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Der Israelit · 1923-11-22 · Heft 47 (22.11.1923) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
64 (1923)
Issue
Heft 47 (22.11.1923)
Date
1923-11-22
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 Nr. 47 22. November 1923 Der Israelit roenn auch die Erfüllung der Pflicht von Iifchuw Erez Israel ihm mildernd angerechnet wird. Daraus ableiten zu wollen, daß die thorafremden Elemente, die nicht etwa aus Mizwohpflicht, sondern aus ganz anderen Motiven heraus den Weg nach Palästina finden und dort unter Mißachtung aller jüdischen Lebensmöglichkeiten, ja aller jüdischen Lebensnotwendigkeiten ein religionsloses und thorafeindliches Leben etablieren, bessere Juden wären und Gott näher ständen als die Frommen in der Diaspora, dazu gehört schon eine gute Mischung von Parteigeist, Ignoranz und Verdrehungskunst. Rabbi Samuel Mohilever ist über den Verdacht erhaben, solches und ähnliches gesagt zu haben. Als dämmerte dem Artikelschreiber selbst die Unzulänglichkeit seiner Beweise auf, sucht er nach andern Stützen und findet sie im Jalkut zu Echo Kap. 3. Die Stelle lautet: nax nmx ixavrn pxn bv D’urp ^xw rra ■'rron 1'xvvvw '"svx bxntr pxn v.t 'xi!?n xin *pn wnpn r»aa luv'V nsn n''np»“w ipoa nx nv' nwi »nnix y’im luv'w nan nmnn nx ina^' x^ dx ^x isnxn •jrnaw’i Den Schlüssel zum Verständnis dieser und ähnlicher agadischer Stellen bietet grade nxVsn durch die von ihm geprägte Formel, daß es sich hier lediglich um die „Verherrlichung des jüdischen Landes" um ^xnv?'pxn!?va handelt. Für die Verfasser solcher Agadasätze war der Gedanke, daß der Aufenthalt in Erez Israel ein Ersatz für die Thorapflicht sein solle, etwas so Absurdes, daß sie eine solche Annahme auch bei ihren Hörern nicht zu befürchten brauchten und darum kühn genug sein durften, in poetischem Schwünge die höchste und letzte Sühnewirkung als sichere Frucht des Wohnens auf dem heiligen Boden zu verkünden. Sehen wir ganz davon ab, daß man aus agadischen Aussprüchen keine halachischen Konsequenzen zieht, so muß sich uns doch die Frage aufdrängen: Warum hat denn Gott Israel aus seinem Lande in die Verbannung gejagt, wenn es ihm wirklich lieber sein sollte, daß seine Söhne in der Unreinheit der Thoraabgekehrtheit in seinem Lande verharren, als daß sie in den Ländern des Golus seine Thora Hallen? Warum gibt Gott auf die Frage des Propheten nnnx na bv pxn t»ie glatte Antwort: 'nnin nx vurp in? Es wird sich empfehlen, nicht mit der Parteibrille, sondern unter jüdischen Gesichtspunkten sich die Agadastelle noch einmal anzusehen. Man wird darin den Schmerz des Vaters über die Verbannung seiner Söhne sich abspiegeln sehen. ohne versucht zu sein, solche gefährliche Irrlehren daraus zu ziehen, wie es zionistische Kreise hier zum soundsovielten Male tun. Wochenrmrdschau. Der jüdische Kongreß in Amerika und die Orthodoxie. Man kann nicht sagen, daß der amerikanischjüdische Kongreß irgendwelche Spuren im jüdischen Leben hinterlassen hätte. Außer der Rede Zangwills, die gewiß keine Offenbarungen enthielt, hat der Kongreß kaum ein nennenswertes Moment gezeitigt, mit dem sich die jüdische Oeffentlichkeit ernstlich zu befassen hätte. Eine Lehre hat der Kongreß immerhin gebracht, die alte ewig neue Erfahrung, daß für die Orthodoxie kein Raum ist in den großen Sälen, in denen unter souveräner Führung von religiös liberalen Kreisen getagt und beraten wird. Aus Berichten der amerikanisch-jüdischen Presse ist deutlich genug zu entnehmen, wie die orthodoxen Delegierten auf diesem Kongresse behandelt wurden. Man hatte wenig Sinn und Interesse für ihre Wünsche