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Der Israelit · 1923-11-01 · Heft 44 (1.11.1923) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
64 (1923)
Issue
Heft 44 (1.11.1923)
Date
1923-11-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
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1. November 1923 Der Israelit Nr. 44 Seite 7 noch bemerkt, daß für Zölle und Porto etc. noch eine Nachzahlung gefordert werde. Ich war auch auf eine Nachzahlung von 2—3 Millionen vorbereitet. Zu meiner Verwunderung erhalte ich von der Buchhandlung am 17. September die Aufforderung, umgehend telefonisch 15 Millionen einzuzahlen und wenn das Geld nicht bis zum 19. eingehändigt sei, könnten die Waren nicht geliefert werden. 3cf) war empört über diese Zumutung und sandte sofort der Freien Vereinigung die Rechnung und Mahnung mit dem Wunsche, persönlich gegen diesen Wucher einzuschreiten. An dem oben befristeten Tage erscheint meine Tochter, die von dieser Korrespondenz nicht unterrichtet war, bei sragl. Buchhändler, um die längst bezahlte Garnitur abzuholen. Jedoch nicht die für diesen Tag verlangten 15 Millionen, sondern — man höre und staune — 63 Millionen werden dem ahnungslosen Mädchen herausgepretzt. Man sollte nur erwarten, daß ich nun Ansprüche aus erstklassige Ware erlangt hätte. Jedoch muß ich erklären, daß ich noch niemals, seitdem ich die Mizwo von Arbaminim ausübe, ein solch ausgesucht minderwertiges Lulow benützte. Dasselbe war vollständig vertrocknet, so daß jedermann glaubte, es stamme vom Vorjahre, das mittlere Blatt war gespalten, und außerdem war das Lulow sehr leicht und klein. Auch das Esrog war von der denkbar geringsten Sorte. Die Freude an der Mizwo war mir vollständig genommen. Nur die Befürchtung, vvn bün heroorzurusen, hielt mich zurück, diese wucherische Ausbeutung dem zuständigen Wuchergerichte anzuzeigen. Die Vergangenheit ist vorüber, geschehene Dinge sind nicht mehr zu ändern. Aber der Zukunft müssen wir ins Auge schauen. Es ist Pflicht der Gesetzestreuen, dem Publikum die Arbaminim zu erträglichen Preisen zur Verfügung zu stellen. Unter allen Umständen muß der Handel mit diesen heiligen Dingen den Wucherern entrissen werden. Vielleicht ließe sich durch ein Zusammenarbeiten der Agudat Iisroei und der Freien Vereinigung eine Regulierung dieser Angelegenheit in die Wege leiten. Eine wichttge Mizwo steht aus dem Spiel. Möge auch diese schöne Mizwo wieder zu ihrem früheren Rechte kommen! Fl. Fr. Frankfurter Berichte. Mitßetm Sojen Vor Wochen war es, am 3. September, in den Selichoth-Tagen, daß wir einen Mann zu Grabe getragen, von dessen Bedeutung in diesen Blättern, wenn auch nur in gedrängter Form, gesprochen werden soll: Wilhelm Posen, v,n 'S hätte er das 65. Lebensjahr erreicht. Ein schweres Leiden hat den sonst so arbeitssreudigen, tatkräftigen, nimnrermüden Mann in den letzten Jahren seines Lebens zu einem stillen, resignierten Dasein gezwungen. Wohl sah er seine Söhne nach Beendigung des Weltkrieges heil nach Hause zurückkehren, er selbst jedoch war ein Opfer dieser schweren Zeit geworden. Wilhelm Posen war eine Persönlichkeit, eine schlichte, aufrechte, selbständige Natur, getragen von Wahrheit und Gerechtigkeit. Kein Freund diplomatischen Derhandelns, scheute er nicht den Kampf, wenn es galt, hohe und höchste Güter zu verteidigen. Das von ihm nach reiflicher Erwägung einmal als das richtige Erkannte führte er