Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 65 (1924)
- Issue
- Heft 3 (17.1.1924)
- Date
- 1924-01-17
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 8 Nr. 3 Der Israelit 17. Januar 1924 und Lehrhaus nicht sieht ... Ich habe sie nicht gesehen und kann daher von ihnen nichts erzählen . . . Dennoch höre ich, daß auch diese zur Erhaltung der Thorainstitutionen reichlich beitragen und an allen philar,tropischen Aktionen stark beteiligt sind. Zur Deutschlandhilse hat mancheiner aus französischem Patriotismus nur geheim beigesteuert . . . Tragikomik des Eolus . . . Und abends ist Vortrag. Es fällt in diesem Milieu nicht schwer, von der Aguda und von der Seele der Aguda, der Thoralehre und der Thoratat, zu sprechen. Es fehlt hier wie in anderen Städten der Schweiz auch nicht an jungen Freunden, die ein wenig diskutieren, opponieren, protestieren möchten, unabhängig von dem, was der Redner sagt oder nicht sagt. Und sie erklären vorweg, bevor sie noch ein Wort des Referates gehört: „Sie werden schon entschuldigen, wenn wir ... denn Sie wissen, wir sind . . „Ich entschuldige alles, denn ich weih, Sir sind . . ." Ich liebe diese stürmische Jugend über alle Matzen, die so voraussehungslos, so unbefangen in die Versammlungen kommt, mit einem fertigen Protest in der Tasche, egal gegen was. Und ich bedauere es immer von Herzen, wenn aus irgendwelchen taktischen Gründen von der Leitung eine Diskussion verhindert wird. (Fortsetzung folgt.) Ainderecke. WML IW. Wv. IM9O0 Muß dort Jerusalemer Geschichten. Der Schatz auf dem Oelberg. I. Zur Zeit des Ibrahim Pascha lebte Ln Jerusalem ein reicher Jude namens Ob ad. Er nannte große Güter und Besitzungen sein Eigen, vergaß aber, je mehr sein Reichtum anwuchs, seines Gottes und seiner Pflichten gegen die Nebenmenschen. Nie besuchte er ein Gotteshaus und Arme wurden barsch von seiner Türe gewiesen. Er besaß einen Palast mitten in der Stadt, der aber von Dienern und bösen Hunden umgeben war, daß sich kein Bittsteller dem Eingänge näherte. Deshalb haßten die Bewohner Jerusalems Obad, schnitten alle Beziehungen zu ihm ob und zählten ihn garnicht mehr zu den ihrigen. . Als Obad alt wurde und sich einsam und verlassen und von der Gemeinde gemieden fühlte, nahm er sich dies sehr zu Herzen und faßte den Beschluß, sich zu bessern. Er führte den Vorsatz auch durch. Er betete täglich nnt Inbrunst und verteilte von seinem Vermögen namhafte Gaben an Arme und Dürftige. Zuletzt ging er soweit, daß er seinen herrlichen Palast in der Stadt verkaufte, sich dafür ein großes, einfaches Steinhaus am Scheideweg der Straßen errichten ließ, welches offene Türen nach allen Seiten hatte. Eine ganze Schar von Dienern hatte den Auftrag, alle müden Wanderer ins Haus zu geleiten, sie zu laben und reichlichst zu erquicken. Er selbst überwachte die Bewirtung der Fremden und gab jedem beim Abschiede eine erkleckliche Reisezehrung mit und eine ansehnliche Gabe für die Weiterreise. So hielt es jetzt Obad längere Zeit. liebe Gott im Himmel, der den Seele schaut und Herz und und ernst es Obad —'d verzieh ihm davon -en und e Jerupte. .e sich bei aber veri, die durch Diese guten .nd beklagten ' .diener, unter .us eine Minderung seiner Güter sich ergeben sollte. Der liebe Gott hörte auf die Fürbitte der guten Engel und segnete fortan Vas Haus Obads, daß sein Reichtum wieder stieg von Tag zu Tag. Obad, der vom Eingreifen der guten Engel