Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 65 (1924)
- Issue
- Heft 2 (10.1.1924)
- Date
- 1924-01-10
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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6S. Jührgarrg Frankfurt a. M., den Nr. 2 \l Der Israeli! Ein Centralorgan für das orthodoxe Judentum Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. Abonnement ab Januar 1924: Deutschland 1 Goldmark monatlich; Ausland: Vierteljahrpreife (entsprechend dem deutschen Inlandspreis zuzüglich Kosten des Slreifband-Verfandes) Deutsch-Lfterreich: 50000 Kronen; Amerika 1 Dollar; England 4 sh.; Frankreich iS Fr.; Belgien IS Fr.; Hollands fl.; Italien 80 Lire; Jugoslawien 70 Din.; Litauen 7.S0 Lit.; Rum'änien 100 Lei; Polen 4 deutsche Goldmark zum Tageskurs; Schweiz 5 Fr.; Tfchecho-Slowaket 30 Kronen; Ungarn 15000 Kronen; Dänemark 5 Kronen; Norwegen 6 Krone»; Schweden 3.50 Kronen. Einzelnummer dreißig Goldpfennige. Der Israelit erscheint jeden Donnerstag. Inserate 30 Goldpfennige, für Stelleniuchenve 80 Goldpf., für die stebengespaltene Nonpareille-Zeile. Die 80 mm breite Reklamezeile: letzte Textseite 90 Pfg„ vorletzte Textseite 1.80 Pfg.; Chiffregebühr in Höhe eines doppelten Fernbriefportos. Rabatt nach Tarif. Bet laufenden Jnserataufträgen tarifm. Preiserhöhung jederzeit Vorbehalten. Jnseratenannahme durch den Verlag des Israelit G.m. b. H., Frankfurt a. M., Gr. Eschenheimer Straße 23, Tel. Hansa 5848 sowie durch sämtl. Annoncen-Exped. des In- und Auslands Alleinige Jnseratenannahme für Frankfurter Geschäftsanzeigen: Jul. Schmidt, Lanaeftrafte 3. Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. direkt an den Verlag^äus^jostjcheckkonlo Fi ^VIi^7W4^^Postsch^am^Amsterdam^lt^ rankfurt (Main) Nr/10808. — Außerdem an: 34889 — Böhmische Unionbank in Prag — Banca ---.en^r^8M^^8östspär?äIsenäm^üd^e?t^!!r7?8^4'^8ö^scheckamt farmarosch, Blank & Co. in Bukarest — tfttlale dos Wiener Bankvereins in Ägram. Mekev-Teilagen zum „Israelit Der heutigen Mummet liegt als Gratis- -eilage für unsere Leser erstmals ei« Bogen des zweiten Bandes der „Hermon-Bücherei" 8.A.Krf«8,AeMingu.Aeeikett (Nu-gewSkkte Aussähej bei,- die wetteren Bogen werden folgen. Am Schlüsse wird ein Titelblatt mitgeliefert. Frankfurt a. M. Verlag des Israelit <5. m. b. S. Der jüdische Name. Drei Verdienste haben unsren Vätern die Befreiung aus dem ägyptischen Golus gebracht: ihr treues Festhalten an überlieferter Tracht, heiliger Sprache und jüdischem Namen. Aus diesem oft in Talmud und Midrasch Wiederkehr enden Worte unserer Weisen wollen wir nur einen Gedanken herausgreifen. Eine die Völker oder die Glaubensgemeinschaften deutlich voneinander trennende Tracht existiert fast nirgends mehr, sodatz wir uns ein solches Verdienst nicht mehr erwerben können. Andererseits ist die Notwendigkeit des Kennens und Oflegens der heiligen Sprache heute doch nicht mehr ganz so unerkannt wie etwa vor einem Menschenalter,' leider nicht immer ein Verdienst der Thoratreuen. Schlimm steht es jedoch mtt dem Bekenntnisse zum jüdischen Namen. Die meisten heutzutage geborenen Kinder, selbst in thoratreue», natürlich auch in bewußt nationaljüdisch gesonnenen Elternhäusern, werden mit ganz nichtjüdischen Namen benannt, zu denen wir keinerlei Beziehung haben. Man meint die Kinder durch solch farbloses Benennen vor Hänseleien in den Schuljahren zu bewahren, und man meint ihnen auch in sonstigen Dingen hierdurch das Leben zu erleichtern. Es ist zwar dies nicht der Ort, die Zweckmäßigkeit dieses Mittels zu erörtern. Es will jedoch meiner bescheidenen Erfahrung so scheinen, als ob insbesondere wir Orthodoxen dadurch etwas Unerwünschtes erzielen. Namen bedeutet und verrät Familientradition; wo die Namen nichtssagend sind, wird die Aufmerksamkeitvon dieser abgelenkt. Beabsichtigen wir, unsere Kinder in die Gesellschaft derer zu bringen. deren Eltern dem Gedanken der Familientradttion feindlich sind? Man erwidere nicht, von der anderen Seite, nämlich seitens der alten Familien des Landes, etwa des Adels, erblühe