selbst aus Kosten langjähriger Freundschaft durch, da sein ganzes Wirken und Schaffen a'aw geschah. Was unsere Weisen mit dem Wörtchen flaiP1? bezeichnen, hat Absicht und Ziel aller seiner Handlungen bestimmt. Einer Generaionen hindurch angesehenen Lamdonimfamilie entsprossen, von seinem gelehrten Vater R. Salmon Posen ^'^l selbst rniflr? izpS erzogen, kannte er nichts Höheres, als die Traditionen seiner Ahnen treu und gewissenhaft weiterzuführen. Sein Leben war, wie wir es täglich im Gebete für uns erflehen, ganz von dem Streben erfüllt, „Gottes Lehre zu verstehen, zu begreifen, zu lernen, zu lehren, zu überwachen, auszuüben und aufrechtzuerhalten." Nie hat man Wilhelm Posen, auch nicht in seiner geschäftlichen Tätigkeit, ohne irgend ein isv zur Hand angetroffen. Thora zu lernen war ihm Bedürfnis, Thora zu verbreiten, höchste Befriedigung. Zu einer Zeit, wo in Frankfurt im Vergleich mit der Gegenwart wenig gelernt wurde, hat er m seiner Wohnung Fischerfeldstratze Kinder, Jünglinge und Männer in gesonderten Schiurim am Sabbat und an Wochentagen — oft bis in die späte Nacht hinein — mit dem Geiste unserer p^asn bekannt gemacht und sie gelehrt, aus dem nie versiegenden Borne talmudischer Weisheit zu schöpfen. Durch stetiges Lernen und Lehren ward er zu einem großen pa1?* Als junger Mann erwarb er sich das Verdienst, den dritten und vierten Teil des j/nt auf eigene Kosten zum ersten Mal im Drucke erscheinen zu lassen, und dieses so bedeutsame Werk den Talmud gelehrten zugänglich zu machen. Seine Vertrautheit mit v"y> und B'pDIS gab Anlaß, daß er verhältnismäßig früh in die Ritualkommission der israelitischen Gemeinde gewählt wurde, wo er bald neben den älteren Mitgliedern eine achtunggebietende, ja führende Stellung einnahm. Was Wilhelm Posen in diesem Gremium im Verlauf von Jahrzehnten geleistet hat, müßte anderweitig ausführlich dargestellt werden. Nur eines sei hier angemerkt. Er pflegte oft zu sagen: Unsere Institutionen, wie W31 Nv'Mb .fllp» etcmüssen so beschaffen sein, daß sie jederzeit der strengsten Prüfung auch von gegnerischer Seite standhalten können. Wann' und wo es sich um die tq2 bandelte, immer fand man Wilhelm Posen aus dem Plan. Viele Jahre war er als n*?Sri am 2"' 3U Hfpa tätig und am Börneplatz und im israelitischen Waisenhaus. Besonders aber lag ihm am Herzen, daß der Frankfurter Minhag rem und unverfälscht in und außerhalb .der Synagoge erhalten blieb. Kaum einer der jetzigen Generation ist zu finden, der mit solch liebevoller Treue, mit so tiefem Verständnis und reichem Wissen den Frankfurter Minhag pflegte wie Wilhelm Posen. Die Zusammenstellung und Herausgabe der rnrr^O 'a' 'iniö für die vier Frankfurter Fasttage im Jahre 1397 ist die Frucht dieser seiner Anhänglichkeit an die religiösen Bräuche der alten Frankfurter jüdischen Gemeinde. Kein Wunder, daß auch der gelehrte Forscher und Historiker vertrauensvoll und nie ohne Erfolg sich an Wilhelm Posen wandte, sobald es der Bearbeitung irgendeines Zweiges der Frankfurter jüdischen Lokalgeschichte galt. Es bleibt nur noch übrig, von Wilhelm Posens Betätigung auf dem dritten Gebiete, das nach einem Ausspruch unserer Weisen als „welterhaltend" bezeichnet wird, in Kürze zu berichten. Als Mitglied der cnsn KPHp war es ihm vergönnt, mehrere Jahrzehnte hindurch, die große mxa von ION an den Verstorbenen zu üben. Auch hier war er auf die strenge Jnnehaltung und Durchführung der durch das