nichts wissen konnte, war aber unglücklich darüber, daß seine Reichtümer nicht abnehmen wollten. Es schien ihm dieses Beweis, daß er noch nicht genügend an Wohltätigkeit getan hätte. I!. Um diese Zeit lebte in Jerusalem ein frommer Mann, einer der Sechsunddre'ßig, auf die sich die Welt gründet. Zu diesem Heiligen begab sich Obad und befragte sich bei ihm, wie er es anstelle, dcrß sich se'n Vermögen vermindere. Der Fromme sagte: „Ich kenne nur ein Mittel, um dich deines Geldes zn entledigen. Du gibst es her an einen Mann, der, ganz verzweifelt, auf dem Wege ist, sich das Leben zu nehmen." Obad merkte sich diesen Rat und fuhr in die Welt hinaus, sein ganzes Vermögen in der Tasche, um einen so'chen Verzwe feiten zu suchen. Er fuhr von Stadt zu Stadt, von Dorf zu Dorf, scheute keine Müh noch Plage, ohne sein Ziel zu erreichen. Eines Tages fuhr Obad durch die Wüste Jerichos; da fiel ihm ein Mann ins Auge, der ganz in Lumpen gehü'lt war und in iäm* merlichem Zustande im Sande hockte. „Es scheint mir ein solcher zu sein," dachte Obad, „der sein Leben satt hat. So will ich ihm das Geld reichen." Wie aber Obad sein Vorhaben ausführen wollte, machte der Arms grotzs erstaunte Augen und sprach: „Gibt es denn wcmg Arme auf Erden, daß du den ganzen Inhalt deines Beutels einem e'nzigen gibst? Das geht doch wohl nicht mit rechten Dingen zu. Am Ende hast du das Geld irgendwo gestohlen und suchst jetzt die Tat auf mich abzuwälzen. Schwöre bei Gott, daß dem nicht so ist!" Darauf erzählte Obad den ganzen Sachverhalt und vom Rate, den ihm der Heilige in Jerusalem gegeben hatte. Wie aber der Arme diese letzten Worte hörte und daß ihn Obad für einen Verzweifelten hielt, entbrannte sein Zorn ins Maßlose. „Ich bin noch lange nicht am Leben verzweifelt," sprach er. „Noch gibt es einen lebendigen Gott, der mit!) mir helfen wird. Suchst du jemand, der dem Leben entsagt, so mußt du dich auf den Fr'edhof begeben. Nur die Toten ruhen jenseits der Erde." Sprachs und stieß das Geld weit von sich, als wollte ihn die Berührung damit verunreinigen. Obad schämte sich seiner Zumutung und ging beklommen zurück nach Jerusalem. Dort fielen ihm noch einmal die Worte des Armen von Jericho ein. So begab er sich zum Oelberg hinauf, wo die Toten bestattet sind, und vergrub sein ganzes Geld in den Gräberreihen, daß kein Mensch von ihrem Aufenthalte etwas wußte. Befreit von diesem Ballaste, zog sich Obad leichten Herzens ins Lehrhaus zurück und diente Gott und den Menschen auf seine Weise, stillglücklich und zufrieden mit sich und aller Welt. III. Nach kurzer Zeit begab es sich, daß große Hungersnot im Lande ausbrach. Der Himmel zog seinen Regen und die Erde ihren Segen ein. Mensch und Tier lechzten nach Brot und Wasser und verkamen in Hunger und Dürre. In dieser harten Not erinnerte sich Obad des vergrabenen Schatzes und sagte sich, es fei doch besser, ihn jetzt hervorzuholen, um damit die Hungrigen zu speisen. So stieg er zum Oelberge hinauf und machte sich an die Ausgrabungsarbeit. In seiner Weltabgeschiedenhert wußte Obad nicht, daß Krieg war um die Mauern Jerusalems und überall die Posten und Wächter mit wachsamen Augen nach Feinden und Spionen ausschauten. Wie die Soldaten, die auf dem Oelberg postiert waren, den in den Gräberreihen suchenden Mann erblickten, hielten sie ihn für einen Dieb oder Spion, erfaßten ihn allsogleich und brachten ihn vor dm Pascha. Es nützte Obad alles Bitten