sollte jeder, der Einfluß hat, verhindem, datz Schmähschriften des einen gegen den andern gedruckt werden, was eine schwere Versündigung darstellt. Darum, meine Brüder und Freunde, habt Erbarmen mit euch selbst und mit der jüdischen Gesamtheit, und ein jeder an seiner Stelle suche das Feuer der Zwietracht zu löschen, auf datz Sein großer Name nicht fürder entweiht wird und ermanne sich, in seinem Kreise den Frieden zu mehren. Im Verdienste dieses Strebens wird uns das Glück zuteil werden die Stimme dessen zu vernehmen, der der Friedensverkünder sein wird für die Welt. Bericht über die Tätigkeit der Agudas Jisroel im Monate Kislew 5684. Der Monat Kislew stand im Zeichen einer intensiven Arbeit auf allen Gebieten. Die Tätigkeit des Zentralbüros der Agudas Jisroel war in erster Linie darauf gerichtet, die notwendigen Vorarbeiten zur Aus- ,ührung der Beschlüsse der Kenessio Gedaulo, durchzuführen. 1. Organisation und Propaganda. In Neutra fand Ende Marcheschwan die Jahresversammlung der slowakischen Landesorganisation der Agudas Jisroel statt. In Anwesenheit einer großen Anzahl slowakischer Rabbiner unter Teilnahme zahlreicher Delegierter aus dem ganzen Lande bildet diese Jahreskonferenz einen Markstein in der Entwicklung der slowakischen Agudas Jisroel. Cs wurde der slowakischen Landesorganifation das Statut gegeben und die Leitung der ' Landesorganisatlon neu konstituiert. Außerdem wurde eine ganze Reihe von Beschlüssen gefaßt, über die in dem entsprechenden Ressort Mitteilung gemacht werden wird und die bereits im Laufe des Monats Kislew teilweise verwirklicht wurden. Zur allseitigen Genugtuung wurde der bewährte bisherige Vorsitzende oer Landesorganifation, Herr Rabb. Aaron Katz- Neutra, wiedergewählt. In Brünn wurde die Landesorganisation der Agudas Jisroel für die Sudeienländer gegründet. Anstelle der bis nun losen Verbindung der orthodoren Juden in den Sudetenländern, wird diese neue Landesorganisation einen .großen Teil der Orthodoxie erfassen und organisieren können. Das Arbeitsprogramm der neuen Landesorganisation basiert aus den Beschlüssen der Kenessio Gedaulo. In die Leitung wurden die Herren Direktor Springer -Bostowitz. und Dr. Salomon Lieben- Prag gewählt. Nach einer Propagandareise in verschiedenen litauischen Städten, die Rabb. Kahnemann aus Ponzewesch und Dr. Deutschländer gemeinsam unternommen haben, hat sich di Neotwendigkeit der Schaffung eines Agudaburos in Litauen erwiesen, welchem Bedürfnis entsprochen worden ist. Für den nächsten Monat ist eine Delegiertentagung der litauischen Landesorganisation geplant. Der Beschluß der Kenessio Gedaulo aus Errichtung einer Erpositur der Agudas Jisroel in Amerika, die im Einvernehmen mit den Zentralstellen die Organisation in Amerika leiten soll, wurde ausgeführt. Die amerikanische Erpositur hat sich konstituiert und gemeinsam mit der Zentralleitung die einzelnen Punkte des Arbeitsprogrammes für Amerika festgesetzt. Der Erpositur gehören an: Oberrabb. Dr. Klein, Rabb. Dr. Rosenberg, Rabb. N. Garfunkel, Rabb. Dr. Leo Jung, Dr. Jonas Simon, Abraham Goldstein und Remy Lunzer. Der Anschluß der ungarischen Orthodorie an die Agudas Jisroel ist vollzogen. Nach einem Referat von Oberrabbiner Fellner (Iljhelli) über die Kenessio Gedaulo hat die orthodore Landesrepräsentanz (Hunderterausschuß) einstimmig den Beitri.t zur Weltorganisation „Agudas Jisroel" beschlossen. Der Ausschluß vollzieht sich korporativ, wodurch der Agudas Jisroel ca. 250 000 Mitglieder Zuwachsen. Rabb. Dr. K o h n , Kalman Pappen heim, I. Holländer und Rabb. Hildesheimer unternahmen im Laufe des Monats eine Reise nach Warschau, um eine Reihe wichtiger Agudaangelegenheiten mit dem dortigen E. A. zu besprechen. Gleichzeitig wurde auch das Büro der Agudas Jisroel unter der Leitung von Pinchas Lewin reorganisiert. Senator I. Deutscher besuchte das Zentralbüro der Agudas Jisroel in Wien, um den Arbeitsplan der Landesorganifation in Galizien festzusetzen. Ferner wurde in Warschau das Sekretariat des Rabbinischen Rates installiert (Adresse: Abt. Rabbinischer Rat). Das einige Wochen vor der Kenessio Gedaulo ins Leben gerufene Agudas Jisroel - Pressebüro hat, nachdem es bereits während der Kenessio Gedaulo große Dienste geleistet hat, sich im Lause der Zeit zu einem notwendigen und äußerst nützlichen Organe der Propagandaarbeit des Zentralbüros erwiesen. Die. Berichte, die wöchentlich an ca. 300 jüdische Zeitungen abgeschickt werden, werden von den Zeitungen übernommen und erfreuen sich allgemeiner Beliebtheit. Da von vielen Mitgliedern der Agudas Jisroel. Wünsche geäußert wurden, diese