und Forderungen, aber man legte Wert darauf, daß sie mit dabei waren. Die orthodoxe Reklamenmarke war nötig, weil man in den Massen des amerikanischen Iudentums, unter denen sich leider viele Laue und Matte, aber wenig überzeugte Abtrünnige befinden, noch etwas auf die Meinung der Orthodoxie gibt. Als Aushängezettel sollte sich doch aber die Orthodoxie nicht brauchen lassen. Wenn von einem jüdischen Kongreß ernstlich die Rede sein soll, so muß er vom Vertrauen der jüdischen Bevölkerung getragen sein. Und dieses Vertrauen kann nur gewonnen werden, wenn der Kongreß durch seine Zusammensetzung die Gewähr bietet, daß nichts gegen die Religion und das jüdische Empfinden unternommen wird. Freilich muß erst eine organisierte Orthodoxie d a sein, wenn sie den Anspruch erheben will, Führerin oder mindestens gleichberechtigte Mitberaterin auf dem Kongresse zu sein. Solange Amerika diese straffe orthodoxe Organisation nicht hat, kann eben ein solcher jüdischer Kongreß nicht stattfinden. Daß einzelne Gesetzestreue sich auf eigene Faust an einer Rumpfversammlung beteiligen, macht 'diese noch nicht zu einem Jüdischen Kongreß. Es muß der Orthodoxie in Amerika und auch anderswo endlich klar werden, daß ihre Zusammenarbeit mit andern Organisationen nur dann möglich und gedeihlich sein kann, wenn sie als eine feste in sich geschlossene Organisation die Kraft in sich verspürt, allen fremden Einflüssen gegenüber ihre Grundsätze zu vertreten und zu verteidigen. Wo diese Voraussetzung nicht gegeben ist, ist eine Beteiligung Einzelner nur von Schaden. Nur ein Beispiel. Gäbe es wirklich eine organisierte Orthodoxie in Amerika und sie wäre entsprechend ihrer Stärke und ihrer Autorität im Volke auf dem Kongreß vertreten gewesen, man hätte sich keinen Zangwill aus London verschrieben, der mit dem Zionismus, seinem früheren Götzen, auch den alten Gott Israels verlachte, der schon früher wiederholt erklärte, Shakespeares Werke seien ihm mehr als ' die Schriften der Thora. Der jüdische Kongreß mit der Handvoll orthodoxer Mitglieder ließ aber den Mann kommen'und schlug sich damit, indem er der Orthodoxie eins versetzen wollte, ins eigne Gesicht. Die Lebensnotwendigkeit des Zusammenschlusses für die Orthodoxie ist, wenn sie noch eines Beweises bedürfte, durch den amerikanischjüdischen Kongreß von neuem bis zur Evidenz erwiesen. —- / Die nationaldeutschen Juden und die jüdische Not. Wie die Blätter melden, befaßte sich eine Mitgliederversammlung des „Verbandes nationaldeutscher Juden", Ortsgruppe München, mit der Frage der Judenausweisungen. In der Versammlung trat die Auffassung zutage, daß vom Standpunkt der nationaldeutschen Juden grundsätzlich gegen die Ausweisungen nichts einzuwenden sei, die sich gegen wirkliche Schädlinge am deutschen Volkstum richten, sofern sinnlose Härten vermieden und die Angebereien von judenfeindlicher Seite nicht ohne schärfste Prüfung des Tatbestandes zugrunde gelegt werden. Weiter kam zum Ausdruck, daß die nationaldeutschen Juden gewillt sind, sich auch durch Bedrückungen und Zurücksetzungen in der Liebe zum deutschen Vaterlande und in der Mitarbeit an den nationalen Aufgaben nicht beirren zu lassen. Daß die nationaldeutschen Juden überall dabei sein müssen, zu den Berliner Ausschreitungen wie den Münchener Ausweisungen ihr gewichtiges Wort sagen müssen, ist schon nachgerade selbstverständlich. Die Münchener Ortsgruppe hätte aber wohl die Möglichkeit, an Ort und Stelle das zu erfahren, worüber auch wir hier orientiert sind, nqmlich, daß es sich bei den Ausweisungen nur um einige wenige Personen handelt, die einmal wie unzählige Andere