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Der Israelit · 1923-12-13 · Heft 50 (13.12.1923) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
64 (1923)
Issue
Heft 50 (13.12.1923)
Date
1923-12-13
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Der Israelit 13. Dezember 1928 Seite 6 Nr. 60 Der britische Generalkonsul in München hat bei der bayrischen Regierung gegen die Judenausweisungen Vorstellungen erhoben, indem er auf den ungünstigen Eindruck hinwies, den diese Maßnahmen im Auslande machte«. Der Vatikan und MSncden. Rom, 3. DH. Nach einer Meldung aus Rom dementiert das Volta- Dureau offiziös die auswärts umlaufenden Gerüchte, wonach der Brief des Kardinals Faulhaber an den Reichskanzler durch den Vatikan inspiriert worden sei, jedoch entsprächen die Ermahnungen des Kardinals zum Parteisrieden und gegen den Antisemitismus den vom Vatikan stets verkündeten allgemeinen Grundsätzen. «egen die )üdis«e kinwandeiung. Paris, 3. Dez. In den letzen Tagen sind mehrere antisemitische und reaktionäre Zeitungen mit Artikeln gegen die zunehmende jüdische Einwanderung in Frankreich hervorgetreten. Nach Mitteilungen dieser Blätter sei in der letzten Zeit eine größere Anzahl Juden aus Polen und Rumänien zu dauerndem Aufenthalt in Frankreich eingetroffen. Die Zeitungen sprechen die Befürchtung aus, daß die jüdische Einwanderung Massencharakter annehmen werde und fordern Gegenmaßnahmen. Durrircve Juden gegen den voirchewirmur. Paris, 5. Dez. Im Auslande lebende russische Juden wenden sich jetzt mit aller Schärfe gegen die bolschewistische Herrschaft. Sie haben einen „Vaterländischen Verband der russischen Juden" (Union patriotique des juifs russes) gebildet, der in einem Aufrufe, veröffentlicht im „Mercure de France" vom 15. Oktober und gerichtet an die jüdischen Russen, die vernichtenden Folgen dartut,die den Zusammenbruch des russischen.Reiches auch für die russischen Juden hatte. Der Aufruf sagt dann weiter: „Der Vaterländische Verband der russischen Juden geht von der unumstößlichen Ueberzeugung aus, daß die Bolschewiken für die Juden wie für alle Völker, die Rußland bewohnen, das größte Unglück sind und daß der Kampf mit aller Kraft gegen ihre Herrschaft unsere Pflicht ist, die wir der Menschheit, der Kultur, dem Vaterlande, den Juden gegenüber erfüllen müssen. Unter dem Zustande einer grausamen Barbarei, die von den Bolschewiken uns gebracht ist und aufrechterhalten wird, sind wir ohnmächtig... Diese Ueberzeugung unter den Juden der ganzen Welt, besonders aber unter den russischen, zu verbreiten, das jüdische öffentliche Interesse in allen Ländern für einen Kampf gegen die Bolschewiken und für die Wiederausrichtung Rußlands zu mobilisieren, ist unsere Ausgabe... Für Rußland und gegen seine Zerstörer! Für die Juden und gegen die, die den jüdischen Namen beleidigen!" Ein Beweis mehr, wie lächerlich das Gerede vom „jüdischen Bolschewismus" ist. Paladin*. Gin neuer Staatsrat. Jerusalem, 5. Dez. Sir Herbert Samuel hat nunmehr eine neue ganz aus Beamten bestehende „ratgebende Körperschaft" gebildet, die das gescheiterte Parlament ersetzen soll. Dur Palästina. Jerusalem, 5. Dez. Im „Kol Israel" werden Dokumente veröffentlicht, die zeigen, auf welche Schwierigkeiten bei all den Zusicherungen die * jüdische Einwanderung in Palästina noch stößt. Ein russischer Jude, Prosessionist, für den ein angesehener Handwerker in Jerusalem sich einsetzt und volle Bürgschaft übernimmt, wartet in Konstantinopel seit vielen Wochen vergebens auf seine Einreisegenehmigung und verkommt dort in Not und Elend. Solche Fälle gehen in die Dutzende. Auch sonst erlebt man hier manches, was wenig zur Fiktion des „nationalen Heimes" paßt. Während die Ruhetage aller -Konfessionen gesetzlich gesichert sind,' konnte bis jetzt das Recht des. Sabbats , bei der Eisen» bahn und anderen Behörden noch nicht erkämpft werden. Vor kurzem ging man dazu über, die alten Viertel und Straßen mit historischen und biblischen Namen zu versehen. ' Die schönsten Straßen und Anlagen gehören natürlich den neutestamentlichen Größen; hie und da bekommt ein schmutziges Seitengäßchen auch den Namen eines und unserer Propheten, worauf wir aber unter diesen Umstäden ganz gern verzichten werden. Inzwischen nimmt