Berichte unmittelbar zu erhalten, werden alle Interessenten ersucht, dem A.J.P.B. einen halben Dollar pro Jahr im Vorhinein einzusenden, damit die Kosten teilweise ersetzt werden. Die vom Zentralbüro an die Mitglieder der Leitung versendeten vertraulichen Berichte haben sich als wertvolles Mittel erwiesen, um die weitere Leitung über die wichtigsten Vorgänge stets auf dem Lausenden zu halten. H. Keren Hatauroh. Der von der Kenessio Gedaulo ins Leben gerufene Keren Hatauroh hat sich gleich nach den Feiertagen konstituiert und seine Tätigkeit in Angriff genommen. Die Keren Hatauroh-Zentrale in Wien besteht aus Rabb. I. Baumgarten, Rabb. B. Friedmann und Dr. Deutschländer. Es wurde ein genaues Arbeitsprogramm fert.ggestellt und zunächst die Vorarbeit für die Chanukaaktion absolviert. In einem Rundschreiben an sämtliche' Landesorganisationen, sowie an sämtliche jüdische Zeitungen wurde auf die Bedeutung des Keren Hatauroh hingewiesen und die Aufforderung gerichtet, die Ehanukatage zu Sammlungen für diesen Fonds zu benützen. Da das Rundschreiben des Keren Hatauroh, das in zahlreichen jüdischen Zeitungen erschienen ist, von sämtlichen rabbinischen Autoritäten unterzeichnet wurde, ist die Hoffnung berechtigt, daß die Chanukaaktion — trotzdem sie nur wemg vorbereitet werden konnte —, einen gewissen Erfolg gehabt haben wird. IN. Erez Jisroel. Auf dem Gebiete der Erez Jisroel-Arbeit haben alle Landesorganisationen auf Initiative der Palästina- Zentrale in Frankfurt mit einer intensiven Arbeit eingesetzt. Auf der Landeskonferenz in Neutra wurde der Beschluß gefaßt, ein größeres Stück Land auf dem Boden von B n e Brak anzukaufen und als slovak i s ch e a g u d i st i s ch e Siedlung zu kolonisieren. Ferner hat in Oesterreich das Palästinaamt zwei Aemter eingerichtet: 1. den Keren Erez Jisroel, zu Förderung von Thora, Chinuch, und Ehisuk Hadas, im heiligen Lande, 2. den Keren Hajischuw zur Hebung der jüdischen Volkswirtschaft in Erez Jisroel. In den Rahmen dieser Gruppe gehören die verschiedenen Arbeiten des Binjan Hooretz, Bajis Wenachalo und der jüdischen Erez Jisroel-Bank. Zur Schaffung einer gesunden finanziellen Basis, wurde die Durchführung einer großzügigen Aktion beschlossen, in der Oesterreich in diesem Jahre, sowohl für Keren Erez Jisroel, als auch Keren Hajischuw je 50.000 Dollar aufzubringen hat. Weiter sollen in Vne Brak 200 Dunam als geschlossene österreichische Gruppe angekauft und kolonisiert werden. An der Spitze der österreichischen Palästina- Zentrale stehen Rabb. I. Vaumgarten und Rabb. N. Friedmann. Die Palästina-Zentrale in Frankfurt a. M. hat der österreichischen P. Z. das Ressort der Emigration nach Erez Jisroel übergeben, da sich Wien als Uebergangsstation für diesen Zweck besser eignet. Der Landeszentrale der Agudas Jisroel in Erez Jisroel wurden zu deren Verwendung vom Schmittofonds 125 L. überwiesen. In der Kolonie M o z a bei Jerusalem ist bereits die Beachtung der Schmittovorschriften ausnahmslos durchgeführt. Ing. Rutenberg hatte sich an das Zentralbüro der Agudas Jisroel mit dem Antrag gewendet, sein Elektrisizierungsprojekt zu unterstützen. Die diesbezüglichen Verhandlungen dauern an. Der Gerer Rebbe begibt sich im Laufe der nächsten Zeit nach Erez Jisroel. In seiner Begleitung reifen ca. 40 Personen, darunter eine Gruppe von Industriellen, um im heiligen Lande für Basis Wenachalo, Binjan Hooretz und eine Reihe weiterer agudistischer industrieller Unternehmungen tätig zu sein. Die seinerzeit gemeldete Nachricht von der Ilebernahme der Schule in Petach Tikwa durch die Aguda entspricht nicht im vollen Umfange den Tatsachen. Es wurde nur ein kleiner Teil von Kindern übernommen. Dagegen wurde im Viertel Giwas Schaul unter Mithilfe der Agudas Jisroel eine Talmud Thora gegründet. Die neugegründete Häuserbaugesellschaft New eh Jisroel hat von der englischen Regierung einen Plan zum Bau einer Garten st a dt erhalten und hat Dank der unermüdlichen Tätigkeit Rabb. Venzion I a d l e r s große Erfolge zu verzeichnen. Es wurden bereits für den Bau von 10 Häusern die nötigen Summen als Leihonds in Oesterreich aufgebracht. Der Lloyd T r i e st i n o hat der Palästina- Zentrale seine Berei'schast erklärt, Preisermäßigungen 'ür die Reise nach Erez Jisroel zu erteilen. Diesbe- 'ügliche Anfragen sind an die Palästina-Zentrale in Frankfurt a. M., Eschenheimer Anlage 31, oder an das Zentralbüro in Wien zu richten.!V. Soziale Für sorge. Die große Not, die die deutschen Brüder heinv sucht, hat die Aufmerksamkeit der diesbezüglichen Jfafc

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