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Der Israelit · 1923-11-15 · Heft 46 (15.11.1923) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
64 (1923)
Issue
Heft 46 (15.11.1923)
Date
1923-11-15
Page
– (sequence 10)
Language
German
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ßr. 4« feulllelon Beilage Aus dem Ungarischen. (Fortsetzung.) All dieses erzählte mir Iuda Kraft fast in einem Atem, ohne zu stocken, mitten im Gelage, bei dem wir uns die Kraft und den Mut für den nahenden Tod antrinten wollten. Die Andern tranken, sangen und johlten, Juda Krafl erzählte und redete sich in Begeisterung über das Schmiedehandwerk hinein. Da entdeckte ich, daß Kraft fein Glas noch nicht angerührt hatte. Ich bat, er möchte doch trinken, aber er antwortete abweisend. „Daß mich Gott davor behüte, ein Schmied trinkt nicht. Er bedarf nicht des Alkohols, um sich Mut anzutrinken. Er hat seine Kraft in sich." Auch bei den früheren gräßlichsten Angriffen hatte er nie getrunken. Und als die Parteien wie die Bestien aufeinanderstürzten mit Schießen und Stechen, bewegte er sich, Iuda Kraft, zwischen den Feuern an den gefährlichsten Stellen, um Verwundete aufzulesen, fortzutragen und zu verbinden, sie zu trösten, ihre Schmerzen zu lindern, sie unter sicherer Deckung zu laben, und Anordnungen zu treffen für seine Leute. 25 Mann standen unter seinem Kommando, daß sie da hingingen und dort hingingen, ohne Lebensgefahr zu scheuen. Und all dieses ohne Tropfen Alkohol. Wir baten ihn, er möchte es aber diesesmal doch tun, uns zu lieb. „Ich danke, ich trinke nicht." Die ganze Kompagnie stand auf und trank ihm zu. „Auf das Wohl des Unteroffizier Iuda Kraft, er lebe hoch! . . ." Ich sah nun, daß es dem jungen Soldaten gelungen war, was uns mit all unseren Befehlen nicht gelungen wäre. Er brachte neues Leben, flößte den Leuten neuen Mut ein, nicht Taumel und Rausch, nicht die Narkose des Gelages. Es war richtiger Mut aus sich heraus geschöpft, aus dem Glauben an eigene Kraft. Das Beispiel des Jungen, der wie eine höhere Erscheinung in unseren Kreis trat, hatte ein Wunder vollführt. Da mitten im Gespräch und Gelage das Telephon. Ich trat an den Apparat und nahm den Befehl entgegen. „Zehn Mann gehen voraus, südwestlich, von wo Feind anrückt, in Gegend orientieren . . ." Der Befehl wirkte ein bißchen ernüchternd auf die Zechenden. Ich suchte die zehn Mann aus und gab ihnen die besten Wünsche auf den Weg mit. Da trat Iuda Kraft an mich heran, richtete sich militärisch stramm auf, und sprach: „Melde gehorsamst, Herr Leutnant, ich gehe mit." „Nein, Kraft, du bist Sanitäter." Iuda Kraft wich nicht vom Platz. Herr Oberst wünschten, daß ich mitgehe. Die Patrouille braucht auch einen Sanitäter. Da war nichts zu machen, Befehl des Oberst. Und es gab mir einen Stich ins Herz, als ich dem Iungen sagen mußte: „Wenn dem so ist, dann gehe denn!" )er Israelit Da geschah etwas Wunderbares. Alle, die sich bis dahin gedrückt hatten, standen auf wie ein Mann, drängten sich an mich Heran und baten, mit hin zu dürfen. Mit Iuda Kraft wollten sie alle mit. Nach einigen Minuten rückte die kleine Abteilung, Iuda Kraft in der Mitte, ab, zog in die Nacht hinaus, und verschwand in dem finsteren Dunkel, wo Tod und Verderben aus allen Schluchten lauerten. Ich konnte es nicht unterlassen, ganz unmilitärisch Iuda Kraft nachzurufen: „Sei stark, mein Lieber, und fasse Mut, und komme wieder gesund heim!" Und aus dem tiefen Dunkel antwortete eine helle Kinderstimme: „Zu Befehl, Herr Leutnant, dürfen auf mich vertrauen, ich bin Schmied!" (Schluß folgt.) Elia. Gin prophetisches Kßarakterßikd nach Biöek, Aakrmrd und Midrasch. Von Oberrabbiner Dr. Adolf Attrnann in Trier. Sabbatausgang am Abend, wenn bei Wein, Gewürz und Licht der Habdala-Grutz dem scheidenden Tag der Ruhe nachgerufen wird und die Woche der Arbeit und der Sorgen anhebt, schlägt der gläubige Iude den Sidur auf und liest daraus neben anderen religiösen Gesängen einen eigentümlichen Hymnus. Er gilt der Anrufung einer Gestalt aus der Bibel, die der jüdischen Volksseele am lebendigsten erhalten geblieben ist: die ihr in allen Noten und Kümmernissen, aber auch in allen Freuden des Lebens eine Quelle der Hoffnung, des Trostes und des Segens bedeutet. Es ist die Gestalt Elijahu hanabis, Elias, des Propheten. „O, mö'g' er baldigst zu uns kommen und uns bringen den Messias, den Sohn Davids". So lautet der Kehrreim des rührend innigen Hymnusses, der in kurzen aber treffenden und feinsinnigen Versen die an Taten und Wunden reiche Geschichte dieses einzigartigen Mannes besingt. Wenn Gott ein jüdisches Ehepaar mit dem in Israel als süßestes Glück geltenden Segen bedenkt, mit einem Kinde, einem Knäblein, und es kommt der achte Tag des jungen Lebensgeschöpfes, da an ihm das abrahamitische