die Auswanderung aus dem Lande immer größere Dimensionen an. Man sieht aber unter diesen Auswanderern bezeichnenderweise sehr wenige, welche vom alten Jischuw sind. Diese wollen und werden trotz allen und allem ausharren in dem Lande, das ihnen immer „nationale Heimat der Seele" gewesen ist und bleiben wird. Weitere vetre der Hratter gegen dar Dutenverg-Werlr. Jaffa, 3. Dez. Die Stadtverwaltung von Jaffa hat bekanntlich die Vorschläge Ing. Rutenbergs für die Elektrizitätsversorgung von Jaffa akzeptiert — die Annahme erfolgte mit 12 gegen 1 Stimme; — bereits am 16. November erstrahlte Jaffa in elektrischem Licht. Dies hindert jedoch nicht die ertremen Araber, auch weiter gegen das Rutenberg-Werk Sturm zu laufen. Die Opofition wird von der mohamedanisch-christlichen Vereinigung organisiert. Auch die arabische Exekutive ist über die Annahme des Rutenberg--- Kontraktes durch die Jaffaer Stadtgemeinde erregt und wirft der Regierung vor, sie habe diesen für das Rutenberg-Werk günstigen Beschluß der Stadtgemeinde geradezu erzwungen. In einem Telegramm an den High Commissioner schiebt sie ihm die Verantwortung für alles Kommende zu. Die Regierung zeigt sich jedoch äußerst energisch. So hat Gouverneur Campbell den arabischen „Felestin" verständigt, daß das Uebereinkommen mit Rutenberg als endgültig und unwiderruflich zu betrachten sei, und daß er alle Anlagen der Rutenberg-Gesellschaft energisch schützen werde. Zwei Führer der Mohamedanisch-Christlichen Vereinigung, die sich weigerten, für ihr weiteres Wohlverhalten Garantie zu geben, wurden mit sechs Monaten Gefängnis bestraft. Zum Zeichen des Protestes fand eine Demonstration statt, bei der auf der Hauptverkehrsstraße von Jaffa ein Vogenlampenmast umgeworfen wurde. Die Araber versuchen es, nachdem die Aufforderung zur Schließung der Läden keinen Erfolg hatte, mit Einstellung der Fleischzufuhr zum jüdischen Schlachthaus. Personalien. Ar. Hustav 'Dachauer Würzburg 1. Dezember. Eine Leuchte der tiefgründigsten talmudischen Gelehrsamkeit, wie sie selten geworden ist in Deutschland, ist erloschen. Nahe vor der Vollendung des 81. Lebensjahres hat Seminarhauptlehrer a. D., Dr. Gustav Tachauer, das Zeitliche gesegnet. Ein fast unübersehbarer Trauerzug bewegte sich am 11. Oktober von hier nach dem dVis? jra des benachbarten Höchberg, wo die sterblichen Ileberreste des Verewigten ihre letzte Ruhe fanden. Einer schriftlich hinterlassenen Willenskundgebung des Verewigten entsprechend durfte weder im Trauerhause, noch auf dem p"a, noch sonst an irgendwelcher Stätte ein 'isvn gehalten werden. Ilm nicht gegen diese mm des Heimgegangenen zu verstoßen, müssen wir darauf verzichten, an dieser Stelle auszuführen, was der Verlust dieses van r>übn für das deutsche Judentum im allgemeinen und die Kehilla Würzburg im besonderen bedeutet. Wir begnügen uns, in kürzen Strichen einige Züge aus dem Lebensbild des Verewigten zu zeichnen. Tachauer entstammte einer Gelehrtenfamilie; Großvater und Vater hatten den Rabbinerstuhl zu Kobersdorf (Ungarn) inne; so wuchs der Knabe auf den mwi j-iana heran. Kaum dem Knabenalter, entwachsen, besuchte er die beruh,nte na->P’ in Eisenstadt. Mit 17 Jahren kam er, wohlausgestattet mit dem Rüstzeug der Thorawissenschaft, nach Wü^burg, um an der Universität seine Profanstudien zu vollenden, der Hauptsache nach aber, um bei dem damaligen Gaon auf dem Würzburger Rabbinatssitz, Rabbi S. B. Bamberger V'sy zu lernen. Im Jahre 1842 wurde ihm die Lehrstelle am Würzburger Lehrerseminar übertragen. 33 Jahre hat er in diesem seinem Amte segensreich gewirkt, den-größten Teil seiner Zeit widmete er in uneigennütziger Weise dem Thoralehren und Lernen. Für die akademische gesetzestreue Jugend, die in Wü^burg ihren .Studien oblag, war er der geistige Mittelpunkt. Viele der heutigen Talmide Chachomim in Deutschland und im Ausland haben zu seinen Füßen gesessen. In der V. I. A. Würzburg war er, so lange seine Körperkräfte dies zuließen, fast regelmäßiger Teilnehmer bei alleg Sitzungen, die bestimmt waren, jüdische Wissenschaft zuverbreiten, dje JugeM zu festigen , in jüdischer > Lebensanschauung. Unvergeßlich bleiben seine zahlreichen Vorträge, die' aus dem Borne tiefgründigster Quellenkenntnisschöpften. So groß die Zahl der jüdischen Lehrer, an deren Ausbildung er mitgearbeitet und der jüdischen Akademiker, die durch ihn gefördert wurden, so weit wird die Trauer reichen, die die Nachricht von seinem Heimgange auslöst. n"anr> Mannheim. 