Alter geheiligten Satzungen bedacht. Als die Statuten dieses Vereines im Jahre 1890 dem Druck übergeben wurden, sehen wir Wilhelm Posen bereits so innig mit Werden und Sein der ‘p jnsn vertraut, daß er, obwohl eines der jüngsten Mitglieder, dazu berufen erschien, den historischen Anhang zu den Statuten niederzuschreiben. Handschriftliche Aufzeichnungen ergeben, daß es in der Absicht des Verstorbenen lag, eine ausführlichere Darstellung der Geschichte und Entwicklung der beiden Frankfurter 7)1")3N liefern. Möge der Verein einen Bearbeiter finden, der mit ebensolcher Gründlichkeit und Liebe zur Sache, wie die Darstellung begonnen wurde, dieselbe auch zu Ende führen, und mögen dem Judentum weiterhin Männer erstehen, die HßWb für es wirken und schaffen, wie es Wilhelm Posen sein ganzes Leben hindurch getan hat. Jüdische Arauenvereirngung. In der Jüdischen Frauenvereinigung beginnt das Semester der geistigen Arbeit diesen Sonntag mit einem Vortrage des Herrn Rabbiner Dr. Jos. Breuer über das Thema „Vom Sabbatfrieden der Woche". _ Der Vortrag findet Sonntag nachm. 6 Uhr im Hörsaale Fnedberger Anlage statt. Arbeitsnachweis. Die Berufsberatung und Arbeitsnachweis für Juden E. V., Frankfurt a. M., Börnestr. 54/56 bittet. uns, mitzuteilen, daß sie im Stande ist, für Beschäftigung jeglicher Art, auch Teppichklopsen, Kohlentragen, Parkettputzen kräftige Arbeiter zu empfehlen. Schließt Kure Betriebe am Areitag pünktlich! Auf eine Eingabe des Angestelltenausschusses der Agudas Jisroel-Jugendgruppe Frankfurt an das Rabbinat der Israelitischen Religionsgesellschaft erwiderte unter dem 17. ' Sept. Herr Rabbiner Dr. Salomon Breuer: „Ich bestätige Ihnen den Empfang Ihres w. Schreibens vom Ende voriger Woche und nehme gerne Kenntnis von Ihrer dankenswerten Tätigkeit zur Vertretung der Interessen der jüdischen Angestellten, insbesondere auf dem Gebiete der Sabbatheiligung. Es ist selbstverständlich, daß die Ihnen angeblich in meinem Namen gemachte Aeußerung, als ob _ das Schließen des Geschäftes Zeit hätte bis 30 Minuten nach Synagogenbeginn, niemals von mir getan wurde, weder in diesem noch in einem ähnlichen Sinne. Es ist vielmehr Pflicht eines jüdischen Arbeitgebers, dafür Sorge zu tragen, daß zu Be-! ginn der Gebetzeit am Freitagabend seine Angestellten die Möglichkeit haben, in der Synagoge zu sein." Agudas Jisroel Jugendgrnppe. Unter Leitung des Herrn Dr. Rothschild findet Abend 8.30 Uhr, Hanauerlandstr. 17, ein hebr. Schreibkurs statt. Als Einleitung zu seinem ai'N-Schiur (s. Lehrplan) wird Herr Dr. Rosenblüth am Montag, den 5. November, abends 8.45 Uhr, Hanauerldstr. 17, einen Vortrag über das Buch ai'K halten. Gäste willkommen. Arbeitsgemeinschaft. Die Vorbesprechung zu der angekündigten (s. Lehrplan) unter Leitung des Herrn Refr. Jfaac Rosenh e i m stehenden Arbeitsgemeinschaft über die Besprechung ausgewählter Abschnitte aus (im Anschluß an die laufende Sidrah) wird am natP um 12.30 Uhr Vorm., Hanauerlandstr. 17, stattfinden. Geschichtsnorträge. Die Geschichtsvorträge im Mekor Chajim beginnen diesen Sonntag 6 Uhr abends mit einem Vortrag des Herrn Red. S. Schachnowitz über „Nachwehen und Nachwirkungen der Sabbatai Zewi- Bewegung und die Haltung Frankfurts". Bereinskalender. Verein Wekor ßyajim. Freitagabend nach Schul „Mikrovortrag" Herr Hermann Frankenthal. Samstag vorm, nach Schluß der Synagoge im Hörsale „Dinim"; Herr Rektor Falk, — nachm. 