uns doch nur Feindschaft. Das ist ein überlebtes Vorurteil. Gerade dem „völkischen" Unsinn steht niemand so fern als eben die Häuser von Klang und Namen; einen wirklich angesehenen Namen aus diesen altreichen Kreisen sucht man vergebens in den unsauberen Prozessen der Reaktionshelden. Dies nebenbei. Es ist auch in bürgerlichen und sozialen, ja in radikalen Kreisen in Wirklichkeit nie verlangt worden, jeder Ueberlieferung, jedem Sonderwesen der Familie abzusagen. Wer also bleibt übrig? Wer ist der Feind, dessen Spottesstiche die farblose Namengebung unseren Kinderherzen ersparen will? Doch einzig allein des zu keiner Partei gehörigen, des um jeden Preis spottlustigen Pöbels Gunst ist es, was dem Isaak und dem Reuben verloren geht" und was Hans und Fritz sich erhalten" haben. Wäre das nicht schon ein Grund, nur Isaak und Reuben zu heißen? „Und sehen sollen alle Völker der Erde, daß Gottes Name über dir genannt ist, und Ehrfurcht von dir empfinden." Aber sie sollen es nicht nur sehen. Es soll nicht nur auf den Geburtsscheinen Mose und Zipora geschrieben und im Leben sonst Mar und Zilli gerufen werden. Das ist eine halbe, besser, eine doppelte Selbstverleugnung, und gerade diese Art der Namensführung erfüllt jeden halbwegs denkenden Nichtjuden mit Abscheu. Und welch kostbaren Schatz rauben wir den Kindern auf diese Weise! Wie heilig, wie verpflichtend klingt es, vielmals am Tage mit den Namen unserer heiligen Ahnen gerufen zu werden! Wie fad, wie gleich den Ziffern der Gefangenen, klingt doch das Eerufenwerden in den bewußten anderen Namen! — Freilich, kein Tanna, kein Amora hieß Mosche. Sie waren genügsamer und wollten lieber eines Iuda oder eines Simon sich wert beweisen als den Namm des großen Lehrers, ohne ihm nahe zu sein, zu tragen. Und waren ihm doch so unendlich viel näher als wir! Nach außen aber gab es keineBescheidenheitbeiihnen. Ie derber der Schlag, desto härter der Amboß; je bitterer der Feind, desto steifer der Nacken, „auch nicht einen Schuhriemen" unjüdisch abzuändern. Und wir — rufen unsere Kinder mit den Namm anderer Völker? Nein, — ruft sie Abraham, ruft sie Iochebed, daß die Völker „hören deinen Klang und Ehrfurcht empfinden vor dir!" Zwar haben unsere Weisen dem großm Könige Alexander, der als erster den Kultus des einzigen Gottes mit Ehrfurcht betrachtete, dadurch geehrt, daß sie seinen Namm für einen jüdischen erklärten. Doch ist dies nur als eine ganz ausdrückliche und besondere Bezeugung jüdischer Ehrfurcht vor griechischem Denken geschehen. dessen Schüler ja Alexander war. Kein Zugeständnis aber hatten unsere Weisen übrig für Wesen und Namen griechischen oder sonstwie fremden Volkstums. Und gegen dm Willen der Gottesgelehrten ist es geschehen, und nur unter den Geißelhieben der mittelalterlichen „Kulturwelt" nach 1300 konnte es, wie eine tiefe Wunde am Volkskörper, entstehen, daß eine große Zahl altheidnisch - europäischer Frauennamen die biblischen Fraumnamen aus einem Teile Israels verdrängte. Fort mit diesen von außen eingedrungenen Namen. Benennen wir Mädchen und Knabm in allen jüdischen Elternhäusern mit dm biblischen und talmudischen Namen, und rufen wir sie auch mit diesen Namen!! Unbiblisch klingm zwar auch die Namen vieler Talmudgrößen, etwa Huna, Papa, Ehisda oder gar Schammaj. Symmachos und Bmbagbag. Beruria und Jalta; aber die Sprachforschung weiß, wie leicht sich diese Abformungen aus dm einfachsten biblischen Namen herleiten bezw. übersetzen lassen, und was ihre Gestalt veranlaßt hat. Wer unter uns Heutigen nicht aus Bescheidenheit sich scheut, seinen Sohn Akiba oder Tanchuma zu nennen, — ein Sich- © enteren wäre hier ebenso deplaziert wie bei den biblischen Namen selber. Nur ist, nachdem alle jene Namen unter Einwirkung des Aramäischen mtstanden sind, vielleicht heute nach Aussterben dieser Sprache für einen (nicht in Syrien wohnmden) heutigen Juden kein Anlaß mehr zu diesem Umwege über Babel zum Sinaj vorhanden. Worauf es uns ankommen sollte, ist ein echter rein jüdischer Charakter des Namens. Wir leben