4. Dez. Am Donnerstag, den 29. November wurde Frau Elise Gutmann zu Grabe getragen. Mit ihrem Hinscheiden betrauert der „Jüdische Nähzirkel für arme Kinder" eine Frau, deren Wirken unersetzbar ist, deren Ratschläge während der langen Dauer von 17 Jahren segenbringend waren und deren Ansehen dazu bekgetragen hat, daß diese schöne und wohltätige Vereinigung ungeschwächt selbst in schwierigsten Zeiten den Zusammenhalt nicht verlor und die Tätigkeit nicht einschränken brauchte. Wer Frau Gutmann bis in die letzten Jahre die Generalversammlungen leiten sah und hörte, war voll der Bewunderung über deren geistige Frische und deren Fähigkeiten, mit warmen und herzlichen Worten in natürlicher Bescheidenheit ihren Willen im Sinne der Wohltätigkeit durchzusetzen. So wird sie den Mitgliedern des Jüdischen Nähzirkels in dauernder Erinnerung bleiben und alle werden bemüht sein, in der Verstorbenen Streben weiter zu handeln und zu wirken im Sinne der Liebe zu den Mitmenschen und Kr Wohltätigkeit. n"axin Briefkasten. H. D. in New Orleans/ In Frankfurt zwei, in Deutschland sieben. S. R. in Antwerpen. Ab ersten Januar Frs. 15 vierteljährlich. Lehrer I. 93., Graz. 20 000 österr. Kronen für Abonnement eingegangen. I. L. in Hannover. Das Werk ist noch nicht erschienen, befindet sich aber in Vorbereitung. Sprechsaal. Butter!_ Halberftadt, den 2. Dezember 1923. Geehrte Redaktion! Während hier die Butter im allgemeinen für 2,60 Goldmark zu haben ist, muß man, um iva-Butter zu erhalten, diese Woche hier mindestens 4,60 GM. anlegen. Dieser Ueberpreis von ca. 75 o/o scheint mir doch zu hoch, wenigstens wüßte ich nicht, wodurch derselbe gerechtfertigt sein sollte. Oder muß man den Namen liva so teuer bezahlen? Ich glaube, daß es nur des Hinweises bedarf, daß unter diesen Umständen der Bezug von nva-Bütter den Angestellten und vielen Familien unmöglich gemacht wird, um die zuständigen Stellen zum Einschreiten gegen diese übermäßigen Forderungen zu bewegen. N. W. Fayrilieimachrichten. Barmizwo. Max, Sohn des Herrn Dr. Semmy Nathanfen und Frau geb. Engel. Würzburg, Ludwigstraße 24. vn nans VNj? rirnp. — Julius Elias) Feuchtmanger. Fürth, Nürnbergerstraße 8. nsns gnp mw Frankfurter Berichte. Gharmkafeier irr der JefHirvoH. In den Jeschiwohräumen Friedberger Anlage fanden sich Samstag abend die Hörer aller Jahrgänge und Abteilungen und die Dozenten sowie einige Freunde und Gönner der Thoralehranstalt zu einer Chanukafeier zusammen, die sich bei guten Reden, reichlicher Bewirtung und schönen Gesängen bis nach Mitternacht ausdehnte. Unter Leitung des derzeitigen Vorsitzenden des Bachurimvereins na’ovi Herrn Ull» mann, wickelte sich das Programm jn bester Weise ab. Von den Dozenten erfreuten die Festversammlung mit schönen, geistvollen Reden die Herren Rabbiner Dr. Joseph Breuer und Dr. Rosen blüth; Redakteur S. Schachnowitz sprach für die Untergruppen der Jeschiwoh. Vom Kuratorium sprach Herr Rechtsanwalt Dr. Jsaac Breuer. Prachtvolle Einzel - und Chorgesänge wurden von stimmbegabten Bachurim zu Gehör gebracht und Herr Markus Wald sowie andere Hörer wußten ihre Ansprachen mit min zu würzen. Zuletzt kam das obligatorische Spiel daran und eine Tombola sorgte für die nötige Spannung. Krrichtttttg eines Sekretariats Bei der Agndas Iisroel-Iirgendgruppe Irankfurt a. W. Das erfreuliche numerische Anwachsen unserer Jugendgruppe und die daraus resultierende Ueberlastung des Vorstands mit Arbeiten technischer und organisatorischer Art machte die Errichtung eines Sekretariats erforderlich, das speziell mit der Erledigung dieser Geschäfte betraut ist. Der Vorstand hofft hierdurch eine schnellere Abwicklung der Korrespondenz und auch eine intensivere Jnnenarbeit der Jugendgruppe zu erreichen. Die Bürostunden sind festgesetzt für Montag, Mittwoch und Donnerstag von 6—9 Uhr abends, .Dienstag, von 6—7 Uhr .undnav iramoon 7—8 Uhr., Der Zu-> tritt zum Büro ' ist während dieser Stunden nur -> in Sekretäriatsangelegenheiten^ gestättM

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