3IA Uhr Dpyi py im Vereinslokale: Herr Red. S. Schachnowitz. Sonntag vorm. 9 Uhr und Dienstag abend 6 Uhr im Vereinslokale „Gemoro", Herr R. A. G. Posen. — abends 6 Uhr im Vereinslokale Langestraße 18, Geschichtsvortrag „Rachwehen und Nachwirkungen der Sabbatei Zwi-Bewegung." Montag und Mittwoch abend 7 Uhr „Gemoro". Herr Rabb. Dr. Jos. Breuer. Donnerstag abend 7 Uhr im Vereinslokale „Mischna": Herr Rektor Falk. Allmorgendlich nach Schul Mischnalernen bezw. Dinim im Hörsale. Allabendlich 83/4 Uhr im Vereinslokale D"V-Lernen. Herr H. Halpern. Iahrzeit Stiftungen: Sonntag Awigdor Posen-Stistung. Freitag Julie Lißmann geb. Kallmann-Stistung. Pauline Lehrmaan geb. Ephraim-Stistg. Agudas Aisroet-Sugeudgruppe. Freitagabend nach Schul „Sidravortrag" für Herren u. Damen, Herr Dr. W. H o f m a n n. — abends 8 Uhr, Langestratze 18, gemütliches Beisammensein. — 8—1 lausende Sidroh mit Raschi. Herr M. Nowak. MV den 8. Sept. Vorm. 9V2—11 pErrr»*- mtil Herr Dr. I. Pose n, Am Tiergarten 42. 3. — Vorm. 1/2II-V2I2 Herr Dr. Hofmann, Eschenheimeranlage 1 pt. — (Vorm. V2—V2I2 Kizzur Schulchan Aruch, Herr Louis Kahn. — 11—12 rTDN DM. Hermann Frankenthal. — 12—1 □T1DS ‘Dl sürFortgeschr., Herr Halpern. — 12—1 i“Dn, Herr Lehrer Hirschberg.— 1h2—3 Uhr nachm., Raschi, (lausende Sidroh) Herr M. Nowak,— 3—4 Uhr Nachm, bin ^Pl (Hilchaus Schabbos), Herr Nowak, anschließend nniD. — 3-4 dtidd ‘Dl Herr Dr. Rothschild.ly^ *D“> Herr Dr. H 0 smann. Sonntag. 8—9 Vorm. — rrnn bv 'vn Herr Leopold Oppenheimer.— 8^/4—9XU Dorm. Gemoro Herr Michael K 0 h n. — 2—3 nchm. MIVD ny>D. Herr Dr. Rothschild. Montag 8—9 abends niD^D für Fortgeschrittene, Herr Hermann Hirschberg. — 1li9—l/210 abends nn DIN', Herr Dr. Rothschild. 9—10 abends -pyp y "ty, Herr Hauptlehrer Eschwege. Dienstag x/29—1/210 abends Gemoro, Herr Michael Kohn.— 1jß—1hl0 abends psp lyiD ‘DD, Herr Dr. Hosmann.— Mittwoch */29—J/210 abends m# 'in, Herr Mich. Kohn.— 1hd—1j2io abends dtidd *dd, Herr Dr. H 0 fmann: Donnerstag 8—9 abends Nl'DVD für Fortgeschr. Herr Herrmann Hirschberg.— '/29—i/«l0 irpN, Herr Dr. Rosenblüth. Agudas Iisroek-Wädchertgrirppe. Freit ä'g abend nach Schul Sidrohvortrag, Herr Dr. W. Hosmann. — Gemütliches Beisammensein bei Herrn Joel Sänger, Rothschild-Allee. MV nach Schul vormittags n^Nm rü'Kä.— 11—12 rvdN' ipiD, Herr Hermann Frank enthal. — */212—1/21 nrgnn, Herr Louis Kahn.— 4—5 NM. VD1N, Herr Lehrer Hirschberg. Sonntagabend Zirkel für Ansänger und Fortgeschrittene von xk9—V2IO. Montag 9—10 abends Duraa, Herr S. Unna, Kl. Obermainftr. 30. Dienstag □vpi Herr Dr. Weger. M i t t w 0 ch 1I29—l/210 Lese- und Ausspracheabend, Frau Oberlehrer Bär, Fischerseldstr. 4. Donnerstag xk9—V2IO abends Hiob, Herr Dr. Rosenblüth. xlj9—10 Handarbeitsabend. Jüdische Jrauenvereiniqnng. Sonntag, 4. November, abends 6 Uhr. Vortrag' des Herrn Dr. Joses Breuer im Hörsaale Friedberger Anlage. Thema; Vom Sabbatsrieden der Woche. Zerre Humne Irsroet» Samstag 51/»: nQN 'MO, Rabb. Benzion B e r - mann. Sonntag 8V2—91/»: nnn. Montag und Mittwoch 8flr—9fl2: rmniD Dienstag 81/»—91/*: cwn Donnerstag 81/*—9'U: iVy nn Hatmud-Hhora-Merein. Vereinslokal: Hörsaal Gemeinde- Synagoge Börneplatz. Freitag abend: Herr Oberkantor E. Groß. Samstag, 11—12 Uhr: „Schulchan-Aruch"; Herr S. U n n a. — 3xli Uhr: „Raschi zum Wochenabschnitt"; Herr Rabb.-Ass. L i p i n s k y. — 3U Stunden vor Nacht: „Mikro"; Herr S. Unna.

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