und Flehe» nichts, der Pascha blieb dabei, daß Obad ein Dieb oder Spion und daher des Todes sei. Jetzt aber konnte Obad nicht umhin, dem Pascha den ganzen Sachverhalt zu erklären und haarklein zu erzählen, wie er sich seinerzeit des Geldes entledigte und es jetzt wieder, zur Linderung der großen Not in der Stadt, hervorholen wollte. Keiner glaubte, daß dieses Obad irgendwie nützen würde. Aber nun geschah ein Wunder. Der Pascha erhob sich von seinem Throne, trat an den Angeklagten heran, umarmte ihn und küßte ihn vor allem Volke, „Gottes Wege find wundersam," sagte er. „Der Arme am Wege zu Jericho, der Dir den Rat gegeben hatte, auf den Friedhof zu gehen, war ich selbst. Ich lebte so lange in Armut, bis ich einen Schatz fand, als Lohn für mein Gottverträum. Ich stieg immer höher, bis zum Pascha von Jerusalem." Man schickte Boten aus, die den Schatz ausgruben und Obad überbrachten. Dieser benutzte ihn aber ausschließlich zum Wohle der leidenden Mitmenschen. Eine innige Freundschaft verband seitdem den Pascha mit Obad, die der ganzen jüdischen Gemeinde von Jerusalem sehr zu Gute kam. Auflösung des Rätsels im Israelit Nr.80. Bella Weinreö, Przemys! (Gal.) n "p n ’jan feaa awa dk pK ’IDUPl fem WP fe nrma aipvr fei ms* •mnjfe 12^1 mau?’ 'in nnna pma üki ’aa’ip* nairr ’fe? *isv>n '2122^ '3 f wan fei Lübeck. I. Lubinskt. Jüdischer Humor. In einer deutschen Gemeinde kam ein Rabbiner In die unangenehme Lage, einem reichen Manne, der -aber gar keine Beziehungen zum Judentum hatte, an der Bahre eine Leichenrede halten zu müssen. Man war begierig, welche Eigenschaften des Verstorbenen der Rabbiner hervorheben würde. Der Rabbi zog sich aus der Affäre, indem er dem Toten nachrühmte, er habe sich in der Synagoge nie unanständig benommen und nie den heiligen Raum durch müßiges Geschwätz entweiht . . . Als Rabbi Moscheh Jsserles, der „Remo", die Oberrabbinerstelle in Krakau antrat, mutzte er sich nach damaligem Brauch dem Erzbischof vorstellen und bei ihm die Bestätigung seiner Wahl nachsuchen. Rabbi Jsserles zog zu diesem Zwecke seine Festkleider an und fuhr zum Palaste des Bischofs. Dieser empfing ihn mit folgenden Worten: „Ich ließ mir sagen, man habe den größten jüdischen Gelehrten zum Oberrabbiner nach Krakau berufen, ich sehe aber, daß Ihr Euch weder in der Bibel noch im Talmud auskennt. In Mischle heißt es nämlich: „Schmücke dich nicht vor dem König", und der Talmud lehrt: „Die Armut ziert Israel!" Ihr aber erscheint in kostbaren Gewändern bei mir." „In der Anklage Eurer Eminenz liegt die Antwort", gab der Rabbi zurück. „Die Bibel lehrt, martz solle sich vor Fürsten nicht schmücken. Armut ist aber, nach Talmud, Israels Schmuck. Wie durfte ich nun kn Armut geschmückt vor Eurer Eminenz erscheinen?" Ein Renegat wollte Rabbi Jonathan Eibenschütz damit ärgern, daß er ihm eine Schachtel zeigte, die auf der vorderen Seite die Abbildung eines alte« Juden trug, auf der unteren Seite ein Borstentier auswies. Rabbi Jonathan lachte und sagte aus die Rückseite hinweisend: „So sieht der Jude aus, wenn er sich ümkehrt" (zur Taufe übergeht) . . . Ein reicher Geizhals kam zu Rabbi Jonathan mit der Bitte, er möge für ihn beten, daß er bei der bevorstehenden Ziehung das große Los gewinne. Rabbi Jonathan betete mit den Worten der Psalmen: •en' «V “px Ttt'»’» man rjVx 112» i-iv' „Es fallen dir zur Seite Tausende, Myriaden zu deiner Rechten, dich treffen sie aber nicht ..."