aller Konfessionen und Landsmannrmm bannt vorausgesetzt werden kann, deutet auch die obige Maffaro an: cD'nb^lVü'' „erquicket euer Herz", aber wenn.ihr euch dem Genüsse hingebt, nIp^in^ DDab »sollet ihr euer Herz den (zerstörten) Bollwerken Zions zuwenden-, an Zion nicht vergessen. Dafür winkt euch der Lohn □rT'X'i'i „dann werdet ihr Zion in seiner ganzen Pracht und Herrlichkeit dereinst sehen und euer Herz wird sich bei seinem Anblick freuen." Denn, so bemerken unsere Weisen, "ijn nm? ny üaanan bz »wer über Jerusalem trauert, der wird des Glückes teilhaftig werden, sich über feinen Wiederaufbau zu freuen." Kurze Bemerkungen zum ersten Buche der Thora.'' Von Rabbiner Dr. Kekir Kanter, Amittau (Mähren). (Fortsetzung.) »Und erquicket euer Herz (am? n^Dl). Der Ausdruck kommt nach der Massora außerdem noch zweimal vor: DD::2? liw (wendet euer Herz ihren Bollwerken zu") und □mx'T) (ihr werdet sehen und euer Herz wird sich darüber freuen"). Pflicht eines jeden 'H'irv ist es, bei jeder sich darbietenden Gelegenheit an Zion und Jerusalem zu denken. Dies gilt namentlich bei freudigen Anlässen, nach dem Ausspruch des Psalmisten nx ’innDttf wxn bv gwiti nx n^x x> Daher sind wir verpflichtet, -namentlich bei freudigen Anlässen ein?mirD "DT zu machen. Dies alles, das als be- ..drei Maß Mehl, feines Mehl (n!>D).“ Im Talmud (Baba Mezia 87 a) wird aus diesem Verse der Schluß gezogen, daß Frauen fremde Gäste nicht gerne sehen und bewirten - (-vpy iXDQ D'iiT-nxD ms), denn Abraham befahl, gewöhnliches Mehl (dep) herbeizuschaffen und Sara, seine Gattin, besorgte seines Mehl (n^D). Hier drängt sich unwillkürlich die Frage auf. mit der sich schon viele Schrift- und Talmuderklärer befassen: Aus diesem Berichte sei doch gerade das Gegenteil ersichtlich, daß nämlich Frauen fremde Gäste mit besonderer Liebenswürdigkeit empfangen? Aus den verschiedenen Antworten seien hier noch folgende erwähnt. Gerade aus dem Umstande, daß Sara für die Gäste besonders feines Mehl herbeischaffte und daß die Heilige Schrift, für wichtig erachtet, diese Tatsache besonders hervorzuheben, gehe klar hervor, daß andere Frauen fremden Gästen gegenüber sich nicht so zuvorkommend zu benehmen pflegen. Unsere fromme Stammutter Sara bilde eben eine rühmliche Ausnahme von der Regel und — von den andern Frauen. — Uns aber will es bedünken. daß, weil Abraham, dessen seltene Gastfreundschaft zur Genüge bekannt ist, sich so vorsichtig ausdrückte, zuerst von HD* (gewöhnlichem Mehle) und dann sich selbst gleichsam korrigierend und zögernd n^v (feines Mehl) hinzufügte, daß daraus der Schluß abgeleitet werden kann, daß Frauen nicht so gastfreundlich seien. Denn sonst hätte Abraham gleich den Auftrag erteilt, ndv herbeizuschaffen. . »Und Abimelech sprach: Ich weiß nicht, wer dieses getan hat; und auch du hast es mir nicht gesagt, und auch ich habe es nicht gehört usw." Dieses doppelte tm („und auch") scheint hier nicht angebracht zu sein und bereitete schon vielen Schristerklärern eine gewisse Schwierigkeit. Man faßte nämlich den ganzen Satz so aus. als enthielte er nur eine Rechtfertigung Abimelechs. In Wirklichkeit enthält dieser Vers einen Dialog zwischen Abimelech und Abraham, bezw. zwischen ersterm und seinem Feldherrn Phichol. Abimelech entschuldigte sich damit, er wisse nicht, wer dieses getan habe. Die Worte nnan x2? nnx om sind an Phichol gerichtet: „Auch du (Phichol) hast mir dies nicht erzählt!" Woraus dieser zur Antwort giebt: „Auch ich habe es nicht gehört, bis zum heutigen Tage." (Fortsetzung folgt.) *) Nach »Jalkul Hadrusch". i. Teil.

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