Bundeszeichen vollzogen werden soll, wer ist es wieder, der allein von allen Propheten und Gottesmännern der Vorzeit in der feierlichen Stunde des freudigen und ernsten Aktes genannt, ja geradezu herabbeschworen wird, — Elia. Ein festlicher Sitzplatz mit der besonderen Bestimmung lautend: „Dieser Stuhl für Elia, zum Heile sei seiner gedacht" wird ehrerbietigst vorbereitet und der Vollzieher des Goltesgebotes spricht singend und betend die Formel aus: „Elia, o Bote des Gottesbundes, tritt mir zur Rechten und stütze mich." (Vgl. Ialkut Parschas Balak.) Wenn wir täglich nach eingenommener Mahlzeit, Gott, den Geber alles Guten preisen und um seine weitere milde Gnadenspende beten, da vergessen wir wiederum . des Glücksverkünders nicht und sprechen im Tischgebete: „O, Allerbarmer, mögst Du uns senden Elia, den Propheten, sein Andenken sei gesegnet, daß er uns verkünde Botschaften des Heils, der Hilfe und des Trostes." Auch noch bei verschiedenen anderen Anlässen erbaut sich die jüdische Seele an der Vorstellung von der Ankunft Elias. Dieses geschieht in ganz besonders feierlicher Weise am Pessachfeste, bei der Sederfeier. Wenn nach dem Tischgebete bei dieser weihevollsten aller jüdischen Familienfeiern der Kelch zum vierten Male eingeschenkt wird, wird die Türe weit geöffnet. Alle Tischgenossen erheben sich in Ehrerbietung und vor der Rezitierung angemessener Schriftverse spricht der Anordner des Seder die feierlichen, einladenden Worte aus: „Boruch haboh!" Gesegnet der Kommende." Es gilt damit das Erscheinen Elias zu begrüßen. Es geht nämlich bei uns Juden die uralte, die Jahrtausende überdauernde fromme Ueberlieferung, daß in der Sedernacht, der Nacht der besonderen Gotteswache, Elia, der Prophet, über die Erde schreitet und in den frommen Häusern Israels Einkehr hält. Wenn nun die Türe aufgeht, zieht ein mächtiges Erschauern, ein heiliges Ahnen durch die gläubige jüdische Seele und die religiöse Vorstellung sieht im Geiste den zum Friedensboten eingesetzten Glücksverkünder Elia über die Schwelle schreiten, gleichsam die festliche Stätte in seinen besonderen Schutz nehmend. Wer war dieser Mann und wie war er, daß sein Andenken so hoch steht in manchem Belange selbst Moses und die Erzväter überragt und daß die Erinnerung an ihn allem Wechsel und Wandel der Zeiten zum Trotze nicht schwindet, vielmehr einem ganzen Volke wie ein lebendiges Sinnbild geblieben ist? Wir wollen erst sehen, wer er war, dann wie er war und endlich, warum uns seine Gestalt und sein Wirken aus seiner Zeit heraus für alle Folgezeiten eine Verkündung geblieben ist. I. Wer war Elia? Hier wird gewiß mancher eine umständliche mit Ziffern und Daten belegte Biographie erwarten. Das ist müßig. Elia gleicht auch hierin anderen großen menschlichen Persönlichkeiten und den meisten Gestalten der Bibel nicht, daß wenn man ihn beschreiben will, angesangen werden konnte mit der üblichen Formel: geboren dort und dort, am soundsovielten des Monats und des Iahres soundso, Sohn des soundso usw. Die Geschichte seines Erdenwandels, deren Blütezeit in die Jahre etwa 920—900 v. d. g. Z. fällt, führt uns, ohne sich erst philisterhaft und kleinlich in trockene Datenklauberei zu verlieren, mit einem Schwung ins Große sofort in die medias res seines mächtig nachhaltigen Lebens ein. In bestimmten Augenblicken, da die Wirksamkeitsaufgabe seines Lebens sich erfüllen soll, ist er eben plötzlich da, wie eine Naturnotwendigkeit, die hervorsprudelt, ohne erst anzukünden, woher sie kommt und wohin sie geht. Gleich die erste Kunde von ihm im llrberichte der Bibel führt ihn, ihn und den Ort seines Aufenthaltes nur kurz und flüchtig nennend, handelnd ein. And es sprach Elia, der Tischbi, von den Insassen Gileads zu Achab: „So wahr Gott lebt, der Gott Israels, vor dem ich gestanden, so in diesen Jahren Tau und Regen sein wird, wo nicht, ich es verkünde." (Könige I 17/1.) Damit beginnt seine Geschichte. Man hat vorher noch nichts von ihm gehört oder gesehen, man weiß nur, daß er ein Tischbite ist und zu den Insassen Gileads gehört, (ob das Wort Tischbi als Benennung etwa auf einen gleichnamigen Ort in Gilead oder eine' so benannte Priesterstadt im Ostjordanlande als seine Geburisstadt hinweist, mag hier dahingestellt bleiben) sonst nichts. Aber was tut das alles zur Sache,- er - ist da, stellt sich kühn vor den entarteten König seines verführten Volkes hin, schleudert ihm eine Botschaft des göttlichen Strafgerichtes ins Gesicht, macht die Abwendung des verkündeten Verhängnisses von seinen eigenen weiteren Botschaften abhängig und verschwindet wieder wie er gekommen. Wer und was er sonst ist, wer weiß es. Wo er seinen eigentlichen Wohnsitz hat, wer könnte es sagen. Achab läßt ihn durch Obadja

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